Hartmut Fähndrich

 3,8 Sterne bei 59 Bewertungen

Lebenslauf

Hartmut Fähndrich wurde 1944 in Tübingen geboren. Er lehrte Arabisch und Islamische Kulturgeschichte an der ETH Zürich und lebt in Bern. Er übersetzte u. a. Alaa al-Aswani, Sonallah Ibrahim, Gamal al-Ghitani, Edwar al-Charrat und Nagib Machfus. Ausgezeichnet u.a. mit dem Übersetzerpreis der Arabischen Liga und dem Schweizer Literaturpreis in der Kategorie Übersetzung.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Ein Leben in der Schwebe (ISBN: 9783293005488)

Ein Leben in der Schwebe

Neu erschienen am 11.09.2023 als Gebundenes Buch bei Unionsverlag.

Alle Bücher von Hartmut Fähndrich

Cover des Buches Der Jakubijân-Bau (ISBN: 9783596702046)

Der Jakubijân-Bau

 (29)
Erschienen am 01.10.2021
Cover des Buches Der Tod ist ein mühseliges Geschäft (ISBN: 9783499274336)

Der Tod ist ein mühseliges Geschäft

 (14)
Erschienen am 19.11.2019
Cover des Buches Sarab (ISBN: 9783293208612)

Sarab

 (4)
Erschienen am 15.07.2019
Cover des Buches Der Automobilclub von Kairo (ISBN: 9783596190133)

Der Automobilclub von Kairo

 (5)
Erschienen am 24.05.2017
Cover des Buches Die segensreiche Nacht (ISBN: 9783293405806)

Die segensreiche Nacht

 (4)
Erschienen am 03.05.2020
Cover des Buches Irakische Rhapsodie (ISBN: 9783857874024)

Irakische Rhapsodie

 (3)
Erschienen am 01.02.2009
Cover des Buches Der Feigenkaktus (ISBN: 9783293206854)

Der Feigenkaktus

 (3)
Erschienen am 09.03.2015
Cover des Buches Die Magier (ISBN: 9783857879203)

Die Magier

 (3)
Erschienen am 01.04.2015

Neue Rezensionen zu Hartmut Fähndrich

Cover des Buches Männer in der Sonne (ISBN: 9783857878367)
A

Rezension zu "Männer in der Sonne" von Ghassan Kanafani

Die Pforten des Paradieses oder die Pforten der Hölle?
Almut_Scheller_Mahmoudvor 7 Monaten

Ghassan Kanafani -  ein Symbol des palästinensischen linksextremistischen Widerstands, umstrittener Volksheld. Mit dreizehn Jahren wurde er zum Flüchtling, wurde Journalist und Schriftsteller und war politisch tätig. Für ihn waren Literatur und Politik symbiotisch verbunden. Gerechtigkeit und Gleichberechtigung waren für ihn universelle Werte und die Geschichte seines eigenen Volkes wurde zum Lackmustest. 1972, mit 36 Jahren, wurde er durch eine Mossad’sche Autobombe getötet: ein feiges Instrumentarium…..


Sein erster Roman „Männer in der Sonne“, in kurzen klaren Sätzen, ohne emotionalisierende Ausschmückungen, schildert ein menschliches Drama mit unmenschlichem Ende: das Schicksal von vier palästinensischen Männern. Abul-Chaisurân bietet sich als Transporteur für drei Männer an, die vom Irak nach Kuweit wollen: um Arbeit zu finden, um ihre Familien unterstützen zu können, um menschenwürdig leben zu könne, um der Trost- und Hoffnungslosigkeit zu entfliehen.


Es sind Abu Thais, ein alter Mann, der jahrelang seinen Träumen nachhing. Er träumte vom fruchtigen Segen seiner alten Olivenbäume. Der nun am Schatt al Arab, diesen Namen hatte er einst vom Dorfschullehrer Salîm gehört, im Sand lag und wusste, dass es in Kuweit keine Olivenbäume gab, überhaupt keine Bäume. 


Assaad, ein Palästinenser aus Ramla, war über Jordanien in den Irak gekommen. Er war misstrauisch: er war schon einmal betrogen worden. Sein Onkel hatte ihm 50 Dinar geliehen, weil er wollte, dass Assaad seine Tochter Nada heiratet. Nur weil sie am gleichen Tag geboren wurde wie er und sein Vater und sein Onkel gemeinsam die Eröffnungssure des Korans gebetet hatten. Aber niemand hatte ihn, Assaad, gefragt, ob er überhaupt heiraten wolle, ob er Nada heiraten wolle. Er fühlte sich wie eine Ware. 


Der erst sechzehn Jahre alte  Marwân war zum ersten Mal allein und fremd unter vielen Men-schen. Sein Vater hatte seine Mutter, ihn und seine drei Geschwister verlassen, nachdem sein ältester Bruder Sarajija kein Geld mehr aus Kuweit schickte und keiner wusste, was mit ihm geschehen war. Der Vater konnte seinen Traum verwirklichen, das Lager zu verlassen und in einem Steinhaus zu wohnen, indem er das Angebot eines Freundes annahm, seine Tochter zu heiraten, die seit eines Angriffs auf Jaffa ein Bein verloren hatte.


