Harriet Köhler Und dann diese Stille

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Inhaltsangabe zu „Und dann diese Stille“ von Harriet Köhler

Der ganze Schrecken und der ganze Trost, den Familie bedeuten kannWie ist es, wenn man in hohem Alter seine Frau verliert und auf einmal merkt, dass man nie mit ihr geredet hat – zumindest nicht über das, was einem seit sechzig Jahren das Herz zuschnürt? Wie ist es, wenn man zur Generation 50+ gehört und wieder bei seinem Vater einzieht, um einen Mann zu pflegen, der einem ein Leben lang fremd geblieben ist? Und wie ist es, wenn man immer sicher war, anders zu sein als die Eltern – und nun, da man zum ersten Mal liebt, erkennen muss, dass man genauso verstockt und unfähig ist wie sie?

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  • Rezension zu "Und dann diese Stille" von Harriet Köhler

    Und dann diese Stille
    Clari

    Clari

    12. June 2010 um 10:51

    Schweigen und Sprachlosigkeit: Bilanzen zwischen Vätern und Söhnen.... Drei Männer trauern um eine Frau: Grethe ist tot. Die Frau von Walther, Mutter von Jürgen und Großmutter von Nicki ist an einem Schlaganfall gestorben. Das ist die nackte Tatsche, und nackt, nüchtern und erkältend in ihrer Sprachlosigkeit sind die Figuren, die um sie trauern. Walther war lange Jahre im Krieg und hat seinen Sohn Jürgen erst nach den dessen ersten zehn Jahren seines Lebens kennen gelernt. Das Verhältnis blieb kühl und fern. Nicki, der Enkel, ist mit seiner Freundin Ruth in der neuen, heutigen Zeit angekommen. Drei Männer und drei Schicksale. Ihren Spuren folgt man, um mehr über ihre Beziehungen unter einander zu erfahren. Dabei entdeckt man die Härten und Kanten, die sie zu denen gemacht haben, die sie heute sind. Jürgen, der Mittlere, der mit seinen 68 Jahren auch schon in Rente ist, beobachtet, reflektiert und spürt am meisten, was ihm fehlt: “ Er weinte und stand da und dachte an seinen Vater, der wahrscheinlich immer noch vor seiner Hecke stand, und weinte noch mehr, weil er wusste, dass seine Gefühle ungerecht waren, dass er Sohn seines Vaters war und Vater eines Sohnes und er dennoch nichts gegen das Gefühl tun konnte, völlig alleine zu sein.“ Hier ist ein Mann in seinen Kokon eingesponnen, ohne einen Ausweg zu sehen. Harriet Köhler gehört zu jenen Autorinnen, die mit Worten Emotionen beschreiben, die vertrocknet im tiefsten Inneren eines Menschen schlummern, ohne ans Tageslicht zu gelangen. Und doch: jeder der drei Männer lebte in seiner eigenen Zeit. Walther gehörte als Soldat mit anschließender Gefangenschaft zur Kriegsgeneration, für die Überleben alles war, und die für den Rest ihres Lebens geschädigt blieben. Jürgen hat die Verlassenheit des Vaterlosen erfahren, wie sie viele seiner Generation erlebt haben. Sie sahen Väter, die gebrochen aus dem Krieg zurückkamen und sich mit ihrem barschen, abgeschotteten Wesen den Rest ihres eigenen Lebens und das ihrer Familien vergällten. Frauen , die ergeben hinnahmen, dass es die Liebe nicht mehr gab,--allenfalls Gewöhnung. Ein ganzes Jahrhundert spiegelt sich in diesem Roman. Da wird nichts ausgelassen oder beschönigt, und Trost findet man auch nicht. Harriet Köhler hat sich der Beklagenswerten und Verlorenen angenommen. Ihr Stil ist stringent und die Atmosphäre wird treffend wiedergegeben. Sprache und Inhalt ergänzen sich zu einem schlüssigen Bild. Die Autorin sucht hinter der Sprachlosigkeit nach den tieferen Gefühlen ihrer Protagonisten, und es gelingt ihr, die Spur einer feinen und zarten Annäherung aufzuzeigen. Schon in ihrem ersten Roman „ Ostersonntag“ geht es Harriet Köhler um Vereinzelung und Sprachlosigkeit zwischen Familienmitgliedern. In ihrem neuen Roman führt sie uns das Thema noch einmal krass vor Augen. Es ist ihr gelungen.

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  • Rezension zu "Und dann diese Stille" von Harriet Köhler

    Und dann diese Stille
    *Arienette*

    *Arienette*

    18. April 2010 um 10:45

    Klappentext: Walther sitzt an Grethes Krankenbett und sieht hilflos die letzte Chance verstreichen, ihr alles zu erzählen. Jürgen will seinem Vater zur Seite stehen, aber der wehrt seine Hilfe ab. Dennoch entsteht zwischen den beiden Männern eine Nähe - eine Nähe, die neu für sie ist. Als Walther damals aus dem Krieg und der Gefangenschaft kam, war Jürgen bereits zehn, er hat seinen Sohn nicht aufwachsen sehen. Diese Jahre haben sie immer getrennt, in denen viel passiert ist. Erlebnisse, für die es keine Worte gibt. Doch nun wird Walther zum Pflegefall und Jürgen zum Pfleger, und Vater und Sohn entkommen sich nicht mehr. Als dann auch noch Jürgens Sohn Nicki die beiden besucht, der mit Ruth gerade zum ersten Mal erfährt, wie schön und schwer es ist zu lieben, wird die Mauer des Schweigens rissig und die Vergangenheit blitzt hervor. Alte, bislang nie ausgesprochene Konflikte bahnen sich wütend ihren Weg an die Oberfläche und führen zu einer vorsichtigen und zarten Annäherung. Die Autorin: Harriet Köhler, geboren 1977 in München, hat Kunstgeschichte studiert und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Ihr Debütroman "Ostersonntag" war bei Kritik und Lesern ein großer Erfolg. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Meine Meinung: Beginnend mit dem Tod Grethes erzählt Harriet Köhler eine Familiengeschichte, drei Generationen umfassend. Walther, mittlerweile 95 Jahre alt, ist damals aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause gekommen, während Grethe mit ihrem Sohn Jürgen lange Jahre auf ihn gewartet hat. Jetzt wird Walther zum Pflegefall und Jürgen, selbst schon nicht mehr der Jüngste, wird zum Pfleger. Viel geredet haben sie nicht miteinander, sie sind sich ein wenig fremd. Der Vater wünscht sich sein altes Leben zurück, am liebsten möchte er Jürgen gerne aus dem Haus haben. Doch Jürgen bleibt, sein Sohn Nicki kommt auf Besuch und bringt seine Freundin Ruth, eine Ärztin, mit. Diese erkennt die Problematik der Familie, das Schweigen in der Familie, dem auch Nicki unterliegt. Der Roman erzählt von den Kriegserlebnissen des Großvaters, die DDR-Flucht der Familie mit dem Sohn Jürgen und die Trennung Jürgens von seiner Frau und letztendlich auch das Traumata Grethes, von dem niemand aus der Familie etwas weiß; außer Jürgen, der es als Fünfjähriger mit ansehen musste, es aber verdrängt hat. Die Personen dienen dazu, ein wenig von der deutschen Geschichte (Zweiter Weltkrieg, Teilung Deutschland, Wiedervereinigung) zu erzählen. Wie auch schon in "Ostersonntag" erzählt Harriet Köhler gekonnt von der Sprachlosigkeit innerhalb der Familie, dabei wechselt die Erzählperspektive. Das Cover gefällt mir gut, nur so nebenbei.

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