Hanya Yanagihara Ein wenig Leben

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Inhaltsangabe zu „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara

Ein wenig Leben handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Wie in ein schwarzes Loch werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. Ein wenig Leben ist zugleich realistischer Roman und Märchen – ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Erlösung. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch. Ein unvergleichlich mutiger und erschütternder Roman über Freundschaft als wahre Liebe – und die Frage, ob sie uns retten kann.

Eine große emotionale Herausforderung und eine wirklich unvergessliche Geschichte!

— missNaseweis
missNaseweis

Zieht sich endlos in die Länge, alles wird bis ins Kleinste breit getreten. Ermüdend.

— kornmuhme
kornmuhme

Beklemmender Roman über eine gequälte Seele, die auch mit viel Liebe nicht mehr von ihrer Vergangenheit befreit werden kann.

— black_horse
black_horse

Es hat mich aufgewühlt, mich nachdenklich gestimmt, mich mit Liebe und Zuneigung gefüllt und mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

— NiWa
NiWa

Ein Buch das wehtut, dies auch will. Nicht sittsam, noch geduldig. Hart u. unnachgiebig. Hier wird niemand geschont, am wenigsten der Leser.

— LibriHolly
LibriHolly

Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe!!!

— Buecherhexe
Buecherhexe

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  • Langatmig und übertrieben

    Ein wenig Leben
    kornmuhme

    kornmuhme

    29. July 2017 um 18:32

    Puh ... soll ich noch etwas zum Inhalt schreiben? Ach, ich glaube, worum es in dem Buch geht, wird in meiner Meinungsäußerung genügend deutlich, denn viel ist das leider eh nicht ... Ab einem relativ frühen Zeitpunkt begann ich diesen Roman, seine Protagonisten, den Schreibstil usw. nervig zu finden! Dabei ist die Grundidee höchst bedeutsam und existenziell: Junger und schließlich erwachsener Mensch (Jude St. Farncis) entkommt seinen grausamen Kindheitstraumata nicht und versucht trotzdem ein würdevolles Leben zu leben. Ein wichtiges Thema! Doch die Umsetzung war fü mich zum großen Teil ein Griff ins Klo! 1.) Die Charaktere sind maßlos überzeichnet und unrealistisch gezeichnet: Alle vier jungen Männer sind hochbegabt und werden supererfolgreich in der Künstlerszene in New York (außer Jude, aber der wird Staranwalt). Ausnahmslos jeder der vier kommt zu übermäßigem Ansehen und Reichtum, kann sich diverse Häuser, Luxuswohnungen, Urlaube leisten - leider wird auch immer wieder schön darauf hingewiesen. War dies ein besonderes Bedürfnis der Autorin? Auch die Freunde und Bekannten der vier Jungs sind hochanerkannte Universitätsprofessoren, Wissenschaftler, Ärzte, Anwälte etc. Kurz gesagt, dem Leser begegnet hier eine ausnahmslose Kunst- und Bildungselite, mit der ich mich persönlich überhaupt nicht identifizieren konnte. Keine Krankenschwester, Supermarktangestellte, kein Busfahrer oder Autolackierer, keine "normalen" Leute weit und breit. 2.) Protagonist Jude St. Francis ist in meinen Augen ein Gary Stu (das männliche Pendant zu einer Mary Sue, bitte googlen, wem das nichts sagt): hochbegabt, über die Maßen intelligent, einmalig in seinem Leiden, ein Mensch, der ernsthaft psychisch und physisch krank ist, sich nicht helfen lassen will - aber mal locker eine 60 Stunden-Woche in einer Staranwaltskanzlei absolviert! Das wirkte auf mich immer wieder völlig abstrus, manchmal schien es, als habe Jude nächtelang nicht geschlafen, sei völlig ausgelaugt, esse nichts ... Aber brav jeden Morgen geht er zur Arbeit (und nicht selten ins Gericht, in die Öffentlichkeit!) und wuppt diese Arbeitstage locker. Für mich unglaubwürdig duch und durch. Erstaunlich auch, dass Jude ein befreundeter Arzt 24 Stunden zur Verfügung stand (obwohl auch er Familie hatte ...) und ihn immer wieder zusammengeflickt hat. 3.) Die ständigen Wiedeholungen und das ewige Sich-im-Kreise-Drehen waren irgendwann ermüdend. Ständig gab es irgendwelche Thanksgiving Dinner, Urlaube mit den immer gleichen Personen, Arztbesuche, Gespräche über die immer gleichen Themen. Das Buch hätte locker 300 Seiten weniger haben, dafür aber fokussierter sein können. Auch Jude in seiner permanenten Verweigerung, sich helfen zu lassen, sein Abblocken und seine Freunde, die auch aus dieser Co-Abhängigkeit nicht herauskamen ... Wie gesagt, eigentlich ein wichtiges Thema, aber irgendwann ist es genug! 4.) Die Geschichte um die vier Freunde ist leider ohne jeden Bezug zu zeitgeschichtlichen Ereignissen konstruiert, d.h., ich wusste zu keinem Zeitpunkt, in welchem Jahr man sich befand, oder welche gesellschaftlichen Themen aktuell waren (sehr merkwürdig z.B., dass man nicht offen über eine psychotherapeutische Therapie reden konnte, sondern nur verstohlen und als wäre diese etwas Esoterisch-Merkwürdiges ...). So schwebt und wabert dieses Drama vor sich hin, ohne dass man als Leser irgendwelche Bezüge herstellen könnte ... Es gibt bestimmt noch weitere Kleinigkeiten, über die ich meckern könnte, wenn ich mich mit jemandem über dieses Buch austauschen würde. Doch diese vier großen Kritikpunkte sollen genügen. Insgesamt war mir dieser Roman zu überzeichnet, übertrieben, überdramatisch, langweilig, zäh und einseitig. Das Ende dagegen fand ich sehr konsequent gewählt. 2 von 5 Sternen

