Harald Meller

 4,3 Sterne bei 77 Bewertungen
Autor*in von Die Himmelsscheibe von Nebra, Das Rätsel der Schamanin und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Harald Meller, geboren 1960 in Olching, ist Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle an der Saale und Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt. Er hat die Himmelsscheibe aus dunklen Kreisen gerettet und leitet ihre Erforschung durch ein internationales Wissenschaftlerteam. Darüber hat er mit Kai Michel im erfolgreichsten deutschen Archäologiebuch der letzten Jahre berichtet: Die Himmelsscheibe von Nebra. Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Im Herzen der Macht (ISBN: 9783423285025)

Im Herzen der Macht

Erscheint am 08.10.2026 als Gebundenes Buch bei dtv Verlagsgesellschaft.

Alle Bücher von Harald Meller

Cover des Buches Die Himmelsscheibe von Nebra (ISBN: 9783548061160)

Die Himmelsscheibe von Nebra

(18)
Erschienen am 31.01.2020
Cover des Buches Das Rätsel der Schamanin (ISBN: 9783499009341)

Das Rätsel der Schamanin

(9)
Erschienen am 18.02.2025
Cover des Buches Die Evolution der Gewalt (ISBN: 9783423352635)

Die Evolution der Gewalt

(7)
Erschienen am 29.12.2025
Cover des Buches Griff nach den Sternen (ISBN: 9783549100271)

Griff nach den Sternen

(4)
Erschienen am 31.05.2021
Cover des Buches Der geschmiedete Himmel (ISBN: 9783806222043)

Der geschmiedete Himmel

(3)
Erschienen am 29.05.2008
Cover des Buches Tatort Eulau (ISBN: 9783806224016)

Tatort Eulau

(4)
Erschienen am 01.08.2010

Neue Rezensionen zu Harald Meller

Die Schamanin von Bad Dürrenberg – Ein Blick in eine faszinierende Vergangenheit

Die Schamanin ist ein Begleitband zu einer Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), die vom 27. März bis 1. November 2026 besichtigt werden kann. Wer so wie ich nicht mal eben dorthin reisen kann, bekommt mit diesem Buch einen intensiven Blick in die Zeit der Mittelsteinzeit, dem sogenannten Mesolithikum.

Das Inhaltsverzeichnis verrät direkt, wie umfangreich der spektakuläre Fund der Schamanin von Bad Dürrenberg in den Kontext der damaligen Zeit gesetzt wird. Es werden unter anderem das Leben, die Kunst, Gewalt und Konflikte sowie die Schamanin im speziellen genau beleuchtet. Gleichzeitig geht der Bildband der Frage nach, was Schamanismus in dieser Zeit bedeutet haben könnte.

Die Schamanin selbst zieht mich sofort in ihren Bann. Die Vorstellung, wie viel Wissen damals bereits existiert, wie Verletzungen versorgt und Krankheiten gelindert werden, beeindruckt mich. Auch welche Bedeutung die Spiritualität zu dieser Zeit hat, finde ich interessant. Natürlich bleibt vieles nur so weit deutbar, wie es die Funde zulassen, aber gerade diese Mischung aus Wissen und Rätselhaftigkeit macht das Ganze für mich sehr faszinierend.

Die drei Kinder im Grab der Schamanin lassen mich nicht los. Ich frage mich, warum ausgerechnet sie an ihrer Seite liegen, obwohl sie nicht eng verwandt sind. Die verschiedenen Theorien zur Reihenfolge der Bestattungen beschäftigen mich. Es bleibt ein großes Rätsel, aber eines, das mich eher neugierig macht als ratlos. Auch zeigt die Bestattung und die jahrhundertelange Pflege des Grabes, wie bedeutsam die Schamanin für die Menschen gewesen ist.

Das Grab selbst kann ich mir durch die Beschreibungen und mithilfe der detaillierten Bilder zu den Funden sehr gut vorstellen. Die Konstruktion mit den verwendeten Materialien, die Beigaben und die sorgfältige Anordnung zeigt deutlich, wie durchdacht und voller Bedeutung die letzte Ruhestätte gestaltet wurde. Die Rituale, die dahinterstehen, und die Art, wie sie heute rekonstruiert werden, finde ich unglaublich spannend. Besonders berührt mich die Idee des Animismus, der für den Glauben steht, dass alles in der Natur beseelt ist. Auch dieser Ansatz wird intensiv beleuchtet und in den Kontext zu den Funden eingebettet.

Die Kunst des Mesolithikums überrascht mich ebenfalls. Die Menschen arbeiten nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch. Der Schmuck mit seinen Mustern, die teils detailgetreuen Figuren und die verzierten Werkzeuge geben mir einen Eindruck, zu welchen handwerklichen Fähigkeiten sie im Stande waren. Auch hier wirkt alles durchdacht und voller Symbolik. An den Bildern dieser Fundstücke kann ich mich kaum sattsehen.

Alle Fotografien und Abbildungen sind durchweg eindrucksvoll und so erklärt, dass ich sie nicht nur anschaue, sondern wirklich verstehe, was ich sehe. Jede Aufnahme trägt etwas zum Gesamtbild bei und macht die Inhalte noch greifbarer.

Besonders unerwartet finde ich die Bedeutung der Schildkröten. Sie dienen nicht nur als Nahrung und als Werkzeug, sondern sie sind auch ein Ritualobjekt. Diese vielfältige Nutzung und die Gründe werden intensiv beleuchtet. Völlig fasziniert bin ich jedoch vom Amulett einer vollständigen Schildkröte aus dem Altai. Sie sieht so lebendig aus und ich frage mich, wer sie wohl mal bei sich getragen hat.

Das Leben im Mesolithikum erscheint mir durch dieses Buch viel komplexer, als ich es aus Schulbüchern kenne. Die Menschen reisen weite Strecken, sie sind handwerklich begabt, sie kennen Heilmethoden, sie organisieren sich in Gemeinschaften, die mehr sind als bloße Zweckverbände. Auch die Kapitel über Mobilität und Konflikte erweitern mein Bild. Ich finde es gut, dass hier mit dem Mythos aufgeräumt wird, die Steinzeit sei besonders gewalttätig gewesen. Gewalt existiert, aber nicht mehr als in anderen Zeiten. Es wird deutlich, dass Kontakte bewusst gepflegt werden und die Menschen sehr sozial gewesen sein müssen.

Der Schreibstil des Bildbandes ist abwechslungsreich, weil viele Autorinnen und Autoren beteiligt sind. Er bleibt verständlich, auch wenn gelegentlich Fachbegriffe auftauchen. Die Kapitel sind klar strukturiert, jeweils mit einem eigenen Fokus, und sie verbinden wissenschaftliche Präzision mit erzählerischen Momenten. Die Themen sind so aufbereitet, dass sie neugierig machen, ohne zu überfordern. Die Bilder, Karten und Rekonstruktionen unterstützen das Lesen und lassen mich immer wieder innehalten. Der Text ist inhaltlich anspruchsvoll, aber zugänglich und verständlich.

Ich lese dieses Werk nicht nebenbei, dazu ist es mit seinen vielen dichten Informationen zu umfangreich. Dank der kurzen Kapitel kann ich Die Schamanin in kleinen Etappen lesen und alles auf mich intensiv wirken lassen.
Für mich ist dieses Buch ein echtes Highlight. Es informiert mich, ohne dabei trocken zu sein. Zudem berührt mich das Leben und Sterben der Menschen im Mesolithikum. Und ich finde es großartig, dass hier erklärt wird, wie genau Archäologie arbeitet, ohne sich in Spekulationen zu verlieren.

Fazit:
Die Schamanin verbindet archäologische Erkenntnisse mit anschaulich erklärten Funden und viel Atmosphäre, sodass das Leben und Sterben in der Mittelsteinzeit lebendig und verständlich wird. Dieser Bildband ermöglicht einen faszinierenden Blick in die Vergangenheit, den ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann.


