Gehe hin, stelle einen Wächter

von Harper Lee 
3,7 Sterne bei104 Bewertungen
Gehe hin, stelle einen Wächter
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (64):
Valabes avatar

nicht ganz so stark wie "Wer die Nachtigall stört", aber mit einer reiferen Scout und tiefgreiferenden Dialogen

Kritisch (13):
L

Diese Buch ist gut geschrieben, die Handlung aber isr im Gegensatz zu "Wer die Nachtigal stört", sehr schwach.

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Inhaltsangabe zu "Gehe hin, stelle einen Wächter"

Jedes Jahr reist Jean-Louise Finch aus dem mondänen, aufgeklärten New York zurück in ihre Heimatstadt Maycomb im Süden der USA, um den Sommer bei ihrer Familie zu verbringen. Doch diesmal ist etwas anders als sonst: In dem beschaulichen Städtchen breiten sich Rassenunruhen aus, und Jean-Louise wird fassungslos Zeugin, wie ihr Vater Atticus in der ersten Reihe steht. Die bewegende Geschichte einer Tochter, die sich von ihrem geliebten Vater emanzipieren muss, um zu sich selbst zu finden; ein Zeitdokument tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche und ein literarischer Fund, der seinesgleichen sucht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328100188
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:12.09.2016
Das aktuelle Hörbuch ist am 17.07.2015 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Valabes avatar
    Valabevor einem Jahr
    Kurzmeinung: nicht ganz so stark wie "Wer die Nachtigall stört", aber mit einer reiferen Scout und tiefgreiferenden Dialogen
    der Mut erwachsen zu werden

    „Alle wollen mir auf merkwürdige, immer gleiche Art klarmachen, dass alles nur an den Negern liegt, aber die Neger sind nicht schuld, genauso wenig, wie ich fliegen kann, und, bei Gott, ich würde am liebsten zum Fenster hinaus- und davonfliegen.“ S. 190

    Jean Luise ist erwachsen geworden, lebt in New York und kehrt nur noch in den Ferien nach Maycomb zurück. Die offene Stadt New York hat sie und auch die allgemeine Haltung zur Rassentrennung verändert. In Maycomb jedoch ticken die Uhren noch anders und der „Klan“ findet immer mehr Gehör. Als sich Jean Luise, wie schon als Kind, in den Gerichtssaal stielt und einer Rede von Stadtbewohnern beiwohnt, muss sie feststellen, dass scheinbar auch ihr Vater seine Haltung zur farbigen Bevölkerung geändert hat. Doch sieht Jean Luise wirklich das große Ganze?

    „Gehe hin, stelle einen Wächter“ von Harper Lee galt lange als verschollen und wurde erst 2015 weltweit veröffentlicht. Es wurde schon vor „Wer die Nachtigall stört“ verfasst, seine Handlung kann aber als Fortsetzung von 2. Buch angesehen werden. Die kleine Scout ist erwachsen und das Thema der Rassentrennung ist so aktuell wie in ihrer Kindheit. Jean Luise muss erkennen, dass die Menschen noch immer nicht bereit sind ihre farbigen Mitmenschen als ihres gleichen zu erkennen und auch ihr Vater scheint von seiner rechtschaffenden Rolle abgedriftet zu sein.

    Harper Lee hat mit ihrem Roman ein gesellschaftskritisches Buch erschaffen, welches aufzeigt, dass 20 Jahre lange nicht genug sind, um Rassentrennung und Vorurteile aufzuheben. Es spiegelt auf eine mitunter schmerzliche Weise wieder, wie sehr sich Menschen verändern können im Laufe des Erwachsen werden und das es viel Mut erfordert seine eigene Haltung zu erkennen und auch zu vertreten. Genauso sehr zeigt Harper Lee auf, wie festgefahren und engstirnig das Denken der Menschen oftmals ist, und dass es viel Besonnenheit und mitunter auch ein Entgegenkommen in Richtung der Unruhestifter erfordert, um ein Umdenken in den Köpfen der Bevölkerung zu erreichen.