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    • 3
  • Überwältigend

    Ein wenig Leben
    Wortklauber

    Wortklauber

    04. June 2017 um 17:35

    Der Schauspieler Willem, der Jurist Jude, der Künstler JB und der Architekt Malcolm: vier Männer in New York, die seit ihrer College-Zeit miteinander befreundet sind, mal mehr, mal weniger, im Kern jedoch hat die Freundschaft Bestand. Der Roman begleitet die vier Männer über Jahrzehnte, erzählt von ihren beruflichen und privaten Erfolgen und Misserfolgen, wobei Willem und Jude im Vordergrund stehen. Wer hiernach nun von einem Buddy-Roman ausginge (hätte er denn nicht schon anderweitig davon gehört, denn tatsächlich war „Ein wenig Leben“ in aller Munde), der irrte. Einer der vier Männer trägt eine schwere Bürde mit sich herum, ein Geheimnis, das er vor den anderen verbirgt, das sich aber in seinen Körper quasi eingegraben hat und immer noch beständig Tribut von ihm fordert: Jude hat eine Kindheit voller Missbrauch hinter sich, seine Kleidung verbirgt einen entstellten Körper. Die Figur Jude ist quasi ein Märtyrer, und die Geschichte hat etwas sowohl Märchenhaftes wie Mythologisches: Jude ist das gequälte Findelkind, das in seiner Jugend immer neue Gewalt erfährt, aber erwachsen trotzdem fast übermenschlich „gut“ bleibt – und nicht zuletzt dadurch umso mehr an seiner Vergangenheit leidet. Leid und Erlösung sind zentrale Motive des Romans; Freundschaft, Liebe, die zwischen hetero- zu homosexuell keine großen Unterschiede macht, große Themen. Wenngleich die Autorin hiermit den Weg der größten Wahrscheinlichkeit verlässt: unglaubhaft ist die Wendung deshalb keineswegs. „Ein wenig Leben“ kommt gänzlich ohne weibliche Hauptfiguren aus, es übergeht historische Ereignisse, die in die Handlungszeit fallen (müssten), sondern konzentriert sich voll auf die Beziehungen der vier Männer, ihre privaten, akademischen und kulturellen Hintergründe und – später – vor allem auf Judes Kindheit und Jugend. Der Roman beginnt harmlos, scheint teilweise auch etwas überausführlich, gedehnt. Es waren  Andeutungen über Judes Vergangenheit, die mich das Buch nicht weglegen ließen. Jude leidet und schweigt. Leid und Schweigen erzeugen bei diesem Roman vielleicht die meiste suggestive Kraft: Ich wollte wissen, was eigentlich genau passiert ist. Ein bekannter, alter, aber eben doch wirksamer Trick. So benötigte es hunderte Seiten, bis ich wirklich in die Geschichte fand. Dann allerdings habe ich das Buch als ungeheuer mitreißend und eindringlich empfunden. Es tat mitunter fast schon weh, diese Geschichte mitzuerleben – und Dank der Fähigkeiten der Autorin passierte das tatsächlich leicht – weglegen kam nicht mehr infrage. Dieses Buch hat das Potential, einen ungeheuren Sog zu entfalten, wenn man sich darauf einlässt. Hanya Yanagihara hat einen Roman geschrieben, der gleichzeitig brutal, schonungslos und quälend in seinem detailliert geschilderten Missbrauch ist, und auf der anderen Seite starke und genauso glaubwürdige rührende, zarte, bewegende Anteile hat. „Ein wenig Leben“ ist eines der wenigen Bücher, die ich ein zweites Mal lesen (hören) möchte. (Fast 1.000 Seiten bringen es in der ungekürzten Hörfassung auf fast 36 Stunden Laufzeit.)

