Der Roman begleitet den Studenten Toru Watanabe, der zwischen seiner psychisch labilen Jugendliebe Naoko und der ungestümen Midori hin- und hergerissen wird. Verlust, Trauer und das mühsame Erwachsenwerden stehen im Mittelpunkt – Themen, die eigentlich unter die Haut gehen sollten. Eigentlich.
Die Geschichte aber plätschert so vor sich hin und wabert an der Oberfläche. Selbst die dramatischsten Momente wirken seltstam leer und berühren einen nicht wirklich. Der Protagonist selbst scheint beobachtend, passiv und kaum greifbar. Auch Naoko, trotz ihrer tragischen Geschichte, bleibt schemenhaft – ich als Leserin fühlte kaum mit ihr. Auch die anderen Figuren wirkten weder sympathisch noch unsympathisch auf mich.
Besonders problematisch finde ich das gezeichnete Frauenbild. Die Frauen in dem Roman existieren nahezu ausschließlich in Relation zu Toru – sie sind Projektionsflächen seiner Sehnsüchte, keine eigenständigen Menschen. Naoko ist die zerbrechliche, psychisch kranke Geliebte, die letztlich an ihrer eigenen Schwäche zugrunde geht. Midori ist das lebenslustige Gegenstück, impulsiv und fast immer verfügbar, wenn Toru sie braucht. Beide Frauen sind letztlich Staffage in Torus Geschichte – Figuren, die funktionieren, wenn er sie braucht, und verblassen, wenn er wegschaut. Auch die anderen Frauen im Roman sind nur dazu da, den Männern zu dienen und da zu sein, wenn die Männer Lust auf sie haben. Im Japan der späten 1960er mag die Gesellschaft Frauen tatsächlich wenig Raum für eigene Identitäten gegeben haben, doch aus heutiger Sicht ist das schwer erträglich.
Ein Roman von poetischer Qualität voller Depression, Distanz und Suizide. Die großen Gefühle, auf die Titel und Untertitel hoffen lasen, gab es nicht. Ein Roman, der sich nicht lohn, ein weiteres Mal zu lesen.





