    Harper Lee ist es gelungen durch ihre starke Erzählkraft nicht zu Scout in ihrem Denken reifen zu lassen, sondern auch den Leser. Auch wenn die Thematik der Rassentrennung in den Staaten heute weitgehend vom Tisch ist, so finden viele Vorurteile sicher heute noch Anklang.

    Obwohl nicht ganz so stark wie „Wer die Nachtigall stört“, ist es reifer in seiner Erzählkunst und der Leser findet sich in Jean Luise manchmal eher wieder als in der kleinen Scout.

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    claudiwilllesens avatar
    claudiwilllesenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Völlig anders als das erste Buch, Scout ist erwachsen geworden. Regt zum Nachdenken an...
    Völlig anders als das erste Buch, Scout ist erwachsen geworden. Regt zum Nachdenken an...

    Ich habe vor einiger Zeit Harper Lees Roman „Wer die Nachtigall stört“ gelesen. Da dieses Buch mich sehr beeindruckt hat, wollte ich gern auch den „2. Teil“ lesen.
    Eigentlich handelt es sich hierbei um einen Text, den die Autorin zeitlich vor dem „1. Teil“ verfasst hat.
    Wir treffen in diesem Buch wieder auf Scout. Sie ist nun 26 Jahre alt, wohnt in New York und wird im Buch nunmehr mit ihrem richtigen Namen Jean-Louise gerufen. Sie kehrt zum alljährlichen Urlaub in Ihre Heimatstadt Maycomb in die Südstaaten der USA zurück.
    Ihre Hoffnung, alles so vorzufinden, wie immer, wird schon bald nach Ihrer Ankunft bitter enttäuscht. Sie kommt dahinter, dass ihr Vater Atticus und ihr Freund Hank sich in der Diskussion um die Rassentrennung auf eine Seite schlagen, die ihrer Natur völlig zuwider ist. Infolgedessen muss sie sich mit dem Bild, das sie von ihrem Vater hat, auseinandersetzen.
    Der Roman ist in einer relativ nüchternen Sprache verfasst. Es dauert am Anfang einige Zeit, bis man sich eingelesen hat. Aber es soll hier ja auch nicht von einer idyllischen Südstaatenkindheit erzählt werden. Vielmehr geht es um die Abnabelung der erwachsenen Jean-Louise von ihrem vermeintlichen Übervater Atticus. Sie erkennt schlussendlich, dass auch er nur ein Mensch ist, der sehr wohl auch seine Fehler hat.
    Mir hat das Buch sehr gefallen, weil es mich zum Nachdenken angeregt hat. Es ist keineswegs ein Roman, den man einfach mal so wegliest. Das Thema hat mich hinterher schon noch eine Weile beschäftigt, weil es die damaligen Konflikte in den Südstaaten realitätsnah abbildet und halt nicht diesen „am Ende wird alles gut“- Anspruch hat.

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    WildRoses avatar
    WildRosevor 2 Jahren
    Harper Lees erster Roman...

    Für mich reicht "Gehe hin, stelle einen Wächter" überhaupt nicht an Harper Lees erfolgreichen Roman "Wer die Nachtigall stört" heran. Das Buch liest sich trotz seiner Kürze leider insgesamt sehr langatmig, man wartet die ganze Zeit darauf, dass etwas Spannendes oder Bedeutsames passiert, doch lezttlich plätschert die Handlung nur so vor sich hin. Im Vordergrund steht die Beziehung zwischen Scout, also Jean Louise Finch, und ihrem Vater Atticus, die auf eine schwere Belastungsprobe gestellt wird, da Atticus sich plötzlich auf eine Weise verhält, die Scout nie für möglich gehalten hätte. Das Thema hätte durchaus fesselnd sein können, leider blieb das Buch jedoch die ganze Zeit nur an der Oberfläche und wurde durch Schilderungen aus Scouts Kindheit und Jugend, die keine Relevanz für die Geschichte hatten, sowie ellenlange und sehr konstruiert wirkende Dialoge noch in die Länge gezogen.
    Gelegentlich blitzte etwas von Harper Lees schriftstellerischem Genie durch - aber leider immer nur sehr kurz.
    Nein, ich empfand "Gehe hin, stelle einen Wächter" als einen sehr unbefriedigenden Roman, den man nicht unbedingt hätte veröffentlichen müssen.

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    engineerwifes avatar
    engineerwifevor 2 Jahren
    Ich bin voller Bewunderung für diese Autorin ...

    Eben habe ich die letzten Zeilen dieses lange verschollen geglaubten Werks beendet und muss sagen, ich bin absolut und zutiefst beeindruckt. Zu Anfang dachte ich, dies sei ein Nachfolgeroman eines meiner absoluten Lieblingsbücher „Wer die Nachtigall stört“ um dann zu entdecken, dass Harper Lee dieses Buch wohl zuerst schrieb und sich gegen seine Veröffentlichung entschied.
    Auf den ersten Seiten schien der Roman etwas vor sich her zu plätschern aber schnell wurde mir bewusst, dass mich die Autorin auf die Familie und vor allem das Leben im Süden der USA vorbereiten wollte. Mit Geduld und viel prägnanter und ausdrucksvoller Sprache versteht sie es, die Atmosphäre der damaligen Zeit zu vermitteln. Sie bringt den Roman im letzten Teil zu einem aufwühlenden Crescendo, das seinesgleichen sucht. Ich sitze noch mit offenem Mund und einer Bewunderung für Jean Louises Vater als auch ihren Onkel und ihre Tante, vor allem wenn man bedenkt, dass das Buch nicht nur in den 50er Jahren spielt, sondern auch in denselben geschrieben wurde. Lange bevor Martin Luther King mit seinem Traum die Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten aufrüttelte. Ich möchte diese Geschichte jedem nahe legen, der wie ich, begeistert von Frau Harpers erstveröffentlichtem Roman war. Unbedingt möchte ich aber auch empfehlen, diesen zuerst gelesen zu haben.

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    Jacynthes avatar
    Jacynthevor 2 Jahren
    "Gehe hin, stelle einen Wächter" von Harper Lee

    Inhalt


    Wie jeden Sommer kehrt die Wahl-New Yorkerin Jean Louise in ihre Heimatstadt Maycomb im Süden der USA zurück um ihre Familie zu besuchen. Doch dieses Mal ist etwas anders. Rassenunruhen breiten sich aus und mit großem Erschrecken muss Jean Louise erkennen, dass ihr Vater und ihr ältester Freund Henry in der ersten Reihe stehen...


    Meine Meinung


    Von Harper Lee, der Autorin des Weltbestsellers To Kill a Mockingbird, zu deutsch Wer die Nachtigall stört hat wohl jeder zumindest schon einmal gehört. Lange galt der Roman als das einzige Werk der Schriftstellerin, bis 2015 ein weiteres Buch auftauchte, das Lee wohl schon Jahre zuvor geschrieben hatte: Go Set a Watchman.

    Es wundert mich eigentlich selbst, dass ich bisher noch nie zu Wer die Nachtigall stört gegriffen habe, denn wer mich und meine Lesevorlieben kennt, der weiß, dass ich Romane rund um den Abolitionismus und den amerikanischen Rassenkampf sehr gerne mag. Fragt mich nicht, warum, aber irgendwie treffen mich solche Bücher immer mitten ins Herz.

    Daher war ich auch sofort Feuer und Flamme für Gehe hin, stelle einen Wächter, das von den selben Charakteren wie Lees erster Roman handelt, jedoch zu einem späteren Zeitpunkt. Es wäre vielleicht klüger gewesen, erst den anderen Roman zu lesen, doch da mir dieser hier freundlicherweise vom Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt wurde, wollte ich die Damen und Herren dort nicht länger als nötig warten lassen.

    Ich fand erstaunlich schnell Zugang zu dem Roman und war ehrlich gesagt ein wenig überrascht von der Leichtigkeit und dem offenen Humor, der Lees Stil kennzeichnet. Bei solch alten Romanen regt sich in mir wohl immer noch die unterschwellige Angst, ein Stück staubtrockener Literatur vor mir zu haben. Dennoch braucht der Roman eine Weile, bis er zum eigentlichen Kern vordringt, was jedoch durchaus gerechtfertigt ist, um zu erklären, warum die Protagonistin Jean Louise von den aktuellen Entdeckungen so verstört ist.

