Hartmut von Hentig Paff, der Kater oder Wenn wir lieben

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Inhaltsangabe zu „Paff, der Kater oder Wenn wir lieben“ von Hartmut von Hentig

Das Buch ist eine zärtliche Liebeserklärung an einen Kater, der dem Studenten Hartmut von Hentig eher unfreiwillig zur Pflege überlassen worden war. Aus anfänglicher Ablehnung entwickelt sich ein eigentümliches Verhältnis der Abhängigkeit.

Ein kleines Buch über ein großes Thema: die Liebe

— Joachim_Tiele
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  • Was wir aus der Liebe zu einem Tier über uns selbst lernen können...

    Paff, der Kater oder Wenn wir lieben
    Joachim_Tiele

    Joachim_Tiele

    01. November 2015 um 15:43

    Vordergründig handelt es sich bei "Paff, der Kater" um eine Katzengeschichte. Ein deutscher Student, der an der Universität Chicago promoviert, übernimmt bei seinen Zimmervermietern während deren einjährigen Europaaufenthalts die Plege des Hauskaters. Völlig unerfahren mit Katzen und als jemand, der Katzen gar nicht mag, entsteht zwischen ihm und dem Kater das eigenartige Verhältnis, dass beide einander "erziehen", wie es so gut wie jeder erlebt, der zum ersten Mal "Besitzer" einer Katze wird, Missverständnisse und "Verwicklungen" eingeschlossen. Aber tatsächlich geht es in diesem Buch vom ersten Absatz an um Liebe und um dieses Buch selbst als das Bekenntnis zu dieser Liebe, die den Verfasser, "wie alle Liebe, reicher und weiser gemacht hat" (S. 7). Sich um Paff zu kümmern, ist dem menschlichen Protagonisten zunächst eine Pflicht, die Selbstüberwindung kostet. Noch bevor es dazu kommt, entsteht bei ihm eine zutiefst menschliche Empfindung, ein schlechtes Gewissen, weil er im Gesichtsausdruck des Katers beim Abschied von seinen "Besitzern" eine "wehmütige Ergebenheit im Blick" erkennt, "den er niemandem recht mitteilte" (S. 9). Er hat etwas beobachtet, das nicht für ihn bestimmt ist und das bei ihm eine Vorstufe von Scham auslöst. Der Beginn der Liebe des menschlichen Protagonisten entsteht mit der gefühlten Übernahme von Verantwortung, darauf zu achten, Dinge in Bezug auf den anderen "richtig" zu machen - "Ich meinte, ich müsse nachsehen, ob ich die Tür zur Küche auch zugemacht habe" (S. 16) - , und mit der Aufnahme des anderen in den eigenen inneren Monolog - "...das geschah ihm ganz recht, dem arroganten Kater. Da sollte er nur sehen, wo er blieb" -, als dieser sich einmal in der Perspektive des Menschen "ausgeschlossen"(ebd.), also keinen nächtlichen Zugang ins Haus hatte. Und dann zu entdecken, dass dies eine Einsamkeit durch das Fehlen des anderen entstehen lässt, der doch nichts anderes tut, als seine Freiheit wahrzunehmen. Die Folge ist ein bewusstes Erleben eigener Persönlichkeitsbildung. Gleichzeitig wachsen auch das Lernen und Erkennen des Menschsen über sich selbst: "So hat mich Paff gelehrt, das prekäre Verhältnis von Freiheit und Liebe zu erkennen und die größere Freundschaft, geläutert von jenen verkrampften Unterscheidungen der 'selbstsüchtigen' und der 'selbstlosen' Liebe." (S. 27) Und diese Liebe wächst, als sie gefordert wird, im Falle Paffs ganz konkret dadurch, dass er von einer seiner nächlichen Touren völlig ramponiert zurückkehrt und das Budget des Studenten einen Tierarztbesuch nicht zulässt. Das Englische hat neben "to love" ein weiteres und noch stärkeres Wort für lieben, "to care", das die Sorge und das Umsorgen eines anderen einschließt. "When we care" (S. 44) ist die Bezeichnung, die dem Protagonisten in dieser Situation in den Sinn kommt, und in der Übersetzung als "Wenn wir lieben" - "wenn es uns ernst ist" (ebd.) - wird sie zum Bestandteil des Titels. Diese "Liebesgeschichte" zwischen Mensch und Tier geht übrigens nicht gut aus. Es ist eine Trennung auf Raten, der Kater verschwindet über Monate, kehrt zurück, verschwindet wieder, kehrt erneut zurück, als der Erzähler schon eine andere Wohnung hat und er ihm bei einem Besuch bei seinen früheren Vermietern wiederbegegnet.: "Noch später, im Weiterbestehen der Liebe zu einem Abwesenden, schließt sich die Geschichte. In einer Buchhandlung sieht der Erzähler auf einem Auslagentisch für verbilligte Bücher einen Kater über den Büchern liegen, den er zunächst für Paff hält. Er ist es nicht. Der Verkäufer fragt, ob der Erzähler etwas Bestimmtes suche. "Das dort" (S. 48), antwortet dieser und zeigt innerlich abwesend in eine unbestimmte Richtung. Der Verkäufer schiebt den Kater etwas beiseite und hebt ein Buch auf. "Meinen sie dies?" (S. 48), fragt er, und der Erzähler sagt "Ja" (ebd.). Das Buch ist Sherwood Andersons "When We Care". Der Inhalt des Buches ist also nicht so sehr die Liebe zu Tieren, sondern die Entwicklung erwachsener menschlicher Liebesfähigkeit in ihrer ganzen Bandbreite, vom ersten zufälligen Blick bis zur Trauer über den Verlust einer Liebe. In einem Punkt ist es aber doch ein Buch über Tiere und unser Verhältnis zu ihnen. Die Frage, ob Tiere eine Seele haben, wird nicht gestellt. In dieser Erzählung haben sie eine Seele, und das nicht nur in dem Sinne, dass sie uns die eigene - menschliche - Seele besser und reifer erkennen lassen. In diesem Buch hat das Tier als solches - dargestellt am Beispiel von Paff, dem Kater - eine eigenständige Persönlichkeit, eine "voll entwickelte Seele", im Sinne unverstellter tiefer Empfindungsfähigkeit, eingeschlossen. Joachim Tiele

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