Hartwig Schultz Schwarzer Schmetterling: Zwanzig Kapitel aus dem Leben des romantischen Dichters Clemens Brentano

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Inhaltsangabe zu „Schwarzer Schmetterling: Zwanzig Kapitel aus dem Leben des romantischen Dichters Clemens Brentano“ von Hartwig Schultz

Die deutsche Romantik kann nicht nur mit vielen hoch begabten Literaten und Theoretikern, sondern auch mit vielen schillernden Persönlichkeiten aufwarten. Ein ganz besonderes Juwel unter ihnen ist Clemens Brentano (1778-1842), dessen rastlos romantischem Leben sich Hartwig Schultz, einer der Herausgeber der historisch-kritischen Ausgabe der Brentano'schen Werke, in seiner exzellent geschriebenen Biografie Schwarzer Schmetterling widmet. Dass Brentano die (theoretischen) romantischen Maximen internalisierte und in der Folge sein Leben (in der Praxis) poetisierte, erfährt der Leser schnell: Unzählig beinahe sind die Orte, an denen er gelebt, die Frauen, die er geliebt, die Freunde, die er beschwört hat. Doch was macht dieses faszinierend ungeordnete Leben zu einer faszinierenden Lektüre? Und warum handelt es sich dabei um eine auf ungewöhnliche Weise aktuelle Biografie? "Du musst mir dies Leben erfinden helfen", schreibt Brentano mit beinahe verzweifeltem Nachdruck in einem seiner unzähligen Briefe. Ein Schlüsselsatz -- der jeden Biografen freilich ebenso verzweifelt stimmen müsste. Denn ist es nicht von vornherein aussichtslos, über jemanden schreiben zu wollen, der sich in zahlreichen Lebensentwürfen immer neu definiert -- ja aus ihnen überhaupt erst seine Inspirationen zu schöpfen vermag? Hartwig Schultz hat sich dafür entschieden, die ständigen Mutationen unterworfenen Lebensprojekte Brentanos (sie klingen bereits in den Kapitelüberschriften in pointierter Form an), der sich nie um materielle Dinge sorgen musste, so objektiv wie möglich zu schildern. Das mag Schultz einerseits vorgeworfen werden, kann andererseits aber auch als der schlichte Versuch gewertet werden, der komplexen Persönlichkeit des großen Romantikers in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit und Wandlungsfähigkeit gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund wird nicht zuletzt auch Brentanos Sprachverfallenheit interpretiert: Gerade die Unfähigkeit, in der realen Welt bestehen zu können, fördert die sprachliche Artistik, mit der eine Welt der Fiktion bei Brentano heraufbeschworen werden konnte. Eine solche gebrochene Beziehung zur Realität konnte nicht in einer geraden Lebenslinie und somit auch nicht in einer beschreibenden, homogenen Monografie münden. Insofern ist Schultz' zurückhaltende, dabei aber sehr detaillierte Studie -- die im Übrigen auf zum Teil bislang unbekannten Dokumenten basiert -- der Idealfall einer das Prosaische transzendierenden Biografie. --Kristina Nenninger
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