    Zunächst werden Jean Louise und ihre Familie vorgestellt. Jedes Jahr reist die Wahl-New Yorkerin zurück in ihre Heimatstadt Maycomb im Süden der USA um den Sommer bei ihrem Vater Atticus und ihrer Tante zu verbringen. Auch ihren Kindheitsfreund Henry trifft sie dann wieder und diesen Sommer ist sie kurz davor, seinem Werben nachzugeben und ihn zu heiraten. Doch dann muss sie mit Entsetzen feststellen, dass ihr Vater, ein angesehener Anwalt, und Henry in vorderster Front stehen, als sich Rassenunruhen ausbreiten, und sie muss sich fragen, was aus dem Mann geworden ist, der einst selbstlos Schwarze verteidigt hat.

    Letzteres wird wohl in Wer die Nachtigall stört thematisiert, wozu ich bisher noch nichts sagen kann. In diesem Roman scheint Atticus jedoch weitaus schlechter wegzukommen und hat wohl auch, wie ich verschiedenen Rezensionen und Meinungen zu dem Buch entnehmen konnte, Liebhaber von Lees erstem Roman ziemlich enttäuscht. Mir gefällt jedoch die Botschaft, die dieser Roman vermittelt und die Der Spiegel sehr treffend folgendermaßen zusammenfasst:

    "Der Roman ist auf schmerzhafte Weise die bessere Literatur, weil er moralisch nicht so selbstgewiss ist, sondern unsicher wie wir alle."
    Keiner der sympathischen Hauptcharaktere ist moralisch als unfehlbar zu bezeichnen. In jedem schlummert sowohl ein Rassist, als auch ein Menschenrechtler, wenn auch zu unterschiedlichen Teilen und aus verschiedenen Gründen. Lee zeigt mit dem Finger, ohne anzuklagen und ich habe häufig gedacht, dass man die Geschichte ohne weiteres in die aktuelle Zeit übertragen und Schwarze durch Flüchtlinge ersetzen könnte.

    Neben der eindeutigen Thematik werden auch Feminismus und Emanzipation behandelt sowie die Opfer, die das Streben danach erfordert und einen gelegentlich schwanken lassen. Dass die unkonventionelle Jean Louise unverheiratet ist, im mondänen New York lebt und sich strikt weigert, zurückzukehren um ihrem Vater den Haushalt zu führen, wird von vielen naserümpfend zur Kenntnis genommen. Vor allem ihrer Tante ist Jean Louises Lebenswandel ein Dorn im Auge, doch ihre ständigen Predigten stoßen auf taube Ohren. Dabei ist es nicht so, dass Jean Louise es nicht versucht. Dem Kaffeekränzchen beispielsweise, das ihre Tante für sie organisiert, wohnt sie ohne zu murren bei und diese Szene ist eine meiner liebsten in diesem Roman. Ich konnte mich zu 100 Prozent in sie hineinversetzen, als sie den Problemen und Ansichten ihrer ehemaligen Schulkameradin lauscht und sich fragt, wie sie dort hineingeraten ist.

    Mit diesem Roman ist Lee ein wahres Meisterwerk mit sympathischen und absolut authentischen Charakteren gelungen und ich kann es kaum erwarten, auch ihr anderes Buch zu lesen. Ich vergebe 5 von 5 Wolken. Vielen Dank an den Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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    K
    Karin_Kochvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine unrunde Geschichte, die wohl nur deshalb veröffentlicht wurde, weil der Bekannteheitsgrad der Autorin eine hohe Auflage verspricht
    Unausgereift

    "Wer die Nachtigall stört" ist zu Recht preisgekrönt und millionenfach gelesen. Es ist herzerfrischend, witzig und klug und gehört zu meinen mehrfach gelesenen Lieblingsbüchern.
    Auf die (zeitlich früher entstandene) Fortsetzung habe ich mich so sehr gefreut, wie ich dann enttäuscht war.

