Harald Stümpke

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Bau und Leben der Rhinogradentia

Bau und Leben der Rhinogradentia

 (3)
Erschienen am 21.09.2006
Bau und Leben der Rhinogradentia

Bau und Leben der Rhinogradentia

 (1)
Erschienen am 01.06.1998

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Rezension zu "Bau und Leben der Rhinogradentia" von Harald Stümpke

Rezension zu "Bau und Leben der Rhinogradentia" von Harald Stümpke
Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren

Die erste Atombombe detonierte am 16.07.1945 auf einem Versuchsgelände bei Los Alamos (New Mexico). Die Schäden waren damals nicht absehbar. Die ungeheure Wirkung von Licht-, Wärme- und insbesondere Gammastrahlung wurde völlig unterschätzt.

Mehrere zusätzliche Versuche, die streng geheim gehalten wurden, verursachten eine Umwelt-Katastrophe, die immer wieder heruntergespielt und schließlich völlig in Vergessenheit geriet. Damals noch kein Thema. Eine ganze Inselgruppe - das "Heieiei-Archipel (Hi-Iay-Islands)" - versank damals infolge nicht vermuteter tektonischer Spannungen, welche die 200 Kilometer entfernte Sprengung auslösten. Auch das legendäre Darwin-Institute of Hi-Iay versank für immer.
Die geologische, botanische, zoologische und völkerkundliche Bedeutung der Inselgruppe bedeutet einen nie wieder gut zu machenden Verlust für die Wissenschaft, ja für die gesamte Menschheit! Technikwahn zerstörte eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt.

Wie eine Ironie des Schicksals mag erscheinen, dass dieses unberührte Paradies erst 1941 entdeckt wurde. Als Entdecker gilt der Schwede Einar Petterson-Skämtkvist. Aus der japanischen Gefangenschaft geflohen, betrat er als erster Mensch die Insel Heidadaifi (Hi-Duddify). Die Insel hatte damals ca. 700 Einwohner - wahrscheinlich polynesischen Ursprungs. Das friedliche Volk nannte sich Huacha-Hatschi (Hookha Huchy). Leider war es sozusagen in mehrfacher Hinsicht dem Untergang geweiht, denn der Entdecker brachte einen ordentlichen Schnupfen auf die Insel mit. Bis dato war diese Krankheit dort unbekannt...

In etwa entsprach die Fauna die der bekannten mittel- und ostpazifischen Inseln. Jedoch entwickelte sich die Tierwelt in eine gänzlich andere Richtung. Die "Naslinge", welche unter den Säugetieren eine ganz besondere Stellung einnehmen, lebten offenbar vollkommen isoliert von der übrigen Welt.

Insbesondere die Verhaltensweisen sind unter den Säugetieren, ja den Wirbeltieren überhaupt, gänzlich neu zu bewerten. Auch die ökologischen Typen gelten in Fachkreisen bis heute als wahre Sensation. Es wären noch Jahrzehnte an zusätzlicher Forschungsarbeit nötig gewesen. Doch das ist Vergangenheit und wir haben es wohl dem Spezialisten Bromeante de Burlas und nicht zuletzt den Zeichnungen Gerold Steiners zu verdanken, heute wenigstens eine Ahnung zu bekommen, was für immer im Pazifik versank.

An dieser Stelle möchte ich dem Leser nur einige Gruppen nennen, die gleichermaßen nachhaltige Eindrücke und ehrfürchtige Faszination bei mir hinterlassen haben.

Es sind dies die Einnasen (Monorrhina), Urnasen-Artige (Archirrhiniformes), Weichnasen (Asclerorrhina), Erdnaslinge (Georrhinida) und nicht zuletzt die Langschnauzennaslinge (Dolichoproata).

Die Beschreibung der einzelnen Gruppen, sowie den Unterordnungen, wird von Stümpke bis ins letzte Detail und in allgemein verständlicher Form beschrieben. Ebenso genau wie eindringlich sind die erwähnten Zeichnungen. Das Buch ist mit knapp 90 Seiten überaus leicht verdaulich. Mit weitergehenden Literaturhinweisen spart der Verfasser aber keineswegs!

Erfreulich, dass auch die weiteren Schriften von Bromeante de Burlas y Tonterias (z.B. "A systemática dos Rhinogradentes. Bull. Darwin Inst. Hi. 2; 45, sowie "Os Polyrrhines e a dervacao d'elles. Boll. Braz. Rhin. 1;77 und nicht zuletzt "The hides of Rhinogradentes and their grain. Nature (Danuddles-borough) 92; 2) freundliche Beachtung finden.

Selbst umstrittene Theorien, wie die von Bleedkoop, werden offen angesprochen. In seiner denkwürdigen Schrift von 1945 wagte er die Theorie, dass Christian Morgenstern bereits in den Jahren 1893 bis 1897 von der Existenz der Naslinge Kenntnis hatte und dies in einem seiner Gedichte zum Ausdruck brachte (Bleedkoop, Fr. 1945: Das Nasobemproblem. Z. v. Lit. 34; 205.)

Alles in allem ein gelungenes Werk, ein wahres Kleinod im trockenen Sumpf der Sach- und Fachliteratur, das auch im neuen Jahrtausend leider noch viel zu wenig Beachtung findet. Denn es eröffnet nicht nur kopflastigen Wissenschaftlern, sondern auch dem interessierten Laien völlig neue Perspektiven: Ein Einblick in die Faszination einer heilen Welt, die es nicht mehr gibt! Dies zu begreifen heißt, uns selbst - die real Existierenden - mit anderen Augen zu sehen. Denn auch wir werden eines Tages untergehen...

© Thomas Lawall - www.querblatt.com (2004)

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Rezension zu "Bau und Leben der Rhinogradentia" von Harald Stümpke

Rezension zu "Bau und Leben der Rhinogradentia" von Harald Stümpke
ashuravor 11 Jahren

Inhalt:
Harald Stümpke beschreibt eine vollkommen neue Säugetiergattung, die schon von Christian Morgenstern in seinem Gedicht „Nasobēm“ erwähnt wurden.
Die Nasobem oder Nasenschreitlinge werden in Anatomie, Physiologie, Ethologie, Ökologie und Systematik ausführlich dargestellt. Veranschaulicht wird alles durch wunderschön gezeichnete Bilder.
Der Rückentext lautet:
„Unter den Säugetieren nimmt die Ordnung der Naslinge eine besondere Stellung ein, die sich daraus erklärt, daß diese überaus seltsam gebauten Tiere erst in allerjüngster Zeit auf der Südsee-Inselgruppe Hi-Iay (wieder-)entdeckt worden sind. Der Dichter Christian Morgenstern scheint ein Exemplar in Händen gehabt zu haben, weil er knapp und klar schildert:
Das Naseboem

Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobem,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.

Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum erstenmal ans Licht.

Auf seinen Nasen schreitet
(Wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobem.“

Autor:
Harald Stümpke ist ein Pseudonym für Gerolf Steiner er war Professor für Zoologie an der Universität Karlsruhe. 1957 veröffentlichte er „Bau und Leben der Rhinogradentia“, wobei sein richtiger Name als Illustrator genannt wurde.

Zum Buch:
Wahrheitsgemäß muss gesagt werden, dass Gerolf Steiner sich mit seinem Werk „Bau und Leben der Rhinogradentia“ einen wissenschaftlichen Witz geleistet hat. Christian Morgenstern hat mit seinem Gedicht Naseboem erschaffen und der Zoologe Steiner hat dieses zu seinem Buch inspiriert. Er entwickelte so ein vollkommen durchdachtes zoologisches Werk mit lateinischen Namen und verweis auf weiterführende Werke, auf andere Zoologen, die sich mit dem Thema befassten. Allerdings alles fiktiv, es ist aber alles sehr komplex beschrieben, nirgendwo übertreibt der Autor so stark, dass man sofort erkennt, es ist alles erfunden. Das Einzige was einem zum Nachdenken anregt, sind die doch sehr unbekannten Namen der Wissenschaftler und die Inselnamen, von denen man noch nie etwas gehört hat.
Es liest sich wie eine richtige wissenschaftliche Abhandlung zur Vorstellung eine Art.
Inzwischen das Werk auch in mehreren Sprachen übersetzt, so ins Französische und Englische.
Das Buch gilt als Pflichtlektüre für alle (angehenden) Zoologen.
Doch das Naseboem hat nicht nur Gerolf Steiner inspiriert, auch im Brockhaus und Meyer stehen inzwischen fingierte Lexikonartikel zu diesem Thema.

Auch wenn dieses Buch in einer Fachbuchform geschrieben ist, kann es auch ein Laie lesen und verstehen, etwas Interesse am Thema sollte aber vorhanden sein.

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