Hao Jingfang

 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Wandernde Himmel.

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Wandernde Himmel

Wandernde Himmel

 (3)
Erschienen am 25.09.2018

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Rezension zu "Wandernde Himmel" von Hao Jingfang

Wandernde Himmel
thursdaynextvor einem Monat

Mit der Enterprise und Spock fing es an, es folgten Jules Verne, Isaac Asimov, Stanislaw Lem, Aldous Huxley, George Orwell, Frank Herbert, Star Wars und danach war ich vollends infiziert. Science-Fiction-Literatur ist eines meiner Faibles. Es gibt hochklassige, intelligent verschmitzt humorvolle wie Douglas Adams Anhalter-Reihe oder die Klonkriege von John Scalzi. Im besten Fall eröffnet SciFi-Literatur Ausblicke in mögliche Zukunftsszenarien, ist gesellschaftskritisch, mahnend und wegweisend. Knüpft an aktuelles Zeitgeschehen an, verbindet Geschichte und Gegenwart mit der potentiellen Zukunft. Macht Lust und Hoffnung und regt zum Reflektieren an.

Philosophische Gedankenanstöße und technischer Schnickschnack, Vorstellungen von fremdartigen Wesen und Systemen, all dies hat seinen Reiz, wenn es gut gemacht ist.

Hao Jingfangs Werk „Wandernde Himmel“ ist gut gemacht. Well done! Die erste weibliche, chinesische Hugo-Preisträgerin hat ihren ganz eigenen Stil. Poetisch, sprachlich gekonnt die Bilder im Kopf des Lesers erscheinen lassend und trotz des Umfangs ohne jegliche Längen, begibt sie sich mitsamt ihren Leser*innen auf die Suche nach dem perfekten Gesellschaftssystem, wohl wissend, dass es dies nicht für alle Menschen geben kann. Die bestmögliche aller Welten zu finden, überlässt sie dem Hirn des Lesers. Der Mars wurde von Menschen besiedelt. Nach der Rebellion und dem darauffolgenden Sieg der Marsbewohner sind Erde und Mars getrennt und verfeindet. Erste diplomatische Missionen versuchen die beiden Planeten und ihre Bevölkerungen, die in sehr unterschiedlichen Gesellschaftssystemen leben, wieder einander anzunähern. Das ist nicht zuletzt deshalb sehr spannend, weil man sich beim Lesen immer wieder fragt, wie viel Kritik am politischen System Chinas sich die Autorin erlauben kann und wie sie diese verpackt. Die studierte Physikerin und Wirtschaftswissenschaftlerin, die sich nicht als Schriftstellerin empfindet, sondern das Schreiben als Hobby betreibt, meint dazu: „Ich mag Science Fiction, denn sie gibt mir die Möglichkeit, die Wirklichkeit hinter mir zu lassen.“ Gerade dieser Aspekt ist sehr spannend, doch Hao Jingfang dringt in ihrem, dichtgewobenen, komplexen Epos viel tiefer in das ein, was das Menschsein ausmacht, sowohl für das Individuum, als auch für eine große Gruppe von Menschen. Dazu kommen ihre technischen Lösungsmöglichkeiten zur Urbarmachung des Mars, der bekanntermaßen nicht humantauglich ist, ihre Empathie für junge Menschen, besonders ihre achtzehnjährige Protagonistin Luojing, die nach fünfjährigem Aufenthalt auf der Erde zu Beginn der Geschichte frisch wieder in ihrer fremd gewordenen Heimat, dem Mars, eintrifft und die dortigen Verhältnisse viel offener und klarer sieht, als es die Daheimgebliebenen können.

„Die jungen Leute waren in der einen Welt geboren und in der anderen großgeworden. Die eine Welt war ein Hochhaus, in dem strenge Regeln herrschten. Die andere Welt, in der sie erwachsen wurden, war ein verwilderter Garten.“

Als spannend empfand ich beim Lesen aber auch den politischen Hintergrund. Hao Jingfang ist, wie gesagt, Chinesin. Was darf sie schreiben, wie drückt sie sich aus, wie gelingt ihr der Spagat des Vergleichs der Systeme, dessen eines doch stark an die westliche Welt angelehnt ist und dessen anderes sie wohl aus eigener Erfahrung sehr gut kennt. Diese Schwierigkeit meistert die Autorin charmant elegant, sie wertet nicht, überlässt dies den Gedanken des Lesers. Sie zeigt die guten und schlechten Seiten beider Systeme und auch den Rattenschwanz, der der jeweiligen Ideologie nachfolgt, und, was er für Auswirkungen auf einzelne Menschen, deren Leben und Entwicklung hat.