Die drei Männer forderten von Abul-Chaisurân eine genauen Ablaufplan seines Vorgehens. Sie würden ihn erst bezahlen, wenn sie heil in Kuweit wären. 

Er war Fahrer des reichen Hadsch Riad, den er auch auf seinen Jagdausflügen begleitete.

Er war ein ausgezeichneter Fahrer und wollte nun mit dem Wassertankwagen des Jagdausflugs, sich ein bisschen Geld dazu verdienen. 

„Wir müssen zwei Kontrollpunkte passieren. Bei beiden dauert es nur fünf Minuten, die ihr im Inneren des Tankwagens verbringen müsst.“ Abu Khais war misstrauisch. Assaad wiederum glaubte, dass Abul-Chaisurân und Riad Schmuggler waren.Trotzdem entschieden sich die drei für die Fahrt. 

Abul-Chaisurân selbst brauchte Geld, weil er sich zur Ruhe setzen wolle, um seinen Dämonen zu entkommen. Er war während eines Kampfeinsatzes gefangen genommen und gefoltert worden: man hatte ihn seiner Männlichkeit beraubt. So hatte er zweierlei verloren: seine Männlichkeit und sein Vaterland. 


Kurz vor dem ersten Kontrollpunkt ließ er die Männer in den Tank hinabsteigen. „Zieht eure Hemden aus, es ist wie in einem Glutofen, aber nur für fünf Minuten.“ Er schloss den Deckel. Die Abfertigung dauerte tatsächlich nur sechs Minuten – die Männer glichen Mumien und nicht lebendigen Menschen, als sie hinaus kletterten. 


Sie stoppten und rauchten, weit entfernt mit ihren Gedanken, bei ihren Familien, in der Gegenwart und in der Zukunft; ihre Träume, Wünsche, Hoffnungen vermischten sich mit Angst und Verzweiflung.

Am letzten Kontrollpunkt: „Es ist jetzt genau halb zwölf, merkt euch das. Nicht länger als sieben Minuten!! Die Übergabe der Papiere dauerte: er musste den neugierigen Fragen der Grenzer Rede 




und Antwort stehen und ein Glas Tee trinken. Erst neun Minuten vor zwölf konnte er den Deckel des Tankwagens öffnen. Totenstille. Nichts und niemand rührte sich. Er war zu spät. 


Entschlossen sie zu begraben, ihre Körper nicht den wilden Tiere und ihre ausgebleichten Skelette dem Sand zu überlassen. Aber er lud sie an der städtischen Müllhalde ab, die Leichen waren kalt und steif, er zog sie an den Füßen zu einem Platz, wo sie am nächsten Morgen gleich gefunden werden würden. Er fuhr weiter und stoppte plötzlich, sprang aus dem Wagen, lief zurück und nahm das Geld aus den Taschen und Marwâns Uhr. „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ (Brecht).

Doch Abul-Chaisurân fand keinen Frieden, denn ein Gedanke hämmerte in seinem Kopf, immer und immer wieder, wie eine Folter: warum haben sie nicht an die Tankwand geklopft? Warum warum warum?


Mit dieser offenen Frage schließt Kanafani seinen Text, ein Drama des Ausgeliefertseins an Menschen und an die Politik, an das Schicksal. مكتوب – Maktub: es steht geschrieben. 

Für die Muslime gibt es kein blindes Schicksal, sondern ein von Gott zugeteiltes. 


Abul-Chaisurân verglich den Weg von 150 km, den sie „erfahren“ müssen, mit dem faden-schmalen Pfad, der nach muslimischer Überlieferung entweder ins Paradies oder in die Hölle führt.

Wo ist das Paradies? Wo ist die Hölle? Auf Erden? War Kuwait das Paradies? Ohne Olivenbäume? Mit Geld in den Taschen, um die Mutter zu unterstützen? Um sich zur Ruhe zu setzen? 


Die Schilderung Kanafanis der „Drei Männer in der Sonne“ sind aktueller denn je: Menschen, die ihre Träume verwirklichen wollen, sich nach einem besseren Leben, einem Leben in Würde sehnen. Die als Wirtschaftsflüchtlinge in Europa keine Chance hätten. Obwohl ihre Situation erst durch Krieg, Vertreibung und Besatzung wirkmächtig wurde. 

Der Roman ist eine Anklage gegen den Krieg und seine langfristigen Folgeerscheinungen, er ist ein Requiem für die „ausgelagerten“ Menschen.


Kommentieren
Teilen
Cover des Buches Der Tod ist ein mühseliges Geschäft (ISBN: 9783499274336)

Rezension zu "Der Tod ist ein mühseliges Geschäft" von Khaled Khalifa

Wenn der Tod alltäglich wird
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Der Vater stirbt einen natürlichen Tod und sein letzter Wille ist bei seiner Schwester im früheren Heimatdorf nahe Aleppo begraben zu werden. Die drei Geschwister Hussain, Bulbul und Fatima machen sich auf den Weg und eine sonst zwei stündige Autofahrt, wird zu einer dreitägigen Fahrt durch ein Syrien, das vom Krieg gezeichnet und regiert wird. 


"Der Tod geht an dir vorbei, du kannst ihn nicht festhalten. Im Krieg ist der Tod blind, er betrachtet seine Opfer nicht." 


Wenn eine Beisetzung, einem Familienmitglied die letzte Ruhe zu erweisen, zu einer lebensgefährlichen Reise wird. Es ist eine Geschichte über eine zerrüttete Familie, die bereits vor dem Krieg zu viele Dinge ungesagt lies und sich dadruch voneinander entfernte. Die Erfüllung des letzten Willens des Vaters, ist auch das letzte Zusammenkommen der drei Geschwister. Es ist für alle ein Abschied für immer. 


Dieses Buch zeigt eindrücklich und bewegend, wie es ist in einem Land zu sein, welches von Krieg durchdrungen ist. Alle alltäglichen Dinge, erhalten eine neue Dimension, einen neuen Faktor: Krieg. Plötzlich kann es überlebenswichtig sein, welchen Nachnamen man trägt, aus welchem Viertel man kommt, welche Gruppierung den Checkpoint bewacht. Diese Diskrepanz zwischen dem unpolitischen Akt dem eigenen Vater seinen letzten Willen zu erfüllen und dem politisch aufgeladenen militärischen Konflikt, dem Krieg. 


Das Buch ist in drei Kapitel eingeteilt und jedes Kapitel fühlt sich wie ein riesiger Gedankenfluss an. Dadurch sind teilweise die Zeitsprünge, welche in der Erzählung gemacht werden, ein wenig verwirrend. Es ist nicht klar markiert, wann wer erzählt und ob jetzt etwas Vergangenes erzählt wird oder etwas Gegenwärtiges. Daher kann ich mir vorstellen, dass diese Buch für gewisse als langatmig empfunden wird. Es ist aus dem Arabischen übersetzt, doch empfand ich die Sprache in der Übersetzung als poetisch und gefühlvoll. 


Aus dem Geschriebenen spürt man die Trauer, die Verletztheit, der Verlust, die Wut, die Angst. Ich empfehle das Buch zu lesen, weil es anders als ein Sachbuch, nicht die politischen und wirtschaftlichen Ursachen und Zustände diskutiert, sondern es zeigt den Krieg in Syrien aus einer individuellen Sicht, aus der Sicht eines Menschen, den wir alle sein könnten.

Kommentieren
Teilen
Cover des Buches Kleine Festungen. Geschichten über arabische Kinder und Jugendliche (ISBN: 9783945400852)
sabatayn76s avatar

Rezension zu "Kleine Festungen. Geschichten über arabische Kinder und Jugendliche" von Hartmut Fähndrich

‚Ein besonderer Einblick in die arabische Welt.‘
sabatayn76vor einem Jahr

‚Ein besonderer Einblick in die arabische Welt.‘ (Klappentext)

Hartmut Fähndrich hat für 'Kleine Festungen’ Geschichten über Kinder und Jugendliche der arabischen Welt zusammengestellt und aus dem Arabischen übersetzt.

Mit dabei sind Autorinnen und Autoren aus Ägypten, Marokko, Jordanien, Libyen, Syrien, Saudi-Arabien, Palästina, Algerien, Tunesien, Katar, dem Libanon und dem Irak.

Die Zusammenstellung Fähndrichs hat mir gut gefallen, denn es sind sowohl Autoren und Autorinnen enthalten, die ich bereits kannte (weil ich mich schon intensiver mit der arabischen Welt befasst habe), als auch mir unbekannte. Die Geschichten selbst und die Herkunft der Autoren sind sehr heterogen, so dass sich hier ein gelungener Querschnitt aus der arabischen Literatur zeigt.

Die Geschichten drehen sich z.B. um Themen wie Armut und Obdachlosigkeit, Patriarchat und Weiblichkeit, Lehrer und Schüler, Pubertät und Scham, Krieg und Lagerleben, Ehe und Sexualität, Religion und Familie. Dreh- und Angelpunkt sind die Kinder und Jugendlichen in der arabischen Gesellschaft.

Die einzelnen Erzählungen, Kurzgeschichten oder auch Romanauszüge sind eher knapp gehalten, so dass sich die Geschichten auch gut für zwischendurch eignen.

Positiv hervorheben möchte ich zudem die wunderschönen Illustrationen im Buch.

Kommentieren
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 132 Bibliotheken

von 25 Leser*innen aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks