Harald Werner

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Rezension zu "Politische Psychologie des Sozialismus" von Harald Werner

Der subjektive Faktor in der Übergangsgesellschaft zum demokratischen Sozialismus
Baron68vor 3 Jahren

Welcher linksorientierte Mensch wurde noch nicht von Verzweiflung gepackt, wenn er wieder einmal den Leuten dabei zusehen musste, wenn sie genau das taten, was sie laut Erich Kästner nie hätten tun sollen, nämlich von dem Kakao noch zu trinken durch den man sie zog. Das gerade bei VSA neu erschienene Buch des Soziologen, Psychologen und Pädagogen Harald Werner hilft dieses Verhalten zu verstehen, indem er die subjektive Seite der gesellschaftlichen Prozesse untersucht und das Verhältnis Basis-Überbau von der undialektischen Sicht, das eine sei dem anderen übergeordnet, befreit und es als das wieder einsetzt, was Marx meinte, nämlich dass es die menschliche Praxis ist, in der sich das Bewusstsein entwickelt. Nachdem das geklärt ist und man über die Zusammenhänge von Interesse-Bedürfnis-Motivation-Handlung gelesen hat, fragt man sich wieso man selber eigentlich anders geworden ist als es der Neoliberalismus für einen Angehörigen der Lohnabhängigenklasse vorgesehen hat und wird auch da bei Harald Werner fündig. Erweiterte Handlungsfähigkeit heißt das Zauberwort. Wer wissen will, wie sie entsteht, sollte das Buch lesen. Und wer immer wieder genervt ist, wenn in Gruppen, jemand einen längst klaren Sachverhalt, auch noch mal wiederholen muss, wird sich in Zukunft an das Kapitel "Sprechen und Denken" erinnern, nun aber als ein geduldiger, verständnisvoller Wissender. Der Titel des Buches ist erklärungsbedürftig. Eigentlich sollte ein Titel das Buch erklären. Hier ist es umgekehrt. Hat man das Buch gelesen, versteht man auch den Titel. Grundlage ist die marxistische Dialelektik und die Kritische Psychologie als Teil der marxistsichen Gesellschaftstheorie. Im letzten Drittel befasst sich der Autor unter der Überschrift "Individuum und Organisation" damit wie sich Politik in sozialpsychologischen Prozessen organisiert. Manches kommt uns schmerzlich vertraut vor. Doch die spürbar humanistische Grundstimmung des Autors hilft, zu verstehen. Am Ende des Bandes erinnert Harald Werner an "Die Kraft des utopischen Denkens." Ernst Bloch hätte es gefreut. Diesem Buch ist zu wünschen, dass es seine Leser findet. Wenn es auf Leser trifft, die bereit sind, kann es seine emanzipatorische Wirkung entfalten. Dieses Bereitsein aber ist keine wilkürliche Entscheidung des Bewusstsein, sondern das Ergebnis menschlicher Praxis.

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