Haruki Murakami Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

(480)

Lovelybooks Bewertung

  • 387 Bibliotheken
  • 25 Follower
  • 13 Leser
  • 76 Rezensionen
(177)
(181)
(87)
(25)
(10)

Inhaltsangabe zu „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami

Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden, deren Mitglieder alle eine Farbe im Namen tragen. Nur Tsukuru fällt aus dem Rahmen und empfindet sich auch im übertragenen Sinne als farblos. Als er nach der gemeinsamen Schulzeit nach Tokyo geht, tut dies der Freundschaft keinen Abbruch. Zumindest nicht bis zu jenem Sommertag, an dem Tsukuru voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt und herausfindet, dass seine Freunde ihn plötzlich und unerklärlicherweise schneiden. Er erhält einen Anruf: Tsukuru solle sich in Zukunft von ihnen fernhalten, er wisse schon, warum. Verzweifelt kehrt Tsukuru nach Tokio zurück, wo er ein halbes Jahr am Rande des Selbstmords verbringt. Viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-Jährige seiner neuen Freundin Sara und stellt sich, von ihr ermutigt, den Dämonen seiner Vergangenheit.

Ein wenig glanzlos und angesichts seiner Klassiker (Mister Aufziehvogel, etc.) ungewöhnlich farblos ... wie passend zum Buchtitel ...

— BuchHans
BuchHans

Stimmt sehr nachdenklich zum Teil, aber insgesamt fehlte es mir an Tiefe. - 3 Sterne

— AmiLee
AmiLee

Farbenfrohe Erzählung mit melancholischem Charme ...

— knacks1965
knacks1965

In einem Wort: Grandios. Ich habe vor alles von diesem Autor zu lesen, was mir in die Finger kommt!

— SabsB
SabsB

Hochglanz-Werbebroschüre für Toyoto Lexus, Starbucks und andere. Ein Drittel des Buchs ist tatsächlich nur Werbung.

— TerenceHorn
TerenceHorn

Ich finde das ähnelt einwenig dem Roman Sweetheart Sputnik.

— Rija21
Rija21

Murakami entpuppt sich als starker Geschichtenerzähle

— Callso
Callso

"Du bist der wunderbare farbenfrohe Tsukuru Tazaki." Ich hätte gern noch viel mehr von ihm gelesen.

— Buchliese
Buchliese

Wie immer großartig. Nur am Ende lässt Herr Murakami den Leser stets ein wenig allein.

— Moosi
Moosi

Es wird Zeit, dass Haruki Murakami endlich den Literaturnobelpreis erhält. Jedes Buch ein Meisterwerk!

— KatrinSchoen
KatrinSchoen

Stöbern in Romane

Was man von hier aus sehen kann

Eigenwillige Sprache & hohe Erzählkunst mit schrulligen, liebenswerten Figuren – tief bewegt lässt mich das Buch zurück.

Gwendolyn22

Der Brief

Lässt einen ratlos zurück

brauneye29

Sommer unseres Lebens

Sehr schönes Buch

karin66

Das Brombeerzimmer

toller Erzählstil, gute Unterhaltung und ganz besonders: die Rezepte im Buch

vielleser18

Bis wieder ein Tag erwacht

kraftvoll, wortgewaltig, erschreckend, tieftraurig und trotzdem voller Hoffnung ... und mit vielen wunderbaren Charakteren

Inge78

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki - Haruki Murakami

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    Katykate

    Katykate

    24. July 2017 um 19:38

    Schon seit einer ganzen Weile wollte ich mal einen Murakami lesen. Denn seine Schreibe soll etwas ganz besonderes und sehr schräg sein. Weil so viele von ihm schwärmen, habe ich mir mal ein paar Bücher empfehlen lassen und die meisten meinten, »Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki« wäre als Murakami-Einstieg sehr gut geeignet. KurzbeschreibungEs geht um den mittlerweile Mitte dreißig-jährigen Tazaki, der eine Frau kennen lernt. Doch sie hat immer das Gefühl, dass er sie nicht richtig an sich heranlässt. Grund dafür ist ein Ereignis in der Vergangenheit. Denn Tazaki gehörte mal zu einer Fünfergruppe, die alles gemeinsam gemacht hat. Die anderen vier waren seine besten Freunde und die gemeinsame Zeit war etwas ganz besonderes, obwohl er sich immer etwas ausgeschlossen gefühlt hat. Immerhin haben all seine alten Freunde eine Farbe in ihrem Namen, wodurch er sich immer farblos gefühlt hat.Eines Tages haben sich seine Freunde von ihm abgewendet, ohne ein Wort der Begründung. Und Tazaki hat auch nie nachgefragt. Bis er sich mit Mitte dreißig auf eine Reise in die Vergangenheit begibt, um herauszufinden, was damals passiert ist. P O S I T I V E SAngenehm zu lesenTatsächlich habe ich erwartet, dass Murakami eine ganz außergewöhnliche Schreibe hat. Hat er in gewisser Weise auch, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass sie so leicht zu lesen sein würde. Die Zeilen fliegen nur so dahin und das obwohl deren Inhalt teilweise abstrus ist. Die Spannung kam spät, aber bliebAnfangs dümpelte die Geschichte so ein bisschen vor sich hin, sodass ich vor dem Buch saß und mich gefragt habe, wann es denn endlich losgeht. Ich hatte ein bisschen Angst, dass mir Murakami so im Gedächtnis bleiben würde: „Tolle Schreibe, aber langweilige Geschichte.” Denn alle, vor allem Kollegen, sind so begeistert von Murakami, dass ich ihn doch toll finden muss!Aber die Spannung kam noch auf. Es dauerte zwar ein bisschen, aber ab dem Moment, als Tazaki sich auf die Reise in seine Heimatstadt macht, um mit seinen alten Freunden zu sprechen, konnte ich das Buch kaum noch weglegen. Das große Geheimnis wird zwar ziemlich schnell enthüllt, sodass der erste Knaller überraschend zeitig vorüber war. Aber es bleibt spannend, denn man möchte unbedingt wissen, was seine anderen Jugendfreunde dazu zu sagen haben. Vielfältigkeit in vieler HinsichtBesonders auffällig ist, wie unterschiedlich die Charaktere sind. Vor allem Tazaki und seine Jugendfreunde könnten charakterlich nicht weiter voneinander entfernt sein. Und doch sind sie stimmig – im Einzelnen und auch als Gruppe.Murakami schafft es, jedem seiner Charaktere eine ganz andere Motivation einzuhauchen, weshalb sie alle sehr real wirken. Man muss sich ein bisschen durch die Fassade kämpfen, aber das, das darunter liegt, ist einzigartig. N E G A T I V E SWichtig, aber ödeWie schon erwähnt, braucht die Geschichte ein bisschen, bis es richtig losgeht. Die ersten Kapitel empfand ich deshalb doch eher als mühselig. Vor allem die ausführliche Beschreibung von Tazakis Studienzeit fand ich so uninteressant, dass ich teilweise gern weitergeblättert hätte.Es ist allerdings gut, dass ich das nicht getan habe, denn auch diese Zeit ist maßgeblich für Tazakis Entwicklung. Verfolgt man seine Zeit mit seinem außergewöhnlichen Studienfreund nicht, versteht man Tazaki und seine Handlungen und Gedanken im späteren Verlauf nicht so recht – vor allem die Szenen mit der anderen Realität. Der abstrakte MurakamiIch wurde vorgewarnt, dass Murakami sehr abstrakt schreibt und so einige verrückte Szenen in seine Bücher einbaut. Weil sich das in »Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki« aber in Grenzen hält, wurde mir das als Einsteiger-Buch empfohlen. Aber ganz ehrlich?Ich war enttäuscht, wie wenig abstrakt dieses Buch ist. Mir wurden so viele verrückte Dinge erzählt, die schon in Murakamis Büchern vorkamen, dass es in diesem Buch tatsächlich enttäuschend ist. Das einzig abstrakte ist eine Geschichte über einen Mann, dem der Tod auferlegt wurde und der ihn entweder über sich ergehen lassen oder weitergeben kann. Und die Träume Tazakis, die sich eher wie eine andere Realität anfühlen, sodass er nicht weiß, ob sie überhaupt Träume sind. Erst mal abwartenGenau diese Einstellung scheint der Protagonist zu haben. Schon in seiner Jugend hat er bei seinen Freunden nicht nachgebohrt, wieso sie plötzlich keinen Kontakt mehr wollten. Und auch später, gegen Ende des Buches, zeigt Tazaki genau diese Eigenschaft. Als Leser ist es da manchmal schwer, seine Beweggründe nachzuvollziehen, weil wahrscheinlich fast jeder – ich zumindest auf jeden Fall – nachfragen würde, wenn jemand gegen einen selbst handelt.Aber genau diese Eigenschaft an Protagonisten scheint typisch für Murakami und teilweise auch andere japanische Autoren zu sein. Selbst kann ich das zwar nicht beurteilen, aber von zwei Kollegen und Freunden – unter anderem Sibylle von Zwischen meinen Zeilen – wurde mir berichtet, dass das sehr typisch für diese Art Autoren ist. Wie? Was? Wo?Ich hasse Bücher, in denen Fragen offen bleiben. Vor allem, wenn es sehr viele offene Fragen sind. Leider muss ich mich bei Murakami wohl damit abfinden, denn auch das ist etwas typisches für ihn. Auch in »Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki« bleiben mehr Fragen offen als gelöst werden.Wieso haben sich seine Freunde einfach von ihm abgewandt ohne sich zu erklären? Was hat es mit dem früheren Studienfreund auf sich? Ist es jetzt ein Traum oder Realität oder eine andere Realität? FazitNach Beenden des Buches bin ich mit gemischten Gefühlen zurückgeblieben. Einerseits ist »Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki« (ich hoffe, ich muss den Titel nie wieder so oft hintereinander schreiben) irgendwie lehrreich. Man kann sich so einiges daraus ziehen, vor allem was das Miteinander betrifft. Schließlich muss man es nicht einfach so hinnehmen, dass sich Freunde von einem Abwenden und das Jahre mit sich herumschleppen, man kann es auch direkt klären. Andererseits lässt es so viel offen, dass man gar nicht genau weiß, welche Lehre man daraus ziehen soll.Das war mein erster Murakami und von einigen habe ich gehört, dass der erste einen meistens noch nicht vom Hocker haut, dass man aber nach dem zweiten oder dritten ganz begeistert von diesem Autor ist. Ich werde ihm also noch eine Chance geben und freue mich darauf, wenn im Oktober die Neuausgabe von „Hard-boiled Wonderland” erscheint.

