Hartmut Roder

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Schuhtick / Shoe-tick

Schuhtick / Shoe-tick

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Erschienen am 27.11.2008

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Rezension zu "Schuhtick / Shoe-tick" von Hartmut Roder

Rezension zu "Schuhtick / Shoe-tick" von Hartmut Roder
wolfschwerdtvor 9 Jahren

Dass Schuhe bereits seit der Steinzeit dem Schutz der Füße vor Kälte oder rauem Untergrund dienten, ist auf den ersten Blick leicht nachvollziehbar. Dass aber offensichtlich nur der Mensch von der Natur mit Füßen ausgestattet ist, die eines besonderen Schutzes bedürfen, stimmt dann doch nachdenklich.
Durch den Aufsatz „Warum Tiere keinen Schuhtick haben“ wird denn auch die Bandbreite des Themas, die in dem Buch „Schuhtick“ behandelt wird, deutlich.
Auch schuhignoranten Männern nötigt das Buch Schuhtick eine gehörige Portion Interesse ab. Bereits der Beitrag über die Frage des tierischen Schuhticks ist ein spannender Ausflug in die Biologie und hat zunächst einmal weniger mit Schuhen, als vielmehr mit Füßen zu tun. Steinzeitliche Sandalen und natürlich die Stiefel des Mustersteinzeitlers Ötzi führen zu Exkursionen in die Archäologie. Besonders der Ötzistiefel, mit seinem Gerüst aus Leder- und Bastschnüren, der dreifachen Wärmeisolierung und dem raffiniert zusammengeschnürten Oberleder zeigt, wie vielseitig die Beschäftigung mit dem Thema Schuh sein kann.
Vielseitig auch die Schuhe der Römer. Während man bei Römerschuhen zunächst einmal an die Militärstiefel mit genagelten Sohlen denkt, belegt das Buch die Vielfalt des römischen Schuhwerks. Was für raffinierte Modelle sich beispielsweise hinter den Bezeichnungen Calceus patricius, Sculponea, Soccus, Gallica, Solea, Caliga oder Kothurn verbergen und welche differenzierten Beziehungen die Römer zu ihrem Schuhwerk hatten, erfährt der Leser in dem mit „Römische Schuhe“ recht schlicht bezeichneten Kapitel des Schuhtick-Buches.
Bereits die Römerzeit zeigt also, dass Schuhe nicht nur und schon gar nicht immer nützlich waren, sondern auch modische und noch ganz andere Bedürfnisse befriedigt haben. Das zieht sich natürlich auch durch die folgenden Epochen. Die Schnabelschuhe des Mittelalters zum Beispiel waren weniger praktisch als symbolisch zu werden. Es waren die Schuhe der wohlhabenden Bürger, die damit dokumentierten, dass sie keine körperliche Arbeit nötig hatten. Denn arbeiten konnte man mit diesen Dingern nicht so recht.
Das Kapitel Schuhmoden zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert zeigt am Ende dann auch, dass zumindest in der Vergangenheit die die Ausbildung des Schuhticks den herrschenden und wohlhabenden Schichten der Gesellschaft vorbehalten war.
Für die Einen ist es Nostalgie, für die anderen Geschichte: Die Schuhnot in der Nachkriegszeit. Dieses und die folgenden Kapitel in Schuhtick, die sich auf leisen Sohlen immer näher an unsere heutige Schuhkultur mit den Sneakers in der Musik- und Jugendkultur, mit Outsourcing und Offshoring der globalen Schuhproduktion oder mit exklusiven Maßanfertigungen heranpirschen, dokumentieren die unglaubliche Bandbreite des Themas Schuh, die auch mit den Aspekten Erotik, Werbung, Fetischismus oder Märchen und Sagen noch längst nicht erschöpft ist.
Das Begleitbuch zur Ausstellung Schuhtick erscheint inhaltlich nahezu unerschöpflich. Die zahlreichen Abbildungen sind, wie es sich für einen „Ausstellungskatalog“ gehört, von hervorragender Qualität und stellen teilweise sehr seltene und bislang kaum der Öffentlichkeit präsentierte Exponate vor.

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