Hanya Yanagihara Ein wenig Leben

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Inhaltsangabe zu „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara

"Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch.

Ich hab beschlossen den Roman nicht mehr weiterzulesen. Ich hab schon einige Seiten übersprungen, ich kann das einfach nicht lesen.

— Pagina86

Ein Buch, dass jeder gelesen haben sollte. Aufwühlend, spannend und unvergesslich toll! ICH LIEBE ES!

— BeautyBooks

Tragisch, ergreifend, einfach einzigartig.

— 4Mephistopheles

ab S. 500 müsste man es hassen. Nur Voyeure behaupten, es sei "grandios", "brilliant", "großartig!" Es ist zutiefst krass und zu viel.

— Huebner

Ein inteisives, schmerzhaftes, forderndes aber auch schönes Leseerlebnis. Chapeau Frau Yanagihara!

— katzenminze

Eine atemberaubende Lektüre.

— Barbara62

Großartige Geschichte! Ich musste das Buch teilweise unterbrechen vor Grausamkeit.

— _wildautsum_

Ein wenig Leben handelt von der lebenslangen Freundschaft vierer Männer, die sich auf dem College kennenlernen.

— Anne_M

Ein großartiges Buch. Volle Leseempfehlung.

— Sikal

Großartig! Der beste Roman, den ich je gelesen habe.

— MrsAmy

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    Ein wenig Leben

    BeautyBooks

    15. October 2017 um 21:05

    Ein wenig Leben handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen. Ein wenig Leben ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Meine persönliche Meinung: Ein Buch, dass jetzt doch ein paar Monate ungelesen in meinem Regal stand, obwohl ich von Anfang an unglaublich neugierig auf diese Geschichte war. Mit so einigen Menschen da draußen habe ich mich über Ein wenig Leben unterhalten. Manche liebten es und so einige mochten es gar nicht. Viele haben mich wissen lassen, dass die ersten einhunderfünfzig Seiten anstrengend und verwirrend sind, aber dann lässt es einem nicht mehr los. Ich hatte Zweifel, dass es mir nicht gefallen könnte, da ich sehr sehr große Ansprüche an diese Geschichte hatte. Einen Tag vor meinem 2-wöchigen Urlaub am Meer habe ich mich dazu entschieden, den fast 1000 Seiten Roman mitzunehmen. Wenn ich jetzt keine Zeit dafür habe, wann dann? Ja, ich wollte dieses Buch in Ruhe lesen und genießen. Endlich konnte ich mich so richtig darauf einlassen und was soll ich sagen? Ich bin sprachlos. Ich weiß nicht ob ich die passenden Worte für dieses Buch finden kann, aber ich versuche es. Ein wenig Leben wurde in den Medien gehypt und gefühlt überall davon berichtet. Ich bin definitiv ein Werbungsopfer und werde sofort hellhörig, wenn so viele von nur einem einzigen Buch reden und berichten. Sofort war klar: Auch ich muss es lesen! Ich wollte wissen, warum alle von diesem Buch sprechen.  Bereits auf den ersten Seiten war mir klar, warum dieses Buch so viele lieben, obwohl lieben eigentlich das falsche Wort für diesen Roman ist. Es ist ein Buch, dass den Leser berührt, schockiert und völlig aufwühlend zurücklässt. Ich bin begeistert und habe schon lange nicht mehr ein so grandioses Buch zu lesen bekommen. Wir lernen vier Männer kennen, dessen Freundschaft etwas ganz besonderes ist. Gemeinsam gehen sie durch dick und dünn und das, seit sie sich am College kennengelernt haben. Der brillanteste und charismatischste von ihnen ist Jude St. Francis, ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Ein Mann, der mich mit seinem Leben gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Seit ich diesen Roman gelesen habe, denke ich tagtäglich an das Leben von Jude und seinen Freunden. Judes Welt ist dunkel und schmerzhaft, in das der Leser regelrecht hineingezogen wird. Ungeheuer treten nach und nach hervor. Das Herz schmerzt, der Kummer wird immer größer. Malcolm ist Architekt, Willem versucht sich als Schauspieler und JB ist Künstler. Vier Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch wiederum viele Ähnlichkeiten besitzen. Noch nie hat mich ein Buch so aufgewühlt. Schon lange hat mich kein Buch mehr zum weinen gebracht. Dieses Buch ist eine Erfahrung für jeden Leser, die uns Hanya Yanagihara mit Ein wenig Leben ermöglicht. Ein Roman, der definitiv von meinem Leben Besitz ergriffen hat. Eine Geschichte, die den Leser verrückt macht und zugleich verschlingt. Definitiv ein Meisterwerk! Wir haben es hier mit einem realistischen Roman und Märchen zu tun. Trauma, menschliche Güte und Erlösung sind in diesem Buch ein großes Thema. Wir begeben uns an die dunkelsten Orte, an die sich die Literatur überhaupt wagen kann. Stets durchbricht man während dem lesen aber immer wieder das helle Licht und gelangt zu Hoffnung, Liebe, Glaube und Stolz. Von der Handlung an sich möchte ich nichts verraten. Auch ich wusste nicht, worum es tatsächlich geht und habe mich einfach darauf eingelassen. Genau das, empfehle ich jeden, der dieses Buch noch vor sich hat. Lass dich entführen in das Leben von Jude und seinen Freunden. Du wirst es nicht bereuen und definitiv so schnell nicht mehr vergessen. Ich vergebe 6 von 5 Zebras!

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  • "Wenn du Kunden hast, musst du ein wenig Leben an den Tag legen...

