Harry Parker

 4.4 Sterne bei 11 Bewertungen

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Cover des Buches Anatomie eines Soldaten (ISBN: 9783710900020)

Anatomie eines Soldaten

 (11)
Erschienen am 09.11.2016

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Rezension zu "Anatomie eines Soldaten" von Harry Parker

Gute Idee, schlecht übersetzt.
GAIAvor 9 Monaten

Harry Parker, selbst ein Irak-Krieg-Veteran, welcher Teile beider Beine im Einsatz verlor, beschreibt in diesem "Roman" die Erlebnisse eines Soldaten im Irak-Krieg. Sicherlich führt die Erzählform zum Etikett "Roman", wobei im Vorsatzpapier darauf hingewiesen wird, dass der Roman auf einer wahren Geschichte beruht. So wirkt es eher wie eine biografische Erzählung des Autors.

Das Spannendste am Buch ist tatsächlich die gewählte Erzählform. Die einzelnen Kapitel werden nämlich jeweils aus der Sicht eines anderen Gegenstandes erzählt, welcher sich im Kriegsgeschehen befindet. Das kann ein Stiefel sein, aber auch ein Verband oder der Rucksack. Etwas Ähnliches habe ich noch nie gelesen. Leider verliert das Konzept dadurch, dass ausschließlich schildernd formuliert wird. Das alles in einem anstrengenden Präteritum-Stil. Das ermüdet mir der Zeit. Sprachlich gibt es einige Schwächen im Buch, wobei ich vermute, dass viele davon in der Übersetzung entstanden sind. Diese ist tatsächlich grottenschlecht. Viele Wörter scheinen ohne Sachverstand bezüglich des Gegenstands der Geschichte schlicht mit der erst besten Variante aus dem Wörterbuch/Programm übersetzt worden zu sein. Das tut beim Lesen weh.

Insgesamt überhöht hier der Klappentext, der den vorliegenden Roman mit Erich Maria Remarques Klassiker "Im Westen nichts Neues" vergleicht (!), ganz frech die Realität. Aber das sind wir Leser ja mittlerweile gewöhnt. Es handelt sich beim englischen Original sicherlich um einen guten, soliden Roman. In der deutschen Ausgabe würde ich ihn nicht weiterempfehlen.

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Rezension zu "Anatomie eines Soldaten" von Harry Parker

Literatur aus Schmerz und Menschlichkeit
buchwanderervor 3 Jahren

„Das bin nicht ich, dieser kaputte Körper, das bin ich einfach nicht.“ (S.166)

Zum Inhalt:

Soldat BA5799 trägt Verantwortung. Verantwortung für sich und eine Gruppe ihm unterstellter Soldaten. Und er ist sich dessen bewusst, macht sich Gedanken, nimmt seinen Auftrag und seine kameradschaftliche Pflicht nicht auf die leichte Schulter. Er will aber auch verstehen, was er hier fernab von zu Hause verteidigt, wofür er einsteht – immerhin mit nichts weniger als seinem Leben.

Dieses Leben ist es, das eine Landmine beinahe einfordert. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Wimpernschlag und er wird vom wertvollen Menschen / Soldaten zum belastenden Kriegsversehrten. Den Weg dorthin beschreiben schlaglichtartig Gegenstände. Banale,alltägliche Gegenstände wie Düngersäcke, Tuben welche der Beatmung dienen, Feldstiefel, ein Rucksack…

Das Leben, die Geschichte des Protagonisten gleicht einem Dreiklang, dessen Widerhall den Leser nicht selten atonal aus dem Konzept bringt. Zum einen das Leben als Soldat, beinahe selbstverständlich, „normal“, einer gewöhnlichen Arbeit nachgehend. Zum anderen das Leben als Rekonvaleszenter auf der Schneide der Sense von Gevatter Tod, nicht wissend ob man(n) auf die eine oder andere Seite derselben kippt, ob es noch einen Tag danach geben wird. Und als dritter im Bunde ein Lebensstrang, den es sich zu erarbeiten gilt: das Leben als Versehrter, Behinderter, Stigmatisierter, als Ausschussware der Kriegsmaschinerie… oder als anderer, aber vollwertiger Mensch.

