Harry Mulisch

 4 Sterne bei 535 Bewertungen
Autor von Die Entdeckung des Himmels, Das Attentat und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Harry Mulisch

Harry Mulisch wurde am 29. Juli 1927 in Haarlem als Sohn eines ehemaligen österreichischen Offiziers und einer Frankfurter Jüdin geboren. Die jüdische Herkunft seiner Mutter und die Geschichte unter den Nationalsozialisten des Vaters prägen die schriftstellerischen Werke Mulischs. Harry Mulisch spricht aufgrund dieser Geschichte davon, dass er selbst der Zweite Weltkrieg sei. 1961 ist Mulisch Berichterstatter beim Eichmann-Prozess in Israel, woraus die Reportage „Strafsache 40/61“ entsteht. Mit Hannah Arendt, die ebenfalls als Prozessbeobachterin tätig ist, befreundet er sich um 1962. Die Romane „Das Attentat“ und „Die Entdeckung des Himmels“, die 1982 und 1992 erscheinen, finden weltweite Aufmerksamkeit. Das erste Buch handelt von den Folgen der Ermordung eines holländischen Polizisten, der das NS-Regime kollaboriert. Die Entdeckung des Himmels beschreibt eine humorvolle Umsetzung der Zusammenführung von Wissenschaft und Religion. Harry Mulisch erhält 1995 den Prijs der Nederlandse Letteren, den höchsten niederländischen Literaturpreis. Der Deutsche Botschafter in Amsterdam überreicht Mulisch 2002 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse für Das Attentat und Die Entdeckung des Himmels aufgrund der „wichtigen Vermittlerrolle seiner Werke“.

Alle Bücher von Harry Mulisch

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Harry MulischDie Entdeckung des Himmels
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Die Entdeckung des Himmels
Die Entdeckung des Himmels
 (263)
Erschienen am 01.10.2008
Harry MulischDas Attentat
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Das Attentat
Das Attentat
 (123)
Erschienen am 02.10.2000
Harry MulischSiegfried
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Siegfried
Siegfried
 (32)
Erschienen am 01.10.2003
Harry MulischDie Prozedur
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Die Prozedur
Die Prozedur
 (27)
Erschienen am 02.10.2000
Harry MulischDie Elemente
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Die Elemente
Die Elemente
 (15)
Erschienen am 04.05.1992
Harry MulischZwei Frauen
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Zwei Frauen
Zwei Frauen
 (11)
Erschienen am 01.12.2000
Harry MulischSelbstporträt mit Turban
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Selbstporträt mit Turban
Selbstporträt mit Turban
 (6)
Erschienen am 01.10.1997
Harry MulischDas Theater, der Brief und die Wahrheit
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Das Theater, der Brief und die Wahrheit
Das Theater, der Brief und die Wahrheit
 (6)
Erschienen am 01.10.2002

Neue Rezensionen zu Harry Mulisch

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FabAustens avatar

Rezension zu "Das Attentat" von Harry Mulisch

Braucht Konzentration, die aber lohnend investiert ist
FabAustenvor 6 Monaten

Im Januar 1945 sind die Niederlande von den Deutschen besetzt und der zwölfjährige Anton Steenwijk lebt mit seinen Eltern und Bruder Peter in einem Reihenhaus in Haarlem. Eines Januarabends ertönen in der Straße Schüsse. Durch ein Fenster beobachtet die Familie, wie Nachbar Korteweg und seine Tochter den toten Kollaborateur Fake Ploeg vor ihr Haus bringen. Peter rennt hinaus, um Ploeg zurück vor das Haus der Nachbarn Kortewegs zu bringen. Sie alle ahnen, dass die deutsche Vergeltung brutal ausfallen wird und sich vor allem gegen die richtet, vor deren Tür der Tote gefunden wird. Schon sind die Deutschen da. Peter bleibt verschwunden, Anton wird von seinen Eltern getrennt, ihr Haus niedergebrannt. Erst viel später erfährt er, was in jener Nacht genau passiert ist. Außer ihm hat niemand aus seiner Familie die Vorgänge überlebt.

Harry Mulisch begleitet fortan seinen Protagonisten Anton durch dessen Leben, allerdings in Zeitsprüngen. Die Hörer/Leser begegnen ihm 1952, 1956, 1966 und 1981. Jedes mal erfahren sie etwas über sein Leben. Jedes mal trifft er zufällig auf Personen, die an den Vorgängen in jener Januarnacht 1945 mehr oder weniger direkt beteiligt gewesen sind. Dazu gehören u.a. der Schütze, der Sohn des Kollaborateurs, mit dem Anton in dieselbe Schulklasse ging, und die Nachbarstochter, die den Toten vor die Tür der Steenwijks legte. Jeder von ihnen ermöglicht neue Einblicke in die Vergangenheit. Schnell wird klar, dass jede Sicht auf die Nacht zwangsläufig subjektiv ist. Jeder weiß etwas, das die anderen nicht wissen können. So wird vieles erst durch die Gespräche aufgeklärt oder umgedeutet. Das gleicht einem Puzzle, ist sehr spannend und lässt auch den Hörer/Leser alles immer wieder überdenken.

Die Figuren sind allesamt sehr authentisch und glaubwürdig, ob sympathisch oder nicht. Die deutschen Besatzer sind lediglich Randfiguren, während die niederländischen Akteure im Zentrum stehen. Die Januarnacht stellt für jeden von ihnen ein Trauma dar und hat ihr Leben stark beeinflusst. Dadurch sind sie alle miteinander verbunden, ob sie wollen oder nicht.
Mulisch arbeitet mit viel psychologischem Verständnis und Feingefühl. Die Auswirkung der damaligen Geschehnisse auf Antons Leben und seine Psyche sowie sein Umgang damit sind jederzeit nachvollziehbar. So sehr er sich auch bemüht, er kann mit der Vergangenheit nicht abschließen, denn immer wieder kehrt sie in Form von Erinnerungen oder Begegnungen zurück. Teilweise wird das kunstvoll mittels sprachlicher Bilder untermauert (Gegensätze, Metaphern, Motive).

Die größte Stärke des Romans ist allerdings seine philosophische Dimension. Viele tiefgehende Fragen werden aufgeworfen, fertige Antworten hingegen nicht. Vermutlich gibt es auch gar keine eindeutigen. Stattdessen wird dem Hörer/Leser viel Stoff zum Nachdenken gegeben. In jedem Fall wird klar, dass es sehr schwierig ist, in der Sache zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Nur wenig ist, wie es scheint oder die Zeit hat Dinge oder ihre Bewertung verändert. Das beherrschende Thema ist Schuld, der Umgang mit ihr und die Frage, ob in dieser Geschichte überhaupt jemandem die Schuld zugeschrieben werden kann. Schließlich schwebt über allem außerdem die Frage, wie man sich selbst wohl an Stelle der einen oder anderen Person verhalten hätte.

Das Attentat erhält eine klare Lese-/Hörempfehlung, da Harry Mulischs Werk vom Aufbau und Inhalt vielschichtig, spannend und aufschlussreich ist. Burghart Klaußner liest abwechslungsreich und gibt den unterschiedlichen Figuren passende Ausdrucksweisen. Seine Vortragskunst erleichtert die Konzentration auf das komplexe Thema und die ebenso komplexe Handlung statt sie zusätzlich zu erschweren. Trotz allem wirkt der Roman nicht schwer oder deprimierend. Auch das ist zum Teil Klaußners Verdienst.
Der Roman lädt ein, ihn mehr als einmal zu hören/lesen, denn es lassen sich wohl gar nicht alle Hinweise und Erkenntnisse beim ersten Mal erfassen.

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Rezension zu "Schwarzes Licht" von Harry Mulisch

Harry Mulisch | SCHWARZES LICHT
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Es ist der 20. August 1953, der sechsundvierzigste Geburtstag Maurits Akeleis. Der Glockenspieler seiner kleinen Stadt lebt zurückgezogen in einem spartanischen Mietshauszimmer und seit ihn vor über zwanzig Jahren seine einzige Liebe Marjolein verließ, umgibt ihn eine Aura der Melancholie und Unnahbarkeit. Sowohl seine abergläubische Vermieterin als auch eine Gruppe der Zeugen Jehovas warnen ihm vor dem Ende der Welt, denn genau heute soll der Tag des Jüngsten Gerichtes sein. Akelei macht sich auf den Weg zu den paar Bekannten, die er hat, um sie zu einer Feier anlässlich seines Geburtstages einzuladen, was ihm gar nicht ähnlich sieht. Aus der Feier wird eine apokalyptische Orgie, die mit einer Erkenntnis endet, der zu folgen für Akelei unausweichlich ist.

FORM: Harry Mulisch (1927-2010) war ohne Frage ein Meister unter den niederländischen Romanciers und was er dem Leser fast vierzig Jahre später in seinem Überroman DIE ENTDECKUNG DES HIMMELS (meines Erachtens eines der Bücher für die Insel) in Perfektion präsentiert, zeigt sich auch diesem sehr frühen Text. Denn auch wenn die Dialoge ein wenig holpern und die Charaktere etwas Holzschnittartiges haben, die Fülle an Symbolik und das experimentelle Spiel mit der Sprache machen die Kritikpunkte wieder wett. Besonders die Traum- und Deliriumszenen und wie sie in den Text eingebaut sind, wissen zu überzeugen. Man sollte also berücksichtigen, dass Mulisch erst Mitte zwanzig war, als er SCHWARZES LICHT schrieb, also noch viel Zeit hatte, zu dem Autor zu werden, den man heute kennt.

FAZIT: Trotz der neuen, wohl etwas flüssigeren Übersetzung kam ich nur schwer in den Text, was an den genannten Punkten lag. Die gestelzte Art der Figuren und Dialoge erinnerten mich an diese furchtbaren Theo-Lingen-Paukerschreck-Komödien; bei einem 600-Seiten-Roman hätte ich wahrscheinlich abgebrochen. Aber nach einer Weile gewöhnte ich mich daran und versank doch noch in der Geschichte, deren Ende wirklich eines ist, das ich nicht so schnell vergessen werde. Vier Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Ratzifatzs avatar

Rezension zu "Das Attentat" von Harry Mulisch

Wer ist der Schuldige?
Ratzifatzvor einem Jahr

Das Buch von Harry Mulisch lässt sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Bezüglich der historischen Thematik geht es um die letzten Tage des zweiten Weltkrieges in Holland, genauer, um ein Attentat auf einen korrupten und mit den Nazis kollaborierenden Polizisten durch den bewaffneten Widerstand. Das Attentat ist der Ausgangspunkt für verschiedene Formen von Verdrängung und Schuld, die in mehreren Zeitsprüngen bis in die Achtzigerjahre verfolgt werden. Das tragische Zusammenspiel von individuellem Überlebenswillen, rücksichtsloser Verurteilung und politischer Tat wird anhand des Lebens von Anton verfolgt, der den verdrängten Mord an seinen Eltern durch die Nazis erst viele Jahre nach dem Krieg verarbeiten kann. Mulischs Darstellung der Schuld ist überaus vielschichtig und spannt den Bogen von psychologischer bis hin zu nationaler Verdrängung, ohne auch nur ansatzweise moralisierend zu wirken. 


Die von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen werden durch menschliches Verhalten einzelner Deutscher kontrastiert. Mulischs Text geht hier aber weiter und weist in gewisser Hinsicht Spuren von ethischer  und philosophischer Reflexion auf. Die von den Nazis besetzten Holländer werden zu unterschiedlichen Handlungen  gezwungen, die ihrerseits unterschiedliche Dimensionen von Schuld eröffnen. Das titelgebende Attentat führt zur Ermordung der Familie, vor deren Haus das Attentat stattfand. Die Nachbarn der Familie tragen in ihrem Überlebenswillen faktisch zum Todesurteil der Familie bei und genau hier beginnt Milischs Auseinandersetzung mit verschiedenen ethischen Dilemmata. Der Überlebenswille der Nachbarn führt notwendig zum Tod von Antons Familie. Ist aber ein derartiges Handeln in Notsituationen, die den Einzelnen dazu zwingen, Entscheidungen über Lebrn und Tod zu treffen verwerflich? Diese Frage spiegelt sich in anderer Differenzierung auch in der Geschichte mit den Attentätern wider. Ist das Leid, das Unschuldige bzw. Unbeteiligte im Zusammenhang mit dem Vorgehen des bewaffneten Widerstands trifft zu akzeptieren bzw. notwendiger "Kollateralschaden"?


Mulischs Auseinandersetzung mit diesen Fragen macht einem die Beantwortung nicht leichter. Ganz im Gegenteil; sie verleiht dem Thema erst die notwendige Komplexität.

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Harry Mulisch wurde am 29. Juli 1926 in Haarlem (Niederlande) geboren.

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