    Es fehlt in diesem Buch fast alles, was eine befriedigende Lektüre für mich ausmacht: es fehlt an einem nachvollziehbaren, spannenden Handlungsbogen, es fehlt an einer erkennbaren Haltung, an Entwicklung und an einem Abschluss ohne lose Fäden. Das Ganze wirkt unausgegoren, wie ein Entwurf, es wirkt unlektoriert.

    Nur kurz blitzt die besondere Gabe von Harper Lee auf, anekdotische Szenen (vor allem die der bekannten Protagonisten aus "Wer die Nachtigall stört") komisch und lakonisch zugleich zu erzählen.

    Nicht ohne Grund lag diese Geschichte so viele Jahre irgendwo in einer Schublade: sie ist es eigentlich nicht wert, gedruckt worden zu sein.
    Ich befürchte, dass hier darauf spekuliert wurde, dass allein der Name der Autorin ausreicht, um einen Bestseller hervorzubringen. 
    Die Qualität der Geschichte, kann es jedenfalls nicht gewesen sein.

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    thursdaynexts avatar
    thursdaynextvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Schönes Cover, kontrovers, kann man sich dennoch sparen.
    Ein Denkmal für die Arbeit und das Können guter Lektor/innen

    Gehe hin und stelle einen guten Lektor/in ein

     

    Was ich von diesem Buch halte? Wenig. Es hat gute handwerkliche Passagen befürwortet die Klassentrennung anhand von Bildung und qua Geburt, ist hanebüchen altmodisch und unentschlossen. Wirbt um Verständnis für Rückständigkeit die als Verantwortung getarnt daher kommt und ist teilweise unglaublich öde in seiner Darstellung der Seelenqualen einer jungen Frau die sich noch nicht abgenabelt hat und es wohl auch niemals vollständig schaffen wird.

    Gut herausgearbeitet ist die Spaltung einer Gesellschaft, die sich bis heute fortsetzt und dank solch indifferenter Individuen wie Scout auch weiterhin fortsetzen wird. Die Enge der Kleinstadt und ihrer Bewohner ist erdrückend und gut geschildert. Rückblickend auf die Zeit zu der es geschrieben wurde ganz interessant, mit einer Passage in welcher Dr. Finch, Scouts Onkel Jack den Werdegang der Südstaatler schildert recht faszinierend, dennoch, oder eben deswegen ist es ein deprimierendes Buch, dass man sich getrost schenken kann. Insofern hat das Lektorat damals gute Arbeit geleistet.

    Kommentare: 14
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    pattyliests avatar
    pattyliestvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine wirklich nette Fortsetzung, welche auch eigenständig gelesen werden kann. Leider fehlt ein richtiger Höhepunkt, der den Roman zu etwas
    Farbenblind - Der Unterschied zwischen schwarz und weiß

    INHALT
    Jean Louise Finch kommt aus New York zu Besuch in ihre Heimat Maycomb. Die Welt dort scheint erheblich aus den Fugen geraten und die gesellschaftlichen Probleme der 50er-Jahre stellen besonders ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage. Sie ist aufgewachsen in dem Glauben, dass alle Menschen die gleiche Behandlung und Respekt verdienen. Nun scheinen diese Werte jedoch vergessen und der Rassissmus ist auch in dem verschlafenen Städtchen angekommen.

    MEINUNG
    Der Roman wurde zeitlich vor Wer die Nachtigall stört verfasst, knüpft inhaltlich allerdings an die Geschichte an. Scout ist erwachsen geworden und ist nun nicht mehr das Kind Scout, sondern die Frau Jean Louise. Ich habe gerne gelesen was aus ihr geworden ist und mich über Anhaltspunkte aus ihrem alten Leben - dem Leben vor New York - gefreut. Viele Charaktere werden nur am Rande erwähnt und tauchen lediglich in Rückblenden auf. Dies liegt wohl vor allem daran, damit der Schwerpunkt auf die Beziehung zwischen Jean Louise und ihrer alten Heimat gelegt werden kann. Diese ist in erster Linie durch Konflikte geprägt.

    "Sie war fast in ihn verliebt. Nein, das ist unmöglich, dachte sie. Entweder du bist verliebt, oder du bist es nicht." ~ S. 22
    Konflikte mit ihrer konservativen Tante Alexandra, mit ihre Lover Henry und ihrem Vater Atticus. Das Hauptaugenmerk liegt definitiv im Konflikt mit ihrem Vater, denn dieser scheint Rassist geworden zu sein und wirft damit das Weltbild von Jean Louise durcheinander. Ihr Vater war für sie immer ihr Held. Er war stets fürsorglich und kämpfte für die Rechte eines Jedem. Doch plötzlich ist er der Bürgerwehr beigetreten und als Bürgerrechtler scheint er die Rechte der Schwarzen nun hinten anzustellen. Seine gesellschaftspolitische Haltung stellt die Beziehung zu seiner Tochter infrage, welche in kindliche Muster fällt und lieber schmollt und gar nicht versucht das Rätsel aufzuklären. Sie sieht nur ihre Welt und möchte am liebsten gar nichts mehr mit ihrem Vater zu tun haben. Denn Jean Louise bezeichnet sich selbst als farbenblind, denn sie macht keine Unterschiede zwischen schwarz und weiß. Mit einem Rassisten möchte sie nicht verkehren.

    "Du bist so ahnungslos wie ein rohes Ei, obwohl du in der großen Stadt lebst." ~ S. 47
    Doch dann kommt ihr Onkel Jack ins Bild, welcher Jean Louise wieder zur Vernunft bringt und auf den Boden der Tatsachen zurück. Er ist definitiv mein liebster Charakter und seine Dialoge mit Jean Louise sind mir die liebsten. Seine kautzige und schrullige Art ist immer unglaublich sympathisch. Er zwingt Jean Louise zwar keine Gedanken auf, aber lenkt sie in eine positive Richtung. Sie ist jedoch gezwungen ihre Meinung selbst zu erfassen. Am Ende merkt sie dann, mit tatkräftiger Unterstützung ihres Onkels, dass man nicht jeden Menschen zwingen kann die gleichen Werte zu haben wie man selbst. Wenn man jemanden liebt, muss man auch akzeptieren, wenn die Werte in eine andere Richtung gehen.

    "Verrückt, verrückt, total verrückt. Tja, so sind die Finches nun mal. Aber im Unterschied zum Rest der Familie weiß Onkel Jack wenigstens, dass er verrückt ist." ~ S. 233
    Mir hat Jean Louise Suche nach ihren eigenen Werten, abgekoppelt von denen ihres Vaters, sehr gut gefallen. Allerdings dümpelte die Geschichte so vor sich hin und die Spannung fehlte. Der Höhepunkt der Geschichte ist der Streit zwischen Jean Louise und ihrem Vater, in dem beide sich aussprechen. Doch sonst passiert nicht viel. Die Geschichte lebt von den Dialogen der Charaktere, welche ich gerne gelesen habe. Man sollte jedoch nicht zu viel erwarten.

    FAZIT
    Eine wirklich nette Fortsetzung, welche auch eigenständig gelesen werden kann. Leider fehlt ein richtiger Höhepunkt, der den Roman zu etwas ganz Besonderem macht. Von mir gibt es 3 von 5 Punkten, da ich mit Freude jede einzelne Seite gelesen habe, aber dennoch nicht vom Hocker gerissen wurde.

    @ Das Bücherchamäleon

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    LisaMarieEbs avatar
    LisaMarieEbvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Positiv: gute Gliederung, interessante Thematik, tolle Sprache, lesenswert, starke Hauptprotagonistin, philosophisch Negativ: kein Höhepunk...
    Unbedingt lesen :)

