Harry Crews Florida Forever

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Inhaltsangabe zu „Florida Forever“ von Harry Crews

»Florida Forever« ist ein ätzender und, angesichts des rapiden Überalterungsprozesses der westlichen Gesellschaften, sehr weitsichtiger Roman über die wachsenden Gegensätze zwischen Alt und Jung. Angesiedelt in einem Pensionärs- Trailerpark in Florida, schildert er die Versuche des kriegsversehrten Veteranen Stump, die Horde von Rentnern in Schach zu halten, die, angelockt vom ewigen Sonnenschein, nach Florida gekommen sind und nun darauf pochen, bei Laune gehalten zu werden. Der durch sinnentleerte Spielnachmittage nur mühsam gewahrte soziale Frieden wird durch die Ankunft einer jungen Entertainerin gestört, deren erotische Ausstrahlung bei den Rentnern längst vergessen geglaubte Begierden weckt, die ihnen zeigen, dass sie allen Ruhigstellungsversuchen zum Trotz noch am Leben sind. Und der Wahnsinn nimmt seinen Lauf.

Einfach ein unglaublich Gutes Buch!!! Die Sprache ist brilliant, die Geschichte fesselnd.

— SuomiRomeiki
SuomiRomeiki

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  • Traumhafte Sprache, von einem Autor, von welchem es noch viel zu wenig auf Deutsch gibt!

    Florida Forever
    SuomiRomeiki

    SuomiRomeiki

    10. April 2016 um 13:04

    Ich bin zwar keine Leseratte, behaupte aber, dass ich trotzdem viel lese. In den letzten Monaten konnte mich kein Buch so sehr begeistern, wie "Florida Forever" von Harry Crews. Ich muss schon zugeben, der Roman ist zeitweise recht ordinär und pervers geschrieben, trotzdem kann Crews mit seiner Begabung den Leser literarisch fesseln. Das Buch beschreibt auf eine faszinierende Weise die Macht der Jugend und die Verzweiflung des Alters. Bei mir hat der Roman tatsächlich etwas ausgelöst und genau das will "Florida Forever" auch erreichen. Ich finde es faszinierend, dass ein Buch aus den 80ern und einer Handlung aus den 70ern noch immer aktuell ist. Die Auseinandersetzung jedes einzelnen mit dem Tod ist noch heute überwiegend ein Tabuthema oder zumindest will keiner darüber sprechen. Harry Crews hat es auf jeden Fall geschafft in mir etwas auszulösen. Das Leben ist viel zu kurz, um darüber nachzudenken und wirklich jeder sollte in seinem Leben Freude, Glück und Liebe empfinden dürfen, ganz egal wie alt sie/er ist.

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  • Von der Gnade der Jugend und der Last des Alters

    Florida Forever
    Babscha

    Babscha

    Die Story: Stump, kriegstraumatisierter und durch einen Unfall zusätzlich verkrüppelter Mann mittleren Alters, ist Inhaber eines Trailerparks in Florida, in dem alte, im tiefsten Winter ihres Lebens stehende und nur noch den Tod erwartende Menschen kaserniert sind. In völliger innerlicher Gleichgültigkeit und unter Zuhilfenahme großer Mengen Alkohol versucht er, sich täglich aus der Realität mit ihren vielen Mühseligkeiten und Unbillen abzuschießen. Bis eines Tages ein bildhübsches, aber mit allen Wassern gewaschenes junges Mädchen names Too Much auftaucht und einfach bei ihm einzieht. Bald schon wird klar, dass sie, ganz im Gegensatz zum Inhaber, sehr an dem elenden, vernachlässigten Leben der alten Menschen in dem "Reservat" Anteil nimmt. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie hier die Dinge unbedingt zum Besseren wenden will und als Gegenleistung für ihre sexuellen Dienstleistungen von Stump nach und nach die Abgabe der Kontrolle und die Leitung über den Trailerpark anstrebt. Und die Dinge nehmen ihren Lauf. Meinung: Um Thematik und Ziel des Romans mit seinem ungewohnten, durchgängig derben, brachialen Schreibstil und damit die Intention seines Autors besser verstehen und richtig einordnen zu können, sollte man sinvoller Weise zunächst die hinten im Buch ausgeführte, sehr aufschlussreiche Ausführung des Übersetzers zu Leben und Wirken Crews lesen. Nach harten und erbarmungslosen Lebensjahren hat sich dieser in Deutschland wenig bekannte Autor in diversen Publikationen seine ganze Enttäuschung zum negativ behafteten Wesen der Menschen und ihren Interaktionen von der Seele geschrieben. Und war zumindest in den USA damit auch ziemlich erfolgreich. Seine ganze desillusionierte Grundhaltung spiegelt sich auch im vorliegenden, irgendwie leicht verstörenden, aber außergewöhnlichen Buch aus dem Jahr 1998 wider, in dem er menschliche Abgründe offenlegt und über seine Protagonisten den Blick vor allem auf das teils menschenunwürdige Leben der Ältesten in unserer Gesellschaft richtet. Ob seine Figuren dabei letztlich grenzwertig, überzeichnet und teilweise unglaubwürdig sind, ist eigentlich egal, sie erfüllen sowie nur den Zweck, dem Leser sein eigentliches Anliegen zu transportieren. Was sich an Handlung in dem Roman so alles abspielt, sollte man dann am besten einfach selbst lesen. Zwar kein großer Nachhall, den das Buch hinterlässt, aber in jedem Fall eine Lektüre abseits jeden Mainstreams. Und das allein macht es schon wert.

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  • The Walking Dead in der Seniorenresidenz

    Florida Forever
    Wassollichlesen

    Wassollichlesen

    06. August 2015 um 21:55

    Harry Crews hat mit "Florida Forever", ob gewollt oder nicht, einen Blick in die Zukunft geworfen. Die Alten leben abgeschoben und abgeschottet in Heimen, werden nicht ausreichend verpflegt und es interessiert eigentlich niemanden, was mit ihnen geschieht oder wie sie ihre Zeit bis zu ihrem Ableben totschlagen. Wenn von den "Armen Alten" gesprochen wird, die umher schlürfen wie eine Armee von Zombies, von Untoten, dann weiß man, wie es in dem Seniorenparadies "Forever and Forever" zugeht. Die restlichen Senioren, die noch bei klarem Verstand sind, sinnen nach über ihr Leben und verpasste Chancen und was sie alles hätten anders machen sollen. Ihr merkt also: das Thema "Alter" bildet den Fokus der Geschichte.  "Ich habe ein Alter erreicht, in dem ein guter Schiss besser ist als ein guter Fick." Bis die junge, vor Sex strotzende "Too Much" auftaucht und den Rentnern ihre LebensLUST zurückgeben und dem Heim neues Leben einhauchen möchte. Und ihre unkonventionellen Methoden scheinen zu fruchten. Aber ist das wirklich alles, was sie will? Den dahinsiechenden Alten ihr Leben zurückgeben? Ziemlich ritterlich... Ich habe schon viele Bücher gelesen, auch Bücher, in denen es etwas härter und derber zugeht. Harry Crews hebt das ganze aber nochmal auf ein ganz anderes Level. Seine Sprache ist meist hart an der Grenze zur Vulgarität. Wenn ich nochmal von der "Zirkusnummer" lese, dann garantiere ich für nichts. Das ist hier und da aufmuntert, aber meistens hat es mich eher verstört.Ich weiß nicht, was ich von dem Buch halten soll. Ich habe es zu Ende gelesen, aber ich war nie in seinen Bann gezogen und musste nie unbedingt weiterlesen. Es war mehr ein Kampf, weil ich wissen wollte, wie das Buch endet und ob es mich doch noch überrascht. Und ja, das Ende ist überraschen, aber befriedigt hat es mich nicht.Das Buch gibt sicher viele Interpretationsansätze und übt subtile Kritik, aber was noch??  Fazit Harry Crews war, so habe ich zumindest gelesen, einer der großen US-amerikanischen Schriftsteller und Kult. Dieses Buch, sein letztes, hat dazu aber sicher nicht beigetragen.

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  • Leben im Senioren-Ghetto

    Florida Forever
    Havers

    Havers

    28. June 2015 um 07:17

    Aufgewachsen ist der amerikanische Autor Harry Crews (1935 – 2012) in Georgia in einer typischen „white trash“ Familie. Als Siebzehnjähriger verpflichtet er sich zum Militär und zieht in den Korea Krieg. Dank der GI Bill (Förderprogramm für Veteranen) hat er Zugang zur Universität und macht seinen Abschluss an der University of Florida, wo er anschließend dreißig Jahre Creative Writing unterrichtet. Die Erfahrungen seiner Kindheit prägen seine Sicht auf die Welt. Schonungslos direkt beschreibt er das Leben derjenigen, für die der amerikanische Traum auf ewig eine Illusion bleiben wird. So auch in „Florida Forever“, seinem vorletzte Roman. Wer kennt sie nicht, die Rentnerparadiese in den Vereinigten Staaten? Abgeschlossene Lebensräume für Senioren in traumhafter Landschaft, gut bewacht und komfortabel, mit allen Annehmlichkeiten, die man sich nur wünschen kann. Dort zu leben lässt sich allerdings nur dann realisieren, wenn man das nötige Kleingeld hat. Aber wo verbringen diejenigen ihren Lebensabend, denen die finanziellen Mittel für ein Luxusdomizil  fehlen, die sich aber dennoch den Traum vom sonnigen Rentnerparadies erfüllen möchten? Richtig, sie mieten sich in „Forever and Forever“ in Südflorida ein. Besitzer dieses Domizils ist der Kriegsveteran Stump, der nach einem Unfall die ausgezahlte Versicherungssumme in ein Stück Land investiert und dieses zu einem Trailer Park für Senioren ausbaut. Von Komfort keine Spur, alles ist höchst provisorisch und primitiv. Die Frage ist nur, wer auf Stumps falsche Versprechungen hereinfällt und dann auch dort hängenbleibt. Es sind diejenigen, die nicht die Mittel haben, ihren Ruhestand in einer kostspieligen Seniorenresidenz zu verbringen, die Loser und der White Trash, die durch alle Netze des Systems gefallen sind  und nun in „Forever and Forever“ mehr oder weniger vor sich hin vegetieren. Aber glücklicherweise gibt es dort eine junge Frau, Susanna French, die sich mittlerweile Too much nennt, die achtzehnjährige Freundin Stumps, die nicht nur ihre Energie, sondern auch noch eine geballte Ladung Erotik dafür einsetzt, den älteren Herrschaften – die Betonung liegt auf Herr - Lebensfreude zurückzugeben und zu aktivieren. Sie setzt ihren Kopf durch und geht mit diesem auch durch die Wand, wenn es sein muss. Aber ist das, was sie tut, wirklich ganz uneigennützig? Geht es der jungen Frau um die Verbesserung der Lebensbedingungen in „Forever and Forever“ oder geht es hierbei nur um Macht und Einfluss? Es ist ein Panoptikum skurriler Personen, denen wir in „Florida Forever“ begegnen. Schrill und grotesk beschreibt Harry Crews das Leben der Senioren in dem Trailer Park zwischen zweitem Frühling und dem endgültigen Sprung in die Grube. Die Widergabe dessen ist nicht gefällig, sondern schamlos direkt, provokativ und entlarvend. Oft überschreitet er Grenzen, auch die des guten Geschmacks. Aber was hat das schon zu bedeuten, wenn man als alter Mensch in einem Ghetto lebt und vom Wohl und Wehe seiner Mit-Alten abhängig ist. Dann darf man schon einmal einen entsprechenden Ausspruch hinrotzen.

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