Das Attentat

von Harry Mulisch 
4,0 Sterne bei122 Bewertungen
Das Attentat
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Starkes Buch, das den Leser aufwühlt und verschiedene Dimensionen von Schuld reflektiert

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Mulisch ist ein großartiger Erzähler: Ein herausragendes Buch über den niederländischen Widerstand im zweiten Weltkrieg.

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Inhaltsangabe zu "Das Attentat"

Der Roman rollt die Lebensgeschichte des zwölfjährigen Antons auf, der als Einziger seiner Familie die deutsche Besatzung Hollands überlebt hat.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499227974
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:192 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:02.10.2000
Das aktuelle Hörbuch ist am 15.08.2007 bei Patmos erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Ratzifatzs avatar
    Ratzifatzvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Starkes Buch, das den Leser aufwühlt und verschiedene Dimensionen von Schuld reflektiert
    Wer ist der Schuldige?

    Das Buch von Harry Mulisch lässt sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Bezüglich der historischen Thematik geht es um die letzten Tage des zweiten Weltkrieges in Holland, genauer, um ein Attentat auf einen korrupten und mit den Nazis kollaborierenden Polizisten durch den bewaffneten Widerstand. Das Attentat ist der Ausgangspunkt für verschiedene Formen von Verdrängung und Schuld, die in mehreren Zeitsprüngen bis in die Achtzigerjahre verfolgt werden. Das tragische Zusammenspiel von individuellem Überlebenswillen, rücksichtsloser Verurteilung und politischer Tat wird anhand des Lebens von Anton verfolgt, der den verdrängten Mord an seinen Eltern durch die Nazis erst viele Jahre nach dem Krieg verarbeiten kann. Mulischs Darstellung der Schuld ist überaus vielschichtig und spannt den Bogen von psychologischer bis hin zu nationaler Verdrängung, ohne auch nur ansatzweise moralisierend zu wirken. 


    Die von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen werden durch menschliches Verhalten einzelner Deutscher kontrastiert. Mulischs Text geht hier aber weiter und weist in gewisser Hinsicht Spuren von ethischer  und philosophischer Reflexion auf. Die von den Nazis besetzten Holländer werden zu unterschiedlichen Handlungen  gezwungen, die ihrerseits unterschiedliche Dimensionen von Schuld eröffnen. Das titelgebende Attentat führt zur Ermordung der Familie, vor deren Haus das Attentat stattfand. Die Nachbarn der Familie tragen in ihrem Überlebenswillen faktisch zum Todesurteil der Familie bei und genau hier beginnt Milischs Auseinandersetzung mit verschiedenen ethischen Dilemmata. Der Überlebenswille der Nachbarn führt notwendig zum Tod von Antons Familie. Ist aber ein derartiges Handeln in Notsituationen, die den Einzelnen dazu zwingen, Entscheidungen über Lebrn und Tod zu treffen verwerflich? Diese Frage spiegelt sich in anderer Differenzierung auch in der Geschichte mit den Attentätern wider. Ist das Leid, das Unschuldige bzw. Unbeteiligte im Zusammenhang mit dem Vorgehen des bewaffneten Widerstands trifft zu akzeptieren bzw. notwendiger "Kollateralschaden"?


    Mulischs Auseinandersetzung mit diesen Fragen macht einem die Beantwortung nicht leichter. Ganz im Gegenteil; sie verleiht dem Thema erst die notwendige Komplexität.

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    dominonas avatar
    dominonavor 4 Jahren
    auch eine Form von Vergangenheitsbewältigung

    Januar 1945: In einem niederländischen Dorf wird nach der Sperrstunde ein Faschist erschossen und die Nachbarn der Steenwijks schleppen die Leiche vor das Haus um sich zu retten. Es ist der Abend an dem Anton Steenwijk sich wünschen wird, er wäre nie gekommen.
    Man könnte meinen, es ging um Rache, um Schuld und Rechtfertigung, aber nicht nur. Hauptsächlich muss Anton verarbeiten und die Vergangenheit zulassen, aber auch dazu muss man sich durchringen und der Leser ist ihm dabei dicht auf den Fersen.

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    PaulTemples avatar
    PaulTemplevor 4 Jahren
    Fesselndes Drama über Schuld

    Haarlem, In den letzten Kriegstagen 1945: Durch einen unglücklichen Zufall wird vor Antons Haus ein Attentat durch Widerstandskämpfer verübt, welches die Deutschen mit der Ermordung seiner Familie und der kompletten Zerstörung des Hauses brutal beantworten. Anton überlebt und zwingt sich, die Geschehnisse als gegeben hinzunehmen, doch die Vergangenheit lässt ihn auch Jahrzehnte später nicht los.
    Der Leser begleitet den Protagonisten an entscheidenden Stellen seines Lebens, an denen er dem traumatischen Ereignis erneut ausgesetzt ist, und lernt so die ganze Wahrheit kennen. Im Sprachstil eines Berichts setzt der Autor sich mit der Frage der Schuld und Moral auseinander, die immer wieder neue Facetten aufwirft und nur schwer eindeutig geklärt werden kann.

    Sehr zu empfehlen!

    Kommentare: 3
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    Gulans avatar
    Gulanvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Mulisch ist ein großartiger Erzähler: Ein herausragendes Buch über den niederländischen Widerstand im zweiten Weltkrieg.
    Herausragendes Buch über Schuld und Moral in Zeiten des Widerstands

    Im Januar 1945 sitzt der 12jährige Anton Steenwijk mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder im Eßzimmer ihres Hauses an einer Uferstraße im niederländischen Haarlem. Plötzlich ertönen Schüsse. Der von Widerstandskämpfern niedergeschossene Polizist und Kollaborateur wird von den Nachbarn vor dem Haus der Steenwijks abgelegt. Noch bevor sie etwas unternehmen können, tauchen die Deutschen auf und trennen Anton von seiner Familie. Seine Eltern und sein Bruder werden erschossen, das Haus der Familie niedergebrannt. Anton wächst bei seinem Onkel und seiner Tante auf. In mehreren Episoden zu verschiedenen Lebensabschnitten bekommt Anton Gelegenheit, die damaligen Ereignisse aufzuklären.

    Harry Mulischs Roman beschreibt ein dominierendes Thema der niederländischen Nachkriegsliteratur: Die deutsche Besatzung der Niederlande und der niederländische Widerstand. Hier wird ein Attentat auf einen Kollaborateur und die furchtbare Reaktion der Deutschen in mehreren Episoden aufgearbeitet. Es stellt sich die Frage von Schuld und Moral, welche Form von Gewalt und welche "Kollateralschäden" im Widerstand gerechtfertigt waren.

    Die Hauptperson Anton ist zum Zeitpunkt des Attentats 12 Jahre alt. Er weiß zunächst nicht, was mit seiner Familie passiert ist. Erst nach dem Krieg erhält er traurige Gewissheit. Er sperrt sich zunächst, sich seinem Trauma zu stellen, aber durch einige zufällige Begegnungen mit direkt oder indirekt Beteiligten kann er die Ereignisse schließlich nachvollziehen.

    Die Episoden spielen in den Jahren 1945, 1952, 1956, 1966 und 1981. Der Leser begleitet Antons Lebensweg über mehr als 35 Jahre. Dabei schafft es Mulisch, nicht nur die Psyche der Hauptperson zu beleuchten, sondern auch verschiedene Charaktere der niederländischen Besatzungszeit zu beschreiben und die zeitgeschichtlichen Stimmungen der Nachkriegszeit (Antikommunismus, Studentenproteste, Proteste gegen atomare Aufrüstung) miteinfließen zu lassen.

    Für mich ein großartiger Roman. Er hat gerade knapp 200 Seiten und doch wird das Thema präzise, genau und mitreißend beschrieben. Sehr empfehlenswert.

    Kommentare: 1
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    B
    bibliobarbvor 6 Jahren
    Rezension zu "Das Attentat" von Harry Mulisch

    Der Roman spielt in den Niederlanden, er beschreibt Episoden aus den Jahren 1945, 1952, 1956, 1966 und 1981 und begleitet einen Protagonisten in sehr extremen Situationen: Ein Attentat auf einen Faschisten durch eine Widerstandsguppe, die Ausrottung seiner unschuldigen Familie durch den Verrat eines Nachbarn, die psychischen Folgen für ihn, die Aufarbeitung und seine nachträglichen Rekonstruktionen durch Zeugen der Tat. Eine Frau aus der Widerstadagruppe beeinflusst sogar die Wahl seiner späteren Ehefrau. Er lehnt jegliches politisches Engagement ab, bis er sich doch dazu verleiten lässt und dadurch seine letzten Unklarheiten über den Hergang beseitigt werden.
    Harry Mulisch gelingt es den Leser in die jeweiligen Jahre mitzunehmen, durch authentische Beschreibungen der gesellschaftlichen Situationen und Befindlichkeiten der Jugendbewegungen
    Die Hauptfigur hat diese tragischen Erlebnisse als 12jähriger erlebt und war stark traumatisiert. Aus diesem Grunde hat er zunächst versucht, alles aus seinem Gedächtnis zu vertreiben und durch diese "Interessenlosigkeit" wurde die Spannung sehr stark erhalten. Ich habe dieses Buch mit großer Begeisterung und Anteilnahme gelesen.

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    bogis avatar
    bogivor 8 Jahren
    Rezension zu "Das Attentat" von Harry Mulisch

    Ein Juwel. Mulisch beschreibt ein Mordanschlag an einem niederländischen SS-Angehörigen während des 2. Weltkrieges und die Folgen in den von Nazideutschland besetzten Niederlanden. Er hat den Roman in ganz besonderer Art und Weise konstruiert.
    Der Mord geschieht in einem Strassenabschnitt von drei Häusern. Von den Bewohnern kennen sich auch alle mehr oder weniger. Über allem schwebt natürlich und hat auch mit allem zu tun, die Verfolgung und Ermordung von Juden und Andersdenkender während der deutschen Okkupation. Der Roman beschreibt einen Zeitabschnitt von rund vierzig Jahren in denen immer wieder der Hauptprotagonist mehr oder weniger zufällig auf Beteiligte der Vorgänge um den Anschlag am Ende des 2. Weltkrieges trifft.
    Das Buch ist sehr gut lesbar, man muss jedoch konzentriert dabei bleiben, da es ansonsten etwas schwierig wird die Gesamtzusammenhänge zu erfassen. Ich werde mir sicher zu gegebener Zeit nochmals einen Mulisch einverleiben.

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    Monsignorevor 9 Jahren
    Rezension zu "Das Attentat" von Harry Mulisch

    1945, am Stadtrand von Haarlem: Ein Faschist wird von Widerstandskämpfern vor einem Haus erschossen. Die Hausbewohner schleifen die Leiche schnell vor das Nachbarhaus. Dieses wird von den Deutschen abgebrannt, die Familie erschossen, nur der 12jährige Anton überlebt. Anton erzählt diese Geschichte bis zum Jahr 1982. Erst dann erfährt er die ganze Tragweite des Attentats.

    Eine ungeheuerliche Geschichte, die hier erzählt wird. Anton trifft im Laufe seines Lebens auf den Sohn des getöteten Faschisten, er trifft zufällig auch auf den Attentäter. Und dann erfährt er, warum die Leiche ausgerechnet vor sein Elternhaus geschleift wurde ...

    Mulisch ist ein großartiger Erzähler, der mühelos Perspektiven und Zeitebenen entwickeln und ausformulieren kann. Seine Personenzeichnungen sind klar und einsichtig, er erzählt straff und nimmt dabei Zeitstimmungen und Milieuschilderungen ganz nebenbei mit. Übrigens entsprechen zwei Figuren tatsächlichen Widerstandskämpfern.

    Dieses Buch gehört zum meinen "Lebensbegleitern". Auch die Hörbuchausgabe, gelesen von Burghart Klaußner, ist hervorragend.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren
    Rezension zu "Das Attentat" von Harry Mulisch

    Kleiner Roman mit großem Tiefgang. Ist man durch damit, lehnt man sich überrascht oder doch eher beeindruckt zurück.

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    Sariis avatar
    Sariivor 10 Jahren
    Rezension zu "Das Attentat" von Harry Mulisch

    Spannende Geschichte über einen Erwachsenen Mann, der in seiner Kindheit mit der Gewalt des weltkrieges konfrontiert wurde. Insbesondere seine Aufarbeitung der Vergangenheit macht die Figur des Anton sehr persönlich und real.

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    Anja_Levs avatar
    Anja_Levvor 10 Jahren
    Rezension zu "Das Attentat" von Harry Mulisch

    Das Buch fängt etwas umständlich an, entwickelt sich jedoch sehr interessant weiter, auch dank der Zeitsprünge, in denen nur erfasst wird, was mit dem Attentat zu tun hat. Interessant finde ich auch die Erklärung am Ende, die einiges ganz anders aussehen lässt.

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