    >Inhalt<

    Der Roman spielt in Maycomb/ Alabama in den 30-iger Jahren. Jean Louise, die Tochter eines beliebten Anwalts, lebt mittlerweile in New York und kommt nach Hause ins Heimatdorf um ihre Familie zu besuchen. Dabei muss sie feststellen wie sich ihre Heimat im Lauf der Jahre verändert hat. Dies wird ihr vor allem an der Stelle klar, als sie eine hetzerische Zeitschrift gegen die “schwarze Pest” im Regal ihres Vaters findet. Außerdem besucht sie heimlich eine Bürgerrechtsversammlung in der vor allem die Diskriminerung der schwarzen Rasse das Hauptthema ist.
    Auf dieser Versammlung begegnet sie auch ihren Freund aus Kindertagen namens Henry, der seit jeher in sie verliebt ist. Jean Louise ist aber nicht gewillt ihm zu heiraten, was einerseits daran liegt dass sie nicht wirklich in ihm verliebt ist und andererseits daran weil sie noch nicht bereit ist sesshaft zu werden. Dazu kommt, dass sie von seinen Ansichten und die ihres Vaters so schockiert ist, dass sie auf der Stelle abreisen möchte und nichts mehr mit ihrer Heimat bzw. Familie zu tun haben möchte. Sie fragt sich ob sie die ganze Zeit ein falsches Bild von ihrem Vater, Freund bzw.  auch ihrer Heimat Maycomb hatte und kann durch diese Situation sich selbst weiterentwickeln.

    >Meine Meinung<

    Anfangs weiß der Leser oder die Leserin einfach nicht was Harper Lee aussagen will beziehungsweise worauf sie hinaus will. Leider habe ich “Wer die Nachtigall stört”, den großen Vorgänger von “Gehe hin, stelle einen Wächter” noch nicht gelesen, denn anscheinend bauen die Erzählungen aufeinander auf. Trotz allem habe ich doch noch gut in die Geschichte hineingefunden. Was jedoch etwas gewöhnungsbedürftig war, war dass der Spannungsbogen sehr weit über die gesamte Erzählung gespannt war – anders ausgedrückt ist die Erzählung nie wirklich ins Rollen gekommen und hatte auch nicht wirklich einen richtigen Höhepunkt. Im Großen und Ganzen geht es darum dass die Hauptprotagonistin spätreif ist und sich auch nicht wirklich versucht von ihren Vater abzunabeln. Durch die ganzen Vorkommnisse und auch vor allem durch ihren klugen Onkel gelingt ihr dies aber schlussendlich doch. Wenn ihr herausfinden wollt wie, müsst ihr das Buch lesen.

    Die Insel eines jeden Menschen, der Wächter eines jeden Menschen ist sein Gewissen. So etwas wie ein kollektives Gewissen gibt es nicht

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    Bris avatar
    Brivor 3 Jahren
    Kill your darlings

    Die kleine Scout, eigentlich Jean-Louise Finch, aus "Wer die Nachtigall stört" ist erwachsen geworden und lebt mittlerweile weit entfernt von ihrem Heimatort Maycomb in der Großstadt. New York ist mit seiner Vielstimmigkeit, seiner Vielfarbigkeit und seinem wahren Verständnis von leben und leben lassen ihre Herzensheimat geworden. Diese Erkenntnis muss sie bei einem ihrer jährlichen Besuche schlucken wie eine bittere Pille.

    Die Atmosphäre in der Kleinstadt hat sich verändert - der NAACP möchte auch in Maycomb / Alabama die farbige Bevölkerung in ihrem gesellschaftlichen und sozialen Aufstieg unterstützen. Und das wiederum macht der weißen Bevölkerung, die im County an einigen Orten mittlerweile in der Minderzahl ist, schlichtweg Angst. Die Einwohner Maycombs sind keine offenen Rassisten - sie sind zwar laut Atticus Finch, dem Vater Scouts keine Mitglieder des Ku-Klux-Klans, verhindern aber auch nicht, dass der Klan sich durch sein Auftreten öffentlich lächerlich macht - fühlen sich aber bedroht. Woran nur erinnert mich das? Vielleicht an die derzeitige Situation in Europa? Und schon bin ich mitten in der Diskussion, die sich während der Lektüre immer deutlicher als Mittelpunkt des erst 2014 wieder entdeckten Romans, der Urfassung des Pulitzerpreis gekrönten Erstlings der Amerikanerin Harper Lee, darstellt.