    Mehr
  • Distanziert, gekünstelt, bemüht philosophisch

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    Weltensucher

    Weltensucher

    16. May 2017 um 20:28

    Haruki Murakami – ein beliebter Name in der gegenwärtigen Literatur. Ich habe mir schon lange vorgenommen, etwas von diesem japanischen Autor zu lesen, wo er doch weltweit Bekanntheit und Anerkennung genießt. „Die Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki“ fiel mir eher zufällig in die Hände und leitete schließlich meine erste und leider vermutlich letzte Murakami-Probe ein. Im Zentrum des Geschehens steht Tsukuru Tazaki, ein Bahnhofsingeneur Mitte dreißig. Seit er vor sechzehn Jahren ohne jede Erklärung von seinen vier besten Freunden aus ihrer Clique verstoßen wurde, leidet er unter dem traumatischen Verlust jener Freundschaft, die ihm alles bedeutete. Auf eine anfängliche Lebenskrise und Selbstmordgedanken folgt eine erzwungene Abfindung seinerseits mit den vergangenen Geschehnissen und Tazaki lebt sein Leben als Einzelgänger weiter. Erst als seine Freundin Sara ihm rät, sich mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen, sucht er Jahre später nach Erklärungen und den Kontakt zu seinen alten Freunden... Mir hat das Lesen nur sehr wenig Spaß bereiten. Das lag vermutlich vor allem an dem Erzählstil, mit dem ich wirklich gar nichts anfangen konnte und an dem ich mich schon ab den ersten Seiten störte. Auf Passagen, die eher einer Berichterstattung ähneln als einem Roman folgen hölzerne Dialoge fern jeder realistischen Kommunikationsformen - mal bemüht philosophisch, dann in einem so seltsamen Ton, dass das Gefühl vermittelt wird, Tsukuru spreche mit einem Psychologen statt mit seinen Freunden. Ständig ergänzen sich die Figuren auf wirklich eigenartige Weise, ständig fallen absichtliche, um Weisheit bemühte Sentenzen, die mir stets fremd und unpassend erschienen. Zwischen mir und dem Roman blieb bis zum Ende jedenfalls eine gewisse Distanz, die sich wahrscheinlich vor allem auf meine Abneigung gegenüber dem Sprachstil begründete, den ich selten so gekünstelt erlebt habe. Dementsprechend konnte ich mich auch mit keinem der Charaktere anfreunden. Allesamt blieben für mich tatsächlich „farblos“, platt und distanziert. Ihre Beschreibungen haben mir gar nicht gefallen – auf einer halben Seite wurde zu jeder Person eine kleine und scheinbar beliebige Hintergrundgeschichte platziert, jeder ein mehr oder minder interessantes Hobby angedichtet, kurz das Hauptmerkmal seines Charakters genannt, vielleicht auch seine schulischen Leistungen und später der Beruf – und das war es auch schon. Worauf die Freundschaft zwischen den fünf Hauptpersonen sich begründete, blieb mir schleierhaft – schließlich gab es weder gemeinsame Szenen noch Dialoge zwischen ihnen. Diese hätte man meiner Meinung nach aber leicht unterbringen und stattdessen die ständigen Wiederholungen, die sich durch den gesamten Roman ziehen, streichen können. Immer wieder wurde die Geschichte des Herrn Tazaki und sein Leben generell noch einmal von vorne geschildert, als könnte der Leser die Basisdaten dazu – denn darüber ging das Ganze ja auch nicht hinaus – wieder vergessen haben. Auch die Handlung war für mich an den meisten Stellen langweilig. Ich hatte zumindest auf ein spektakuläres Ende gehofft, in dem alle Fragen geklärt und sich die Einzelheiten zu einem großen Ganzen fügen, doch auch in dieser Hinsicht wurde ich enttäuscht. Dabei bleibt auch vieles, was Erwähnung fand, einfach unberücksichtigt – mir stellt sich nun die Frage nach dem Sinn und Beitrag zu der Handlung jener meiner Meinung nach vollkommen überflüssigen Aspekte (auf die ich ohne zu Spoilern nicht näher eingehen kann). Insgesamt war mein erster Murakami-Roman eine sehr große Enttäuschung und rief vor allem großes Unverständnis für seine Beliebtheit in mir hervor. Ob es wohl an der Übersetzung lag, an kulturellen Differenzen? Ich weiß es nicht. Mir hat „Die Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki“ jedenfalls rundum einfach nicht zugesprochen und es wird sicherlich eine ganze Weile dauern, bis ich mich wieder an diesen Autor heranwagen werde.

    Mehr
    • 3
  • Hochglanz-Werbebroschüre für Toyoto Lexus, Starbucks und Co.

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    TerenceHorn

    TerenceHorn

    21. January 2017 um 16:36

    Hochglanz-Werbebroschüre für Toyoto Lexus, Starbucks und Co. Zwischen den Zeilen hab ich noch was von Selbstmord, Mord und Geschlechtsverkehr gelesen. Alles in allem kann er schon Spannung aufbauen und hält den Leser bei der Stange, aber die ständige Werbung nervt so arg, dass ich das Buch wegschmeißen musste. Adieu Mirakami!

  • Der farblose Herr Tazaki

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    Aoibheann

    Aoibheann

    12. January 2017 um 10:38

    Nun habe ich schon so viel über diesen Autor gehört und gelesen. Scheinbar findet jeder alle seine Bücher großartig und toll. Nur ich falle damit ganz prima auf die Nase. Ich habe leider so gar keinen richtigen Zugang zu dem Buch finden können. Herr Tazaki blieb für mich immer sehr distanziert und nie richtig greifbar. Als wäre er keine richtige Person innerhalb der Geschichte. Ich habe die ganze Geschichte als sehr zäh und langatmig empfunden, bei manchen Teilen konnte ich nicht nachvollziehen, wie sie zur Geschichte und Auflösung des eigentlichen "Problems" passen sollen. Herr Tazaki bleibt mir als Figur insgesamt zu blass und farblos. Gemessen an seinem Verhalten auch teilnamslos. Ich habe absolut nicht verstanden, wie man eine solche Abfuhr von vermeintlich besten Freunden einfach entgegennehmen kann, ohne auch nur ansatzweise nach dem Warum zu forschen. Ich vergebe 2 Sterne für die grundsätzlich interessante Kerngeschichte, die in einer für mich sehr langweilige Handlung eingebettet war.

