Hartwig Suhrbier Illustriert und zensiert - 150 Jahre John Brinckmans Kasper-Ohm un ick

(0)

Lovelybooks Bewertung

  • 0 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 0 Rezensionen
(0)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Illustriert und zensiert - 150 Jahre John Brinckmans Kasper-Ohm un ick“ von Hartwig Suhrbier

Zu diesem Buch Vor 150 Jahren, am 15. Dezember 1867, war in der Rostocker Zeitung eine Buchbesprechung zu lesen, die in freundlichem Ton das Erscheinen der endgültigen Fassung des Buches Kasper-Ohm un ick von John Brinckman (1814-1870) begrüßte. Anfang Dezember waren zahlreiche Bogen des Werkes ausgeliefert wor-den, die restlichen folgten nach Neujahr , so daß der Band die Jahreszahl 1868 auf der Titelseite trägt. 150 Jahre Kasper-Ohm un ick – das ist auch eine Geschichte von Verkennung und Verfälschung dieses bekanntesten Buches von Brinckman. Als humoristisches Werk ist es von Anfang an wahrgenommen wor-den: eine Kette komischer Vorfälle, Kasper-Ohm als skurriles Original und nicht zuletzt sein grandioses Seemannsgarn vom Sieg über Piraten bei Batavia stützen diese Lesart. Doch das Werk, das Kasper-Ohms Neffen Andrees in seinen Schlingel-Jahren zeigt und sein Erwachsenwerden, ist mehr, und das hat man zumeist verkannt: mancher komisch erscheinende Vorfall erweist sich bei näherem Hinsehen als Satire, die geistliche und weltliche Respektspersonen auf’s Korn nimmt: da werden Pastor und Küster von Andrees mit seinem herab sausenden Schlitten aufgegabelt, so daß beide in vollem Ornat aus allen Würden fallen; da wird Professor Knallerballer karikiert, der mit weltfremder Buchstaben-Gelehrtheit seinen Sohn verkrüppelt; und bloß gestellt in ihrem Geltungsdrang und ihrer mißgünstigen Verlogenheit wird auch Kasper-Möhme, die Tante von Andrees. Als Erziehungs-Roman läßt sich Kasper-Ohm un ick ebenfalls mit guten Gründen lesen – Hans-Jochen Gamm hat dazu als erster Erhellendes gesagt, und es ist bezeichnend für die Erforschung von Brinckmans Werk, daß dies erst 2001 geschehen ist. Aber das Buch ist auch ein Anti-Erziehungs-Roman, der dieses Genre parodiert, denn Brinckman hat ei-nen pädagogischen Versager zur Hauptfigur gemacht: Kasper-Ohm als selbst ernannter, ebenso überhebli-cher wie untauglicher Erzieher macht mit seinen Erziehungsversuchen fast alles falsch. Aus seinem Zög-ling Andrees wird gleichwohl und gerade wegen seiner Streiche ein ganzer Kerl. Ausgeblendet hat man Aspekte realistischen Erzählens von Brinckman. In seiner Schilderung des Rostocker Pfingstmarktes hat er – anders als üblich – auch dessen Nachtseite eingeschlossen: die vom Hamborger Barg angereisten Liebesdienerinnen in der holländischen Waffelkuchen-bude. Kleingeistige Bearbeiter und Übersetzer ins Hochdeutsche haben nach Brinckmans Tod bis Ende der 1920er Jahre diese Stellen sowie satirische Seitenhiebe weggestrichen und damit das Buch verfälscht. Was wiederum die Wahrnehmung des Werkes als ein nur harmlos humoristisches begünstigt hat. In Kapitel 4 werden solche zensierenden Eingriffe in den Text erstmals exemplarisch dargestellt. Mit dem Erscheinen der endgültigen Fassung von Kasper-Ohm un ick vor 150 Jahren beginnt die Reihe der illustrierten Ausgaben dieses Werkes und der Werke Brinckmans überhaupt. Denn die Ausgabe enthält den Holzstich Dat Examen von Paul Tischbein, der als Frontispiz noch vier weitere Auflagen bis 1896 schmückt. Prägend für das Bild der Akteure und Aktionen des Buches wurden dann die Zeichnungen von Adolf Jöhnssen in der großformatigen Ausgabe von 1904, die über Jahrzehnte hinweg nachgedruckt. worden ist. Eine Zusammenstellung der Illustrationen zum Werk Brinckmans oder nur zu Kasper-Ohm un ick, dem am häufigsten gedruckten Werk des Autors, gibt es nicht. Das Verzeichnis der Illustrationen zu Kasper-Ohm un ick in diesem Band sucht diesen Mangel zu mildern und mit ausgewählten Abbildungen die Vielfalt der Darstellungen anzudeuten. Überrascht durch ihre Qualität haben die in der flämischen Übersetzung (1929) entdeckten Holzschnitte von August Verstreken, die hierzulande unbekannt geblieben waren. Um Vorzüge und Grenzen der Illustrationen zu zeigen, werden zwei Vorfälle, die mehrere Künstler ins Bild gesetzt haben, beispielhaft verglichen: Kasper-Ohms Ritt auf dem durchgehenden Fuchswallach und der betrunkene Kutscher im Pferdestall. Während der Arbeit am Verzeichnis konnte ich Einsicht in den Nachlaß von Adolf Jöhnssen nehmen. Dabei stieß ich auf bislang unbekannte Fakten, die eine Frage beantworten und die Jöhnssen als den Urheber eines unsignierten Buchdeckelbildes identifizieren. Denn aus dem Briefwechsel Jöhnssens mit Verlagen geht zum einen hervor, warum er 1914 seine