Harald Focke

 3,7 Sterne bei 3 Bewertungen

Lebenslauf

Harald Focke, Jahrgang 1950, arbeitet als Historiker, wissenschaftlicher Autor und Journalist in Bassum bei Bremen. Ihn interessiert alles, was schwimmt, fährt oder fliegt. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze vor allem zur maritimen Geschichte veröffentlicht, meist über Passagierschiffe. Focke ist Mitarbeiter mehrerer Zeitungen und Magazine; unter anderem schreibt er für SCHIFF CLASSIC und TRAKTOR CLASSIC.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Harald Focke

Cover des Buches Alltag unterm Hakenkreuz (ISBN: 9783499144318)
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Rezension zu "Alltag unterm Hakenkreuz" von Harald Focke

KarinJ
Viel interessante Information, zu wenig Erlebnisberichte

Inhalt (vom Verlag, Zitat): "Wie die Nazis das Leben der Deutschen veränderten - ein aufklärendes Lesebuch - In diesem Buch geht es um die Sicht der Nazi-Zeit "von unten". Wie lebte der Durchschnittsbürger nach 1933? Was änderte sich im Alltag des "kleinen Mannes"? Wie reagierte er auf die zunehmende Reglementierungen? Diese Veränderungen zeigten sich im Privatleben und bei der Arbeit. Das Buch stellt dar

- wie die Nazis die Jugendlichen in ihre Organisationen preßten, ihre Freizeit praktisch abschafften und sie mit ihren Ideologien vollstopften. Um die Indoktrination komplett zu machen, wurden die Schulen umgekrempelt: Lehrer wurden ausgewechselt, Schüler lernten nach neuen Plänen;

- wie die Nazis den Arbeitern mühsam erkämpfte gewerkschaftliche Rechte ohne Federlesen entrissen und sie gemeinsam mit den Unternehmern in die "Deutsche Arbeitsfront" steckten. Durch neue Arbeitplätze, höhere Löhne und Geld für kinderreiche Familien sollte auch der letzte "Volksgenosse" für das Regime gewonnen werden;

- wie sich unter den Bedingungen des Krieges die Versorgung der Bevölkerung verschlechterte und mit welchen Zwangsmaßnahmen die Nazis versuchten, Arbeitskräfte für den "Endsieg" zu mobilisieren. Die Folge war wachsender Unmut der Bevölkerung.

(...)

Harald Focke (geb. 1950) und Uwe Reimer (geb. 1947) studierten Geschichte und Germanistik. Sie sind Lehrer an einem Hamburger Gymnasium und geben die historische Schriftenreihe "ereignisse" heraus."

Bewertung: Ich hatte erwartet und gewünscht, dass mehr persönliche Erlebnisse berichtet worden wären. Überwiegend werden Entwicklungen dargestellt - was passierte wann z. B. im Hinblick auf die Abschaffung christlicher Verbände und den Aufbau der Hitler-Jugend (HJ). Vereinzelt wird das nachgezeichnet anhand von Tagebuchauszügen, häufiger jedoch durch amtliche Schreiben, in denen die Reaktion der Bevölkerung auf bestimmte Maßnahmen weitergegeben wurde. Trotzdem wird deutlich, dass Faschismus für die Bevölkerung, auch wenn man nicht ins Visier genommen wird, immens einschränkend ist. Beispielsweise waren den Nazis die "Wandervögel" ein Dorn im Auge, weil diese, nach Freiheit strebend, in der Natur zusammenkamen, und sich das Regime sowohl vom Drang nach Freiheit als auch von den Gelegenheiten zum unaufsichtigten Ausstausch bedroht fühlte. Kinder wurden in Dienste wie Sammlungen (Leder, Knochen, Heilkräuter...) eingeplant, noch bevor sie mit 10 Jahren in die HJ bzw. den BDM eintraten. Nach der Schule mußte man zum Dienst bei der HJ. Andererseits konnte man behaupten, man hätte Dienst gehabt und keine Zeit für Hausaufgaben, wogegen der Lehrer nichts sagen durfte. Auch dadurch stürzte die Qualität der Bildung ab. Eine Lehre zu beginnen oder in eine höhere Laufbahn aufzusteigen, war nicht erlaubt, wenn man nicht bei der HJ gewesen war. Am liebsten würde ich noch mehr Dinge aufzählen, die ich vor diesem Buch nicht gewußt habe. Insgesamt fand ich die Beispiele für diese Reglementierung hinein bis ins Kleinste bedrückend und deren Erfolge erschütternd. Kinder hörten von Klein an Lieder und Geschichten, in denen der Heldentod fürs Vaterland als die höchste Ehre dargestellt wurde, so dass der Tod des Vaters als Soldat oder der eigene Tod als etwas Hinnehmbares erschienen. Auch die Willkür des Faschismus wurde deutlich. Dass Regeln nicht für alle gelten, dass beispielsweise reiche Bauern/Unternehmer und deren Angehörige nicht zum Arbeits- und Wehrdienst herangezogen wurden. Besonders böse fand ich dazu die Klage (eines Amtsmannes), dass die Beschwerdeführer eben nicht das große Ganze im Blick hätten und würdigen könnten, weil sie nur an die eigenen Belange dächten und keinen Volksgemeinsinn hätten. Mein Fazit ist, dass das Buch sehr viel interessante Informationen enthält, aber der Anspruch, den Alltag des kleinen Mannes zu zeigen, besser erfüllt hätte werden können. Ich gebe dem Buch 3 Sterne.

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