Harald Welzer Täter

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Inhaltsangabe zu „Täter“ von Harald Welzer

Über den Holocaust ist viel geschrieben worden, aber die wichtigste Frage, ist bis heute nicht beantwortet: Wie waren all die „ganz normalen Männer“, gutmütigen Familienväter und harmlosen Durchschnittsmenschen imstande, massenhaft Menschen zu töten? Es gab keine Personengruppe, die sich der Aufforderung zum Morden verschlossen hätte, weshalb Erklärungsansätze, die sich auf die Persönlichkeiten der Täter, ihre Charaktereigenschaften, ihre psychische Verfassung richten, nicht weiterführen. Harald Welzer untersucht Taten aus dem Holocaust und anderen Genoziden in ihrem sozialen und situativen Rahmen und zeigt, wie das Töten innerhalb weniger Wochen zu einer Arbeit werden kann, die erledigt wird wie jede andere auch. Mit seiner sozialpsychologischen Studie öffnet sich eine Perspektive auf die Täter, die auf beunruhigende Weise erhellt, wie Tötungsbereitschaft erzeugt wird, und wie wenig unseren moralischen Überzeugungen zu trauen ist.

Wichtiges Mahnmal wider Verklärung und Vergessen der erschreckend schnellen Metamorphose von normaler Rechtsstaatlichkeit zu Diktatur.

— bibliophilist1985
bibliophilist1985

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  • Rezension zu "Täter: Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden" von Harald Welzer

    Täter
    bibliophilist1985

    bibliophilist1985

    01. July 2014 um 11:44

    Ein sprachlos und betroffen machendes Werk, dessen Brisanz durch die Aktualität in Form ständiger ethnischer, religiöser oder politischer Konflikte in verschiedenen Teilen der Welt, denen das Potential innewohnt, innerhalb kürzester Zeit in Massenvertreibungen und Genozids zu kulminieren, dem Leser nicht einmal die Option offenhält, die unbeschreiblichen Gräuel als einmaligen, aber vor allem vergangenen und in dieser Form unvorstellbaren Zivilisationsbruch zu sehen. Denn wie rasant ein Wandel die Gesellschaft, deren Normen und Werte um 180 Grad wenden, Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder zu Menschen erst zweiter, schon bald nicht mehr lebenswerter Klasse machen kann, möchte man nicht wahr haben. Wie von Klischees und Vorurteilen gegenüber einer Menschengruppe über aktive Ablehnung und Meidung dieser bis zu den ersten physischen Übergriffen, der Bereicherung auf deren Kosten und der finalen physischen Auslöschung innerhalb eines knappen Jahrzehnts der Bogen gespannt werden kann, ist heute schwer nachvollziehbar.  Sicher war der Schoß, aus dem dies kroch schon immer fruchtbar, aber nur bei einem geringen Teil der Bevölkerung. Die Gewohnheit und Konditionierung, der wir uns selbst häufig nicht bewusst sind, weil wir uns in dem Trugbild als autarke, zwar zu der Gemeinschaft gehörende, aber doch in unserem Handeln scheinbar freie und unabhängige Menschen wägen, spielt bei allen Dimensionen von Grausamkeiten eine entscheidende Rolle. Solange es gesellschaftlich als Tabu gilt und inakzeptabel erscheint, seinen Nächsten abzuschlachten, ist ein normales Zusammenleben, abgesehen von den zutiefst menschlichen Gruppenzwängen, Klassenunterschieden und Vorurteilen, relativ problemlos möglich. Ändert sich die Norm hingegen, wie im Buch speziell anhand der Genozide dargestellt, passen die Akteure ihr Weltbild an die neuen Gegebenheiten an und zimmern Rechtfertigungsmechanismen zusammen, um sich selbst etwas vor zu machen. Am Anfang  geht das Massenmorden noch relativ schwer von der Hand, die Abneigung gegen das Abschlachten von Männern, Frauen, Kindern, Säuglingen, Kranken und Alten stimmt nicht mit der bisherigen Indoktrination überein und es regen sich Widerstände. Wenn auch nur im Geiste, nicht in der Tat. Diese hingegen wird von Mal zu mal professioneller, man tauscht sich aus, experimentiert mit den besten Schusswinkeln und Trefferpunkten an den Körpern der Opfer, wie man Leichen optimal raumausfüllend stapelt, ob zuerst Mütter oder Kinder getötet werden sollen, um nicht zu grausam zu sein, wie oft man die überhitzten Gewehre wechseln soll, wie man die logistischen Aufgaben am besten verteilt, die Opfer bis zum Ende unter Vorspiegelung falscher Tatsachen möglichst lange ruhig hält und etliche andere Details. Die Theorie und Praxis des Grauens, das Lernen aus sich immer höher stapelnden Leichenbergen, um diese noch schneller und effizienter wachsen lassen zu können. Mit den Tagen und Wochen wird es dadurch zur Routine, tausende Menschen zu erschießen, die generell sadistisch und abartig veranlagten Soldanten drängen sich um die anfangs noch abwechselnd vergebene Tätigkeit des Erschießens, die anderen nehmen ihre jeweiligen Positionen als beispielsweise Transportfahrer, Waffenwart oder Wächter ein und irgendwann ist das Grauen zur Normalität geworden. Die einen rechtfertigen es damit, ihre Arbeit erledigen zu müssen, andere wiederum sorgen sich um die Sicherheit der eigenen Familie in der Heimat oder des Staates im Allgemeinen und sehen in Frauen potentielle Feindmütter, in Säuglingen gar schon heranwachsende Partisanen, mit deren Auslöschung sie einen wichtigen Beitrag zur Endlösung zu leisten glauben. Während es bei den leitenden Organen, die mit der Organisation betraut sind und selten selbst Hand anlegen müssen reicht, sich des ideologischen Überbaus und der Richtigkeit ihrer Anweisungen widerholt zu versichern, brauchen die unmittelbar dem Blutbad ausgesetzten einfachen Soldaten noch zusätzliche Illusionen, um sich der Richtigkeit ihrer Handlungen sicher sein zu können.  Zum Beispiel zuerst die Mutter von einem anderen Soldaten erschießen zu lassen, um gleich darauf selbst deren Kind zu töten, mit der Erklärung, jetzt da die Mutter tot ist, wäre es eine arme Waise und man wolle es aus Menschlichkeit davor bewahren ohne Mutter aufwachsen zu müssen. Dies ist exemplarisch für die fundamentale Logik aller Erklärungsansätze, die von den Tätern eingebracht werden. Leider ist die eingangs erwähnte  und bequeme These, so etwas könne nie mehr passieren, als wären derartige Abartigkeiten einmalige Ausrutscher und nicht die Regel, seit 1945 leider ausreichend wiederlegt worden und wenn man die aktuelle geopolitische Situation und die etlichen schwelenden, potentiell jederzeit im eskalieren begriffenen Konflikte mit Potential zur rasanten Entfaltung zu verheerenden Flächenbränden betrachtet, muss man den Schleier von den Augen nehmen und sich eingestehen, dass so etwas wie Lernfähigkeit im Vergleich zu der These, die Geschichte würde sich widerholen, die denkbar schlechteren Karten hat. Wobei es einen eklatanten Unterschied macht, ob eine Gruppe oder ein ganzer Staat aus elementarer Not, Hunger, Elend, Bedrohung, Unterdrückung und Verzweiflung heraus Krieg führt, um das Überleben zu sichern und sich gegen einen Aggressor zu verteidigen und in Folge dessen Gräueltaten geschehen, oder ob ohne triftigen Grund nur aus Verhetzung, Agitation, Demagogie und Propaganda geborene Menschenrechtsverletzungen in bis dato intakten, prosperierenden Staaten verübt werden. Die verabscheuungswürdigen Resultate mögen die gleichen sein, nur von der moralischen Legitimation aus der Sicht der Täter her ist es noch eine Spur kränker und widerwärtiger es ohne triftigen Grund oder Bedrohung von außen geschehen zu lassen und sich aktiv daran zu beteiligen. Einfach so.  

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  • Rezension zu "Täter" von Harald Welzer

    Täter
    ErleseneBuecher

    ErleseneBuecher

    14. August 2012 um 22:13

    Abgründe, Unwissenheit & Logistik Passend zur Reportage auf VOX "Wenn Soldaten zu Bestien werden" (25.06.11) habe ich gerade das Buch von Harald Welzer (der auch in der Reportage immer wieder zu Wort kommt) gelesen. Er beschreibt vor allen die Massenhinrichtungen im 3. Reich und wie es kam, dass ganz normale Menschen da plötzlich mitmachten und jeder tausende von Menschen (Männer, Frauen und Kinder) erschoß. Erschreckend und wirklich ganz ganz furchtbar zu was Menschen fähig sind, sobald sie ihr Gehirn ausschalten und Befehlen gehorchen. Das NS-Regime hat es gut überlegt so gemacht, dass sie Befehle nur peu a peu rausgegeben haben, so brauchten die Soldaten nicht darüber nachdenken, was da auf sie zukommt. Das Töten wurde professionalisiert und eben als Job dargestellt. Es gab kaum bis gar keine Rebellion unter den Soldaten. Da wurde die beste Erschießungstechnik besprochen, während die Opfer unter den Füßen der Täter auf anderen bereits erschossenen Opfern lagen. Schuldig fühlte sich kaum einer der Soldaten, auch nicht nach dem Krieg. Fadenscheinige Entschuldigen und Ausflüchte wurden gefunden. Oftmals musste ich das Buch wieder zur Seite legen, da ich vieles kaum ertragen konnte. Vor allem wie die Kinder hingerichtet wurden. Nun kann man ja sagen, ja das war Krieg und lange her. Aber Welzer geht gegen Ende des Buches auch noch auf Vietnam, Ruanda und Jugoslawien ein und die Berichte sind nicht besser. Ein empfehlenswertes Sachbuch, das aber keine leichte Kost ist. Bewertung: 3 von 5 Punkten

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  • Rezension zu "Täter" von Harald Welzer

    Täter
    Sokrates

    Sokrates

    05. May 2011 um 09:52

    Harald Welzer (* 1958) hat eine Professur für Sozialpsychologie inne und hat sich in dem vorliegenden Buch mit der möglichen Ursache für Gewaltverbrechen, Exzessen und Genozide beschäftigt. Welzer legt den Schwerpunkt seiner Untersuchung in die Zeit des Nationalsozialismus; begleitend wird gegen Ende des Buches auch auf Genozide in Vietnam, Ruanda und Serbien eingegangen, aber meist in der Form, als dass größtenteils Parallelen zu den bereits aus nationalsozialistischer Zeit gewonnenen Erkenntnissen festgestellt werden. - Für mich war das Buch eines der erschütterndsten und unangenehmsten, die ich bislang gelesen habe. Viele der von Welzer gewonnenen Erkenntnisse über menschliches Verhalten in Gruppen, gesellschaftlich bis dahin in einer klaren Freund-Feind-Perspektive trainiert, ist erschreckend, aber in Gänze nachvollziehbar. Seine Überlegungen zur Gruppendynamik brauchen nicht erst das Beispiel des Genozids, um einen Beleg in der Wirklichkeit zu haben: beobachtet man das aktuelle Geschehen in Groß- und Kleingruppen, kann man viele Verhaltensweisen – zumal in schwierigen Situationen – wiederfinden (natürlich nicht den Genozid oder das Erschießen von Individuen, sondern ganz einfache gruppendynamische Prozesse); ein Beleg im Übrigen dafür, wie ich meine, dass es eben keinen Garant dafür gibt, dass der Mensch in Grenzsituationen wie bspw. dem Krieg eben gerade moralisch geleitet wird oder allein der Humanität folgt, selbst wenn er vorher in einer solchen Gesellschaft sozialisiert wurde. Die Einfachheit der Ursachen, die letztlich dazu führen, dass Menschen ohne Reue, ohne das Empfinden, amoralisch gehandelt zu haben, tausende von Menschen mit eigener Hand erschießen, ist erschreckend; die Ursachen und Hand-lungsweisen verdeutlichen umso mehr, dass ein solches Verhalten immer wieder geschehen kann, ob in hoch- oder unterentwickelten Kulturen. Stimmt das gesell-schaftliche Klima, kommen Grenzsituationen für die Täter hinzu, in denen jedes moralische Gesetz außer Kraft gesetzt wird oder durch neue „Moral“ ersetzt wird (vgl. das nationalsozialistische Wertesystem) und verschiebt sich der ethische Rah-men, in dem „Menschsein“ gedacht wird, dann sind alle Taten des 3. Reiches wiederholbar. Eine absolute Pflichtlektüre für all diejenigen, die sich für die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus interessieren! - Wer weiter Interesse zu ähnlicher Lektüre hat, dem kann ich den fünften Band von Hans Peter Duerr’s Reihe „Der Mythos vom Zivilisationsprozess“ (Suhrkamp) empfehlen, der sich u.a. mit den Praktiken des Genozides und der massenhaften Vergewaltigung in Vietnam beschäftigt und hier aus kulturgeschichtlicher Perspektive die gewonnenen Erkenntnisse von Harald Welzer in der jüngeren Geschichte einmal mehr bestätigt.

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