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  • Leid ohne Ende

    Ein wenig Leben
    black_horse

    black_horse

    20. May 2017 um 18:15

    Bei diesem Hörbuch fällt mir die Bewertung wirklich schwer.Mit fast 36 h Laufzeit begibt sich der Hörer gemeinsam mit der Hauptfigur Jude auf eine Odysee durch ein Leben voller Leid und Schmerz. Jude, der als Kind und Jugendlicher sehr grausame Erfahrungen sammeln musste, findet als erwachsener Mann viele Unterstützer, die ihm zu einem "ganz normalen" Leben verhelfen wollen. Er ist Anwalt, hat wundervolle Freunde und Adoptiveltern, die ihn lieben. Und trotzdem quält ihn seine Vergangenheit unaufhörlich. Nicht nur seine körperlichen Verletzungen begleiten ihn, sondern auch das selbstverletzende Verhalten, das er nicht ablegen kann genau wie Ängste und Vorurteile gegen sich selbst. Immer wieder muss er auch als Erwachsener die Erfahrung machen, dass es Grausamkeiten gibt, die ihn wieder herunterziehen.Das Buch macht sehr betroffen. Es geht sehr tief ins Herz, tut weh. Wieso kann niemand Jude wirklich helfen? Warum lässt er sich benutzen? Gibt es keine Heilung für die geschundene Seele?Je länger ich gehört habe, desto mehr habe ich gehofft, dass es bald vorbei ist. Viele Gedanken und Gefühle wiederholen sich immer wieder, wenn auch in anderem Zusammenhang. Das Buch wechselt auch die Perspektive und erzählt gleiche Inhalte nochmal aus anderer Sicht, was irgendwann zäh wird.Insgesamt ein bewegendes Buch mit beklemmenden Eindrücken, das aber gerne kürzer hätte sein dürfen.

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  • Das Leben und die Leiden des Jude St. Francis

