Harald Welzer

 4 Sterne bei 206 Bewertungen
Autor*in von Selbst denken, Täter und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Harald Welzer, geboren 1958, ist Sozialpsychologe. Er ist Direktor von FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit und des Norbert-Elias-Centers für Transformationsdesign an der Europa-Universität Flensburg. In den Fischer Verlagen sind von ihm u. a. erschienen: »Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden«, »Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird«, »Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen«, »Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens« und – gemeinsam mit Richard David Precht – »Die vierte Gewalt. Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist«. Seine Bücher sind in 21 Ländern erschienen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Harald Welzer

Cover des Buches Selbst denken (ISBN: 9783596520558)

Selbst denken

(49)
Erschienen am 21.05.2015
Cover des Buches Täter (ISBN: 9783104000824)

Täter

(27)
Erschienen am 05.10.2009
Cover des Buches Soldaten (ISBN: 9783596188734)

Soldaten

(20)
Erschienen am 26.09.2012
Cover des Buches Die smarte Diktatur (ISBN: 9783596035526)

Die smarte Diktatur

(19)
Erschienen am 26.10.2017
Cover des Buches »Opa war kein Nazi« (ISBN: 9783596155156)

»Opa war kein Nazi«

(10)
Erschienen am 01.05.2002
Cover des Buches Klimakriege (ISBN: 9783596178636)

Klimakriege

(10)
Erschienen am 01.05.2010
Cover des Buches Alles könnte anders sein (ISBN: 9783596703487)

Alles könnte anders sein

(9)
Erschienen am 29.04.2020
Cover des Buches Die vierte Gewalt - (ISBN: 9783641303631)

Die vierte Gewalt -

(10)
Erschienen am 28.09.2022

Neue Rezensionen zu Harald Welzer

Cover des Buches Die vierte Gewalt - (ISBN: 9783641303631)
H

Rezension zu "Die vierte Gewalt -" von Richard David Precht

H-Lsh
Aktueller denn je!

Nach Tilo S. ist dies das 2. Buch, was ich zu diesem Thema lese. 10 Jahre nach ihm trifft der Autor in sprachlicher eleganz den kritischen Zahn der Zeit zu diesem Thema. Für mich eine Erkenntnis, das beide Autoren in ihrer Persönlichkeit weit voneinander entfernt sind, hier aber identische Aussagen machen. Top! 

Cover des Buches Die vierte Gewalt (ISBN: 9783442142927)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Die vierte Gewalt" von Richard David Precht

Hubertus_Feldmann
Hysterie im Blätterwald

Wenn man dieses Buch aus Gründen des hierdurch (teilweise bereits im Vorfeld der Veröffentlichung) ausgelösten Furors nicht gelesen haben sollte, so wäre das nicht nur sehr bedauerlich (entgangener Erkenntnisgewinn), sondern zugleich, im Sinne dieses Buches, ein nicht hinzunehmendes Ergebnis des hier kenntnisreich beschriebenen Agierens von Medienvertretern unterschiedlichster Provenienz. Auch wenn hin und wieder provokant argumentiert wird, man manche Aussage nicht zur Gänze teilen mag, es ist auf jeden Fall eine äußerst vielschichtige Analyse des Ist-Zustandes der deutschen Medienlandschaft (mit Schwerpunkt auf den Printmedien, die im Sinne der Verschriftlichung natürlich auch die hier stark kritisierten Online-Medien umfassen).

Fast wäre ich selbst darauf hereingefallen, aber dann überwog doch die Neugier darauf, was das Autorenduo Precht & Welzer hier abgeliefert haben könnten. Das eigene Bild zählt, erst recht im Kontext dieses Buches und im Sinne einer reflexiven Urteilsbildung. Es lohnt also in jedem Fall sich mit den hier gemachten Aussagen auseinanderzusetzen. Zumal es sich ja nicht nur um ein Anprangern handelt, sondern zugleich Lösungsvorschläge, wie die Etablierung eines „lösungsorientierten, konstruktiven Journalismus (anstelle eines katastrophengepeitschen Journalismus), präsentiert werden.

Entwicklungen und Mängel stehen bei dieser Bestandsaufnahme zwar im Fokus der Auseinandersetzung. Doch nicht nur. Über den Zweck, das Ziel, den Sinn von Journalismus erfolgt eine erste Annäherung an das Thema. Grundlagen werden gelegt, Neugier geweckt, Verständnis vermittelt. Und so fällt es nicht schwer, die negativen Entwicklungen vom „Journalismus alter Schule“ (Hans-Jürgen Friedrichs als repräsentativer Vertreter) hin zu den Selbstgesprächen zwischen Leitmedien und Politik, mit „Helikopterblick“, Markierung von Freund-/Feindlinien sowie einem Elitegefühl (verführerisch für die Journalisten, in den Machtzirkeln eigebunden zu sein = Bedeutungs- und auch Lustgewinn) zu folgen. Es klingt alles leider sehr verständlich und nachvollziehbar. 