Cover des Buches Die Evolution der Gewalt (ISBN: 9783423352635)
S

Rezension zu "Die Evolution der Gewalt" von Harald Meller

Suda
Gute Mischung aus Biologie und Archäologie

In "Die Evolution der Gewalt. Warum wir Frieden wollen, aber Kriege führen" werden wir zum Ursprung der Gewalt von Mensch und Tier mitgenommen, woher Gewalt kommt und wie sie schliesslich organisiert und zu Kriegen werden kann. Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mit der Natur des Menschen bzw. inwiefern bei Menschen und ihren tierischen Verwandten Gewalt etwas Natürliches ist. Besonders interessant sind die Unterschiede zwischen Schimpansen und Bonobos, und wie es kommt, dass die einen gewaltbereiter sind als andere. Diese biologischen Beobachtungen werden auf Menschen übertragen, allerdings vorsichtig und abwägend genug um nicht stumpf zu verallgemeinern. In der zweiten Hälfte geht es besonders um die prähistorischen Anfänge der Menschheit und inwiefern Gewalt dort weniger prominent war, als oft angenommen. Die Übergange zur Sesshaftigkeit und die damit einhergehenden Veränderungen in der Lebensweise und den Rahmenbedingungen der menschlichen Gesellschaften werden gut und verständlich gezeigt. Schön ist auch, wie an vielen Stellen verschiedene Theorien dargestellt und miteinander verglichen werden, z.B. warum sich Staaten gebildet haben (Wissens- und Handelskontrolle vs. bürokratische Organisation vs. Caging) und inwiefern sich diese Theorien ergänzen können. Die Entwicklung von Staaten ist zwar gut beschrieben, aber wie genau die Organisation von Gewalt aussieht, hätte gerne noch mehr beschrieben werden können, also z.B. wie genau Soldaten gezüchtet werden und wie sie auf Gewalt oder Krieg getrimmt werden. 

Insgesamt ist das Besondere an dem Buch die oben beschriebene anthropologische Mischung und die zwar wissenschaftliche, aber trotzdem sehr unterhaltsame Art, wie die Ergebnisse beschrieben wurden.

Cover des Buches Die Evolution der Gewalt (ISBN: 9783423352635)
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Rezension zu "Die Evolution der Gewalt" von Harald Meller

Leseluder
Zeitreise zu den Wurzeln, aus denen die Bestie Krieg erwuchs

In „Evolution der Gewalt“ nehmen uns die Autoren auf eine Zeitreise mit. Die Reise beginnt bei unseren nächsten Verwandten den Schimpansen und Bonobos. Von der Steinzeit über die ersten Hochkulturen bis zur Gegenwart gehen die Autoren der Frage nach, ob der Krieg zur Natur des Menschen gehört.


Spannend fand ich die Erkenntnis, dass der Krieg erst im letzten Prozent der Menschheitsgeschichte Einzug in unsere Lebenswelt fand. Die übrigen 99% sind frei von dem, was man im Allgemeinen unter Krieg versteht.


Viele archäologische Funde sowie Vergleiche mit noch existierenden Jäger- und Sammler-Kulturen deuten darauf hin, dass die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte auch die Geschlechter als gleichwertig angesehen wurden und diese sich auf Augenhöhe begegneten. So etwas wie einen „Alpha-Mann“ oder starken Anführer gab es Hunderttausende Jahre lang nicht. Die Autoren legen schlüssig dar, dass die Abwertung der Frauen und die Evolution der Bestie Krieg Hand in Hand gingen.


Wer wissen will, wie der Krieg in die Welt kam und ob Menschen gar nicht anders können, als Kriege zu führen (weil es sozusagen in den Genen liegt), dem sei dieses Buch empfohlen. Mit Blick auf all die Gewalt und die brutal zerstörten Menschenleben macht die Lektüre einerseits traurig. Zugleich gibt sie Hoffnung.



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