    Ein wenig Leben
    NiWa

    NiWa

    20. April 2017 um 17:08

    Laut Inhaltsbeschreibung geht es um vier Männer, die sich am College kennenlernen und eine lebenslange Freundschaft pflegen. Im Mittelpunkt steht Jude St. Francis, der trotz der Liebe seiner Freunde, nicht aus dem schwarzen Schatten seiner Kindheit und Jugend treten kann.Obwohl die Freundschaft dieser vier Männer angeblich im Zentrum der Erzählung steht, geht es meiner Meinung einzig und allein um Jude, einen beschädigten Menschen, der es nicht einmal wagt, ein wenig Leben und ein bisschen Liebe zu erwarten.Jude ist charismatisch, er ist gut aussehend, er hat etwas Überlegenes und ist geheimnisvoll. Mit Jude St. Francis hat Autorin Hanya Yanagihara einen Protagonisten erschaffen, den man einfach lieben muss. Ich konnte nicht anders, als an Judes Leben teilzuhaben, jede Minute mit ihm als Geschenk zu empfinden und ihm mit jeder Faser meines Körpers alles Gute zu wünschen. Ich hatte noch nie eine derart intensive Hörerfahrung und es kommt selten vor, dass man sich so sehr an einen Charakter gebunden fühlt. Denn Jude ist nicht nur mit diesen überaus positiven Eigenschaften gesegnet, sondern ihm wurde in seinem Leben übelst mitgespielt. Vom Trauma seiner Kindheit und Jugend hat er sich weder physisch noch psychisch erholen können und nach und nach erfährt man, wie eine menschliche Seele so zugerichtet werden kann.Jude ist ein beschädigter Mensch. Er ist zerbrochen und kann nicht einmal durch die Liebe seiner Freunde notdürftig zusammengesetzt werden. Dabei hat er trotz all der Grausamkeiten seines Lebens so großes Glück gehabt. Er hat überlebt und er wird wahrhaftig geliebt, weil man einfach nicht anders kann, als vom ersten Moment an unendliche Zuneigung für Jude zu empfinden.Die Handlung erstreckt sich über ein ganzes Menschenleben. Über mehrere Jahrzehnte hinweg lernt man Jude und seine Freunde kennen, erlebt mit ihm schöne Augenblicke, erfährt in Rückblicken, was Jude einst so beschädigt hat, und macht gleichzeitig Entsetzliches in der Gegenwart durch, was dieses Hörbuch zu einer sehr intensiven Lese- bzw. Hörerfahrung macht.Judes Freunde nehmen mehr oder weniger Raum in der Erzählung ein und rücken doch stark in den Hintergrund. Daher behaupte ich, dass es nicht um die Freundschaft, sondern um das Trauma geht, das einen gebrochenen Menschen hervorgebracht hat.Das Leben und die Leiden von Jude St. Francis haben mich aufgewühlt, mich nachdenklich gestimmt, mich mit Liebe und Zuneigung gefüllt und mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Meiner Meinung nach hat Hanya Yanagihara damit ganz große Literatur geschaffen, die vielleicht märchenhafte Züge enthält, einen epischen Grundton hat und manches Mal sogar kitschig ist, mich als Leser aber mitten in der Seele trifft und zum intensiven Nachdenken anregt.Wer diesem Roman offen gegenübersteht und sich auf den ruhigen Erzählstil einlassen kann, wird in Judes Schatten treten und so schnell nicht mehr herausfinden. Es ist ein Buch voller Leid, Liebe und Wahrhaftigkeit. Es ist eine Geschichte, die einen nicht unberührt und vor Schmerz innerlich aufschreien lässt.

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    • 15
  • ‚Doch im Grunde ist er derselbe Mensch [...]'