Illustrationen für die Kasper-Ohm-Ausgabe des Hamburger Hermes Verlages unter dem Pseudonym „Ad. Anders“ drucken ließ, und zum anderen, daß er im gleichen Jahr noch für einen weiteren Verlag das Buchdeckelbild mit einem Kasper-Ohm-Porträt entworfen hat. Kasper-Ohm un ick – kurz gefaßt Das Werk wurde in zwei Schritten veröffentlicht: zuerst 1855 als kleinformatiges Heft der Reihe Aus dem Volk für das Volk im Umfang von 71 Seiten mit burlesken Geschichten um den Rostocker Kapitän Kaspar Pött und seinen Neffen Andrees; sodann 1867/68 in der endgültigen, durch neue Episoden fast um das Sechsfache erweiterten Fassung als Buch. Andrees, Kapitän im Ruhestand, erzählt einem Kreis junger Leute Geschichten aus seiner Jugendzeit um 1800; Rückblenden mit Schilderungen von Kasper-Ohm reichen bis gegen 1780; das Buch endet in der „Franzosenzeit“ nach 1806. Erst in der Buch-Fassung werden die Episoden durch die sich entwickelnde Liebe zwischen Andrees und seiner Kusine Gretchen lose verbunden. Andrees berichtet von Ereignissen in Familie und Nachbarschaft und von – ziemlich harmlosen – Ju-gendstreichen. Sein Onkel Kaspar sucht ihm Manieren beizubringen und nennt sein Tun in grotesker Über-treibung Taten eines „muurdverbrannten Rebellers“, den man dereinst wie Seeräuber am Ende der Segelstange aufhängen werde. So beklagt er gegenüber dem Vater von Andrees lauthals dessen Respektlosigkeit, weil er seine Mütze nicht vor dem im Hause sitzenden Onkel gezogen habe, obwohl der Neffe ihn von der Straße gar nicht hatte sehen können. Bei Verletzungen der Familienehre jedoch hält der Onkel zum Neffen: als der Rhetorik-Professor Knallerballer Andrees wegen einiger Streiche als „Fracht¬fuhrmannsjunge“ beschimpft, kündigt Kasper-Ohm dem zuvor hofierten Gelehrten den Umgang auf, weil er ehrenwerte Kapitäne wie Andrees’ Vater und ihn selbst beleidigt habe. Der längere Schlußteil schildert die Befreiung eines zu Unrecht zum Tode verurteilten Tambourmajors der französischen Besatzungstruppen durch den heran gewachsenen Andrees und seine Freunde. Dabei können sie jene Eigenschaften einsetzen, die sie bei ihren Streichen eingeübt haben – Gemeinschaftsgeist und Verläßlichkeit, Gewandtheit und Scharfsinn, Zielorientierung und Ausdauer – und bewähren sich als ganze Kerle. Seine gut gemeinten Erziehungsversuche am Neffen untergräbt Kasper-Ohm gleich doppelt: er bauscht nicht nur das Verhalten von Andrees völlig unverhältnismäßig auf, sondern handelt in bornierter Selbstüberschätzung auch unvernünftig. So besteht er trotz aller Warnungen darauf, den Fuchswallach seines Bruders zu reiten und wird prompt vom durchgehenden Gaul abgeworfen. Grotesk-komisch erscheint Kasper-Ohm, weil er über Familien-Geschichten und Stadt-Geschehen in seemännischen Vergleichen und Fachausdrücken spricht; dabei ist seine Rede durchsetzt von meist verball-hornten Worten aus mehreren Fremdsprachen. Über seine Erlebnisse auf See fabuliert er großsprecherisch und erzählt dem skeptisch-amüsiert zuhörenden Herzog das Seemannsgarn, wie er bei Batavia einen berüchtigten Seeräuber überwältigt habe und deswegen auf dem Staatselefanten zur Dankaudienz des Generalstatthalters geholt worden sei. Eingebettet in die humoristische Grundstimmung des Werkes sind satirische Seitenhiebe vor allem ge-gen Gelehrte und Geistliche: im lebensfremden Professor Knallerballer kritisierte Brinckman den damaligen desolaten Zustand der Rostocker Universität; in Hauptpastor und Küster, die Andrees mit seinem Schlitten über den Haufen fährt, die erstarrte Orthodoxie der Kirche. Das Buch macht jungen Lesern Angebote, sich mit Andrees zu identifizieren, der bei seinen Streichen stets glimpflich davon kommt. Erwachsene Leser werden eingeladen, sich erinnernd in die eigenen Jugend-jahre zurück fallen zu lassen. Kasper-Ohm un ick ist der zweite Text, mit dem John Brinckman 1855 noch vor seinem Landsmann Fritz Reuter, der später durch plattdeutsche Romane berühmt wurde, als Autor anspruchsvoller plattdeutscher Prosa hervorgetreten ist.

Stöbern in Romane

Acht Berge

Welch ein berührendes Buch, das alle Fragen des Lebens so eindringlich und schön gearbeitet verhandelt - ein ganz große Empfehlung!

hundertwasser

Und jetzt auch noch Liebe

Eine gute Geschichte, an manchen Stellen etwas unrealistisch.

Traubenbaer

Lügnerin

Ein tolles Buch, ein merkwürdiges Ende

naninka

Birthday Girl

3.5 Sterne

AlinchenBienchen

Underground Railroad

Eine grandios geschriebene Abrechnung!

RubyKairo

Tage ohne Hunger

Sprachlich herausragend und berührend geschildert. Ich hätte mir allerdings mehr Informationen zu Familie und Ursachen gewünscht.

Schmiesen

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks