Harald Martenstein

 3,8 Sterne bei 214 Bewertungen
Autor von Vom Leben gezeichnet, Gefühlte Nähe und weiteren Büchern.
Autorenbild von Harald Martenstein (©  C. Bertelsmann Verlag)

Lebenslauf von Harald Martenstein

Eine Stimme, die für Kontroversen sorgt: Der deutsche Schriftsteller, Redakteur und Kolumnist Harald Martenstein erblickte am 9 September 1953 in Mainz das Licht der Welt. Nach dem Abitur studierte Martenstein in Freiburg Geschichte und Romanistik. Heute arbeitet er als Autor und Journalist. Er betreute im "ZEIT-Magazin" die Kolumne "Martenstein" und ist außerdem Redakteur für den Berliner "Tagesspiegel". Seit Herbst 2007 hat Harald Martenstein eine eigene Radiokolumne auf Radioeins und tretet zudem regelmäßig in Fernsehsendungen auf. 2004 wurde er mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis geehrt. Sein Roman "Heimweg" wurde im September 2007 mit der Corine ausgezeichnet, 2010 erhielt er den Curt-Goetz-Ring. Außerdem sind seine Kolumnensammlungen "Männer sind wie Pfirsiche-Subjektive Betrachtungen über den Mann von heute mit einem objektiven Vorwort von Alice Schwarzer" und "Der Titel ist die halbe Miete-Mehrere Versuche über die Welt von heute" veröffentlicht worden. Neben einer kritischen Betrachtung der deutschen Gesellschaft, hat er sich auch mit der Vaterschaft und dem Geschlechterverhältnis beschäftigt.

Alle Bücher von Harald Martenstein

Cover des Buches Vom Leben gezeichnet (ISBN: 9783328101093)

Vom Leben gezeichnet

 (29)
Erschienen am 11.09.2017
Cover des Buches Gefühlte Nähe (ISBN: 9783442744145)

Gefühlte Nähe

 (28)
Erschienen am 09.05.2012
Cover des Buches Wut (ISBN: 9783550201202)

Wut

 (24)
Erschienen am 01.02.2021
Cover des Buches Der Titel ist die halbe Miete (ISBN: 9783442740888)

Der Titel ist die halbe Miete

 (19)
Erschienen am 08.06.2010
Cover des Buches Schwarzes Gold aus Warnemünde (ISBN: 9783746632827)

Schwarzes Gold aus Warnemünde

 (19)
Erschienen am 14.11.2016
Cover des Buches Heimweg (ISBN: 9783328105763)

Heimweg

 (20)
Erschienen am 13.04.2020
Cover des Buches Männer sind wie Pfirsiche (ISBN: 9783442739271)

Männer sind wie Pfirsiche

 (13)
Erschienen am 01.09.2009
Cover des Buches Ansichten eines Hausschweins (ISBN: 9783328103165)

Ansichten eines Hausschweins

 (11)
Erschienen am 09.01.2018

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Harald Martenstein

Cover des Buches Wut (ISBN: 9783550201202)sleepwalker1303s avatar

Rezension zu "Wut" von Harald Martenstein

Wie werden wir, wer wir sind, was macht uns aus? Verstehen heißt nicht zwingend verzeihen können
sleepwalker1303vor 22 Tagen

„Ich bin in der Wohnung meiner Mutter, morgen kommen Möbelpacker. Sie ist jetzt im Heim und versteht nicht mehr, was um sie herum geschieht.“ Mit diesen Worten beginnt Harald Martensteins Roman „Wut“, ein Buch über eine gewaltvolle Mutter-Kind-Beziehung. Der Autor sagt selbst:  „Und dies ist ein Roman, keine Biographie und keine Reportage. Ein Anderer als ich könnte ihn nicht schreiben, denn ich arbeite, wie jeder Romanautor, im Steinbruch meiner Erinnerungen, eigne mir dieses an, verwerfe jenes, erfinde dazu und vergesse. Ich habe mir alle Freiheiten genommen, die das Genre Roman gestattet.” Diese Aussage lässt vermuten, dass autobiographische Elemente verarbeitet sind.⠀