Doch noch kann umgeschwenkt werden, noch ist es nicht zu spät, auch wenn Twitter & Co. das authentische Geschäft des Journalismus erschweren und zum Teil sogar torpedieren. Die Aufreger beherrschen das Geschäft, und Geschäft (Umsatz, Auflage, Klicks) macht derjenige der am verruchtesten, am sensationsheischensten, seine Meldung in Umlauf bringt. Hier wären die Leitmedien gefordert, doch auch sie stehen unter Druck, laufen dem Genossen Trend hinterher und vergessen dabei, dass sie sich so möglicherweise selbst ein Bein stellen. Nicht umsonst wurde der Begriff „Lügenpresse“ kreiert, obwohl er meist ungerechtfertigt verwendet wird. So wird einer „gespaltenen Gesellschaft“ das Wort geredet, obwohl die Polarisierung, die „Verzweiseitigung“ zu unnötigen gesellschaftlichen Aufladungen führt – an der Realität vorbei. Denn so schlecht steht es um diese Republik gar nicht. Sie wird nur zu häufig schlecht geredet, respektive schlecht geschrieben, die vielen Grautöne, die das eigentliche Leben erst ausmachen fallen so unter den Tisch.

In diesem Sinne wird hier viel Aufklärungsarbeit verrichtet, mit Einblicken, die den Blick aufs große Ganze schärfen, und so für ein eigenes, reflektiv gewonnenes Bild sorgen, dass nun auf stabileren Füßen steht. In Zukunft wird man sensationierende Meldungen besser einordnen können – und mit Sicherheit wieder öfter zu einer Qualitätszeitung greifen, bevor dies ganz aus dem Leben verschwinden. 

(6.3.2023)

Breitbandanalyse

Alles ist im Fluss – und mitten in der Strömung sitzen auf schwankendem Boot zwei alerte, ältere Herrschaften, in professoralem Tuch, und versuchen ihrer Argumente Herr zu werden und dabei eine „Zeitenwende“ einzuläuten. Dabei schenken sie sich nichts, werden hin und wieder sogar persönlich, was nicht nur für ein gewissen Maß an Authentizität sorgt, sondern auch dem oft trockenen Stoff, gelegentlich eine gewisse Leichtigkeit verleiht. 

Dabei gehen sie einem breiten Spektrum aktueller Fragen auf den Grund, ohne dabei auf Grund zu laufen (um einmal im Bild zu bleiben) oder mit einem Eisberg zu kollidieren: „Wenn der Nationalismus in der Krise die spontane Reaktion ist, [dann ist dies] der Titanic-Moment für Europa: Die Kollision mit dem Eisberg hat schon stattgefunden, das Orchester spielt aber noch“, so Harald Welzer über die Gefahren hinsichtlich des „europäischen Projekts“. Wenn man diese Bemühungen in einem Begriffspaar zusammenfassen müsste, so könnte dies lauten: gegen Diskriminierung, für eine „Offene Gesellschaft“.

Es ist auch eine von persönlichen Erfahrungen getragene Diskussion (der eine, Michel Friedman, jüdischer Intellektueller mit „entsprechender“ Biografie, ein Professor „aus kleinen Verhältnissen“ der andere, Harald Welzer), die oft in eine Art Selbstbespiegelung übergeht und den Diskutanten die Möglichkeit gibt, sich jeweils ihrer Großartigkeit zu versichern. Ohne diese persönlichen Hintergründe wäre dieses Buch vermutlich nicht geschrieben worden.

Leider versanden einige Dialoge im Ungefähren, beispielsweise wenn das „Sachbuch“ des „Sachbuchautors Doktor Thilo Sarrazin, Sozialdemokrat“, lediglich als begleitender Hinweis erscheint. Ebenso wenig wie es die Deutschen oder die Ausländer gibt, gibt es auch nicht „die Politiker“ [H.W.]: „Die Politiker haben aller nur Angst, es [dass es eine „ostdeutsche Komponente“ gibt] deutlich zu benennen, weil sie um ihr Kreuzchen bangen […].“ Herausragend ist allerdings das Kapitel über den „Streit“ und die „Streitkultur“. Hier gibt es viele zustimmende Häkchen zu setzen. Wer könnte schon der folgenden Aussage von M. Friedman widersprechen: „Streiten bedeutet, bis an die Grenzen gehen zu wollen oder sie sogar zu überwinden. Mit Argumenten, die meine erschüttern.“ Oder: „Streiten ist das Suchen und Finden von verschiedenen Perspektiven mit verschiedenen Begründungen. Streit lässt Zweifel zu.“ Und die beiden Diskutanten leben diesen Streit ja auch lebhaft in diesem Buch vor.

Es ist ein Buch, dass den Leser*innen einiges abverlangt. Man braucht eine gewisse Aufwärmphase, um den Gedankengängen der beiden Autoren zu folgen, zumal viele der Äußerungen einigen Widerspruch erzeugen, was allerdings ganz im Sinne des Buches bzw. der beiden Autoren ist, denn: „Gelebte Streitkultur ist der Sauerstoff des Demokratischen.“ 

(2. Mai 2021)

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