Dabei geht es nie explizit um ein moralisierendes Anklagen wessen auch immer. Es geht um das ganz persönliche Schicksal von BA5799 geschildert von den unpersönlichsten Dingen, eine Distanz schaffend, die den Abgrund des Vorher und Nachher noch um ein vielfaches tiefer und schwärzer erscheinen lässt. Einen Abgrund der das Potential in sich trägt jeden zu verschlucken, der nicht um seinen Wert kämpft, der keinen Rückhalt in sich selbst und keinen Ankerpunkt in einem neuen, einem zweiten Leben zu finden vermag.

Fazit:

Harry Parker weiß, wovon er spricht. Und das tut er ohne Filter, ohne unnötiges Pathos, ohne Beschönigungen. Er changiert glaubwürdig zwischen dem pflichtbewussten Soldaten und dem Menschen, der zum einen die Bewohner eines fremden Landes zu verstehen sucht, zum anderen sich zurückkämpft in ein „normales“ Leben  in der ihm vertrauten Kultur. Einer Kultur, die ihm zu einem nicht unerheblichen Teil fremd geworden ist, deren Wertigkeiten er für sich neu einstuft, einstufen muss, will er nicht nur ein Versehrter an Physis und Geist bleiben.

Zum Buch:

Als gebundenes Buch liegt das Exemplar mit Schutzumschlag für diese Rezension vor. Der stabile Buchblock setzt sich aus etwas mehr als 350 Seiten zusammen deren Bedruckstoff von angenehmer Haptik ist und dessen Einarbeitung in die festen, imprägnierten und künstlerisch dezent gearbeiteten Buchdeckel keine Wünsche offen lässt. Typografisch ist der angenehm lesbare, aus der Minion Pro gesetzte Text bis auf die Kapitelziffern sehr schlicht gehalten. Die bildnerische Gestaltung des Umschlages versucht eine Visualisierung der physischen wie psychischen Zerrissenheit des Menschen hinter dem Soldaten BA5799, was aus meiner Sicht in bestechender Einfachheit des Motives gut gelingt.

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Rezension zu "Anatomie eines Soldaten" von Harry Parker

Interessante Perspektiven - nüchtern erzählt
Lisbeth76vor 4 Jahren

Ein Geschichte, die dem Leser auf besondere Art und aus ungewöhnlichen und interessanten Blickwinkeln die Grausamkeiten und Unsinnigkeiten eines Krieges vor Augen führen. Über 40 Gegenstände berichten aus ihrer Perspektive über den Kriegseinsatz, die Verletzung und die Zeit danach von Captain Tom Barnes. Gegenstände, die mal länger und mal kürzer bei dem Soldaten verweilen, und aus verschiedenen Distanzen berichten. Das sind z.B. ein Schuh, eine Landmine, ein Katheter, ein Besen, ein Blatt Papier für einen Brief, eine Beinprothese usw.. Manchmal war ich mir nicht sicher, welcher Gegenstand berichtet, einige Kapitel sind sehr kurz und der "Erzähler" wird nicht immer direkt benannt. Für mich hat es dadurch lange gedauert, bis ich wirklich Zugang zu der Geschichte bekommen habe, erst spät wurde es etwas persönlicher und ich habe Tom Barnes doch noch besser kennen gelernt. 

Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch auf gewisse Weise großartig finde, es mich jedoch nicht wirklich packen konnte. Ich habe einige Wochen gebraucht um es auszulesen, für mich ist es keine Geschichte, die ich in einem Rutsch lesen kann, dafür war es z.T. zu abgehackt und unpersönlich. 

Die Unsinnigkeiten eines Krieges werden hier jedoch sehr deutlich. Recht brutal und nüchtern erzählt die Geschichte, dass es eigentlich nur Verlierer geben kann. Familien verlieren ihre Kinder und massenweise Soldaten sterben oder landen verstümmelt in Krankenhäusern. Es wird nichts beschönigt und keine der Kriegsparteien wird in ein besseres Licht gerückt. 

Ein Buch, mal ganz anders als das, was ich normalerweise lese. Im Ganzen hat es mich beeindruckt und auch der Stil ist interessant. Dennoch fällt mein Fazit er durchschnittlich aus, einfach, weil es teilweise für mich sehr schleppend weiterging und ich keinen richtigen Bezug zu den Figuren bekommen habe. 

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