Harriet Köhler Ostersonntag

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Inhaltsangabe zu „Ostersonntag“ von Harriet Köhler

"Ostersonntag" ist der Debütroman der jungen Münchner Autorin Harriet Köhler. Die kompromisslose Geschichte handelt von vier unglücklichen Familienmitgliedern. Linda ist 36 und Kolumnistin bei einer Tageszeitung. In den Nächten kokst sie zu viel, tagsüber gibt sie die erfolgreiche Single-Frau. Ihr jüngerer Bruder Ferdinand hat keinen festen Wohnsitz, dafür aber viele Freundinnen, bei denen er mal wohnt und mal rausfliegt, zwischendurch sein Studium schmeißt und sich durch Berlin treiben lässt. Heiner, der Vater, war mal Professor für Insektenkunde, heute tut er beim Fühstück nur noch so, als ob er die Zeitung lesen würde, in Wahrheit verschwimmen die Wörter in seinem Kopf. Das Ende, in Form von Alzheimer, hat längst begonnen. Ulla, die Mutter, bekämpft das Älterwerden im Fitnessstudio und mit einem Liebhabder, der sich in Hotelbetten von ihrer Brustkrebsnarbe erregen lässt. Ihr eigenes Spiegelbild widert sie an. "Ein atemloser Debütroman von Harriet Köhler - unerbittlich und sprachgewaltig. Was kann diese Frau schreiben!" (Kulturjournal, NDR Fernsehen) Harriet Köhler: "Ich wollte erkunden, was uns eigentlich jeden Morgen aus dem Bett treibt. Wir beschäftigen uns die ganze Zeit irgendwie manisch. Was treibt uns in unser Leben? Und ich glaube, dass es viel mehr etwas ist, wovon wir fliehen, als was, wonach wir suchen."

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  • Rezension zu "Ostersonntag" von Harriet Köhler