    Ein wenig Leben
    sabatayn76

    sabatayn76

    30. March 2017 um 22:31

    ‚Doch im Grunde ist er derselbe Mensch, ein Mensch, der in anderen Abscheu hervorruft, ein Mensch, der existiert, um gehasst zu werden.‘Jude, Malcolm, J.B. und Willem haben sich am College kennengelernt und sind auch Jahre später noch eng befreundet. Zwar beschreibt Hanya Yanagihara in ‚Ein wenig Leben‘ die berufliche und persönliche Entwicklung der vier Freunde und ihre Beziehung zueinander, ihre Konflikte und ihre Freundschaft, doch im Mittelpunkt des Romans steht Jude, der als Anwalt Karriere gemacht hat, der beliebt und charismatisch ist, den jedoch keiner der Freunde wirklich zu kennen scheint, denn Jude erzählt nichts von seiner Kindheit und Jugend, die Freunde wissen nicht, woher er kommt und woher die entsetzlichen Schmerzen in seinen Beinen stammen. Wie die drei Freunde und andere Vertraute Judes (sein Arzt Andy sowie Harold und seine Frau Julia, die den erwachsenen Jude adoptierten) erfährt auch der Leser nach und nach von Judes Vergangenheit, von seinem Leid und seinen Schmerzen. Die Geschichte entblättert sich dabei mit Rückblenden und Spannung erzeugenden Szenewechseln Schicht für Schicht, so dass die fast 1000 Seiten bzw. 2000 Hörminuten fast durchweg fesselnd sind. Ich habe ‚Ein wenig Leben‘ als Buch gelesen und als (gekürztes) Hörbuch gehört. Ich lese normalerweise keine Klappentexte, weil oft zu viel verraten wird und das mein Lesevergnügen häufig schmälert. Bei ‚Ein wenig Leben‘ habe ich allerdings noch stärker darauf geachtet, dass ich nicht zu viel über das Buch weiß, bevor ich selbst damit begonnen habe. Das war die richtige Entscheidung, und ich empfehle dies jedem potenziellen Leser, weswegen ich hier auf eine detaillierte Inhaltsangabe und bestimmte Schlagworte verzichtet habe. Vor der Lektüre habe ich mir vorgenommen, mich nicht zu sehr vom Buch berühren zu lassen, denn ich empfand das Cover als zu plakativ und irgendwie manipulativ. Mein Plan ist nicht aufgegangen, denn das Buch, das sich auf den ersten hundert Seiten durchaus etwas in die Länge zieht und vor allem anfangs deutlich hätte gekürzt werden können, hat schließlich einen so starken Sog auf mich ausgeübt, dass ich mich der Geschichte um Jude kaum entziehen konnte. Man kann in Rezensionen häufig von diesem ‚Sog‘ lesen, oder ein Buch wird mit Drogen verglichen, von denen man nicht lassen kann. Dies klingt oft abgedroschen und übertrieben, aber hier war es für mich tatsächlich so: Ich konnte am Abend nicht aufhören mit dem Buch, und ich habe mir am Morgen überlegt, ob ich es wage, weiterzulesen/-hören, weil dann die Gefahr bestehen würde, dass ich an diesem Tag nichts anderes mehr tun werde. Dabei ist es beim Lesen/Hören oft so, dass die Schilderungen beinahe unerträglich sind, dass man eigentlich nicht erfahren WILL, was Jude nach und nach von seiner Vergangenheit erzählt, dass man aber lesen und hören MUSS, was er erlebt hat. Diese ambivalenten Gefühle von Abscheu und Neugier zogen sich fast durch die gesamte Lektüre und haben mich stellenweise emotional ausgelaugt. Und dennoch gab es für mich (genau wie für Jude, der all die Dinge am eigenen Leib erlebt hat) kein Entrinnen: Das Buch hat mich regelrecht verfolgt, ich habe in den Lese- und Hörpausen immer wieder darüber nachdenken müssen, ich musste (wie es der Verlag ankündigt) darüber sprechen. Dabei ist Judes Problematik hervorragend und sehr authentisch herausgearbeitet und beschrieben, so dass man tiefe Einblicke in seine Persönlichkeit und die Gründe für seine Handlungen, Gefühle und Gedanken bekommt. Aus sprachlicher Sicht ließ sich das Buch sehr flüssig lesen, obwohl ich anfangs manche Phrasen und Vergleiche zu sperrig und unsinnig fand, z.B. ‚sie schmolzen so geräuschlos in der eigenen Geschichte wie ein Brikett aus Eis, das in eine warme Badewanne gleitet‘. Das Hörbuch wird von Torben Kessler sehr ansprechend gelesen, das Tempo und die Sprachmelodie sind angenehm und sorgen dafür, dass man der Geschichte gerne lauscht, obwohl ich mich anfangs erst einhören musste und die Stimme gewöhnungsbedürftig fand. ‚Ein wenig Leben‘ ist ein Buch über unvorstellbares Leid, über Schmerz und Verzweiflung, über Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit - und zugleich ein Buch über Glück und Erfolg, Liebe und Freundschaft, Hoffnung und das pure Leben. Ein Buch wie ‚Ein wenig Leben‘ bekommt man selten in die Hände, deshalb empfehle ich - trotz der Länge des Romans und des oft schwierigen Inhalts - die Lektüre, die mich so sehr beeindruckt und fasziniert, aber auch abgestoßen hat.

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  • Ein Buch, das unter die Haut geht

    Ein wenig Leben
    LibriHolly

    LibriHolly

    19. March 2017 um 22:51

    Ein Buch, das mich absolut begeistert hat und das ich in fast schon kindlich anmutender Faszination in nur wenigen Tagen regelrecht verschlungen habe, trotz seines doch recht beachtlichen Umfangs. Eine nicht ganz einfache Lektüre, aber es lohnt sich. Die Rede ist von „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Ein unglaubliches Buch. Unfassbar. Lange hat mich kein Buch mehr so berührt, ging mir so unter die Haut. „Ich glaube, der Trick bei Freundschaften besteht darin, Menschen zu finden, die besser sind als man selbst – nicht klüger, nicht cooler, sondern liebenswürdiger und großzügiger und nachsichtiger - , und sie dann für das wertzuschätzen, was sie dir beibringen können, und ihnen zuzuhören, wenn sie dir etwas über dich sagen, ganz egal wie schlecht – oder gut – es ist, und ihnen zu vertrauen, was der schwierigste Teil ist. Aber auch der beste.“ (aus „Ein wenig Leben)  „Ein wenig Leben“ handelt denn auch von der lebenslangen Freundschaft von Jude, JB, Malcom und Willem. Vier Leben, vier Freunde, vier Geschichten. Vier Biografien, eine jede auf ihre Weise interessant zu lesen. Vier komplett gegenläufige Lebensentwürfe und dennoch verlieren sich die Freunde aus Collegetagen über die drei Jahrzehnte, die wir sie auf ihrem Weg begleiten dürfen, nie ganz aus den Augen. Und so erfahren wir, Seite für Seite, immer mehr über ihre Kindheit, Jugend, Familien. Geschichten von Trauer, Identitäts- und Sinnsuche. Erleben mit, wie die vier Freunde allesamt, nach und nach, ihren Platz im Leben finden, erfolgreich sind in ihren jeweiligen Berufen, als Architekt, Maler, Schauspieler und Rechtsanwalt. Und so springt die Handlung scheinbar willkürlich vor und zurück im Leben der vier – bis, ja, bis JB, Malcom und Willem in ihrer ganzen nackten Wahrheit vor uns stehen, gänzlich ihrer Geheimnisse beraubt. Nur über Jude St. Francis wissen wir nach wie vor so gut wie nichts. Wir sehen nur den ruhigen, besonnenen, sympathischen und intelligenten jungen Mann, der, körperlich versehrt, immer wieder von Schmerzattacken gepeinigt, mehr und mehr in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt wird und können doch nur vermuten, aber in keinster Weise erahnen, was ihm schreckliches in seiner Kindheit wiederfahren sein muss. Ein Mann, gefangen im eigenen Körper. Mehr und mehr rückt Jude in den Mittelpunkt des Geschehens, dreht sich der Roman um diesen einen dunklen Punkt in seinem Leben und auch wenn sich die Handlung so manches Mal auf der Stelle zu bewegen scheint, so wir es doch nie langweilig, denn nun will man es wissen, Judes Geheimnis, will sie kennenlernen, seine Dämonen. Und ganz langsam bewegt man sich mit seinen Freunden auf den Abgrund zu, blickt hinab und da ist sie Judes Geschichte in ihrer ganzen unerbittlichen Härte. „Es ist eine gute Geschichte“ sagte er. Er grinste mich sogar an. „Ich erzähle sie dir.“ „Bitte“, sagte ich. Und dann tat er es. (aus „Ein wenig Leben“) Zugegeben „Ein wenig Leben“ ist trotz wunderschöner Sprache keine schöne, aufgeräumte, höfliche Lektüre. Es ist ein Buch das wehtut und dies auch will. Nicht sittsam, noch geduldig. Hart und unnachgiebig. Hier wird niemand geschont, am allerwenigsten der Leser. Die Handlung folgt keinem bestimmten Plan, keiner Ordnung. Scheinbar losgelöst von Zeit und Raum springt die Handlung hin und her, kein Weltgeschehen trübt den Blick. Ein literarischer Drahtseilakt. Prophetische Weitsicht steht im Kontrast zu unheilvollen Gewissheiten und längst vergangenen Tatsachen. Ein Strudel aus Gefühlen, dem man sich als Leser nicht verschließen kann. Eine Literatur, die in keine Schablone passen will. Nahezu besitzergreifend. Es ist ein Buch, das den Leser herausfordert, für die Dauer seiner Lektüre komplett in Anspruch nimmt. Man ist hin- und hergerissen zwischen absoluter Faszination über die Art, wie Yanagihara uns ihre Geschichte erzählt und absoluter Erschütterung über Judes Seelenqualen. Eines ist sicher, nach der Lektüre dieses Buches sieht man die Welt mit etwas anderen Augen. Ein Buch wie ein Schrei. Selten passen Cover und Buch so gut zusammen wie in diesem Fall, greift das Cover so stimmig das im Buch vorherrschende Gefühl auf. Man könnt fast meinen, das Bild sei extra für dieses Buch aufgenommen worden. Doch weit gefehlt. „Orgasmic Man“ entstand bereits 1969, lange bevor die Autorin geboren wurde. Aufgenommen wurde es vom Fotografen Peter Hujar, dem unter anderem auch Susan Sontag und Andy Warhol Modell saßen. Und so stellt denn auch Hanya Yanagihara nach dem Cover befragt fest: „Kunst ist immer im Dialog mit anderer Kunst, ob bewusst oder unbewusst, und wann immer ein Künstler diesem Dialog eine Zeile hinzufügt, ist das eine wunderbare Erfahrung.“ Hanya Yanagihara, 1974 in Los Angeles als Tochter hawaiianisch-asiatischer Eltern geboren, lebt und arbeitet sie heute als Schriftstellerin, Journalistin und Redakteurin beim Magazin T der New York Times in New York. Ihre großen Themen sind das Leben in all seiner Härte, Missbrauch, Abstammung, Identität. "Ein wenig Leben" ist ihr bereits zweiter Roman. Er stand auf der Shortlist des Man Booker Prize und des National Book Award und gehört zu den meist diskutiertesten literarischen Werken der vergangenen Jahre in den USA. Die Verfilmung des Romans durch den Oscar- und Emmy-Preisträger Scott Rudin ist in Vorbereitung.

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  • LovelyBooks Hörbuch-Challenge 2017

    Der Vorleser
    Ginevra

    Ginevra

    Ihr liebt das gesprochene Wort genauso wie das geschriebene? Und Hörbücher und Hörspiele gehören in euer Bücherregal genauso wie das gedruckte Buch? Dann seid ihr bei der LovelyBooks Hörbuch Challenge 2017 genau richtig.  Ziel der Challenge ist, das wir in diesem Jahr 15 Hörbücher/ Hörspiele hören und rezensieren. Ablauf:  1. Melde dich mit einem Sammelbeitrag zu Challenge an. Ich werde unter diesem Text eine Teilnehmerliste anlegen mit allen Teilnehmern und diese mit Eurem Sammelbeitrag verlinken. 2. Zwischen dem 01.01. und 31.12.2017 hörst zu 15 Hörbücher/Hörspiele mit einer Mindestlänge von 3 Stunden, egal aus welchem Genre oder wann erschienen. Neu: Bis zu drei Hörspiele dürfen auch kürzer als drei Stunden sein! (sonst ist es zu schwierig, welche zu finden). 3. Wenn du nun ein Hörbuch/Hörspiel gehört und auf LovelyBooks rezensiert hast, schreibe den Link zur Rezension hier in einem Kommentar. Es werden nur rezensierte Hörbücher und Hörspiele gezählt, deren Rezension auf LovelyBooks erschienen sind.  Drei Rezensionen dürfen durch Kurzmeinungen ersetzt werden! 4. Die Unterkategorien dienen dem Austausch untereinander - Du darfst natürlich frei wählen, was Du hören möchtest! 5. Trage den Link zu Deinen Rezensionen auch in Deinen Sammelbeitrag ein. 6. Unter allen TeilnehmerInnen, die die Vorgaben erfüllt haben, wird am Ende des Jahres eine kleine Überraschung verlost! Ihr könnt jederzeit einsteigen und mitmachen oder euch wieder abmelden. Denn die Challenge soll vor allen Dingen eins machen: Spaß! Habt Ihr noch Fragen? Dann meldet euch! Ansonsten freue ich mich auf viele Anmeldungen. Falls Eure Links nicht funktionieren sollten, bitte melden!! Teilnehmerliste: Aglaya ban-aislingeach black_horse BellastellaBuchgeborene   Buecherwurm Cathy28 capcola ChattysBuecherblog ChrischiD Cornelia_Ruoff CorniHolmes danielamariaursula Foerdebuch Gelegenheitsleseratte Ginevra Gruenente HeyyHandsome Joolte Kleine1984 Kuhni77 lenisvea leniks Lesebiene27 Letanna loveYouknowMe Luiline LunaLuo Meiky MelE Michicorn MissWatson76 MissStrawberry monidaMrslaw MsChili Nelebooks Nele75 OnlyHope1990 parden Pucki60 robberta sChiLdKroEte Schluesselblume Schnapsprinzessin Seelensplitter Smilla507 Steffi_LeyererTalathiel Thaliomee walli007 Wedma zazzles

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