Martensteins Ich-Erzähler Frank leidet von frühster Kindheit an unter den unvorhersehbaren Wutausbrüchen der Mutter (die er nur „Maria“ nennt), die nicht selten in wahren Prügel-Orgien gipfelten. („Ich habe gemerkt, wie sie immer hin- und hergerissen war zwischen Liebe und Hass. Sie war kein Mensch, der Gefühle unterdrücken kann, das konnte sie überhaupt nicht, und so wechselte das eben manchmal innerhalb weniger Minuten, Küsse, Schläge, dann wieder Küsse.“) Das Leben der Mutter war nicht einfach. Das weiß auch Frank, der für ihr Verhalten Erklärungen findet, es aber nicht entschuldigen kann. („Es gibt Dinge, die ich ihr nicht verzeihen kann, obwohl ich sie verstehe.“) Sie kannte als Kind selbst kaum Liebe, vor allem nicht von der eigenen Mutter, die sie mit 18 Jahren zur Welt brachte. Nach dem Krieg fand sie Unterschlupf in einem Bordell und landete dann auf einer Klosterschule. Durch ihre Intelligenz standen ihr trotz ihrer rebellischen Art alle Wege offen – letztendlich verließ sie die Schule kurz vor dem Abitur ohne Abschluss. Sie heiratete und bekam nach zahllosen Abtreibungen, die ihr Schwiegervater, ein Tierarzt, illegalerweise durchführt, ein Kind. 

 „Als sie sehr jung Mutter wurde, war ich wohl so etwas Ähnliches wie jetzt die Krankheit, etwas, das sie daran hinderte, frei zu sein.“ - Die Mutter hatte zwar noch Ziele und Träume, verwirklichte aber nichts. Im Endeffekt macht ihren Sohn für ihr verpfuschtes Leben verantwortlich. Und er sie für seines, denn auch er ist ein getriebener und weitgehend bindungsunfähiger Mensch. Frank bricht den Kontakt zur Mutter ab und lange Zeit verbindet ihn mit der Frau, die ihn geboren hat, nur eines: eine tiefe innere Wut, die auch ihn nicht loslässt. „Maria sagte immer, dass ich alles ihr verdanke, dass ich nur ihre Kreatur bin, mein Talent, mein Geld, der Erfolg, alles ihr Erbe, ihre harte Schule, und in gewisser Weise hat sie damit recht. Ich verdanke ihr alles, was ich bin, im Guten und Schlechten.“ 

Soweit konnte ich dem Buch folgen. Ich fand die Erzählung bedrückend, aber realistisch und nachvollziehbar. Doch dann scheint Frank Zweifel an seinen bruchstückhaften Erinnerungen zu bekommen und die Geschichte rutschte für mich ins Philosophisch-Hypothetische ab. „Niemals weiß ich, ob mir meine Erinnerung nicht einen Streich spielt. War es denn wirklich so?“ Zwar habe er nichts aus seiner Vergangenheit verdrängt, er erinnere sich schlicht nicht an Dinge, die nicht wichtig sind, um im Leben zurecht zu kommen. Nicht nur schlimme Erinnerungen sind weg, sein „Gehirn speichert auch angenehme Erinnerungen nicht.“ Und nach und nach wurde das Buch für zunehmend wirr und undurchsichtig. 

Sprachlich fand ich das Buch ansprechend und wegen der vielen oft völlig unvorhersehbaren Handlungen, teilweise sogar spannend. Es ist ein bemerkenswertes, schwer zu verdauendes Werk. Enttäuschend fand ich aber den Schluss. Nach viel psychologischem Tiefgang, einem Mäandern zwischen Mitleid, Verständnis, Wut und Hoffnung, fand ich ihn verworren und verwirrend. Was bleibt, ist die Frage, wie wir zu dem werden, was wir sind, mit dem Fazit: „„Und irgendwann muss man sowieso damit aufhören, den Eltern die Schuld an dem fehlerhaften Menschen zu geben, der man ist.“ Für ein tiefgründiges Buch aus dem ich viel mitnehmen konnte von mir vier Sterne. 

Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Wut (ISBN: 9783550201202)Booklove91s avatar

Rezension zu "Wut" von Harald Martenstein

Das Erbe des Krieges und der Schrecken einer Kindheit
Booklove91vor 3 Monaten

Meine Meinung und Inhalt

"Es ist leichter, zu verzeihen, wenn man der Stärkere ist. Wenn man sich ohnmächtig fühlt, gibt einem der Hass wahrscheinlich die Kra t, die man braucht." (ZITAT)

Frank ist der Wut seiner Mutter ausgeliefert. Sie schlägt ihn, immer wieder. Er steht ihren Träumen im Weg. Erst kam der Krieg, dann das Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, dann die Klosterschule. Und jetzt das Kind.
Eines Tages eskaliert ein Streit, und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los. 

"Für unsere gemeinsame Geschichte war das ein Wendepunkt, weil ich jetzt endlich zu wissen glaubte, warum sie wütend auf mich war." (ZITAT) 

Mir hat das Buch ganz gut gefallen. Ein Buch, das berührend und gleichzeitig bedrückend ist, über vererbte Wut und verkümmerte Liebe.

Mir scheint als wolle Martenstein nicht vermitteln, dass auf eine schwierige Kindheit notwendigerweise auch ein schwieriges Leben folgen muss,aber er zeigt eine Konstellation, die genau das wahrscheinlich macht. Er zeigt, wie sich Marias Wut auf teils erklärliche, teils diffuse Weise auf Frank überträgt. Der Aufbau des Buches und die Herangehensweise des Autors, die einzelnen Abschnitte zu schildern, gefällt mir sehr gut.

"Ich bin inzwischen entjungfert. Das Bett hat hinterher ausgesehen wie ein Schützengraben vor Verdun nach einem Bajonettangriff", berichtet etwa Franks Freundin Monika. Und als Frank eher versehentlich mit einer gewissen Corazon Castaneda ein Kind zeugt, fällt ihm auf: "Eine gemeinsame Elternschaft mit einer Anakonda wäre vermutlich unkomplizierter." (ZITAT)

Den direkten offenen Schreibstil muss man vermutlich mögen. Ich fand das zur Handlung passend, ebenso das Cover. 



HARALD MARTENSTEIN, geboren 1953 in Mainz, ist ein deutscher Journalist und Autor. Seit 2002 schreibt er eine Kolumne für Die Zeit, die auch im RBB und im NDR zu hören ist. Für seine Arbeit wurde er mit dem Egon-Erwin-Kisch-, dem Henri-Nannen- und dem  Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Außerdem lehrt er an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel und an Journalistenschulen in Österreich und der Schweiz. Harald Martenstein lebt in Berlin.

Kommentare: 1
4
Teilen
Cover des Buches Wut (ISBN: 9783550201202)L

Rezension zu "Wut" von Harald Martenstein

War in Ordnung
LadySunnyvor 4 Monaten

Das Buch "Wut" von Harald Martenstein war ein Buch, das ich mit recht großen Erwartungen gelesen habe, denn allein der Titel weckt so viele Assoziationen,. Ich habe mich schon sehr darauf gefreut, die Wut am eigenen Körper zu spüren, die Empörung durch mich rieseln zu fühlen, aber leider konnte der Text all diese impulsiven, starken Gefühle in mir nicht wirklich auslösen. 


Trotzdem habe ich mich unterhalten gefühlt und bin Franks Weg gefolgt. Die Geschichte selbst war etwas wirr ebenso der Schreibstil. Ich hätte mir alles in allem etwas mehr Stringenz und beim Leser geweckte Gefühle gewünscht. 

Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Harald Martenstein wurde am 08. September 1953 in Mainz (Deutschland) geboren.

Harald Martenstein im Netz:

Community-Statistik

in 297 Bibliotheken

von 48 Lesern aktuell gelesen

von 4 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks