Harry Parker Anatomie eines Soldaten

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Inhaltsangabe zu „Anatomie eines Soldaten“ von Harry Parker

45 Gegenstände, 1 unvergessliche Geschichte

Captain Tom Barnes leitet einen Einsatz der britischen Armee, als er auf eine Landmine tritt. Zwei einheimische Jungen werden in den Konflikt hineingezogen, kaum ahnend, was dort geschieht. Auf allen Seiten verändert Gewalt das Leben von Grund auf.

In diesem ungewöhnlichen Roman erzählen die Gegenstände des Krieges: Turnschuhe, Soldatenstiefel, Helm, ein paar Dollar, eine Drohne, ein Fahrrad, ein militärischer Orden, ein Glas Bier, eine Schneeflocke, medizinisches Gerät und eine Landmine.

Anatomie eines Soldaten ist bewegend, aufwühlend und visionär: über den Krieg, tiefe Wunden und das Überleben.

„Eine Tour de Force. In seinem brillanten und verführerischen Roman entblößt Harry Parker die geheimen Kräfte des Krieges. Diese Seiten sind gefährlich, aber sie enthalten Mitgefühl und Trauer. Man kann sich nur wundern, dass Menschen sich das gegenseitig antun. Der Krieg wird hier durch die Lupe betrachtet, aber ist doch völlig real.“
Nadeem Aslam

Aus interessanten Perspektiven wird ein Krieg nüchtern erzählt. Leider hat es mich nicht ganz packen können.

— Lisbeth76

Harry Parker gewährt einen außergewöhnlichen Blickwinkel auf das Leben eines Soldaten!

— jasimaus123

Eine völlig neue Sichtweise auf das Leben von Menschen in Grenzsituationen.

— Buecherspiegel

Ein Roman, welcher mich tief berührt und schockiert zurücklässt...

— KristinSchoellkopf

Ungewöhnlich Erzählperspektive, aufwühlende Beschreibungen über einen Soldaten.

— Bücherfüllhorn-Blog

Ungewöhnlich, fesselnd und berührend.

— Jashrin

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    Anatomie eines Soldaten

    buchwanderer

    20. August 2017 um 19:07

    „Das bin nicht ich, dieser kaputte Körper, das bin ich einfach nicht.“ (S.166) Zum Inhalt: Soldat BA5799 trägt Verantwortung. Verantwortung für sich und eine Gruppe ihm unterstellter Soldaten. Und er ist sich dessen bewusst, macht sich Gedanken, nimmt seinen Auftrag und seine kameradschaftliche Pflicht nicht auf die leichte Schulter. Er will aber auch verstehen, was er hier fernab von zu Hause verteidigt, wofür er einsteht – immerhin mit nichts weniger als seinem Leben. Dieses Leben ist es, das eine Landmine beinahe einfordert. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Wimpernschlag und er wird vom wertvollen Menschen / Soldaten zum belastenden Kriegsversehrten. Den Weg dorthin beschreiben schlaglichtartig Gegenstände. Banale,alltägliche Gegenstände wie Düngersäcke, Tuben welche der Beatmung dienen, Feldstiefel, ein Rucksack… Das Leben, die Geschichte des Protagonisten gleicht einem Dreiklang, dessen Widerhall den Leser nicht selten atonal aus dem Konzept bringt. Zum einen das Leben als Soldat, beinahe selbstverständlich, „normal“, einer gewöhnlichen Arbeit nachgehend. Zum anderen das Leben als Rekonvaleszenter auf der Schneide der Sense von Gevatter Tod, nicht wissend ob man(n) auf die eine oder andere Seite derselben kippt, ob es noch einen Tag danach geben wird. Und als dritter im Bunde ein Lebensstrang, den es sich zu erarbeiten gilt: das Leben als Versehrter, Behinderter, Stigmatisierter, als Ausschussware der Kriegsmaschinerie… oder als anderer, aber vollwertiger Mensch. Dabei geht es nie explizit um ein moralisierendes Anklagen wessen auch immer. Es geht um das ganz persönliche Schicksal von BA5799 geschildert von den unpersönlichsten Dingen, eine Distanz schaffend, die den Abgrund des Vorher und Nachher noch um ein vielfaches tiefer und schwärzer erscheinen lässt. Einen Abgrund der das Potential in sich trägt jeden zu verschlucken, der nicht um seinen Wert kämpft, der keinen Rückhalt in sich selbst und keinen Ankerpunkt in einem neuen, einem zweiten Leben zu finden vermag. Fazit: Harry Parker weiß, wovon er spricht. Und das tut er ohne Filter, ohne unnötiges Pathos, ohne Beschönigungen. Er changiert glaubwürdig zwischen dem pflichtbewussten Soldaten und dem Menschen, der zum einen die Bewohner eines fremden Landes zu verstehen sucht, zum anderen sich zurückkämpft in ein „normales“ Leben  in der ihm vertrauten Kultur. Einer Kultur, die ihm zu einem nicht unerheblichen Teil fremd geworden ist, deren Wertigkeiten er für sich neu einstuft, einstufen muss, will er nicht nur ein Versehrter an Physis und Geist bleiben. Zum Buch: Als gebundenes Buch liegt das Exemplar mit Schutzumschlag für diese Rezension vor. Der stabile Buchblock setzt sich aus etwas mehr als 350 Seiten zusammen deren Bedruckstoff von angenehmer Haptik ist und dessen Einarbeitung in die festen, imprägnierten und künstlerisch dezent gearbeiteten Buchdeckel keine Wünsche offen lässt. Typografisch ist der angenehm lesbare, aus der Minion Pro gesetzte Text bis auf die Kapitelziffern sehr schlicht gehalten. Die bildnerische Gestaltung des Umschlages versucht eine Visualisierung der physischen wie psychischen Zerrissenheit des Menschen hinter dem Soldaten BA5799, was aus meiner Sicht in bestechender Einfachheit des Motives gut gelingt.

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  • Interessante Perspektiven - nüchtern erzählt

    Anatomie eines Soldaten

    Lisbeth76

    12. January 2017 um 09:33

    Ein Geschichte, die dem Leser auf besondere Art und aus ungewöhnlichen und interessanten Blickwinkeln die Grausamkeiten und Unsinnigkeiten eines Krieges vor Augen führen. Über 40 Gegenstände berichten aus ihrer Perspektive über den Kriegseinsatz, die Verletzung und die Zeit danach von Captain Tom Barnes. Gegenstände, die mal länger und mal kürzer bei dem Soldaten verweilen, und aus verschiedenen Distanzen berichten. Das sind z.B. ein Schuh, eine Landmine, ein Katheter, ein Besen, ein Blatt Papier für einen Brief, eine Beinprothese usw.. Manchmal war ich mir nicht sicher, welcher Gegenstand berichtet, einige Kapitel sind sehr kurz und der "Erzähler" wird nicht immer direkt benannt. Für mich hat es dadurch lange gedauert, bis ich wirklich Zugang zu der Geschichte bekommen habe, erst spät wurde es etwas persönlicher und ich habe Tom Barnes doch noch besser kennen gelernt. Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch auf gewisse Weise großartig finde, es mich jedoch nicht wirklich packen konnte. Ich habe einige Wochen gebraucht um es auszulesen, für mich ist es keine Geschichte, die ich in einem Rutsch lesen kann, dafür war es z.T. zu abgehackt und unpersönlich. Die Unsinnigkeiten eines Krieges werden hier jedoch sehr deutlich. Recht brutal und nüchtern erzählt die Geschichte, dass es eigentlich nur Verlierer geben kann. Familien verlieren ihre Kinder und massenweise Soldaten sterben oder landen verstümmelt in Krankenhäusern. Es wird nichts beschönigt und keine der Kriegsparteien wird in ein besseres Licht gerückt. Ein Buch, mal ganz anders als das, was ich normalerweise lese. Im Ganzen hat es mich beeindruckt und auch der Stil ist interessant. Dennoch fällt mein Fazit er durchschnittlich aus, einfach, weil es teilweise für mich sehr schleppend weiterging und ich keinen richtigen Bezug zu den Figuren bekommen habe. 

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  • Ein falscher Schritt, ein Hochsprung und 45 Gegenstände, die davon Berichten.

    Anatomie eines Soldaten

    Buecherspiegel

    27. November 2016 um 16:25

    Ein im Schreibstil außergewöhnlicher Roman ist das Buch von Harry Parker „Anatomie eines Soldaten“, übersetzt von Johannes Sabinski. Wenn Rezensionen über dieses Buch geschrieben werden, werden wir häufig die Worte „verstörend“, „intensiv“, „aufrüttelnd“ lesen. Ich selbst kann dies nur bestätigen. 45 Gegenstände erzählen aus ihrer Sicht die Geschichte des Soldaten Tom Barnes sowie der beiden jungen Freunde Faridun und Latif. 45 Gegenstände sind 45 Kapitel, bei der nicht klar wird, wo genau der Krieg stattfindet, bei dem Tom Barnes mitwirkt, das Camp des Captains steht, die beiden Freunde sich plötzlich auf verschiedenen Seiten stehend wiederfinden. Es kann in Afghanistan sein oder im Irak stattfinden, im Grunde ist das gleichgültig. Da gibt es zum Beispiel ein Munitionsgeschoss, das davon berichtet, wie es von Tom zusammen mit anderen sortiert, geprüft und schließlich alle ins Magazin eingelegt werden, nur um dann zu warten, dass es irgendwann abgeschossen wird. In der Zeit, in der es mit dem Captain zusammen ist, kann es davon berichten, welche Gedanken Tom hegt, welche Schritte er geht, mit wem er sich unterhält. Irgendwann wird auch dieses Munitionsgeschoss letztendlich abgeschossen, und es lässt uns teilhaben, wie es ist, hinaus katapultiert zu werden, mit welcher Geschwindigkeit, welche Geräusche entstehen, die Luftverdrängung und vieles mehr. So ergeht es uns mit allen Gegenständen. Ob es die Schilderungen der Handtasche der Mutter ist, die ihren Sohn im Krankenhaus besucht, der Teppich im Haus von Faridun, auf dem der Captain und Fariduns Vater Platz nehmen, um zu reden und Tee zu trinken oder die Bombe, die durch Latif zur Explosion gebracht wird. Die Intensität der sprechenden, denkenden, erzählenden Gegenstände, treibt einem auf vielen Seiten die Tränen in die Augen und ich wollte an einigen Stellen am liebsten, dass das Buch ganz schnell endet, um es im nächsten Moment wieder in die Hand zu nehmen. Es ist ein Antikriegsbuch, das, so ist die Menschheit, so verstörend es sein mag, seine Wirkung nicht erreichen wird. Mitzuerleben, wie Tom seine Beine verliert, wie er Monate braucht, um wieder halbwegs selbstständig agieren zu können, das tut weh. Und wenn ein Spiegel erzählt, wie Tom sich nur ein einziges Mal seiner Funktion annimmt, ist die Einsamkeit und Verzweiflung greifbar. Harry Parker lässt seine Gegenstände die Geschichte aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählen, teilweise zeitgleich am selben Ort, von unterschiedlichen Standorten, und deren Gebrauchsarten. Auch spielt der Roman in unterschiedlich Zeitsprüngen, die aber gut zu folgen sind. Er beginnt mit dem absoluten Trauma, als Captain Tom Barnes in die Luft geschleudert wird. Ein falscher Schritt und das Leben ist nicht mehr wie es war. Und der Autor kann das was kommt nur deshalb so gut beschreiben, weil er all das selbst erlebt hat. Es ist ein autobiografischer Roman, ein Debüt, das überaus überrascht. Das findet sich zum Beispiel bei der Beschreibung einer Schönheit, nämlich einer Schneeflocke, wie sie als Tropfen dem Himmel entgegenstrebt, durch Wetterschichten dann einzigartig vom Himmel fällt und Tom beobachtet und uns von ihm berichtet. Er hat den Blick durch grausame Werkzeuge nicht für das Gute verloren. Harry Parker lebt heute als Schriftsteller und Künstler in London. Der Roman ist bei Benevento erschienen und kostet 24 Euro bei 352 Seiten.

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  • Außergewöhnliche Erzählweise

    Anatomie eines Soldaten

    jasimaus123

    25. November 2016 um 10:12

    Erzählt wird dieses Buch, dass das Thema Krieg behandelt, außergewöhnlicher Weise aus der Sicht unterschiedlicher Gegenstände. Diese sind zum Beispiel Handtaschen, Waffen, Schuhe, Briefe und medizinische Geräte. Zu meiner großen Überraschung gab es aber auch sehr abstrakte Gegenstände wie etwa ein Kapitel das auch der Sicht von Schnee erzählt wird.Der Klappentext des Buches hat mich direkt angezogen, doch besonders interessant für mich wurde das Buch erst als ich erfuhr, dass der Autor selbst große Teile seiner Vergangenheit in die Geschichte miteingebracht hat. Er selbst war Teil der britischen Armee und verlor im Einsatz in Afganisthan seine beiden Füße. Dadurch habe ich das Buch mit ganz anderen Augen gelesen.Natürlich gewinnt man durch die besondere Erzählweise des Buches einen anderen Eindruck, als wie man es vielleicht durch eine Personenerzählung tut. Es dauerte etwas bis ich mich damit zurecht gefunden habe und obwohl ich die Idee sehr schön finde, hätte es mir besser gefallen wenn die Geschichte aus der Sicht von den jeweiligen Protagonisten erzählt worden wäre. Dadurch hätte ich noch mehr Einblick in das Gefühlsleben erhalten. Es fiel mir so nicht so einfach den Protagonisten nahe zu kommen.Abgesehen davon, hat mich die Geschichte sehr gut gefallen und mich auf zutiefst berührt. Der Autor hat sehr viele private Gedanken und Erfahrungen eingebracht, weshalb es sich für mich nur noch schmerzlicher anfühlte. Der Schreibstil ist trotz der Sichtweise, die mich nicht ganz erreichen konnte, ist sehr realistisch und gefühlvoll. Er rundet die bewegende Geschichte perfekt ab und damit kann ich das Buch sehr empfehlen!FAZIT:Eine außergewöhnliche Erzählweise, die mich leider aber nicht ganz erreichen konnte. Abgesehen davon fand ich das Buch sehr bewegend und es war ein besonderes Leseereignis.

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  • Wahrheit, welche schockiert...

    Anatomie eines Soldaten

    KristinSchoellkopf

    19. November 2016 um 19:43

    Ich habe mein Exemplar des Romans direkt von Catherine Knauf von Literaturtest zugeschickt bekommen, vielen Dank!Das Cover hat Aussagekraft, wie es das Cover eines solchen Romanes auch haben sollte. Zu sehen ist ein Paar abgetragener Stiefel vor einem Hintergrund, welcher an altes Pergament erinnert. Schlicht und doch beeindruckend.Krieg - Was passiert im Krieg? Was passiert mit den Menschen und wieso sind Menschen zu dem fähig, was sie anderen im Krieg antun? Auf diese Fragen möchte "Anatomie eines Soldaten" Antworten geben und das auf besondere Weise. Die Geschichte wird nämlich aus der Sicht eines Paar Stiefels geschildert und das gibt dem Ganzen die besondere Note.Die Geschichte hat mich an einigen Stellen schockiert und tief berührt. Es ist mit Sicherheit kein Buch für zwischendurch und doch scheinen die Seiten sich gewissermaßen selbst umzublättern.Mit den Protagonisten tat ich mir etwas schwer, da, wie oben beschrieben, die Handlung aus der Sicht von Stiefeln berichtet wird. Dennoch begegnen dem Leser Figuren, welche sich in den Kopf brennen und auch nur schwer vergessen werden können, da man jede von ihnen mit einem bestimmten Ereignis verknüpft, welche teils schlimmer kaum sein könnten.Harry Parkers Schreibstil ist brillant, da er sich einerseits "den Stiefeln anpasst" und andererseits die Grausamkeit des Kriegs so authentisch, wie bewegend beschreibt. Ich denke, er ist einer der Autoren, von welchem wir noch einiges hören werden.Ich bin, wie Ihr vermutlich wisst, sehr geschichtsinteressiert und die Frage, wie ein Krieg "wirklich ist", hat mich schon immer beschäftigt. Seid Ihr allerdings nicht sonderlich geschichtsinteressiert, könnte ich mir gut vorstellen, dass der Roman etwas "zusammenhangslos" auf Euch wirken könnte, das ist allerdings nur mein persönlicher Eindruck.Auch die persönlichen Erfahrungen des Autors sind im Roman deutlich spürbar, da die Authentizität wahrhaftig beeindruckt. Fazit"Anatomie eines Soldaten" ist, unabhängig von dem brillanten Titel, auch auf ganzer Linie überzeugend, auch wenn mir die Identifikation mit den Protagonisten etwas gefehlt hat (was allerdings auch am Genre bzw. dem Romanaufbau liegt).

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  • Die Macht der alltäglichen Gegenstände beschreibt das Unbeschreibliche.

    Anatomie eines Soldaten

    Bücherfüllhorn-Blog

    13. November 2016 um 18:00

    Meine Meinung: Das Buch ist in kleine übersichtliche Kapitel aufgeteilt. In jedem Kapitel spielt ein bestimmter Gegenstand eine Rolle, und das besondere ist, dass dieser Gegenstand über die Ereignisse berichtet. Dies ist gewöhnungsbedürftig und ich brauchte 3-4 Kapitel, bis ich mich eingelesen hatte. Da die Kapitel eher klein sind, dauerte dies nur 20-30 Seiten. Als ich vor ein paar Wochen durch einen Newsletter auf dieses Buch aufmerksam wurde, war genau diese ungewöhnliche Perspektive der Gegenstände der Grund, der das Buch für mich interessant machte.   Wie gesagt, ich musste mich kurz einlesen und dann entfaltete sich das Buch mit aller Macht. Zunächst die grausamen Schilderungen der Verletzungen durch eine Landmiene. Eigentlich wollte ich hier eine bestimmte Stelle zitieren, dachte mir aber, wozu die schon voyeuristische Erwartung bedienen? Nein. Denn es gibt viel emotionalere Szenen, die berühren und in Erinnerung bleiben.   Faszinierend ist die Erzählperspektive. Wie der einer Aderpresse, eines Tubus (zur Intubation) oder eines Jochpilzes. Unglaublich. Eindrücklich. Hier ein Zitat von einem Tubus:   Seite 41: „Sie rechneten nicht damit, aber deine Augen blinzelten und deine Zunge begann, sich gegen mich zu stemmen, während du an meinem Schlauch würgest. Du wolltest mich hinaustreiben und hattest Angst zu ertrinken. Die Krankenschwestern eilten herbei als dein Herz in jäher Panik raste und die Geräte  oben Alarm schlugen.“   Im Militär-Krankenhaus wird sehr eindrücklich der Kampf ums Überleben geschildert. Mir kam dann anhand der enormen Verletzungen die moralisch-verwerfliche Frage in den Sinn, ob der Soldat BA 5799, wenn er die Wahl gehabt hätte, nicht besser gestorben wäre? Eine Frage, die auch ein „Freund“ dem Protagonisten später stellt, und eine Frage, die viel Wut hervorruft. Am Ende des Buches, als der Protagonist es geschafft hat, sich mit viel Disziplin ins Leben zurück zu kämpfen, ist es keine Frage mehr. Jetzt könnte man natürlich meinen, der Verletzte ist trotz der Amputation noch glimpflich davon gekommen. Ein Mensch erträgt sein Schicksal, ein anderer nicht. Dazu fällt mir das Buch „Schmale Pfade“ von Alice Greenway ein. Auch hier hadert ein Kriegsverletzter.   Die Eltern werden von der Verwundung, WIA (woundet in action), informiert und ich litt vor allem mit der Mutter. Dieses Entsetzen, wenn der Sohn schwer verletzt und mehr tot als lebendig aus dem Krieg heimkommt. Die Amputation der Beine wird grausam und eindrücklich, aber die Sache an sich weitgehend „sachlich“ beschrieben. Die Gewalt und Kraftanstrengung die dafür von Nöten ist, erschreckte mich sehr. Ich bin nicht empfindlich, aber Kapitel 13 war „hart“ zu lesen. Kurz danach die pragmatische Einschätzung des Soldaten BA 5799 über seinen Zustand: Füße sind nicht wichtig, überleben ist wichtig (S. 131). Die anrührende Sehnsucht im Krankenhaus, im Delirium zwischen Wachen, Schlafen und Schmerzen:   Zitat Seite 80: „Du hast erwidert, dass sie Schlaf brauche und sie versprach früh am Morgen wieder zu kommen, ehe man dich abholen würde. Deine Schmerzen ließen dich klingen, als ob du dich über sie aufregen würdest. Aber das tatst du nicht. Und kaum war sie fort, wünschtest du, sie nicht weggeschickt zu haben, dass sie wiederkäme und bei dir bliebe. Du fühltest dich einsam, und die auf dem Flur auf und ab gehenden Schatten schienen fern. Du sahst her zu mir. Ich lag auf dem Tisch mit meinem Draht, der in die Wand führte.“   Kapitel 9 hätte ich hier am liebsten komplett zitiert, aber das wäre dann zu lang geworden.   Später dann die lange Zeit der Rehabilitation. Dieses unangenehme Gefühl, das Soldat BA 5799 hat, wenn er Besuch bekommt, quälende stille Momente, wenn er seine Schwäche und Verletzlichkeit nicht zeigen will. Dieses unerträgliche Gefühl ist meisterhaft in Worte umgesetzt.   Der Weg zurück ins reale Leben, raus aus der Klinik, raus aus der Reha. Der Umgang mit der Behinderung, die Prothesen erzählen über die schmerzhafte Zeit der Anpassung.   So nach und nach „erscheinen“ oder „schleichen“ sich dann auch andere wichtige Protagonisten in die Geschichte ein, wie zum Beispiel die Eltern des Soldaten, im Kriegsgebiet Gotteskrieger oder die Freunde Latif und Faridun. Sie alle treffen unwissentlich aufeinander.   Überhaupt ist diese Geschichte in mehreren Ebenen und aus mehreren Perspektiven geschrieben. Die grandiose Perspektive aus der Sicht der Gegenstände und Dinge. Der Leser erhält einen sehr eindrücklichen Einblick in das Leben und Überleben des Soldaten. Dann die Ebene einmal als Feind in einem Land, als schwer verletzter Soldat und auf der anderen Seite die Aufrührer der Bevölkerung. Dann die gegensätzlichen Seiten im Kriegsgebiet, die Aufrührer und die Bevölkerung, nicht alle finden gut, was da still und heimlich gemacht wird. Schilderungen, wie ein junger Mann in die Fänge einer Gruppe gerät, spürt, dass es nicht der richtige Weg ist, aber zerrissen zwischen Familie und dem Gehorsam des Anführers. Er kann nicht mehr zurück.   Dann die Ebenen, wenn verschiedene Gegenstände die über die Vorgänge berichten, zusammen kommen. Das ist schon genial. Es ist wie eine Art „und morgen grüßt das Murmeltier“, die Geschichte wird wiederholt, aber ganz anders, halt eben aus einer anderen Perspektive. Daraus entwickelt sich dann ein Gesamtbild, ich erhielt immer neue Informationen, und auch erst nach und nach und ganz nebenbei wird dem Leser der Name des Soldaten BA 5799 mitgeteilt, nämlich Tom. Ansonsten wird er einfach Soldat BA 5799 genannt. Man gewöhnt sich daran.   Fazit: Die ungewöhnliche Erzählperspektive verschiedener Gegenstände lässt unglaublicherweise einen großen Spannungsbogen entstehen. Am Anfang eines jeden Kapitels rätselte ich immer, welcher Gegenstand denn jetzt erzählte. Manchmal dauerte es länger, bis es mir klar wurde. Auf diese Weise berührte mich die eigentlich sachlich anzunehmend wirkende Geschichte emotional sehr und entwickelte einen Sog, so dass ich sie am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte. Ich bin nicht empfindlich, aber manche Beschreibungen über Verletzungen waren sehr „heftig“ beschrieben. Eine sehr eindrückliche Geschichte über einen Kriegseinsatz und seine Folgen, an die ich noch Tage später dachte. Noch authentischer dadurch, dass der Autor dieses Debut-Romans selber wie im Buch beschrieben ,in Afghanistan verwundet wurde.   Alles in allem finde ich das Buch grandios, berührend und preisverdächtig.