    Viel wurde darüber diskutiert, ob das Buch, das Harper Lee in den 50er Jahren schrieb und dessen thematischer Fokus von den Verlagen damals als zu gewagt betrachtet wurde, als dass man es verlegen wollte, überhaupt erscheinen sollte. Die Autorin selbst ist mittlerweile hochbetagt, soll taub und blind sein - ob sie tatsächlich abschätzen konnte, was die Veröffentlichung dieses Romans für sie heißen könnte, wird häufig diskutiert. Doch ehrlich: Warum sollte man sich in dem Alter, in dem Harper Lee nun ist, über solche Dinge noch Gedanken machen. Wichtig allerdings ist, dass das Thema des Buches, in der Urfassung für die damalige Zeit als zu aufrührerisch, zu verwegen empfunden, um veröffentlicht zu werden - ein heißes Eisen ist, heute wie damals.

    Ist es zulässig, Verfassungsänderungen vorzunehmen, die einerseits einer Gruppe von Menschen gewisse Rechte nehmen, die als unumstößlich und nicht diskutierbar galten, aber andererseits zu einer höheren gesellschaftlichen Gleichheit führen sollen. Ist das Vorgehen, einen Verfassungszusatz einfach zu streichen - wohl gemerkt durch ein hohes richterliches Gremium, aber ohne Beteiligung der Bürger - als demokratisch zu bezeichnen? Ein nicht einfaches Thema, dessen sich Harper Lee in "Gehe hin, stelle einen Wächter" in Verbindung mit der Frage nach Diskriminierung und Rassismus annimmt. Das merkt man der sich daraus entstehenden Diskussion zwischen Jean-Louise und ihrem Vater Atticus an: Sprunghafte Argumente und Erklärungen, die man nicht ganz greifen kann, führt Atticus für seine Entscheidung, einem bekannten Rassisten eine Plattform zur Verbreitung seiner menschenverachtenden Ansichten zu bieten, an. Die Antwort auf die Frage seiner Tochter, weshalb die Entscheidung zu Gunsten des unsäglichen Redners gefällt wurde, verknappt er in unnachahmlicher Weise:

    "Weil er es wollte."

    Einzig Jean-Louises Haltung ist und bleibt klar und deutlich. Um sie herum steht ihre Welt Kopf - alles, was sie von ihrem Vater erfahren und gelernt hat, scheint nicht mehr zu gelten. Die Annahme, alle Menschen seien vom Geburtsrecht her gleich zu behandeln steht plötzlich in krassem Gegensatz zu DEM amerikanischen Grundsatz, ein Mann könne alles für sich in Anspruch nehmen, was er sich erarbeitet habe. Farbenblind nennt Atticus die Einstellung seiner Tochter.

    Der Konflikt, den Jean-Louise mit ihrem Vater hat, ist aber nicht nur ein gesellschaftlicher. Eltern-Kinder-Beziehungen zeichnen sich auch durch eine gewisse Ablösung oder Abnabelung aus. Im Falle der Familie Finch ist diese vielleicht überfällig. Solch eine Abnabelung geht nie schmerzfrei vonstatten und so erfährt Jean-Louise auch ganz körperlich, wie hart es sein kann, seinem Wächter, dem eigenen Gewissen, Folge zu leisten. Doch letztendlich - und das ist für mich ein gewisser Kritikpunkt - bezieht sie nicht eindeutig Position. So sehr sie gegen die Haltung ihres Vaters, gegen die duckmäuserische Lebensweise ihres Freundes Hank und gegen die latent rassistische Haltung der Bürger Maycombs aufbegehrt, sie vollzieht den Schritt des absoluten Schnittes nicht. Am Ende bleibt große Aufregung, die sich in einem "leben und leben lassen" auflöst. Jean-Louises Onkel Jack Finch allerdings erkennt, dass Menschen wie sie in Zukunft in Maycomb gebraucht werden.

    Dennoch ist "Gehe hin, stelle einen Wächter" ein wichtiges Buch, das aufzeigt, wie komplex manche Sachverhalte sind, wie schwierig echte Demokratie ist und wie stark man sein muss, um seinem Wächter zu folgen. Will man die gesellschaftliche Gemengelage der 50er Jahre in Amerika besser verstehen, sollte man nicht nur eines der beiden Bücher gelesen haben. Literarisch gesehen, mag "Wer die Nachtigall stört" das reifere Werk sein, seine Urfassung jedoch hat es durchaus verdient, veröffentlicht und gelesen zu werden.








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