Hartmut Rosa

 4,5 Sterne bei 40 Bewertungen
Autor*in von Beschleunigung und Entfremdung, Unverfügbarkeit und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Hartmut Rosa, geb. 1965, ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Universität Jena und Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt. Als einer der renommiertesten Soziologen des Landes forscht er seit Jahren zu den Resonanzverhältnissen in modernen Gesellschaften und hat dazu zahlreiche Bücher veröffentlicht.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Resonanz und soziale Energie. Über Schlüsselbegriffe der Kritischen Theorie (ISBN: 9783150147825)

Resonanz und soziale Energie. Über Schlüsselbegriffe der Kritischen Theorie

Erscheint am 07.10.2026 als Taschenbuch bei Reclam, Philipp.
Cover des Buches Resonanz und soziale Energie (ISBN: 9783956163999)

Resonanz und soziale Energie

Erscheint am 07.10.2026 als Hörbuch bei cc-live.

Alle Bücher von Hartmut Rosa

Neue Rezensionen zu Hartmut Rosa

Cover des Buches Demokratie braucht Religion (ISBN: 9783466373031)
M

Rezension zu "Demokratie braucht Religion" von Hartmut Rosa

M.Lehmann-Pape
Ein nicht auf den ersten Blick wichtiger Zusammenhang

Hartmut Rosa, Soziologe von Rang im deutschsprachigen Raum (und nicht Pfarrer oder Kirchenoberer bestimmter Coleur), legt in diesem schmalen Band gewichtige Argumente vor. Nicht nur, dass Demokratie und Religion in engem Zusammenhang stehen, historisch und aktuell, sondern auch, was man an den aktuellen Entwicklungen „weg“ von Demokratie und „schnell weg“ von Religion an kulturellen Veränderungen und Gefahren ablesen kann.

 

Mit dem Zentrum, dass das Kommunikative, das Gemeinsame, das Kooperative als Wert nicht nur abstrakt oder theoretisch wichtig zu betrachten wäre, sondern ganz handfest und ganz praktisch jener Kitt sind, der Gesellschaften zusammenhält oder eben, bei Mangel an diesen „Fertigkeiten“, Gesellschaften auseinanderdriften, gegeneinanderstehen lässt, Spannungen, Reibungen und Kompromisslosigkeit einander gegenüber zur Folge hat. Und nicht zuletzt sogar das Individuum vereinsamen lässt. Mit erheblichen Folgen für das gesamte Gefüge und alle Menschen des Sozialraums.

 

Es braucht eine „Resonanz“ in der Gesellschaft für die „weichen“ Werte der Gemeinschaft, der Kooperation, der Toleranz mitsamt einer klaren Werteentscheidung für diesen, vor allem im Lauf der Geschichte ja religiös geprägten Weg, um eine konstruktive Zukunft überhaupt zu ermöglichen.

 

Und es waren diese unausgesprochenen Übereinkünfte im Privatleben, im nachbarschaftlichen Umgang, im ehrenamtlichen Engagement, in Vereinen, Parteien, in einer Ethik des Umgangs miteinander als „verbundenen Gesellschaft“ inmitten aller unterschiedlicher Lebensentwürfe, die eben auch zu tun haben mit der „Besinnung“, dem „Blick auf sich selbst“, dem „Gewiesen sein an Gemeinschaft“, die durch die christliche Religion prägend für die Zivilisation des „Abendlandes“ war.

 

Auch wenn der Begriff der „Entfremdung“ durchaus rein philosophisch und in Teilen atheistisch im Lauf der Geistesgeschichte betrachtet wurde, am Ende stammt das Problem der „Entfremdung“ im Kern der christlichen Religion und wird doch grundlegend als Zentrum von „Sünde“ begriffen. Mitsamt jener „Freiheit“, die ebenfalls christlich für das Individuum postuliert wurde (vor allem in der Reformation) und aktuell zu sehr „ungebunden“ verstanden wird. Der „Freiheit von etwas“ (von allem, was einem nicht passt) fehlt die religiöse Verankerung eines zugleich „Freiheit für etwas“, für das Gestalten einer freiheitlichen Gemeinschaft. In der zwar „alles gestattet ist“, theoretisch, aber eben nur verbunden damit, dass „nicht alles zum Guten dient“. Erst beides in einem, frei sein für sich und eingebunden sein in eine Gemeinschaft mit allen, hat zu jener freiheitlichen Lebensordnung geführt, die eine stabile Gesellschaft nach dem zweiten Weltkrieg hervorgebracht hat und nun allüberall ins Wanken gerät.

 

„Klar ist aber auch, dass das Herz möglicherweise nicht hört“. Und jene „Resonanz“, die das Geistige, das Verbindende, das „Schöne“ rufend mit auf den Weg gibt eben nicht wahrnimmt oder sich aktiv dagegen verschließt.

 

Dies führt am Ende zu einer, wie Roa es ausdrückt, „rasenden Gesellschaft im Stillstand“. Rasend in den äußeren, technischen Notwendigkeiten und Gelüsten nach materieller Versorgung und Vergnügen, mit einem Stillstand in der „Reifung“ und dem „Kooperativen“, die inzwischen an nicht wenigen Orten als feindlich gar angesehen werden. Dass ein innehalten nicht in Mode ist, sorgt dafür, dass eine Resonanz nicht ankommen und nicht wirken kann.

 

Den ganzen Vortrag hält Rosa dabei nicht in giftigem, wertendem oder angreifendem Ton und auch nicht in stillem Bedauern, sondern sachlich, klug und nachvollziehbar. So dass das schmale Buch durchaus, wenn man es in Ruhe bedenken kann, eine Resonanz hervorruft. Und zugleich eine treffende Analyse der Gründe für das zu beobachtende Auseinanderdriften vor Augen stellt.

Cover des Buches Demokratie braucht Religion (ISBN: 9783466373031)
H

Rezension zu "Demokratie braucht Religion" von Hartmut Rosa

Hannah007
Demokratie braucht Religion, die Offenheit, dass es da draußen noch eine andere Wertequelle außer einem selbst gibt.

Es handelt sich um die Verschriftlichung eines Vortrags, daher lässt sich das kurze Buch leicht und schnell lesen.

Er definiert das Verhältnis von Demokratie folgendermaßen:

Demokratie ist für ihn das zentrale Glaubensbekenntnis unserer Gesellschaft.

Rosa definiert Religion als die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich anrufen und berühren zu lassen und auch sich verwandeln zu lassen. Anders gesagt braucht die Demokratie die Offenheit, dass es da draußen noch eine andere Wertequelle außer einem selbst gibt.

Warum er glaubt, dass Demokratie Kirche braucht: Demokratie funktioniert nicht im Modus des immer höher, schneller, weiter: Demokratie funktioniert nur, wenn jede und jeder eine Stimme hat, die hörbar gemacht wird, es braucht Ohren, die die anderen Stimmen hören und  ein hörendes Herz, das die anderen hören und ihnen antworten will! 

Insbesondere in den Kirchen wird ein hörendes Herz eingeübt, das Bedingung für gegenseitiges Verstehen ist.
Wir müssen uns anrufen lassen: allerdings haben wir schon lange eine Krise der Anrufbarkeit - und die zeigt sich gleichermaßen in der Glaubens- und Demokratiekrise.

Demokratie bedarf der Fähigkeit sich anrufen zu lassen (Begriff der Resonanz).

Sein Plädoyer lautet daher:

Wir brauchen in dieser Gesellschaft die Rückbesinnung auf genau diese Fähigkeit der Anrufbarkeit und die Erfahrung der entsprechenden ergebnisoffenen Selbstwirksamkeit.
Wir müssen uns berührbar machen und das heißt immer auch sich verletzlich zu machen. Und das ist natürlich ungewohnt und riskant in einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz basiert und auf Steigerung zielt.

Das Buch bot für mich interessante Denkanregungen.


Cover des Buches Unverfügbarkeit (ISBN: 9783701735495)
U

Rezension zu "Unverfügbarkeit" von Hartmut Rosa

uli_sonne
Von der Welt als Aggressionspunkt zur Welt als Resonanzpunkt

Hartmut Rosa hinterfragt in diesem Buch das zentrale Bestreben der Moderne nach Vergrößerung der eigenen Reichweite und setzt das mit Verfügbarmachung der Welt gleich. Als Gegenstück stellt er die These auf, daß Unverfügbarkeit erst Resonanz ermöglicht und damit Beziehung. Während Verfügbarkeit irgendwann zu einem Verstummen der Welt führen wird.

DIese Thesen begründet er detaillierter und anhand vieler Beispiele in diesem kurzweiligen Buch. 

Persönliche Meinung:

Das Buch war gut zu lesen. Immer wieder verweist er auf zuvor getätigte Annahmen, was zu einem tieferen Verständnis der Begriffe (Un-)verfügbarkeit und Resonanz führt. Die Begriffsunterscheidung von Verfügbarkeit und Erreichbarkeit hat mich sehr bereichert. Und die Einbeziehung von anderen Quellen und der eindeutige Verweis darauf gibt diesem kleinen Buch einen absoluten Mehrwert.

Dennoch sind für mich einige Themen unbeantwortet geblieben: 

Ein in Resonanz gehen mit allem und jedem ist meiner Meinung nach nicht möglich. Damit ist es auch notwendig, daß manches einfach verfügbar ist. Dieses Thema hat er aus meiner Sicht gar nicht berührt.

Ich habe herausgelesen, daß Hartmut Rosa fast ein Technik-Hasser ist und damit beschreibt er ein sehr pessimistisches Bild, daß so nicht notwendig ist. Hier würde etwas mehr "Resonanz" auch zu mehr Möglichkeiten führen, die zumindest ein neutrales Zukunftsbild ermögichen würden.

Fazit:

Absolut lesenswert in der jetzigen Zeit um seinen eigenen Zugang zu Objekten, der Digitialisierung, der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung zu hinterfragen und womöglich zu ändern.

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