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  • Ungewöhnlich, fesselnd und berührend

    Anatomie eines Soldaten

    Jashrin

    09. November 2016 um 14:24

    Als Captain Tom Barnes – Dienstnummer BA5799 – im Auslandseinsatz auf eine Landmine tritt verändert sich sein Leben auf drastische Weise. Schwerverletzt wird er zurück nach Großbritannien geflogen. Der Kampf, den er nun im Krankenhaus bestreiten muss ist anders, doch ebenso schwer wie die Einsätze im Dienst der britischen Armee. Der Autor Harry Parker erzählt seine Geschichte auf eine sehr ungewöhnliche Art. In jedem der 45 Kapitel kommt ein anderer Gegenstand zu Wort und gibt die Geschehnisse aus seiner Perspektive wieder. Neben diversem medizinischen Gerät, sind das zum Beispiel ein Nachtsichtgerät, ein Wüstenkampfstiefel oder ein Orden. Doch es sind nicht nur Tom Barnes Besitztümer, auch andere Gegenstände tragen ihren Teil zur Geschichte bei, so dass ein vielschichtiges und rundes Gesamtbild entsteht, in dem Barnes zwar meist im Mittelpunkt steht, jedoch nicht ausschließlich. So erleben wir einen Teil auch aus Sicht der Handtasche seiner Mutter, als diese erfährt, dass ihr Sohn lebensgefährlich verletzt wurde, aus Sicht einer Schneeflocke oder einem Fahrrad, das einem Jungen im Krisengebiet gehört, der ebenso wie sein Freund in den Konflikt hineingezogen wird. In jedem der vielen Kapitel wird dem Leser der Krieg und seine Folgen nahegebracht. Der Stil, in dem Harry Parker die unterschiedlichen Gegenstände erzählen lässt, ist im wahrsten Sinne des Wortes sachlich, beinahe nüchtern. Trotzdem erzählt der Autor eine bewegende und emotionale Geschichte, die ganz unterschiedliche Aspekte beleuchtet, nachdenklich macht und berührt, es aber dennoch vermeiden kann zu bedrücken und den Leser zu belasten. Die Erzählweise ist ungewöhnlich und ich habe mich gefragt, was da wohl auf mich zukommen würde. Ich war ein wenig skeptisch, ob es gelingen kann ein so ernstes Thema auf diese Art aufzugreifen. Doch es gelingt nicht nur gut, sondern hervorragend. So wie sich für den Leser das Puzzle mit jedem Kapitel immer mehr vervollständigt, so muss auch Captain Tom Barnes sein Leben Stück für Stück neu zusammensetzen. Dabei wechselt der Autor immer wieder zwischen Szenen aus dem nicht näher spezifizierten Krisengebiet, Tom Barnes Soldatenleben und seiner aktuellen Situation hin und her. Auch wenn der Ton vielfach objektiv ist, einige Gedanken der handelnden Personen werden dennoch wiedergegeben und so geschickt eingebunden, dass ich beim Lesen nicht einmal in Frage gestellt habe, ob der erzählende Gegenstand, dieses Wissen überhaupt haben konnte oder nicht. Nur das Kapitel aus Sicht der Landmine wirkte etwas befremdlich auf mich; bei den übrigen kam ein solches Gefühl nicht auf. Die Schilderungen aus dem Krisengebiet und auch Tom Barnes Krankengeschichte sind sehr realistisch. Man merkt jeder Zeile an, dass der Autor genau weiß, worüber er schreibt. Auch er diente in der britischen Armee, war in Einsätzen im Irak und in Afghanistan, und hat ebenso wie sein Protagonist durch eine Bombe beide Beine verloren. Er weiß genau, wie sich der Krieg und der persönliche Kampf ums Überleben anfühlen und lässt seine Leser daran teilhaben. Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher Roman, der mich gefesselt und berührt hat und der es in brillanter Art und Weise schafft, den emotionalen Balanceakt zu meistern, von den Schrecken des Krieges und dem Schicksal eines einzelnen Soldaten zu erzählen, ohne dass es dem Leser Albträume beschert. Eine klare Leseempfehlung.

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