    Ein wenig Leben

    Huebner

    ... du musst ihnen zeigen, dass es dir gefällt" (555)Und da ist Jude St. Francis gerade mal 10 oder 11 Jahre alt.Einem Impuls folgend würde ich Hanya Yanagihara (HY) die 2 Kg Papier gern vor die Füße schleudern und brüllen: Wieso? Wozu schreibst du dieses Buch? Weder ist es eine Biografie, noch ein Tatsachenbericht, noch liegen dem Erzählten irgendwelche real existierende Figuren zugrunde. Es belehrt nicht, es bildet nicht, es schockiert einfach nur und macht traurig. Es ist eine Aneinanderreihung von Schrecknissen, die hier einem Jungen von 8-15 Jahren angedichtet werden und deren Dämonen er bis ins weite Erwachsenenalter nicht loswird. !!! Achtung Spoiler!!!Wozu also? Es gibt hunderte, aberhunderte Berichte von Opfern sexuellen Missbrauchs. Man kennt die furchtbaren Einzelheiten mittlerweile aus Missbrauchsskandalen, egal ob im Internat oder im Milleur geschehen.Dass das Lesen dieses knapp 1000seitigen Buches so schwer fällt, ist nicht dem Stil, sondern der Grausamkeit, die Jude St. Fransis widerfährt, geschuldet. Und die Tatsache, dass es nicht stimmen kann, nicht stimmen soll, nicht stimmen darf.Es kann/darf/soll nicht sein, dass ein Baby auf einer Mülltüte ausgesetzt wird, dass es als einziges Kind in ein Kloster kommt, hier Prügelstrafen, sexuellen Missbrauch erfahren muss, dem falschen "Bruder" vertraut, mit ihm aus dem Kloster flieht, von ihm, achtjährig, zur Prostition gezwungen wird, von ihm missbraucht wird, von ihm unterrichtet wird: in schulischen wie autoagressiven Verhalten, Verhalten gegen sich, den eigenen Körper, das ihn nie mehr losalssen wird, von der Polizei aufgegriffen wird, in ein Heim gesteckt wird, von Heimbetreuern immer wieder vergewaltigt wird, sich bald als Stricher identifiziert, weil er nichts anderes kann, aus dem Heim flieht, per Anhalter von Truckern missbraucht wird, von Geschlechtskrankheiten zerfressen von einem Psychiater aufgesammelt wird, zwölf Wochen weggesperrt, aufgepeppelt, wieder nur missbraucht, schließlich laufen gelassen wird, laufen so lange, bis er nicht mehr kann, dann von dem Mann überfahren wird, ins Krankenhaus kommt, hier von Sozialarbeiterin Ana gelehrt wird, zu reden, das Reden nicht bis zum Schluss wird lernen können, weil Ana vorher sterben wird, auf dem College seine drei Freunde: Malcom, Willem und Jean-Baptiste kennenlernen wird, lernen wird, entdecken wird, wie grandios er ist, sein Engelsgesicht - er muss eine wahre Schönheit sein, beliebt und gern gesehen auf jeder Partie - ihm alle Pforten der Sympathien öffen wird, er ein grandioser Anwalt sein wird (ja der grandioseste überhaupt), überhüuft von Geld!, er nach Jahrzehnten eine homosexuelle Beziehung mit Caleb probieren wird und auch von ihm beinahe zu Tode gebracht werden wird, da jener nicht ertragen wird, wie vernarbt, entstellt, gegeißelt Jude ist, von ihm vergewaltigt und geprügelt wird, Jude sich von diesen Übergriffen kaum erholen wird, sich schließlich der langjährige Freund Willem ihm seine Liebe gestehen wird, die beiden eine Beziehung probieren werden, Judes Angst vor Sex (und immer wieder Sex, Motto und Thema über hunderte Seiten) wieder und wieder zutage kommt, er es für Willem tun wird, sich dann anschließend beinahe bis zum Äußersten selbst verletzen wird, um Scham, Ekel und Abscheu gegen das Körperliche abzustreifen, sich zu reinigen, sich zu säubern und endlich, endlich wird er erzählen, wird sich Willem anvertrauen, es werden "Glückliche Jahre" folgen, denen aber wieder nur das Schrecknis anhaftet, indem Jude 1. die Beine amputiert werden, zweitens Willem bei einem Autounfall ums Leben kommen wird.Und man fragt sich, wie eine Autorin dermaßen pervertierte Gedanken über dermaßen viele Seiten ausbreiten kann. Und wieder: Warum? Ein solches Leben kann es nicht gegen. Die Entwicklunspsycholgin in mir weigert sich gegen das Vertrauen in so viele überzeichnete Charaktere. Ein Junge, Jugendlicher, dem so viel Grauen widerfährt, würde erstens eine Randexistenz führen, eingewiesen, betreut, oder, sich therapieren und ein abgeschottetes, zurückgezogenes Leben führen, keinesfalls als Partymaus und Schönling Jude.Wozu also? Wozu das Grässliche, das Abscheuliche?Ich weiß es nicht. Unserem animalischen, angeborenen Voyerismus sei dank, ist es ein Bestseller geworden und ich schäme mich für diese publik gewordene Geilheit.I. Hübner Sept. 2017

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    • 8
  • Ein bisschen zu viel

    Ein wenig Leben

    Bookmarked

    03. September 2017 um 22:04

    In dieser Geschichte begleitet der Leser Jude, Willem, JB und Malcolm. Vier sehr unterschiedliche Männer, die eine lebenslange und enge Freundschaft verbindet und zu Beginn des Buches ihren beruflichen Start in New York erleben. Obwohl alle vier einen spannenden Lebensweg beschreiten, sticht Jude aus dieser Männergruppe heraus und rückt immer mehr ins Zentrum der Geschichte. Er ist ein genialer Jurist mit hervorragenden Zukunftsaussichten, hat aber gleichzeitig mit starken körperlichen Beschwerden zu kämpfen, deren Ursache seinen Freunden Rätsel aufgibt. Denn Jude spricht niemals über seine Vergangenheit und das hat seinen Grund. Nach und nach erfährt der Leser mehr als er ertragen kann. Mein Eindruck:Das Buch blieb lange ungelesen. Nicht zuletzt, weil ich nicht unbedingt Angst aber zumindest Respekt vor der Lektüre hatte nachdem ich die ersten Meinungen dazu hörte. Am Ende war die Neugierde größer, denn ich wollte unbedingt wissen warum dieses Buch so viele erschüttern und an ihre Grenzen bringen konnte. Direkt zu Beginn spürte ich eine unheimliche Sogwirkung. Das Buch beginnt zwar wenig ereignisreich, doch der Schreibstil der Autorin sowie die Art mit der sie ihre Charaktere beschreibt konnten mich sofort fesseln. Die Figuren wirkten auf mich so real, dass ich mich ab der ersten Seite für völlig alltägliches aus ihrem Leben interessierte und wissen wollte wie es ihnen weiterhin ergeht. Ich interessierte mich für alle 4 Hauptfiguren gleichermaßen, da jeder von ihnen einen spannenden Weg beschreitet und dabei mit einer Vielzahl an persönlichen Problemen zu kämpfen hat, die die Autorin hervorragend beleuchtet. Leider fokussiert sich das Buch mit der Zeit so stark auf Jude und dessen Vergangenheit, dass insbesondere JB und Malcolm fast vollständig aus dieser Geschichte verschwinden. Ich fand das persönlich sehr schade. Die Autorin hat meines Erachtens ein großes Talent zwischenmenschliche Konflikte, persönliche Stärken, Ängste und Fehler zu beschreiben. Ich konnte mir viele Passagen anstreichen und mich in einigen dieser negativen Verhaltensweisen und Gedanken wiederfinden. Ich mag es sehr, wenn mir in Büchern ein Spiegel vorgehalten wird, da es auch zeigt wie authentisch und lebensnah diese Passagen sind und man über sich und sein eigenes Leben nachdenkt. Da ich nicht verraten möchte was Jude in seiner Vergangenheit erlebt hat möchte ich nur sagen, dass es die Autorin hervorragend schafft das Innenleben eines schwer traumatisierten Menschen zu zeigen und sehr gut deutlich macht, wie stark dessen Verhalten auch enge Beziehungen zu Freunden belastet bzw. wie schwer es ist einem solchen Menschen zu helfen. Leider übertreibt die Autorin Jude‘s Schicksal im weiteren Verlauf derart, dass ich es als völlig unrealistisch empfand und den Eindruck bekam, dass die Autorin das viele Leid lediglich als Werkzeug nutzt um den Leser an seine Grenze zu bringen und dabei jeden Sinn für Realismus verliert. Bei mir führte es dazu, dass ich ihr die Geschichte ab diesem Zeitpunkt leider nicht mehr abkaufen konnte und mich distanzierte. Und obwohl Hanya Yanagihara in Interviews extra betonte, dass sie in diesem Buch mit allem übertreiben wollte fand ich es persönlich sehr schade, dass sie sich so entschied.Fazit:„Ein wenig Leben“ ist sicherlich ein Buch, dass die Leserschaft spaltet. Für die einen ist es zu viel des „Guten“ und den Hype nicht wert, während es für andere seit langem mal wieder ein Buch ist, welches sie tief berühren konnte und noch lange nachhallt. Für mich ist es etwas dazwischen und ich kann mir sogar vorstellen erneut zu dieser Geschichte zu greifen, denn ich vermisse die Figuren schon jetzt ein wenig.

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    • 2
  • Ein intensives, schmerzhaftes, forderndes aber auch schönes Leseerlebnis

    Ein wenig Leben

    katzenminze

    03. September 2017 um 17:09

    Puh! Was für ein Roman! Schon lange hat mich kein Buch mehr so mitgenommen und mich so beschäftigt wie dieser Roman über Liebe, Freundschaft, Leid und darüber, was ein Mensch aushalten kann. Was mich am Anfang total begeistert hat an diesem Buch, war Yanagiharas Art zu schreiben. So echt, unglaublich real. Man ist mitten drin im Leben von Jude, Willem, JB und Malcom. Den Titel „Ein wenig Leben“ habe ich als unheimlich passend empfunden: Yanagihara erschafft LEBEN. Und nicht nur ein wenig. Das sind keine Charaktere, das sind Menschen über die man liest. Das ist kein Plot, das ist ihr Leben, das man begleitet. Alle vier Freunde werden zu Beginn ausführlich vorgestellt und beschreiben. Und das mit einer unglaublichen Detailtreue und Intensität. Dabei geben Willem, JB und Malcom viel von sich preis. Jude hingegen bleibt rätselhaft in seiner Verschlossenheit und der ständigen Sorge normal und unauffällig zu wirken. Dass er etwas Schlimmes erlebt hat scheint klar. Was genau erfährt man langsam, nach und nach. Mit Fortschreiten des Romans fokussiert sich Yanagihara mehr auf Jude und Willem. Ich fand es etwas schade, dass die beiden anderen mehr und mehr außen vor blieben. Einfach, weil ich sie auch gerne mochte. Aber da der Roman mit fast tausend Seiten schon umfangreich genug ist, war es so sicher keine schlechte Lösung. Die Jungs haben mir in ihrer Collegezeit, mit der der Roman beginnt, letztlich am besten gefallen. Nicht, dass es danach schlechter geworden wäre, aber wenn sie sich als Erwachsene an diese Zeit zurück erinnert haben, hat mich selbst auch die Nostalgie erfasst. Jetzt eine kleine Warnung: Man sollte Schilderungen von Gewalt und Schmerz aushalten können. Von beidem gibt es hier viele Arten. Teilweise wollte ich das Buch weglegen, musste dann aber doch immer weiter lesen. Das hat sich im Laufe des Romans etwas gegeben. Ich weiß nicht, ob ich mich an Yanagiharas intensiven Schreibstil gewöhnt habe, ob ich tatsächlich etwas abgestumpft bin oder ob es im letzten drittel einfach nicht mehr so krasse Szenen gab. Zumindest fand ich den letzten Teil des Buches wesentlich „aushaltbarer“ als einige Stellen in der ersten Hälfte, die mich doch sehr mitgenommen haben. Trotzdem fand ich gerade das Ende sehr berührend und musste hier eine paar Tränen verdrücken. Dieser Roman hat mich auch nach dem Zuklappen nie losgelassen. Ein wenig Leben war für mich ein intensives, schmerzhaftes, forderndes aber auch schönes Leseerlebnis, bei dem mich vor allem Yanagiharas intensive Art zu schreiben und die außergewöhnlich genaue und stimmige Beschreibung der Gefühlswelten ihrer Charaktere beeindruckt haben. Sicher kann man sich letztlich die Frage stellen, wie realistisch all das ist, was Jude passiert ist. Für mich war der Roman aber in seiner Umsetzung so realistisch, dass ich ihr wahrscheinlich auch eine Alieninvasion abgenommen hätte. Keine leichte Unterhaltung also, für die man sich etwas Zeit nehmen sollte. Meiner Meinung nach aber auf jeden Fall ein lohnenswertes Buch!

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    • 4
  • Man kann nicht reparieren, was nicht zu reparieren ist

    Ein wenig Leben

    Barbara62

    30. August 2017 um 17:04

    Fast hätte ich mich von dem jungen Mann mit dem schmerzverzerrten Gesicht auf dem Cover, annähernd 1000 Seiten und dem Gewicht von einem Kilogramm abschrecken lassen. Hätte ich zusätzlich noch gewusst, wie der Titel „Ein wenig Leben“ zu erklären ist, ich hätte das Buch wahrscheinlich nicht gelesen und damit eines der eindrücklichsten, erschütterndsten und emotional bis ans Limit und darüber hinausgehenden Leseerlebnisse verpasst. Daher meine Empfehlung: keine Rezensionen vorab lesen, je weniger man über den Inhalt des Buches weiß, desto ergreifender die Lektüre. Nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, sondern vom Findelkind zum Staranwalt schafft es Jude St. Francis, der deutlich mehr als seine drei Freunde Willem, Malcolm und JB im Mittelpunkt des Romans steht. Auf den ersten 100 Seiten sind die Anteile noch annähernd gleich verteilt und man liest über diese vier jungen Männer unterschiedlicher Herkunft, die unzertrennlich sind, seit sie ab einem Alter von 16 Jahren ein Collegezimmer geteilt haben, und nun mit Mitte 20 zielstrebig in New York Karriere machen. Jude hat ein glänzendes Jurastudium absolviert und nebenbei noch Mathematik studiert, Willem träumt von einer Schauspielerkarriere, Malcolm ist auf dem Weg zum Stararchitekt und JB Künstler. Vier aufstrebende junge Männer und doch ist einer anders: Jude, der nie über seine Herkunft und seine ersten 15 Jahre spricht, der unter Schmerzattacken leidet, der hinkt, der seinen Körper verhüllt und über dem ein Schatten zu liegen scheint: „Er konnte sich nicht erinnern, als Kind ein Bewusstsein dafür gehabt zu haben, was Glücklichsein bedeutete: Er hatte nur Elend und Angst gekannt und die Abwesenheit von Elend und Angst, und Letzteres war alles, was er gebraucht oder gewollt hatte.“   Im Gegensatz zu seinen Freunden, denen er sich nie öffnen wird, erfährt der Leser Stück für Stück von Judes unvorstellbaren Kindheits- und Jugendqualen. Die große Erzählkunst der 1974 in Los Angeles geborenen Autorin hawaiianischer Abstammung Hanya Yanagihara liegt darin, dass ich mir beim Lesen dieser bruchstückhaften Erinnerungen nicht wie eine Voyeurin vorgekommen bin, und dass die geschilderten Erlebnisse für den Leser überhaupt zu ertragen sind. Diesen durch und durch entsetzlichen Jahren stellt die Autorin Judes Leben ab seinem Eintritt ins College gegenüber: vier Jahrzehnte geprägt von einem fast schon sensationellen beruflichen und materiellen Aufstieg, von der tiefen Freundschaft zu seinen Collegekollegen, seinem Glück mit seinem Arzt Andy, der immer für ihn da ist, der Adoption durch seinen ehemaligen Professor Harold  und dessen Frau Julia und schließlich seine zum platonischen Liebesverhältnis gewordene Beziehung zu seinem Freund Willem. Müsste eine solche Menge glücklicher Fügungen nicht ausreichen, um eine tief verletzte Seele zu heilen? Nein, sagt der Roman, denn Jude kann trotz aller Anstrengungen nie lernen zu vertrauen, er „rechnet ständig damit, getäuscht zu werden“. Er wird als „Form der Bestrafung und Reinigung“ immer zum Instrument der Selbstverletzung greifen, „um sein Leben unter Kontrolle zu behalten“, wird sich weigern, einen Psychotherapeuten aufzusuchen und sich immer fragen: „Wenn er eines Tages auf magische Weise geheilt wäre und so frei von jeder Befangenheit gehen könnte wie Willem oder JB, wenn er sich in seinem Stuhl zurücklehnen und frei von Angst sein T-Shirt über seine Hüfte hinaufrutschen lassen könnte und seine Arme so glatt wie Zuckerguss wären wie Malcolms, was wäre er dann noch für Andy? Was wäre er für die anderen? Würden sie ihn weniger mögen? Mehr? Wie viel von dem, was ihn ausmachte, war mit dem verschränkt, was er nicht tun konnte? Wer wäre er ohne die Narben, Schnitte, die Schmerzen, die Wunden, die Knochenbrüche, die Infektionen, die Schienen und die Ausflüsse?“ Nicht nur den Leser, auch die Menschen, die ihn lieben, bringt Jude mit seinem Verhalten immer wieder an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit, und doch halten alle ihm die Treue. Obwohl der Roman permanent auf ein schlechtes Ende hinsteuert und man früh erahnt, wie er ausgehen wird, hat mich die Autorin doch einige Male sehr überrascht. Ich habe ihr Buch verschlungen, habe gelitten, manchmal gehofft und sogar geweint. Lediglich den Satz „Es tut mir leid“ konnte ich irgendwann nicht mehr lesen, die permanente Wiederholung hat mich fast in den Wahnsinn getrieben, ohne dass ich einen tieferen Sinn darin erkennen konnte. Einmal gelesen, wird dieser Roman unvergesslich für mich bleiben. Wenn das Wort „herzzerreißend“, das Harold einmal gebraucht, irgendwo angebracht ist, dann hier. Doch nicht nur der Autorin gebührt Anerkennung, auch der Übersetzer Stephan Kleiner hat vorzügliche Arbeit geleistet und der Hanser Berlin Verlag hat das Buch nahezu ohne Fehler gedruckt - eine Sorgfalt, die ich ausgesprochen schätze. Und auch das Cover passt im Nachhinein hervorragend zum Buch, wobei es nach der Lektüre für mich nicht mehr nur Schmerz, sondern auch Ekstase zeigt. http://mit-büchern-um-die-welt.de/hanya-yanagihara-ein-wenig-leben/    

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  • Schwermütig, düster und doch voller Liebe und Freude

    Ein wenig Leben

    Anne_M

    21. August 2017 um 12:57

    Ein wenig Leben handelt von der lebenslangen Freundschaft vierer Männer, die sich auf dem College kennenlernen. Zunächst erfährt man die Lebensumstände der Freunde bevor sie aufs College kommen und lernt die Eigenheiten der einzelnen Personen kennen. Jude, der verschwiegenste und geheimnisvollste der 4, und die Dynamik der Gruppe an sich, stellen für mich die Hauptprotagonisten da. Man erfährt im Verlauf des Buches immer mehr von Jude's Vergangenheit und wie sich die Freundschaft und die einzelnen Leben weiter bewegen. Alles geprägt von der "New Yorker Künstler und Hipster-Szene", die ein sehr zeitgemäßes Bild prägt.Das Buch hat mich tief berührt und getroffen. Es hat mich teilweise sprachlos zurückgelassen und tiefe Traurigkeit in mir ausgelöst. Man leidet mit, man fühlt mit und doch strahlt es auch so unheimlich viel Liebe aus, es kuschelt einen ein und ist trotzdem so erbarmungslos, so ungeschönt. Während man es liest, denkt man sich immer, es kann nicht noch schlimmer kommen - doch kommt es. Ich glaube, dass wird ein Buch sein, an dass ich noch lange denken werde.  

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  • Ein großartiger Roman – ein wenig Leben

    Ein wenig Leben

    Sikal

    21. August 2017 um 08:37

    Das Buch „Ein wenig Leben“ hat als Grundlage vier Männer, deren Freundschaft sich über einen Zeitraum von ca. 30 Jahren durch ihr Leben zieht. Beginnend während der gemeinsamen Studienzeit, lassen sich die vier anschließend in New York nieder, um ihre beruflichen Karrieren zu starten. Während Malcom sich der Architektur hingibt, JB unbedingt Künstler werden will und Willem von einer Schauspielkarriere träumt, wird Jude Anwalt. Die eigentliche Hauptperson der Geschichte ist Jude, ein stiller zurückhaltender junger Mann, belastet mit einem narbenübersäten Körper und mit unterdrücktem Schmerz und großer Wut, das Resultat einer traurigen Jugend. Jude umgibt bereits von Beginn an eine gewisse Melancholie, er ist immer für andere da, hilft wo er nur kann und gibt doch nichts von sich preis. Den Kampf mit seinen inneren Dämonen kämpft er allein – mal schafft er es besser, mal schlechter. Im Laufe der Geschichte kommen Bruchstücke aus Judes Vergangenheit hervor, die auch auf sein jetziges Leben große Auswirkungen haben. Jude scheint mit seiner Behinderung, seinen Schmerzen zurechtzukommen, doch niemand weiß, wie es wirklich in ihm aussieht. Als Leser muss man hier schon einen langem Atem mitbringen, das Buch oft zur Seite legen und dann wieder die Kraft schöpfen, um weiterzulesen. Denn es handelt sich hier um kein kurzweiliges Nebenbei-Buch. Es fordert Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen. Teilweise – muss ich gestehen – ist es beinahe nicht auszuhalten… Die Autorin hat einen anspruchsvollen Schreibstil, viele Schachtelsätze erschweren das Ankommen in der Geschichte. Doch nach einigen Seiten ist man gefangen und kann sich nicht mehr lösen, will wissen wie es Jude weiterhin ergeht, hofft auf ein Wunder und weiß doch, dass dieses nicht eintreten wird. Wird Jude seine Seele öffnen und wird er ein normales Leben führen können? Das ist eigentlich der einzige Wunsch, den man als Leser für ihn hat. Denn er ist so ein liebenswürdiger Mensch, dem man eigentlich alles Gute dieser Welt wünscht. Das Buch polarisiert ungemein, für viele Leser ist die Dramatik zu dick aufgetragen, ich finde, dass es letztendlich gepasst hat, obwohl ich mir während des Lesens oftmals weniger davon gewünscht hätte. Doch nur so konnte die kaputte Seele Judes, seine Qualen, aber auch seine Freuden und Hoffnungen authentisch dargestellt werden. Ein Buch über Schmerz und Belastungen, über Vertrauen, Liebe und Freundschaft. Absolute Leseempfehlung!

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  • Kann man Leben reparieren?

    Ein wenig Leben

    Babscha

    14. August 2017 um 23:43

    Vier Männer sind die Hauptpersonen dieses Buches. Es erzählt ihrer aller Leben, startend mit den gemeinsamen Studienjahren an einem amerikanischen Ostküstencollege. Da ist Malcolm, Spross einer gut situierten, aber gefühlskalten Upperclassfamilie, mit einem Faible für Architektur. Dann Jean-Baptiste, als Junge mit seiner Mutter und deren Schwestern aus der Karibik immigriert, humorvoll und künstlerisch ambitioniert. Willem, ein angehender Schauspieler, in schwierigen Familienverhältnissen im outback von Wisconsin aufgewachsen. Und Jude, die eigentliche Hauptfigur des Romans, um die sich letztlich alles dreht. Ein gutaussehender, mit einer unfallbedingten Gehbehinderung geschlagener Genius, hochkompliziert, unstet und mental stark belastet, der niemandem seine Seele öffnet, geschweige denn Einblick in die dunklen Fakten seiner Vergangenheit gewährt. Sie alle sind Freunde, eng verbunden, und ziehen nach dem Studium alle nach New York City, um dort ihr Glück zu machen. Von Anfang an zeichnet sich dabei eine ganz besondere, tiefemotionale Bindung zwischen Jude und Willem ab, die sich immer weiter verstärken wird. Eine gute interessante Ausgangslage für ein nicht nur von Umfang und Gewicht her großes Werk. Zum einen legt die Autorin hier einen klassischen New-York-Roman vor, an dem Liebhaber dieser Stadt (wie ich) schnell Gefallen finden. Dazu die glaubhafte realitätsnahe Schilderung der typisch amerikanischen Lebenswege von vier Männern bis weit in ihre mittleren Jahre hinein (mit vielen vielen im Laufe der Geschichte hinzutretenden weiteren Personen, die mal von elementarer Bedeutung fürs Geschehen, mal reines Beiwerk sind), wobei deren jeweilige Vergangenheit durch regelmäßig eingestreute Rückblenden dem Leser nach und nach ausgebreitet wird.  Kern des Buches ist dabei aber immer die Person Judes. Das hochkomplizierte Zentralgestirn der Geschichte, mal hell aufleuchtend, mal dunkler und unheimlicher als die Nacht, um das die gesamte Zeit alle anderen Mitwirkenden wie Satelliten kreisen und taumeln, einerseits im stetigen Bann seiner magischen Anziehungskraft, zugleich aber auch voller Angst und in permanenter Anspannung aufgrund seiner Unkalkulierbarkeit, Unzugänglichkeit und dem Schwarzen Loch seiner Vergangenheit, in das er lange Zeit niemanden eintauchen lässt. Der Autorin gelingt es sehr überzeugend, dem Leser mit Jude eine Persönlichkeit literarisch zu präsentieren, deren Kompliziertheit und Vielschichtigkeit ihresgleichen sucht. Ein durch und durch zerrissener, von den Erlebnissen seiner grauenhaften Jugend gequälter Mensch, der trotz der verzweifelten Bemühungen der ihn umgebenden Menschen niemals wirklich zur Ruhe kommt und nur in den seltenen Momenten der Nähe zu seiner engsten Bezugsperson Willem so etwas wie Sicherheit, Zuneigung und Schutz empfindet. Während die Geschichte bis Buchmitte stringent, spannend und höchst interessant entwickelt wird, schleichen sich in der zweiten Hälfte aus meiner Sicht leichte Längen ein, die aus einfach zu vielfältigen, manchmal überflüssigen Nebenschauplätzen und Begebenheiten resultieren, die für die weitere story und die Figurenzeichnung nicht immer zwingend sind und damit eher ermüdend wirken. Hier hätte etwas mehr gestrafft werden können. Gleiches gilt für die emotionale Übersensitivität aller Hauptbeteiligten im letzten Buchdrittel, was irgendwie dann doch überfrachtet wirkt. Das wird allerdings durch eine völlig überraschende dramaturgische Entwicklung zum Ende der Story mehr als kompensiert.  Insgesamt ein absolut überzeugendes Buch, das allein aufgrund der unglaublich dichten und tiefen Persönlichkeitsschilderung seines schwer gezeichneten Hauptprotagonisten ein Lesehighlight dieses Jahres ist. Unbedingte Empfehlung!

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    • 4
  • Ein gewaltiger Roman - eine Leidensgeschichte als Lebensgeschichte

    Ein wenig Leben

    Callso

    02. August 2017 um 08:44

    Wahrlich kein Buch von der Stange. Es sind nicht nur die mächtigen 960 Seiten, die diesen Roman zu einem echten Schwergewicht machen.Es ist vor allen Dingen auch dieses komische bis furchbare Buchcover, das einen zweimal hingucken lässt und einen bisweilen eher enttäuscht bis entsetzt ein wenig den Kopf schütteln lässt.Auch der Buchtitel offenbart dabei nur eine winzige Fährte.Doch nach 200 bis 300 Seiten hat das alles einen Sinn. Die verzerrte bis leidende Frazze, dieses spärliche Bild des Jammerns passt zu dem Buch, es passt zu dem Protagonisten und das Bild und Buch werden richtig rund und eine Einheit.Es geht um vier Freunde. Jude (Rechtsanwalt), Willem (Schauspieler), Malcom (Architekt) und JB (Künstler). Durch das Studium werden sie zu sehr guten Freunden und das Buch begleitet sie über die Jahre. Es ist vor allem jedoch die Geschichte des Jude. Seine Lebensgeschichte wird zur Tortur der Leiden. Aufgewachsen ohne Eltern, Mißbrauch als Jugndlicher im Kloster, lange Jahre als Stricherjunge unterwegs und schlie0lich festgehalten und fiese mißbraucht, Doch damit nicht genug, vom Auto absichtlich angefahren leidet Jude seit jungen Jahren krankheitsbedingt Qualen.Als Jude dann nach vielen, vielen Jahren das zarte Band der Zuneiguung und Liebe kennenlernt, kommt für den intelligensten und kopflastigen Eigenbrödler der Turnaround. Kann er nach Jahren der Missbrauchs Gefühle zulassen, inwieweit kann er sich öffnen und über seine traumatische Kindheit sprechen...?Trotz dieser berauschenden Lektüre gab es es für mich kleinere Kritikpunkte: In den ersten 150 Seiten war der Einstieg in die Story für mich ein wenig holprig. Da fehlte mir ein wenig die Struktur. Und auch in den letzten 60 bis 70 Seiten war tatsächlich ein wenig die Luft raus und es las sich etwas unrunder.Bei einer solch dicken Literatur lassen sich - meiner Meinung nach - einige Passagen immer ein wenig kürzen. Beispielsweise werden Willems Filme häufig ausladend beschrieben. Auch sonst schwelgt die Autorin manchmal ein wenig, wo einige kürzer udn straffere Erzählweisen dem Buch durchaus gut täte. Das Erstlingswerk von Hanya Yanagihara besticht durch eine fesselnde Story, Komplexität und einen starken und sehr anspruchsvollen Erzählstil. Trotz der schlimmen Problematiken eine Buch auf sehr hohem Niveau.Ich habe mich gefragt, wie kommt man als junge Autorin auf so eine Leidensgeschichte als große Lebensgeschichte? Und ich bin sehr gespannt, welchen Nachfolger die Autorin nach diesem starken Erstling präsentiert.Unter dem Strich ein herausragender Roman mit einer faszinierenden Geschichte. Sicherlich, auch thematisch keine Leichte Kost. Die Autorin schafft es aber auch, die brenzligen Szenen von Kindesmissbrauch oder von den Vergewaltigungen nie auszuschlachten und sehr behutsam zu erzählen.Trotz aller Gewalt, Traumatas, trotz aller schlimmen Erlebnisse, trotz der Schmerzen und Krankheiten ein Buch über Freundschaft, über Familie, Zusammenhalt und die riesige Kraft der Liebe.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 24.09.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   239 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  646 Punkte Beust                                          ---   302 Punkte Bibliomania                               ---   201 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  397,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 253 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   130,5 Punkte Code-between-lines                ---  136 Punkte eilatan123                                 ---   53 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   168 Punkte Frenx51                                     ---  82 Punkte glanzente                                  ---   82 Punkte GrOtEsQuE                               ---   78 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   157 Punkte Hortensia13                             ---   130 Punkte Igelchen                                    ---   25 Punkte Igelmanu66                              ---  178 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   122 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte katha_strophe                        ---   53 Punkte Kattii                                         ---   78 Punkte Katykate                                  ---   110 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   142 Punkte Kuhni77                                   ---   114 Punkte KymLuca                                  ---   103 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   259 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   226 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   92 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  131 Punkte Nelebooks                               ---  235 Punkte niknak                                       ----  285 Punkte nordfrau                                   ---   97 Punkte PMelittaM                                 ---   213 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   115 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 65 PunkteSandkuchen                              ---   205 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   178 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   279 Punkte SomeBody                                ---   178,5 Punkte Sommerleser                           ---   198 Punkte StefanieFreigericht                  ---   213,5 Punkte tlow                                            ---   149 Punkte Veritas666                                 ---   117 Punkteverruecktnachbuechern         ---   61 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   179 Punkte Yolande                                       --   171 Punkte

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  • Bis einer heult

    Ein wenig Leben

    schmives

    26. July 2017 um 12:50

        „Wie häufig kommt es vor, dass ein Roman so tief aufwühlt, dass man beim Lesen weinen muss, und dabei so erhellend und erhebend von menschlicher Güte spricht, dass man sich zugleich von Gnade erfüllt fühlt? […]“Ein Zitat wie dieses aus dem San Francisco Chronicle als Klappentext macht mich in der Regel eher skeptisch, als dass es mich wohlwollend zu einem Roman greifen lässt – zumal sich dieser pathetische Gestus auch durch die weiteren aufgeführten O-Töne genauso fortsetzt. Abgeschreckt hat mich dieses Marketing dann letztlich aber auch nicht, und neugierig u.a. durch die Besprechung in der ZEIT habe ich mich also an die Lektüre des Romans „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara gemacht, bei dem es sich um einen massiv beworbenen Hit des literarischen Frühjahrs und mittlerweile Bestseller handelt (so jedenfalls die Rubrizierung der öffentlichen Bibliotheken Berlins).Und es stimmt. Die Geschichte der vier Freunde (in der Reihenfolge ihres Erscheinens) Willem, Jude, JB und Malcolm, die hier buchstäblich in epischer Breite (über 950 Seiten) entfaltet wird, entwickelt sich tatsächlich zu einer solchen emotionalen Achterbahnfahrt, dass auch ich beim Lesen ein- oder zweimal (im Jargon meiner Heimat) „Pipi inne Augen“ hatte. Anders als in der Inhaltsangabe auf dem Klappentext angegeben handelt der Roman aber nicht unbedingt „von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern“. Jedenfalls nicht lebenslang im Sinne einer Sandkastenfreundschaft, denn die vier lernen sich erst auf dem College kennen, und genau daraus erwächst auch die Spannung der Erzählung: Wie sich nach und nach herausstellt, verbirgt Jude hinter sich eine Vergangenheit, die so entsetzlich ist, dass er selbst gegenüber seinen engsten Vertrauten damit bis zum Ende nicht ganz herausrückt. Und andererseits ist der Roman so sehr auf Jude fokussiert, dass es hauptsächlich um seine Entwicklung und die sich wandelnden Beziehungen zu seinem Umfeld geht, und dabei nimmt JB eine ambivalente und Malcolm eine doch weitgehend zu vernachlässigende Rolle ein, sodass es letztlich die von vornherein besonders innige und sich doch ebenfalls auf unvorhersehbare Weise wandelnde Freundschaft zwischen Jude und Willem ist, die im Zentrum der Handlung steht.Was man im Laufe der Lektüre von Judes Hintergrund erfährt, ist wie gesagt so entsetzlich, dass es einem schlichtweg die Sprache verschlägt und tatsächlich stellenweise die Tränen in die Augen treiben kann. Der Leser taucht hier in das Seelenleben einer Figur ein, der nichts Unmenschliches fremd ist: Jude macht im Laufe seines Lebens eine nicht abreißende Serie von Grausamkeit und Misshandlungen durch, die jedes überhaupt zu Empathie fähige Gemüt gehörig jammern und schaudern lässt. Zwangsläufig verschanzt er sich in einem Panzer aus Selbsthass, für den die Misshandlung der eigenen Person etwas so Selbstverständliches ist, dass er Gewalt als die sozusagen natürliche und einzig plausible Form des Verhaltens ihm gegenüber empfindet und mit ihm entgegengebrachter Freundlichkeit und Zuneigung gar nicht mehr umgehen sondern solche Erlebnisse nur noch als zeitweilige Fehltritte und irritierende Störung der vermeintlichen Ordnung wahrnehmen kann. Dieses so bemitleidenswert verzerrte Selbstbild ist dabei derartig plastisch erzählt, dass es gewaltig an die Nieren geht und dem Leser einiges abverlangt. Mein Titel „Bis einer heult“ ist in diesem Sinne gar nicht so sehr auf Jude bezogen, dessen Trauma so verstockt ist, dass es sich nur noch in den seltensten Momenten in Tränen entladen kann, als vielmehr auf den Rezipienten, der durch die Schilderung selbst in Mitleidenschaft gezogen werden kann (wenngleich meine spontane Assoziation zu dem Porträt auf dem Cover „Heulsuse“ war – was neben dem Klappentext meine anfängliche Skepsis dem Roman gegenüber mitbegründet hat – und man die abgebildete Person im Laufe der Lektüre mit Jude identifizieren muss).So viel zur ersten Hälfte des Romans. Ab der Mitte des Buches wird es dann für meine Begriffe alles ein bisschen viel. Man mag es als narrative Strategie von Yanagihara ansehen, den Leser – nachdem sie ihn in den Abgrund einer gebrochenen Seele hinabgezogen hat – über hunderte von Seiten nicht mehr aus dem Elend auftauchen zu lassen, um die Schwere der Traumatisierung zu vermitteln, aber der Roman tritt damit gewissermaßen auf der Stelle. Wieder und wieder wird noch eine Schüppe draufgelegt, aber angesichts der Perpetuierung des Leidens erschöpft sich das Mitleid doch irgendwann und bekommt etwas Enervierendes (das unsägliche, weil unzählig wiederholte und meist pathologisch deplatzierte „Es tut mir leid“ von Jude). Hier wäre meiner Ansicht nach weniger mehr gewesen, um das Risiko zu minimieren, dass Leser aussteigen, weil sie es schlichtweg nicht mehr aushalten. Vielleicht gehört es aber zum Programm, dass der Leser sich durch den Roman gleichsam selbst kasteien muss, um zu einem gewissen Grad selbst zu Jude zu werden (eine Sphäre (katholischer) Religiosität ist der Erzählung allein schon durch die Namen „Jude St. Francis“ und „Jean-Baptiste“ unverkennbar mitgegeben und könnte eine systematische Analyse verdienen).Von dem Manko einer gewissen Langatmigkeit abgesehen handelt es sich bei „Ein wenig Leben“ aber ohne Frage um ein außergewöhnliches Buch, das das frenetische Lob seiner Kommentatoren rechtfertigt. Auch ich kann mich dem eingangs zitierten Urteil anschließen, dass ich mich selten von einem Roman in vergleichbarer Intensität gepackt gefühlt habe wie in diesem Fall. Yanagihara rollt die Geschichte geschickt analytisch auf, sodass der Leser mit der Frage nach den Ereignissen in Judes Kindheit und Jugend, die nach und nach aufgedeckt werden, gespannt bei der Stange gehalten wird, und erzählt in einem unaufdringlichen Stil, der das Versinken in der Fiktion begünstigt und doch behutsam akzentuiert zu poetisch schönen Bildern aufsteigt. Als einzige Besonderheit lässt sich eine wiederkehrende perspektivische Unbestimmtheit in der personalen Erzählsituation nach Abschnitts- oder Kapitelwechseln beobachten. Mehrfach beginnt ein neuer Abschnitt mit der Perspektive eines unbestimmten „Er“, bei der zunächst unklar bleibt, aus wessen Blickwinkel gerade erzählt wird (besonders anschaulich am Anfang von Teil 1 im letzten Kapitel – hier sogar in Form einer direkten (Brief-)Rede in der ersten und zweiten Person: „Am zweiten Jahrestag Deines Todes fuhren wir nach Rom. Das war Zufall und dann auch wieder nicht: Er wusste und wir wussten, dass er aus der Stadt hinaus-, dass er möglichst weit weg von New York State sein musste.“). Hier muss sich der Leser aus dem, wie und über wen gesprochen wird, selbst erschließen, wessen Stimme er gerade vernimmt, bevor der Name genannt wird. Dieses Mittel erzählerischer Informationsverknappung setzt beim Leser ein gewisses Engagement voraus, sich spontan selbst innerhalb der Figuren zu verorten, und trägt so zu einem Teil dazu bei, diesen in die Geschichte hineinzuziehen, und baut mit an der immersiven Illusionsbildung bzw. der atmosphärischen Dichte des Romans.Fazit: Sicherlich keine leichte Strandlektüre aber dem anspruchsvolleren Leser angesichts der bislang vorherrschenden Schwundstufe von Sommer schon jetzt, spätestens aber im Herbst zur Lektüre wärmstens empfohlen.

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  • Ein Roman, der bewegt!

    Ein wenig Leben

    Petris

    16. July 2017 um 09:44

    Ein wenig Leben war eine der ersten Neuerscheinungen 2017, die mir auffielen. Ich fand das Cover interessant und geheimnisvoll und wollte wissen, wer der Mann auf dem Foto war, und der kurze, sehr allgemein gehaltene Klappentext machte mich neugierig. Dennoch habe ich lange gezögert, es zu lesen. Die Rezensionen waren sehr widersprüchlich, ich war nicht sicher, ob mir die Geschichte nicht zu heftig sein würde oder unnötig in die Länge gezogen. Jetzt weiß ich, dass dem nicht so ist!Jude, JB, Willem und Malcolm lernen sich im Wohnheim ihres Colleges kennen, es entsteht eine Freundschaft, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten und verbinden wird. Sie alle sind treue Freunde, die auch in schweren Zeiten zueinander stehen und sich unterstützen, freundliche, kluge und großzügige Menschen sie alle. Und dennoch umgibt einen von ihnen, ein dunkles Geheimnis, das ihn daran hindert, voll und ganz glücklich zu sein und aufs Leben zu vertrauen.Willem: „Ich weiß, dass mein Leben einen Sinn hat, weil (…) ich ein guter Freund bin. Ich liebe meine Freunde, und sie sind mir wichtig, und ich glaube, ich mache sie glücklich.“S. 916Willem zu Jude: „Aber dein Leben hat genauso viel Sinn wie meins. (…) Du bist auch wundervoll. Ist dir das nicht klar, Jude?“S. 917Dieses Zitat charakterisiert sehr gut zwei der Freunde und bringt meiner Meinung nach hervorragend das Hauptmotiv des Romans auf den Punkt. Doch das ist nicht alles, nicht nur die Hauptfiguren sind in einer Tiefe und Menschlichkeit gezeichnet, wie es selten einer Autorin gelingt, auch die vielen Nebenfiguren geben der Geschichte Farbe, allen voran Harold und Julia, Richard, aber auch die Henry Youngs, die Irvings,… Es macht Freude, sie im Laufe der Geschichte kennenzulernen und zu begleiten.Schon lange nicht mehr hat mich ein Roman so gepackt, begeistert und berührt. Ich habe geweint, gelacht, gelitten und den Lesefluss genossen. Ein wunderbarer Roman, der noch lange nachwirken wird. Beinahe 1000 Seiten, nach denen ich froh war, dass das Leiden vorbei war, aber auch traurig, die Charaktere des Romans verlassen zu müssen, die mir ans Herz gewachsen waren.Für mich eines der Highlights 2017, eigentlich sogar der Höhepunkt des Bücherjahres bisher!

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    • 4
  • Was soll man zu so einem Buch sagen?

    Ein wenig Leben

    HarleyQ

    13. July 2017 um 10:03

    In "Ein wenig Leben" geht es um die 4 Freunde William, JB, Malcom und Jude, die sich auf dem College kennengelernt haben. Diese müssen jetzt das Leben in der Welt der Erwachsenen bewältigen und jeder hat dafür seine eigene Methode.William ist ambitionierter Schauspieler, der derzeit noch behelfsmäßig kellnert.JB ist Künstler, der sehr eigenwillige Projekte starten und ganz genau weiß, dass er einmal berühmt werden wird.Malcom möchte ein angesehener Architekt werden, bastelt und skizziert aber noch Fantasiehäuser und hilft seinen Freunden, wenn sie umziehen.Jude wird Anwalt und hat eine mysteriöse Vergangenheit über die seine Freunde nicht bescheid wissen.Die Charaktere waren für mich sofort sympathisch den entweder habe ich Teile von mir ihn ihren Ambitionen und Wünschen für die Zukunft gesehen, oder in ihrer Vergangenheit oder gar in ihrer Persönlichkeit.Vor allem Jude war für mich wie ein Spiegel in eine meine düstersten Zeiten und ist mir somit sehr nah gegangen. Er hat mich gleichzeitig runter gezogen, weil er mit gezeigt hat wie kaputt ich war und gleichzeitig hat er mich emporgehoben, weil es mir gezeigt hat, wie stark ich aus dieser Zeit hervorgegangen bin und was ich alles gelernt habe.Jude war dementsprechend ein sehr interessanter Charakter für mich und ich konnte nicht genug über ihn erfahren. Auch der Umgang von Andy, Willem, Harold, etc. fand ich sehr realitätsnah dargestellt, denn in der wirklichen Welt weiß man nun mal nicht immer was man sagen soll, was man tun soll in solchen Situationen und dann macht man auch mal Fehler. Das unterscheidet unser Leben von Büchern oder Filmen, da läuft nun mal nicht alles perfekt ab, man hat kein Drehbuch, das einem vorgibt was man zu tun oder zu sagen hat und man kann auch nicht einfach "Cut" rufen und die Szene neustarten lassen.Jude ist wirklich ein toller Charakter, er hat so schlimmes durchgemacht, und macht es noch immer, und er ist trotzdem so ein herzensguter Mensch. Er ist das perfekte Beispiel dafür, dass ein schlimmes Schicksal keine Ausrede dafür ist, ein schlechter Mensch zu sein. Auch wenn es sich in den letzten Kapiteln etwas ändert, das zeigt nur, dass in jedem Menschen Wut steckt und, dass man diese rauslassen muss. Jude ist das perfekte Beispiel dafür, was passiert wenn man alles runterschluckt. Die Wut braucht irgendein Ventil und sie muss sich gegen irgendjemanden richten. Entweder gegen die Person die sie (vielleicht) verdient hat, gegen die die einem am nächsten stehen oder eben gegen sich selbst.Ich habe schon oft gehört, dass dieses Buch so deprimierend sein soll, aber trotz der düsteren Themen strahlt es für mich eine gewisse wohlige Wärme aus. Ich finde die Absätze über Freundschaft wunderschön und auch der Teil als JB darüber nachdachte, dass er das Leben nun nicht mehr so genießen kann weil er eine gute Kindheit hatte ist mir sehr nahe gegangen.Ich muss sagen, im Nachhinein bin ich ehrlich froh über jeden einzelnen Rückschlag den ich durchleben musste, denn selbst ein ganz normales Leben beinhaltet jetzt für mich soviel besonderes und wunderbares, dass ich gar nicht mehr benötige.Das Buch beinhaltet genau die Message die ich in gewisser Weise brauche, die mir hilft, wenn es mal wieder schwieriger wird im Leben.Ich kann mir gut vorstellen, dass mir das Buch eben deshalb so gut gefällt, weil ich Jude so gut verstehe und wirklich mit ihm mitfühlen kann und, dass ist nicht unbedingt eine “gute“ Eigenschaft zeigt es doch nur wie kaputt ich war/bin. Deshalb freue ich mich, wenn jemand sagen kann er versteht es nicht, oder er findet es vielleicht übertrieben oder so. Ein bisschen beneide ich diese Menschen dann doch.Am Ende noch eine kleine "Weisheit" die mir dieses Buch wieder näher gebracht hat:Nach so vielen Rückschlägen ziehen sich viele zurück und lassen die ganze Welt mit allen ihren Problemen und Unglücken einfach nicht mehr an sie ran, sozusagen als Überlebensstrategie. Sie sperren ihre Gefühle aus, weil es ihnen sonst zusehr weh tun würde. Aber ich bin der Meinung, dass all der Schmerz und das Leid dazugehören. Ohne Schmerz, ohne Rückschläge würden wir die guten Momente des Lebens nicht wertschätzen. Das Leben besteht nun mal aus hellen und dunklen Zeiten und man muss beide voll durchleben. Man kann sich nicht nur gegen das Negative wehren, denn dann wehrt man sich automatisch auch gegen das Positive. Es ist unmöglich nur die negativen Gefühle auszuschließen.

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  • Zutiefst verstörend - zutiefst berührend!

    Ein wenig Leben

    miro76

    11. July 2017 um 16:28

    Ein wenig Leben erzählt uns die Geschichte von Malcolm, JB, Willem und Jude, die sich im Collegewohnheim zufällig ein Zimmer teilen. Die Freundschaft, die daraus entsteht, wird ihr Leben lang halten. Sie stehen einander bei, in ihren dunklen Stunden und freuen sich an ihren Erfolgen. Malcolm wird ein brillanter Architekt, der seine Träume wachsen lässt. JB ein gefeierter Künstler, der seine Freunde porträtiert und ihre Leben aufzeichnet. Willem schafft seinen Durchbruch als Schauspieler und wird ein Weltstar, der sich aussucht, was er spielt. Und Jude, der intelligenteste von ihnen, wird ein gnadenloser Anwalt.Jude ist es, um den sich die ganze Geschichte dreht. Sein Leben, seine Vergangenheit, seine Traumen und sein Schmerz prägen die Gruppe um ihn. Seine Geschichte ist kaum zu ertragen und gleichzeitig so berührend. So tief die Abgründe sind, so hell strahlt immer wieder das Licht diesem Leben. Es ist zutiefst anrührend, wie sorgsam die Freunde miteinander umgehen. „Freundschaft hieß, Zeuge des stetig tröpfelnden Leids, der ausgedehnten Strecken der Langeweile und der gelegentlichen Triumphe im Leben eines anderen zu werden. Freundschaft bedeutete, sich geehrt zu fühlen, dass man einen anderen in seiner größten Verzweiflung auffangen durfte, und zu wissen, dass man selbst in seiner Gegenwart verzweifelt sein durfte.“                 (S. 303) Jude’s Vergangenheit serviert uns Hanya Yanagihara nur häppchenweise. In Rückblenden setzt sich das Puzzle zusammen und die unfassbare Wahrheit kommt ans Licht. „Sein Schweigen war anfangs ein Schutz gewesen, aber im Laufe der Jahre ist es zu etwas nahezu Erdrückendem geworden, etwas, das ihn beherrscht statt umgekehrt. Jetzt kann er es nicht mehr ablegen, selbst wenn er es sich manchmal wünscht.“             (S. 397) Ein wenig Leben drückt alles aus, was Jude sich wünscht und allein diese Tatsache stimmt mich unendlich traurig. Der Autor schafft es mit seinem Buch mich sämtliche Gefühlsregungen durchleben zu lassen. Manchmal musste ich das Buch weglegen, weil ich es nicht weiter ertragen konnte, um dann beim Weiterlesen feststellen zu dürfen, dass es mich wieder mit einer Wendung überrascht. Wunderschön fand ich auch die Nebencharaktere die sich alle irgendwie um Jude gruppieren. Der Autor gibt auch den Nebenfiguren ein Gesicht und eine Geschichte und es ist berührend, wie beharrlich sich alle um Jude sorgen und heimlich kümmern. Jude, der seine Sorgen nie teilt, seine Geheimnisse nicht preisgibt, sich nie helfen lassen will und trotzdem nie in Stich gelassen wird. Abschließend ist eigentlich nur zu sagen, dass dieses Buch ganz sicher mein Lesehighlight dieses Jahres ist. Noch nie hat mir ein Buch fast körperliche Schmerzen bereitet wie dieses und noch nie hat mich ein geschriebenes Leben so berührt!

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    • 5
  • Ein wenig Leben...

    Ein wenig Leben

    Susibelle

    10. July 2017 um 22:50

    Dieses Buch hat meine Erwartungen nicht ganz erfüllt und meinen Geschmack vielleicht auch nicht so sehr getroffen. Von allem vielleicht etwas zu viel. Trotzdem ein sehr berührendes Buch, welches es jedoch nicht in mein Bücherregal der Lieblingsbücher geschafft hat.

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