    Ostersonntag
    HeikeG

    HeikeG

    15. August 2008 um 12:30

    Eine schrecklich nette Familie Auf den ersten Blick könnte man meinen, ein deutsches Pendant zur amerikanischen Sitcom-Serie um Al Bundy vor sich zu haben. Doch hinter dem eher harmlos wirkenden Titel "Ostersonntag", verbirgt sich eine geschickt formulierte, emotional schlagkräftige Erzählung, aus der Sichtweisen von vier ziemlich unglücklichen Familienmitgliedern, die sich zu der jährlichen Familienzusammenkunft an Ostern um einen Tisch versammeln, um in Sprachlosigkeit zu erstarren. Da ist zum einen Linda (36), eine erfolgreiche Kolumnistin bei einer Berliner Tageszeitung, die den Frust ihres nicht vorhandenen Beziehungslebens unter einem Make-up aus zu vielen Gläsern Rotwein und Zigaretten und eines von innen gepuderten Näschens übertüncht. Ihr jüngerer Bruder Ferdinand (28), ein ebenfalls beziehungsunfähiger Sozialautist, hat keinen festen Wohnsitz, dafür aber viele Freundinnen, bei denen er mal wohnt und mal rausfliegt, und der auf Grund seiner Genialität ständig die Studiengänge wechselt. Meist jedoch lässt er sich im Alkoholrausch ziellos durch die Nachtklubs von Berlin treiben. Heiner (70), der Vater der beiden und emeritierter Professor für Insektenkunde, flüchtet sich täglich in die TV-Tierwelt des Discovery Channel und hat mit ersten Anzeichen von beginnender Demenz zu kämpfen. Und schließlich Ulla, seine Frau, die immer nur schön war und jetzt vor allem immer frustriert ist. Mit schäbigen Affären, einem exzessiven Schlankheitswahn und schweißtreibenden Fitnessübungen will sie das Älterwerden bekämpfen, obwohl sie schon lange nicht mehr ihr eigenes Spiegelbild ertragen kann. Sie flüchtet sich in perfekt inszenierte, aufwändige Kochrezepte, ist aber im tiefsten Inneren immer die "Tresenschlampe" geblieben, aus der sie der damals aufstrebende Akademiker gezogen hat. Die wunde Stelle aller ist das Schweigen Wie viele Familien flüchten sie in Alltagshandlungen, statt miteinander zu reden. Lieber rettet man sich mit gutem Essen und Floskeln über den Tag, in der Hoffnung, dass doch noch alles gut wird, dass ein Gefühl mal echt ist oder auch nur ein Lächeln. Lauter einsame Menschen sind sie. Diese Familie flieht vor ihrem Trauma: ihrem bereits seit sieben Jahren totem Kind Friede - ein Unfall, sagt man. Am Ostersonntag soll es zum großen Befreiungsschlag kommen. Im Gepäck hat der Sohn einen Brief seiner toten Schwester. Mit Schuldvorwürfen will er die Familie endlich zum Reden bringen. Doch es wird ein Osterfest ohne die ersehnte Erlösung. Harriet Köhler verweigert eine schablonenhafte Lösung. Die Geschichte ist hart und tut zuweilen richtig weh, ein emotionaler Schmerz, den man fast körperlich spüren kann. Doch Harriet Köhler erzählt sie mit solcher Zärtlichkeit für ihre Figuren und solch tiefen Einblicken in deren Gefühlsleben, mit so viel Verständnis und so viel Hoffnung, dass man sich ihrem Sog nicht entziehen kann. Hinzu kommt eine große sprachliche Virtuosität. Das ganze Buch überrascht und belohnt mit wunderbaren Sätzen. Selbstzerfleischende Monologe In einer Ansammlung von inneren, beinahe selbstzerfleischenden Monologen innerhalb eines kleinen Zeitraumes sprechen die Vier mit sich, zu sich selbst. Großartig passt die Wahl der 2. Person. Das "DU" vertieft die erschreckende Realität und bringt einem die Protagonisten um einiges näher, als es jede andere Erzählform schaffen könnte. Einzeln zerrt Köhler das Quartett vor einen Spiegel und erreicht dadurch, dass das imaginäre Gegenüber wie ein verstärkendes Echo auftaucht. "Ich wollte in meinem Buch etwas Grundsätzliches über menschliche Beziehungen sagen", erklärt Köhler. "Familie ist ein Raum, in dem die Beziehungen sehr offen liegen - Neurosen, Sorgen und Probleme kann man nie ganz verbergen, auch wenn man sich in der Familie ständig etwas vorzumachen versucht", sagt die Autorin. "Außerdem ist jeder Mensch geprägt durch seine Herkunftskomplexe. Das interessiert mich als Schriftstellerin: Warum Menschen handeln, wie sie handeln. Und da ist Familie immer der Ursprung, unsere Eltern sind diejenigen, die uns losgelassen haben in die Welt. Als Mensch wird man weniger durch seine Ziele geprägt als durch seine Startbasis." So lässt sie am Schluss eine ihrer Protagonistinnen - Linda - sinnieren, "dass es am Ende gar nicht so wichtig ist, was man für Erfahrungen macht, weil am Ende doch das zählt, was aus ihnen entsteht. Dein Leben. Du." Großartige Hörbuchfassung Harriet Köhler: "Ich wollte erkunden, was uns eigentlich jeden Morgen aus dem Bett treibt. Wir beschäftigen uns die ganze Zeit irgendwie manisch. Was treibt uns in unser Leben? Und ich glaube, dass es viel mehr etwas ist, wovon wir fliehen, als was, wonach wir suchen." "Ostersonntag" ist ein Roman über die Wünsche, mit denen wir unser Leben überfrachten und über die Angst, mit und an diesen Wünschen zu scheitern - ein großartiger, kraftvoller und zutiefst wahrhafter Roman! Die vorliegende Hörbuchfassung wurde mit unterschiedlichen Sprechern besetzt und lebt durch die sehr gute Stimmenauswahl. Katrin Fröhlich, Uli Krohm, David Nathan und Liane Rudolph lassen den Roman durch ihre großartige Intonation und persönliche Stilprägung aufleben. Sie verleihen der gesprochenen Romanfassung einen zusätzlichen Reiz und eine akustische Aufwertung. Fazit: Ein ungewöhnliches Werk, das uns in die Gedankenwelt einer zerrütteten Familie eintauchen lässt. Vier Sichtweisen von vier Erzählern spannend und erschütternd dargeboten. Ein gleichermaßen beeindruckendes wie beklemmendes Debüt.

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