Sagt Felix Magath, den manche auch Quälix nennen, weil er seine Spieler schwer bepackt über Hügel rennen ließ. Liest man dieses Buch, dann weiß man, woher das kommt. Magath ist in anderen Zeiten zu dem Spieler gereift, der er dann in seinen besten Zeiten war. Da ging es zur Sache, da waren noch Männer gefragt. Natürlich müssen auch heutige Profis hart körperlich trainieren. Aber vielleicht konnten sich Männer zu Magath Zeiten nicht die Wehleidigkeit leisten, die sie heute zeigen. Sieht man sich hochklassige Spiele im Frauenfußball an, dann kann man schon den Eindruck gewinnen, dass Frauen mehr Männlichkeit und Härte zeigen als ihre Kollegen vom anderen Geschlecht.
Da hat man das Gegensätzliche, das man im Titel des Buches findet, auf eine Art, die damit eigentlich nicht gemeint sein kann. Magath wuchs ohne seinen Vater auf, den es zurück in seine Heimat Puerto Rico zog. Der kleine Felix musste sich also selbst durchschlagen. Und das hat er offensichtlich hervorragend gemeistert. In Deutschland hat er mit mehreren Vereinen als Spieler und als Trainer eigentlich alles erreicht, was man so erreichen kann. Er wurde drei Mal zum Trainer des Jahres gewählt.
Dieses Buch besitzt zwei Autoren, was etwas seltsam ist, weil man es von außen nicht vermuten kann: Magath selbst und Harald Kaiser. Leider erfährt man nicht, wie dieser Text entstanden ist, was ich ein wenig schade fand. Es geht chronologisch vor und beschreibt mit Magaths Worten seinen Lebenslauf, soweit er öffentlich interessant ist. Dann folgen Kommentare seines Ko-Autors. Am Ende werden alle Erfolge Magaths aufgelistet.
Bereits am Anfang findet man folgenden Absatz der auch etwas Gegensätzliches offenbart: "Obwohl ich immer diszipliniert und akribisch gearbeitet habe, bin ich im Grunde ein Künstler. Ich schreibe mir nie etwas auf, keine Daten, keine Termine, ich bin komplett unorganisiert und chaotisch, und ich brauche den Fußball, weil dort alles klar strukturiert ist. Innerhalb der klaren Regeln und Grenzen dieses Sports konnte ich zunächst als Spieler und später als Trainer meine Stärke, die Kreativität, ausspielen."
Betrachtet man die modernen, so genannten Laptop-Trainer, dann sieht man einen grundsätzlichen Unterschied. Mehr Gegensätzlichkeit geht eigentlich nicht.
Wenn man nicht gerade ein Magath-Fan ist, dann liest sich das Buch etwas sperrig, auch weil es gewisse Längen hat, die man vermutlich nicht vermeiden kann, will man alles abarbeiten. Für mich war es allein schon deswegen aufschlussreich, weil man an Magaths Leben sieht, wie sich der Mensch, seine Fähigkeiten und sein Horizont langsam aber stetig formen.
Der Mann ist eine gewisse Legende, schon weil er aus seiner Begabung das Maximale herausgeholt hat, weil er willensstark und durchsetzungsfähig ist. Weil er eine Aura besitzt und weil er durch und durch authentisch ist. Und weil er mit seiner Männlichkeit aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Leider.
Meine Bewertung richtet sich an Fans und Interessierte. Andere werden dieses Buch wohl kaum lesen.
"Im Grunde bin ich ein Künstler"






