Hao Jingfang

 4 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Hao Jingfang

Hao Jingfang, geboren 1984, gewann bereits 2002 ihren ersten Literaturpreis. Doch den Studienplatz, den ihr die Chinesisch-Fakultät der Peking-Universität reservierte, lehnte sie ab. Stattdessen studierte sie Physik und machte ihren Ph.D. in Wirtschaftswissenschaften. Seit 2006 publiziert sie regelmäßig in chinesischen Zeitschriften und arbeitet inzwischen beim Thinktank China Development Research Foundation. Ihre unterschiedlichen Wissensbereiche kommen in ihrem Schreiben aufs Fruchtbarste zusammen: Für ihre Erzählung «Peking falten» erhielt sie 2016 den Hugo Award, einen der wichtigsten Preise für Science-Fiction-Literatur – nach «Die drei Sonnen» von Bestsellerautor Cixin Liu erst der zweite Text aus China, dem das gelang. Hao Jingfangs Bücher verkauften sich in China über eine Million Mal.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hao Jingfang

Cover des Buches Wandernde Himmel9783499274183

Wandernde Himmel

 (4)
Erschienen am 25.09.2018
Cover des Buches Peking falten9783644405035

Peking falten

 (0)
Erschienen am 21.08.2018

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Rezension zu "Wandernde Himmel" von Hao Jingfang

3,5 Sterne
Der_Buchdrachevor 10 Monaten

3.5*

Science Fiction aus China ist im Kommen. Eine aufstrebende junge Frau ist ebenfalls unter den zahlreichen neuen Namen, die auch im europäischen Buchmarkt ihre Fans finden: Hao Jingfang schrieb mit »Wandernde Himmel« einen wunderbar zarten und einfühlsamen Roman über die Frage »Wie wollen wir leben?«

»Zwei Gesellschaften und eine große Frage: 
Wie wollen wir leben?
2096: Die Erde hat eine Kolonie auf dem Mars gegründet, um neuen Lebensraum zu erschließen. Doch die will unabhängig sein: Während die Mars-Bewohner den Raubtierkapitalismus der Erde verdammen, halten die Erdenmenschen den roten Planeten für ein System unkontrollierter Alleinherrschaft. Zur Verständigung zwischen den Völkern sendet der Mars hundert Jahre später einige Jugendliche auf die Erde – darunter auch die kürzlich verwaiste Luoying, eine Enkelin des Mars-Machthabers. Ihr Bruder bleibt zurück. Fünf lange Jahre dauert es, bis die nun erwachsene Frau den loyalen und erfolgreichen Rudy in der roten Heimat wiedersieht. Die Weltenwanderin Luoying muss sich entscheiden: Für oder gegen das starre System - mit möglicherweise tödlichen Konsequenzen nicht nur für sie selbst.«
(Quelle: Verlag)

Ich schreibe diese Rezension mit einigem Abstand zum Buch und ich muss gestehen, dass nicht allzu viele Eindrücke hängen geblieben sind. Das liegt aber daran, dass ich persönlich eher für die großen Wow-Momente zu haben bin und »Wandernde Himmel« im Gegenzug dazu sehr ruhig erzählt ist. Es empfiehlt sich definitiv, sich Zeit und Ruhe für diesen Roman zu suchen, um ihn dann bestmöglich in all seinen Facetten genießen zu können.

Die Autorin hat einen wunderbar zarten Blick für die Details, die ihre Welt lebendig werden lassen. Luoying wirkt dadurch wie ein sehr zerbrechliches Geschöpf – jedoch wissen wir alle, dass stille Wasser tief sind. So auch Luoying, die, vielleicht beabsichtig, vielleicht unbeabsichtigt, ein großes Umdenken in ihrer Gesellschaft und besonders unter den jungen Leuten anstößt.

In der Ruhe des Romans liegt seine Eindrücklichkeit. Wir verfolgen einen eher langsamen Spannungsaufbau, jedoch ist stets zu merken, dass unterschwellig etwas im Argen ist. Allerdings hat mich der zweite Teil des Romans leider etwas verloren. Für mich war es dann doch etwas zu ruhig.

Dem ganzen Roman liegt Platons Höhlengleichnis zugrunde. Derjenige, der seinen Platz in den Schatten nie verlässt, wird nie erfahren, dass die Schatten nicht echt sind. Luoying war eine jener Personen, die die Schatten verließ und auf der Erde eine völlig andere Art und Weise kennen lernte zu leben. Sie kennt nun die Vor- und Nachteile beider Welten und beider Lebenskonzepte, hängt aber selber als Weltenwanderin dazwischen und weiß nicht so recht, welchem Konzept sie sich eher verbunden fühlt. Der Erde? Dem Mars? Etwas Neuem?

