Theodor ist neu hinzugezogen und entdeckt bei dem älteren Nachbarehepaar einen ungeheuerlich großen dritten Schatten. Theodor fällt nur eine einzige Erklärung ein: Bei den Nachbarn muss ein Riese wohnen. Der Gedanke fasziniert Theodor und er lässt die Phantasie wandern, wie sich das Leben mit Riese wohl so gestaltet. Zuerst fallen ihm nur negative Aspekte ein, so ein Riese passt z.B. wieder in einen Bus noch in ein Auto. Aber so ein großer Freund hat auch Vorteile. Die Auflösung überrascht sicherlich nicht nur Theodor.
Das liest sich alles total charmant und die farbenfrohen Bilder entführen uns schön in Theodors Phantasiewelt.
Ich musste nun etwas nachdenken, warum ich nicht total begeistert war: Da ist zum einen ein gewisses Othering des Riesen, das dazu führt, dass er ja ein Außerirdischer sein muss. Also wirklich im Wortsinn ein Alien. Ich weiß nicht, ob das die Auflösung dann ganz auffängt, weil für einen Riesen die Erklärung ja zuträfe. Und die Reiseplanung nimmt mir zu viel Platz ein, da hätte ich mir lieber mehr Riesen-Varianten gesehen.
In vieler Hinsicht bereitet dieses Bilderbuch Platons Höhlengleichnis auf. Und die ist ja schon ziemlich genial, diese Anspielung.: Wir sehen nicht, was ist – wir sehen nur die Schatten der Realität an der Wand. Und so geht es auch Theodor. Ich habe irgendwann einmal im Kontext der wissenschaftlichen Analyse von Verschwörungsideologie gehört, dass das Höhlengleichnis in gewisser Weise in manchen Köpfen die erste Verschwörungserzählung wäre. Nun bricht auch hier die Auflösung dieses Narrativ, dass wir die Wahrheit nicht wirklich erkennen können. Theodor kann ja herausfinden, wer der Riese wirklich ist. Vielleicht bin ich hier falsch gewickelt, aber es ist wie mit dem Othering, irgendwie ergibt das ein kleines Störgefühl. Theodor lässt die Phantasie ja erst wandern, nachdem er eine einzige Erklärung für den großen Schatten gefunden hat.
Was mir richtig gut gefallen hat, das Buch fordert uns auf, unsere Vorstellungen und Vorurteile zu hinterfragen.
Ein charmante Anregung, die eigene Phantasie wandern zu lassen, aber auch Vorstellung zu hinterfragen. 4 von 5 Sternen.