Dieser ruhige, philosophisch poetische Roman über zwei unterschiedliche Welten ist einer jener Science-Fiction-Romane, der im Kopf verbleibt. Besonders das Streben nach Schönheit, das der Autorin am Herzen liegt, macht es zu einem andauernden Hochgenuß. Ein Muss für SciFi-Liebhaber und eine Chance für literarturaffine Leser, die bisher um SciFi einen großen Bogen gemacht haben.

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Buchperlenblogs avatar

Rezension zu "Wandernde Himmel" von Hao Jingfang

Sehr philosophisches Leseabenteuer!
Buchperlenblogvor 2 Monaten

Inhalt

2096 wurde der Mars, der rote Planet, von der Erde besiedelt. Eine Kolonie aus freien Geistern, Wissenschaftlern, Künstlern, die es auf einen neuen Planeten zieht. Sie entfernen sich immer mehr von den Erdbewohnern, nicht nur physisch sondern auch psychisch. Sie koppelt sich ab, führen ein eigenes System ein, es kommt zum Krieg zwischen den beiden Planeten. Die Geschichte setzt rund 100 Jahre in der Zukunft ein, als einige Jugendliche vom Mars auf die Erde gesandt werden. Sie sollen die Gebräuche beider Welten kennenlernen, um so in Zukunft vielleicht vermitteln zu können.

Rezension

Die Philosophie in der Science Fiction

Wandernde Himmel von Hao Jingfang ist mein zweiter Gehversuch in der Science Fiction. Das Setting des besiedelten Mars klang auf den ersten Blick wunderbar exotisch, voller Potenzial. Im Gegensatz zu Andreas Brandhorsts Artefakt, wird hier weniger Wert auf völlig neues World- und vorallem Wordbuilding gelegt, wofür ich sehr dankbar war. Auch wenn sich die Erde und der Mars grundlegend in ihren Systemen unterschieden, gleichen doch die Begriffe denen unseres heutigen Verständnisses. Auch waren die technischen Fakten weniger allgegenwärtig.

Für Hao Jingfang geht es mehr um philosophische Fragen. Welches Leben ist lebenswerter? Der Kapitalismus der Erde, bei dem alles zu Geld gemacht werden muss? Oder das System des Mars, bei dem alles künstlerisches Schaffen frei zugänglich ist? Natürlich gibt es noch weitere Unterschiede bei den Planeten. Auf der Erde lebt man frei, man wechselt Jobs und Wohnplätze nach eigenem Gutdünken. Auf dem Mars muss man sich in jungen Jahren für ein Studio festlegen, bekommt ein Haus zugeteilt und lebt fortan in festgelegten Bahnen. Das eine verspricht Freiheit, das andere Sicherheit.

Luoying ist eine der Jugendlichen, die fünf Jahre lang auf der Erde lebten, die Gewohnheiten kennenlernten und größtenteils auch annahmen. Als sie mit ihrer Gruppe zurückkehrt, stellt sie ihr bisheriges Leben in Frage. Luoying treibt die Frage um, weshalb sie mit den anderen auf die Erde sollte, denn ihre Testergebnisse waren weitaus durchschnittlicher als die der Anderen. Womöglich hängt alles mit dem Tod ihrer Eltern vor so vielen Jahren zusammen?
Grundsätzlich fand ich die Idee einer geistigen Revolution sehr interessant, die Umsetzung jedoch etwas langatmig. Typisch für asiatische Literatur sind lange Monologe voller Pathos, die die großen Fragen des Lebens versuchen zu beantworten. Leider bin ich nicht der philosophischste Mensch, der sich an solcherlei Reden ergötzt. Nachdem ich Kapitel um Kapitel mehr oder weniger die gleichen Fragen wälzte, schlich sich mit steigender Seitenzahl die Langeweile ein. Ich blätterte manche Abschnitte vor und zurück, auf der Suche nach mehr Handlung. Für mich hätte gut die Hälfte des Buches ausgereicht. Denn die Geschichte IST gut, und was sie vermittelt ebenfalls, doch mir war sie leider zu ausschweifend. Auch konnte ich mit keiner Figur so recht Freundschaft schließen, es gab keinen, der mich mitgerissen hätte, ob nun im positiven oder negativen Sinn. Alles schwamm ein wenig im eigenen Strom dahin.

Fazit

Eine gute Grundidee, die mit weniger Seiten geraffter und spannender aufgetreten wäre. Wer Freude am Philosophieren hat, dem lege ich Wanderde Himmel gern ans Herz, wer ein wenig Action und Spannung braucht, dem rate ich eher ab.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 3 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

=3.4 ★★★

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-nicole-s avatar

Rezension zu "Wandernde Himmel" von Hao Jingfang

Ein ruhiger, aber beeindruckender Science Fiction-Roman
-nicole-vor 2 Monaten

Leben zwischen zwei Welten…

2096: Die Erde hat eine Kolonie auf dem Mars gegründet, um neuen Lebensraum zu erschließen. Doch die will unabhängig sein: Während die Mars-Bewohner den Raubtierkapitalismus der Erde verdammen, halten die Erdenmenschen den roten Planeten für ein System unkontrollierter Alleinherrschaft. Zur Verständigung zwischen den Völkern sendet der Mars hundert Jahre später einige Jugendliche auf die Erde – darunter auch die kürzlich verwaiste Luoying, eine Enkelin des Mars-Machthabers. Ihr Bruder bleibt zurück. Fünf lange Jahre dauert es, bis die nun erwachsene Frau den loyalen und erfolgreichen Rudy in der roten Heimat wiedersieht. Die Weltenwanderin Luoying muss sich entscheiden: Für oder gegen das starre System - mit möglicherweise tödlichen Konsequenzen nicht nur für sie selbst. (Quelle: Klappentext vom Verlag)

„Am liebsten hatte er sie gefragt, was sie denn machen wolle, wenn sie einmal groß sei. Jetzt wusste sie die Antwort: Sie wollte nicht nur verstehen, was die anderen sagten, sondern hinter die Fassade ihrer Worte blicken.“ – Seite 83, eBook

Als ich den Klappentext gelesen habe, war klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste. Denn diesen Roman enthält ein spannendes Szenario. Wie oben erwähnt, hat die Erde im Jahr 2096 die erste Kolonie auf dem Mars gegründet – die Handlung des Buches spielt aber gut 100 Jahre später, als die 18-jährige Luoying nach einem fünfjährigen „Schüleraustausch“ zurück auf den roten Planeten kommt – dort ist sie aufgewachsen. Doch das Leben auf der Erde hat sie verändert – sie beginnt das System zu hinterfragen, auch gibt es in ihrem Leben einige Unklarheiten. Sie versucht den Geheimnissen auf die Spur zu kommen…

„Sie war eine Wanderin zwischen den Welten, doch sie konnte nicht entscheiden, welche von beiden die unfreiere war: der Mars, wo das System alle grundlegenden Bedürfnisse erfüllte, oder die Erde, auf der einem ständig die Armut drohen konnte. Aber eines wusste sie: Alle Menschen liebten die Freiheit. Sie mochten noch so verschieden sein, in diesem Punkt waren sie alle einander gleich.“
– Seite 168, eBook

Man wird an diese komplexe Geschichte langsam herangeführt - am Anfang des Buches bekommt man einen kurzen, aber sehr guten Einblick, was in den 100 Jahren seit der Marsbesiedelung geschehen ist – es gab einen großen Krieg zwischen Erd- und Marsbewohnern. Nun, im Jahr 2190, sind die beiden Planeten dabei, sich langsam wieder anzunähern. Diese Entwicklung ist spannend zu verfolgen.
Neben der interessanten Geschichte rund um die Hauptfigur Luoying hat mir besonders die sehr gute Ausarbeitung gefallen - die Autorin beschreibt hier detailreich, wie das Leben der Marsianer aussieht. Man bekommt einen Einblick in die Architektur der Stadt, die aktuelle Technologie und natürlich auch, wie das marsianische Gesellschaftssystem gestaltet ist - dieses unterscheidet sich sehr zu den Bewohnern der Erde.
Alles in allem ist es aber eine eher ruhige Geschichte – ein besonderer Science-Fiction-Roman, der zwar nicht sehr actionreich ist, aber durch gute Dialoge überzeugt und manches Mal zum Nachdenken anregt.

Mein Fazit: Ein ruhiger, aber beeindruckender Science-Fiction-Roman über zwei Welten, deren Lebensumstände unterschiedlicher nicht sein können. Ende des 22. Jahrhundert angesiedelt, gibt die Autorin einen interessanten und detaillierten Einblick auf den inzwischen besiedelten Mars und dessen Beziehung zur Erde. Die gesamte Ausarbeitung ist sehr gut gelungen – es gibt viele Hintergrundinfos. Anders als die bekannte, oft rasante Science-Fiction-Action, aber lesenswert. Ich vergebe 4,5 Sterne hierfür.

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