Leider muss ich das sehr konservative Welt- und Rollenbild, das in diesem Roman präsentiert wird, kritisieren. Ob da wohl der chinesische Hintergrund durchkommt?

»Wandernde Himmel« von Hao Jingfang ist ein sehr ruhiger, aber dafür umso eindrücklicherer Roman über die Frage, wie wir leben wollen. Für manche mitunter jedoch zu ruhig. Nichtsdestotrotz ist er auf jeden Fall eine Empfehlung. 


Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.


Mögliche Trigger
- Suizid

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Rezension zu "Wandernde Himmel" von Hao Jingfang

Wandernde Himmel
thursdaynextvor 2 Jahren

Mit der Enterprise und Spock fing es an, es folgten Jules Verne, Isaac Asimov, Stanislaw Lem, Aldous Huxley, George Orwell, Frank Herbert, Star Wars und danach war ich vollends infiziert. Science-Fiction-Literatur ist eines meiner Faibles. Es gibt hochklassige, intelligent verschmitzt humorvolle wie Douglas Adams Anhalter-Reihe oder die Klonkriege von John Scalzi. Im besten Fall eröffnet SciFi-Literatur Ausblicke in mögliche Zukunftsszenarien, ist gesellschaftskritisch, mahnend und wegweisend. Knüpft an aktuelles Zeitgeschehen an, verbindet Geschichte und Gegenwart mit der potentiellen Zukunft. Macht Lust und Hoffnung und regt zum Reflektieren an.

Philosophische Gedankenanstöße und technischer Schnickschnack, Vorstellungen von fremdartigen Wesen und Systemen, all dies hat seinen Reiz, wenn es gut gemacht ist.

Hao Jingfangs Werk „Wandernde Himmel“ ist gut gemacht. Well done! Die erste weibliche, chinesische Hugo-Preisträgerin hat ihren ganz eigenen Stil. Poetisch, sprachlich gekonnt die Bilder im Kopf des Lesers erscheinen lassend und trotz des Umfangs ohne jegliche Längen, begibt sie sich mitsamt ihren Leser*innen auf die Suche nach dem perfekten Gesellschaftssystem, wohl wissend, dass es dies nicht für alle Menschen geben kann. Die bestmögliche aller Welten zu finden, überlässt sie dem Hirn des Lesers. Der Mars wurde von Menschen besiedelt. Nach der Rebellion und dem darauffolgenden Sieg der Marsbewohner sind Erde und Mars getrennt und verfeindet. Erste diplomatische Missionen versuchen die beiden Planeten und ihre Bevölkerungen, die in sehr unterschiedlichen Gesellschaftssystemen leben, wieder einander anzunähern. Das ist nicht zuletzt deshalb sehr spannend, weil man sich beim Lesen immer wieder fragt, wie viel Kritik am politischen System Chinas sich die Autorin erlauben kann und wie sie diese verpackt. Die studierte Physikerin und Wirtschaftswissenschaftlerin, die sich nicht als Schriftstellerin empfindet, sondern das Schreiben als Hobby betreibt, meint dazu: „Ich mag Science Fiction, denn sie gibt mir die Möglichkeit, die Wirklichkeit hinter mir zu lassen.“ Gerade dieser Aspekt ist sehr spannend, doch Hao Jingfang dringt in ihrem, dichtgewobenen, komplexen Epos viel tiefer in das ein, was das Menschsein ausmacht, sowohl für das Individuum, als auch für eine große Gruppe von Menschen. Dazu kommen ihre technischen Lösungsmöglichkeiten zur Urbarmachung des Mars, der bekanntermaßen nicht humantauglich ist, ihre Empathie für junge Menschen, besonders ihre achtzehnjährige Protagonistin Luojing, die nach fünfjährigem Aufenthalt auf der Erde zu Beginn der Geschichte frisch wieder in ihrer fremd gewordenen Heimat, dem Mars, eintrifft und die dortigen Verhältnisse viel offener und klarer sieht, als es die Daheimgebliebenen können.

„Die jungen Leute waren in der einen Welt geboren und in der anderen großgeworden. Die eine Welt war ein Hochhaus, in dem strenge Regeln herrschten. Die andere Welt, in der sie erwachsen wurden, war ein verwilderter Garten.“

Als spannend empfand ich beim Lesen aber auch den politischen Hintergrund. Hao Jingfang ist, wie gesagt, Chinesin. Was darf sie schreiben, wie drückt sie sich aus, wie gelingt ihr der Spagat des Vergleichs der Systeme, dessen eines doch stark an die westliche Welt angelehnt ist und dessen anderes sie wohl aus eigener Erfahrung sehr gut kennt. Diese Schwierigkeit meistert die Autorin charmant elegant, sie wertet nicht, überlässt dies den Gedanken des Lesers. Sie zeigt die guten und schlechten Seiten beider Systeme und auch den Rattenschwanz, der der jeweiligen Ideologie nachfolgt, und, was er für Auswirkungen auf einzelne Menschen, deren Leben und Entwicklung hat.

