Harry L. Smith

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Harry L. SmithMemory Book
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Memory Book
Memory Book
 (1)
Erschienen am 10.08.2017
Harry L. SmithA Letter from Harry
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A Letter from Harry
A Letter from Harry
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Erschienen am 23.10.2014

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Rezension zu "Memory Book" von Harry L. Smith

Wie wir vor der Jahrtausendwende waren
JuneForsytevor 6 Monaten

Mit sechsunddreißig Jahren wird Dr. Henry L. Schramm, Bereichsleiter im renommierten Frankfurter Pharma- und Chemiekonzern Hoechst AG, jäh aus seiner gesicherten Existenz gerissen, als er plötzlich unter Schwindel und Gleichgewichtsstörungen leidet und ein Professor für Neurologie bei ihm ein Aneurysma im Gehirn mit tödlicher Prognose diagnostiziert. Ein zweiter Neurologe mit weiter fortgeschrittenen Kenntnissen und Möglichkeiten rät zur Operation und beurteilt die Chancen seines Patienten auf Tod, bleibende Schäden oder völlige Genesung mit 50:50 Prozent.

Mit der Endlichkeit menschlichen Daseins und der Unberechenbarkeit des Schicksals konfrontiert, hält er Rückschau auf die Geschichte seiner Familie und seines bisherigen Lebens im Frankfurter Stadtteil Höchst von den frühen Nachkriegsjahren bis in die späten 1980er Jahre.

Er übersteht die riskante Operation ohne jegliche Komplikationen und bleibende Schäden. Bald nach seiner Genesung wird er vom Frankfurter Stammhaus für drei Jahre nach Südafrika entsendet, um die Filiale nahe Johannesburg auf- und auszubauen.

Bei der Rückkehr von seinem erfolgreichen Einsatz muss er feststellen, dass sich in nur wenigen Jahren die Strukturen und Prinzipien im Konzern grundlegend gewandelt haben. Die Geschäftsleitung hat die Weichen für die Aufspaltung und Ausgliederung des Konzerns und zugleich für dessen schleichenden, aber unaufhaltsamen Niedergang gestellt...

Dies ist die Geschichte des „Memory Book“ von Harry L. Smith - und darüber hinaus ein auf 925 Seiten geradezu minutiös nacherzähltes Leben in Deutschland.

Henry L. Schramm, seine Eltern und Freunde, seine großen Lieben und kurzen, heftigen „Flammen“ – sie alle hinterfragen sich nicht, auch nicht die Ereignisse, die ihnen auf ihrem Weg begegnen; sie nehmen, was kommt, stürzen sich hinein und überlassen es der Evolution des Lebens, was sich daraus entwickelt.

Darum geht es letzten Endes auf diesen 925 Seiten: um pralles, ereignisreiches Leben.

Gleichzeitig entsteht im „Memory Book“ vor dem geistigen Auge des Lesers ein naturgetreues Bild vom Deutschland der Nachkriegszeit bis in die frühen 1990er Jahre. 

Da sind die Väter, die durch die NS-Zeit und ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg hart, bitter und unnachgiebig geworden sind, von einem einzigen Gedanken getrieben: aus Ruinen aufzuerstehen, ihren neuen Platz im Leben um jeden Preis zu erobern und zu behaupten.

Da sind die Mütter, überwiegend Repräsentantinnen an der Seite ihrer Gatten bei Festen, Bällen und Empfängen. Ihr Blick richtet sich als erstes auf die materiellen Annehmlichkeiten und Freuden des Lebens. Wer sie selbst sind und was sie aus ihrem Leben machen wollen, stellen sie nicht in Frage, denn sie sind es bereits: Hausfrauen und Mütter.

Da sind die Söhne, die in ein aufstrebendes Deutschland hineingeboren werden, in dem alles möglich erscheint, was man sich vornimmt, wenn man es nur anpackt und sich anstrengt, und die ihren heimgekehrten Vätern fremd und verständnislos gegenüberstehen.

Und da sind die Töchter, die ihr Leben ohne Skrupel genießen wollen, wilde Hühner, die Achterbahn-Beziehungen eingehen, bei denen ihre Mütter entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ihre Väter machtlos nebendran stehen und zusehen.

Stets ist zwischen der Kriegs- und der Nachkriegsgeneration eine unsichtbare Wand spürbar. Familiäre Bindungen und Beziehungen existieren, aber nur äußerlich und konventionell; innerlich driften Eltern und Kinder unaufhaltsam immer weiter auseinander. 

Nicht zuletzt schildert das „Memory Book“ eine Unternehmenskultur, die ich selbst noch kennengelernt habe: Organisch aufgebaute und gewachsene Unternehmen, deren Mitarbeiter ihren Platz kannten und weder an ihrem fachlichen noch ihrem menschlichen Wert zweifelten noch an der Struktur und Führung ihrer Firma, in der sie tätig waren. Man schätzte seine Arbeit, hatte und pflegte daneben aber durchaus sein Privatleben.

Chefs respektierte man, und nahm ihre Eigenheiten hin, sah in ihnen aber keine Halbgötter. 

Inzwischen wurden in Jahren und Jahrzehnten organisch gewachsene Strukturen, die funktionierten, gegen Prozesse, Strukturen und Systeme ausgetauscht, in denen der Mensch ein Rädchen ist, das zu funktionieren hat. Effiziens, Budget und Lean Management sind die einzigen Werte, die noch gelten; der Mensch als solcher bleibt auf der Strecke. Quo vadis, Firmen- und Arbeitskultur?

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