Dieser ruhige, philosophisch poetische Roman über zwei unterschiedliche Welten ist einer jener Science-Fiction-Romane, der im Kopf verbleibt. Besonders das Streben nach Schönheit, das der Autorin am Herzen liegt, macht es zu einem andauernden Hochgenuß. Ein Muss für SciFi-Liebhaber und eine Chance für literarturaffine Leser, die bisher um SciFi einen großen Bogen gemacht haben.

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Rezension zu "Wandernde Himmel" von Hao Jingfang

Sehr philosophisches Leseabenteuer!
Buchperlenblogvor 2 Jahren

Inhalt

2096 wurde der Mars, der rote Planet, von der Erde besiedelt. Eine Kolonie aus freien Geistern, Wissenschaftlern, Künstlern, die es auf einen neuen Planeten zieht. Sie entfernen sich immer mehr von den Erdbewohnern, nicht nur physisch sondern auch psychisch. Sie koppelt sich ab, führen ein eigenes System ein, es kommt zum Krieg zwischen den beiden Planeten. Die Geschichte setzt rund 100 Jahre in der Zukunft ein, als einige Jugendliche vom Mars auf die Erde gesandt werden. Sie sollen die Gebräuche beider Welten kennenlernen, um so in Zukunft vielleicht vermitteln zu können.

Rezension

Die Philosophie in der Science Fiction

Wandernde Himmel von Hao Jingfang ist mein zweiter Gehversuch in der Science Fiction. Das Setting des besiedelten Mars klang auf den ersten Blick wunderbar exotisch, voller Potenzial. Im Gegensatz zu Andreas Brandhorsts Artefakt, wird hier weniger Wert auf völlig neues World- und vorallem Wordbuilding gelegt, wofür ich sehr dankbar war. Auch wenn sich die Erde und der Mars grundlegend in ihren Systemen unterschieden, gleichen doch die Begriffe denen unseres heutigen Verständnisses. Auch waren die technischen Fakten weniger allgegenwärtig.

Für Hao Jingfang geht es mehr um philosophische Fragen. Welches Leben ist lebenswerter? Der Kapitalismus der Erde, bei dem alles zu Geld gemacht werden muss? Oder das System des Mars, bei dem alles künstlerisches Schaffen frei zugänglich ist? Natürlich gibt es noch weitere Unterschiede bei den Planeten. Auf der Erde lebt man frei, man wechselt Jobs und Wohnplätze nach eigenem Gutdünken. Auf dem Mars muss man sich in jungen Jahren für ein Studio festlegen, bekommt ein Haus zugeteilt und lebt fortan in festgelegten Bahnen. Das eine verspricht Freiheit, das andere Sicherheit.

Luoying ist eine der Jugendlichen, die fünf Jahre lang auf der Erde lebten, die Gewohnheiten kennenlernten und größtenteils auch annahmen. Als sie mit ihrer Gruppe zurückkehrt, stellt sie ihr bisheriges Leben in Frage. Luoying treibt die Frage um, weshalb sie mit den anderen auf die Erde sollte, denn ihre Testergebnisse waren weitaus durchschnittlicher als die der Anderen. Womöglich hängt alles mit dem Tod ihrer Eltern vor so vielen Jahren zusammen?
Grundsätzlich fand ich die Idee einer geistigen Revolution sehr interessant, die Umsetzung jedoch etwas langatmig. Typisch für asiatische Literatur sind lange Monologe voller Pathos, die die großen Fragen des Lebens versuchen zu beantworten. Leider bin ich nicht der philosophischste Mensch, der sich an solcherlei Reden ergötzt. Nachdem ich Kapitel um Kapitel mehr oder weniger die gleichen Fragen wälzte, schlich sich mit steigender Seitenzahl die Langeweile ein. Ich blätterte manche Abschnitte vor und zurück, auf der Suche nach mehr Handlung. Für mich hätte gut die Hälfte des Buches ausgereicht. Denn die Geschichte IST gut, und was sie vermittelt ebenfalls, doch mir war sie leider zu ausschweifend. Auch konnte ich mit keiner Figur so recht Freundschaft schließen, es gab keinen, der mich mitgerissen hätte, ob nun im positiven oder negativen Sinn. Alles schwamm ein wenig im eigenen Strom dahin.

Fazit

Eine gute Grundidee, die mit weniger Seiten geraffter und spannender aufgetreten wäre. Wer Freude am Philosophieren hat, dem lege ich Wanderde Himmel gern ans Herz, wer ein wenig Action und Spannung braucht, dem rate ich eher ab.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 3 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

=3.4 ★★★

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