    Mehr
  • Ausgestoßen

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    walli007

    walli007

    27. October 2016 um 20:11

    In seinem 21. Lebensjahr veränderte Tsukuru Tazaki sowohl äußerlich als auch innerlich extrem. Davor war er anerkanntes Mitglied in seiner Jugend-Clique bestehend aus drei Jungen und zwei Mädchen. Auch nach dem Schulabschluss wollten sie zusammenbleiben. Zwar war Tsukuru der einzige, der zum Studium nach Tokio ging, aber er kehrte bei jeder Gelegenheit heim und pflegte den Kontakt zu seinem Jugendfreunden. Doch plötzlich verhielten sich seine Freunde seltsam und schlossen ihn aus ihrem Kreis aus. Tsukuru glaubt nun mit über dreißig, die Sache längst überwunden zu haben. Als er jedoch die zwei Jahre ältere Sara kennenlernt, erspürt diese sofort, dass er nicht völlig offen ist. Sie empfiehlt ihm, den damaligen Ereignissen noch einmal nachzuspüren. Eine ungewöhnliche Ausgangssituation. Der Protagonist glaubt etwas wenn schon nicht überwunden, dann doch erfolgreich verdrängt zu haben. Seinen regelmäßig wiederkehrenden und verstörenden Träumen schenkt er keine große Beachtung. Erst der Hinweis von außen bringt ihn dazu, sich noch einmal mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Wieso wurde er und gerade er aus dem Freundeskreis ausgestoßen. Er, der sich eher als langweilig und farblos empfindet, der eigentlich keine Angriffsfläche geboten haben dürfte. Sara übernimmt zu Beginn einige Nachforschungen. Sie ist es, die es zur Bedingung macht, wollen sie eine Zukunft haben, muss er sich der Vergangenheit stellen. Wie aus seinen anderen Büchern bekannt, hat der Autor Haruki Murakami ein Szenario heraufbeschworen, das erst einmal viele Fragen aufwirft. Der Hauptcharakter wird auf sich selbst zurück geworfen. Seine neue Bekannte zwingt ihn, sich dem alten Dilemma zu stellen und der Sache auf den Grund zu gehen. Gespannt verfolgt man die aufkommenden Erinnerungen Tsukurus, mit ihm sucht man nach der Wahrheit, nach der alles erklärenden Offenbarung. Kennt man Murakami allerdings, so muss man erwarten, dass einiges in der Schwebe gehalten wird und dass sich durchaus nicht alles zu hundert Prozent erklären lässt. Man erfährt, was damals der Auslöser war, damit sind aber noch längst nicht alle Ungereimtheiten aufgelöst. Und hier beginnt das Rätselraten nach der Lektüre, das die Bücher des Autors prägt. Beinahe bohren sich die Gedanken erst im Nachhinein ins Gehirn und man fragt sich, was wohl am nächsten Tag geschehen wird, wenn es den denn gibt. Vielleicht nicht des Autors bestes Werk, aber doch mit Nachhall.

    Mehr
  • Feine Literatur über einen zweifelnden Menschen

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    Callso

    Callso

    14. September 2016 um 15:38

    Haruki Murakami - endlich habe ich mich an ein Buches des so hochgelobten Autors aus Jan herangetraut.Das Fazit nach meinem ersten WerK: Ein gutes Buch, feine Literatur und eine schöne Geschichte, die sich wunderbar lesen lässt.Man merkt, mit welchem Können, mit welcher Kunst der Autor Geschichten erzählen kann. Die Story ist fein ausgearbeitet, bildliche Sprache, das alles mit anständigem Niveau. Gleichwohl schreckt der Autor auch vor Sex und Erotik nicht zurück.Es geht um Tsuskuru Tazaki, der später als Ingenieur von Bahnhofen ein ausgefüllten Beruf gewählt hat. Wenngleich ihn immer wieder Selbstzweifel plagen, er, der sich in einer Welt voller farbenfroher Menschen als trist, farblos und spröde ansieht. Doch im Lauf der Geschichte erlebt der Protagonist einen Quantensprung an ZUvertrauen in die eigene Person und die eigenen Fähigkeiten.Ein Buch, das trotz des massiven Buchtitel sehr gut von der Hand geht und ganz ordentliche Unterhaltung bietet.Zwei Kritikpunkt habe ich dennoch: Die letzten 20 Seiten haben mir weniger gefalle. Das Ende ist doch recht offen gewählt. Schade. Und einige Gegegbenheiten im Lauf der Geschichte wirken für mich etwa belanglos bis beliebig.

    Mehr
  • Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki – Haruki Murakami

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    Lesen_ist

    Lesen_ist

    26. May 2016 um 17:21

    Inhalt Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden, deren Mitglieder alle eine Farbe im Namen tragen. Nur Tsukuru fällt aus dem Rahmen und empfindet sich – auch im übertragenen Sinne – als farblos. Als er nach der gemeinsamen Schulzeit nach Tokyo geht, tut dies der Freundschaft keinen Abbruch. Zumindest nicht bis zu jenem Sommertag, an dem Tsukuru voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt – und herausfindet, dass seine Freunde ihn plötzlich und unerklärlicherweise schneiden. Er erhält einen Anruf: Tsukuru solle sich in Zukunft von ihnen fernhalten, er wisse schon, warum. Verzweifelt kehrt Tsukuru nach Tokio zurück, wo er ein halbes Jahr am Rande des Selbstmords verbringt. Viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-Jährige seiner neuen Freundin Sara und stellt sich, von ihr ermutigt, den Dämonen seiner Vergangenheit. Meine Meinung Es ist fast ein Jahr her, dass die liebe Nina »Frau Hauptsachebunt« in einem Literaturplausch vom Autor Haruki Murakami geschwärmt hat. Damals dachte ich schon, dass ich doch endlich ein Buch von ihm lesen muss. Als ich dann in Februar in der Buchhandlung auf der Suche nach Taschenbücher war, habe ich einige Bücher von Murakami in der Hand gehabt und mich dann für dieses entschieden. In seinem zweiten Jahr an der Universität, genauer gesagt von Juli bis Januar, dachte Tsukuru Tazaki an nichts anderes als an den Tod. Er stand dem Tod sogar näher als das Leben, aber den letzten Schritt ist er nicht gegangen. An der Oberschule war er Teil einer Clique von fünf Freunden, drei Jungs und zwei Mädchen. Sie lebten in Nagoya und Tsukuru ging als einziger danach nach Tokio, um zu studieren, die anderen blieben in Nagoya und gingen dort zur Uni. Ihre Freundschaft war einmalig und harmonisch, sie ergänzten sich auf einzigartige Weise. Immer wenn es Ferien gab fuhr Tsukuru nach Nagoya um Zeit mit seinen Freunden zu verbringen. Und dann, ohne jegliche Vorwarnung, teilten seine Freunde ihm mit, dass sie ihn nie wieder sehen oder mit ihm sprechen wollten. Sie nannten ihm keinen Grund und er hatte nicht gewagt zu fragen. Dieses erbarmungslose Urteil, das so unvermittelt ausgesprochen wurde, brachte Tsukuru an den Rand eines Abgrunds. Hätte es eine einfache Tür gegeben, die zum Tod geführt hätte, wäre er hindurchgegangen. Aber er hat es überlebt, gerade mal so, hat sein Studium beendet und ist in Tokio geblieben. Er unternahm keinen Versuch seine Freunde zu kontaktieren, wollte einfach vergessen, was sie ihm angetan hatten. Aber so einfach geht das nicht. Jetzt, 16 Jahre später, lernt Tsukuru eine Frau kennen; Sara. Zum ersten Mal spricht Tsukuru darüber, was damals passiert ist. Tsukuru ist tatsächlich zu einem eher farblosen Mann Mitte dreißig geworden, obwohl dieses »Farblos« im Titel einen anderen Bezug hat. Im Beruf macht er genau das, was er schon immer machen wollte, aber privat ist sein Leben eher trostlos, ohne Farbe. Es ist ihm nicht bewusst, wie tief die Verletzung von damals geht. Das Erlebte hat ihn nicht nur psychisch, sondern auch physisch stark verändert. Die Verstoßung durch seine Freunde hat einen anderen Menschen aus ihm gemacht, einen introvertierten und wortkargen Mann, der sich niemanden mehr wirklich öffnet. Die Angst, wieder so verletzt zu werden, sitzt tief, obwohl es ihm nicht einmal wirklich bewusst ist. Auch sein Selbstbewusstsein hat gelitten, sodass er sich nicht liebenswert findet, sich selbst als leer empfindet, wie ein Gefäß ohne Inhalt. Ich hatte Mitleid mit dem Protagonisten, weil er in meinen Augen beraubt wurde. Sein Charakter, 16 Jahre später, ist sehr passiv, wenn nicht sogar langweilig. Wenn man allerdings berücksichtig wie nah am Abgrund er sich befand und wie tief die Verletzung ging, kann man seine Zurückhaltung in jede Art von zwischenmenschlicher Beziehung verstehen. Wie sehr kann ein so einschneidendes Erlebnis die Weiterentwicklung des Charakters beeinflussen? Die Menschen sind sehr verschieden. Ein anderer als Tsukuru, jemand, der bereits genug Selbstbewusstsein entwickelt hat, hätte schon damals darauf bestanden zu wissen, warum er so brutal verstoßen wird. Tsukuru hat sich nicht getraut zu fragen. Später im Buch kommt der Vergleich, dass es für ihn ähnlich war, als hätte man ihn von einem Schiff gestoßen und allein im eiskalten Meer zurückgelassen. Ganz klar ist, in unserer doch eher aufgeklärten Zeit, dass Verdrängen nicht helfen kann. Nur eine Aussprache, ein klärendes Gespräch, kann helfen und vielleicht auch eine Heilung stattfinden. Nachdem Tsukuru sich seiner neuen Freundin geöffnet hat, erkennt sie, dass er noch einen schwierigen Weg vor sich hat. Sie will ihm helfen und doch stürzt sie ihn dann selbst in eine neue Krise! Die Themen sind Freundschaft, Zurückweisung, Depression, Einsamkeit. Es gibt aber auch Hoffnung auf einen Neuanfang. Man könnte denken, es wäre ein langweiliges Buch, vor allem, weil der Protagonist tatsächlich farblos ist. Man möchte den Mann wachrütteln und natürlich will man unbedingt erfahren, wieso seine Clique von damals ihn auf so erbarmungslose Weise verstoßen hat. Was ans Licht kommt ist wirklich ungeheuerlich! Im Grunde hat seine Ächtung von damals die gesamte Gruppe in Mitleidenschaft gezogen. Beim Lesen darf man die japanische Mentalität nicht vergessen. Ihre Einstellung zum Tod ist eine andere, Vergänglichkeit ist der natürliche Kreislauf des Lebens. Gefühle werden nicht gezeigt, sie zu verbergen ist eine Tugend. Niemals das Gesicht zu verlieren ist extrem wichtig! Haruki Murakami steigt mit dem Leser hinab in die verletzte Seele eines Mannes, der dem Tod gerade so noch entronnen ist. Er zeigt uns seine Gedanken und seine Träume und eine Gefühlswelt, die Tsukuru niemals einen anderen zeigen würde. Das Ende war für mich persönlich etwas unbefriedigend, aber die Geschichte selbst berührt und macht nachdenklich, in einer schönen und auch poetischen Sprache. Sie wird mich eine Weile begleiten. Eine traurige, bewegende Geschichte über Zurückweisung, Depression, Einsamkeit aber auch Hoffnung und Freundschaft. Ein einziges Erlebnis, das den jungen Menschen zu einem anderen Mann formt, als er vielleicht sonst geworden wäre. Nur den Dämonen seiner Vergangenheit zu begegnen kann sein Leben wieder Farbe und Hoffnung geben. Eine Geschichte, die nachdenklich macht.

    Mehr
  • So interessant können farblose Menschen sein

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    awogfli

    awogfli

    Tsukuru Tazaki verbindet in seiner Schul- und zu Beginn seiner Studienzeit ein sehr enges Verhältnis mit seinen fünf besten Freunden. Die zwei Mädchen und drei Jungen bilden als Gruppe das perfekt harmonische Beziehungsgeflecht. Völlig unvermittelt wird Tsukuru aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, niemand spricht mit ihm über die Gründe und keiner will ihn mehr sehen. Dieses traumatische Erlebnis führt zu einem riesengroßen Knacks in seinem Selbstbewusstsein und zum kompletten Vertrauensverlust, von dem er sich jahrelang - nein mehr als ein Jahrzehnt lang nicht mehr erholt. Erst als sich Herr Tazaki verliebt, und dieses unsägliche Jugenderlebnis droht, seine Beziehung zu sabotieren, macht er sich auf den Rat seiner Freundin auf, um die ungelöste Frage seiner Vergangenheit zu klären. Diese Reise fördert erstaunliche neue Erkenntnisse zu Tage. Schon mein erster Murakami-Roman hat mich vor Jahren regelrecht verzaubert. Ich liebe seine wundervolle Bildsprache und den Umstand, dass Realwelten, Vorstellungen, Traumwelten und mystische Welten beim Autor immer durchlässig sind, manchmal sogar sehr verwirrend nahezu verwischen. „Wie dieser Mann in der Bibel, der von einem Wal verschlungen worden war und in dessen Bauch überlebt hatte, war Tsukuru in den Magen des Todes gestürzt und hatte Tag für Tag in dessen dunkler, dumpfer Höhle verbracht. Ohne jedes Zeitgefühl. Er hatte gelebt wie ein Schlafwandler oder wie ein Toter, der noch nicht gemerkt hatte, dass er tot war.“ Dieser Roman ist aber sehr viel realistischer als manch anderer des Autors, stehen doch Beziehungen, Verletzungen, Selbsterfahrung und Freundschaften im Vordergrund. Die Geschichte hat ein langsames, gemächliches Tempo, nimmt sich aber dadurch die Zeit, die Essenz von Freundschaft und Beziehung sehr genau unter die Lupe zu nehmen. Manche mögen das als etwas langweilig und farblos bezeichnen - so wie sich Herr Tazaki ja auch selbst charakterisiert – mir gefällt es sehr gut. Lediglich mit dem Ende bin ich wie so oft nicht ganz zufrieden. Der Autor ist meiner Meinung nach ein miserabler Finisher und ich stehe einfach nicht auf lose Fäden, zahllose Handlungsstränge, in denen sich der Schriftsteller selbst verirrt hat etc. Dieses Mal hat Murakami eine neue Art gefunden, mich ein bisschen zu quälen: Er verweigert mir schlicht und ergreifend den Abschluss der Geschichte. So ein Schurke! ;-) Wer sich von einzelnen schlechten Literaturkitiken (es gab auch viele begeisterte) - z.B. von Frank Schäfer in der TAZ oder Karl Markus Gauß, den ich als Autor sehr schätze, in der NZZ abgeschreckt fühlt, die im Werk die Kombination aus Zen und Star Wars als gravitätischen Pipifax kritisieren, nur weil ein Zitat aus Star Wars als Gegenstand der Popkultur von Murakami verwendet wird, denen sei gesagt, philosophische Weisheiten müssen nicht, weil sie nicht so menschenverachtend, wirr und kompliziert wie jene von Nietzsche und Schopenhauer daherkommen, gleich auf einem Niveau von Coelho und Rosamunde Pilcher sein (sagte Gauß wortwörtlich). Das ist gemein und intellektuell sehr überheblich, alles, was nicht ganz so hochtrabend gehirnwichsend daherkommt, gleich einem Niveaulimbo sofort ganz unten an der Qualitätsskala des philosophischen Gewäschs (dort rangieren für mich persönlich tatsächlich Pilcher und Coelho) anzusiedeln - es gibt auch sehr viele Nuancen in der Mitte und exakt dort sehe ich Murakami. Philosophie, vor allem die etwas fernöstlich angehauchte, vom ZEN inspirierte, wird durch komplette Unverständlichkeit qualitativ nicht besser, muss aber auch, um einigermaßen integrierbar und verständlich zu sein, nicht auf dem Niveau von Omis Binsenweisheiten fungieren. Fazit: Für mich eine wundervolle Erzählung über Freundschaften und Beziehungen gewürzt mit einer Botschaft - meisterlich erzählt

    Mehr
    • 5
  • Herr Tazaki wird jeden abholen

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    CosmosChoco

    CosmosChoco

    20. April 2016 um 13:26

    Um ehrlich zu sein, hat mich die dicke des Buches ziemlich abgeschreckt, weil ich nicht wusste wie lange ich eigentlich daran sitzen würde. Aber nach reichlicher Überlegung habe ich mir gedacht, dass ich nix zu verlieren hätte. Das erste Buch was ich las von Murakami war Kafka am Strand, defintiv doch anderes als die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki. Aber als ich anfing es zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören. Ich musste mich selbst schon dazu zwingen abends das Buch aus der Hand zu legen und schlafen zu gehen. Ich wurde defintiv nicht enttäuscht und auf eine andere Art und Weise, als das was ich bisher las, ist dieses Buch wunderschön mit ihren Charakteren.

    Mehr
  • Sind Farben in der Freundschaft wichtig?

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    skywatcher

    skywatcher

    15. April 2016 um 14:58

    Nicht umsonst ist "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" ein SPIEGEL Bestseller, ist es doch wieder typisch für einen Murakami-Roman und somit für all die Murakami-Fans auf der Welt, zu denen ich mich seit Kurzem zähle, ein Kauf in der Buchhandlung.In dieser Geschichte beschreibt Murakami die Freundschaft von Tsukura Tazaki und seinen vier Freunden in ihrer Heimatstadt Nagoya. Auch nach seinem Umzug nach Tokio treffen ich die fünf Freunde in allen Ferien und verbringen genauso viel Zeit wir früher. Doch eines Tages geht nicht mehr ans Telefon, keiner ruft zurück und die Freunde teilen Tazaki mit, dass sie keinen Kontakt mehr wünschen...Ich habe das Buch verschlungen, beschreibt es doch auf sehr philosophische und poetische Weise ein Leben in Japan (sehr Murakami-typisch). Es zeigt verschiedene Aspekte der japanischen Kultur in ruhiger und entspannter Atmosphäre und das Einzige, worüber man sich ärgert, ist die Tatsache, dass das Buch irgendwann ausgelesen ist. Ich werde mir nach dieser Lektüre zumindest alle weiteren Murakami-Titel kaufen und einen Japan-Urlaub buchen!Einen Extrapunkt gibt es für das schöne Cover, das mich persönlich sehr anspricht.

    Mehr
  • Poetisch, leise und bewegend

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    Queenelyza

    Queenelyza

    Tsukuru Tazaki ist Mitte 30, lebt als Single in Tokio und entwirft und konstruiert Bahnhöfe. Sein Leben verläuft in gewohnten, etwas langweiligen und ausgetretenen Bahnen. Es war jedoch nicht immer so, denn als junger Mann war er Teil einer Clique von jungen Leuten, die ihr Leben, ihre Gefühle und ihre Erwartungen miteinander teilten. Doch plötzlich stellt sich die Clique gegen Tsukuru, stößt ihn aus und will mit ihm nichts mehr zu tun haben. Dies stürzt ihn in eine tiefe Krise, die ihn von Grund auf ändert und ihn fast das Leben kostet. Er flieht förmlich aus Nagoya, um Vergessen zu finden und baut sich so langsam ein neues Leben auf. Erst, als er Sara kennenlernt, die ihn drängt, dieses Geheimnis aus seiner Vergangenheit aufzuklären, fasst er den Mut, mit den alten Freunden Kontakt aufzunehmen, um herauszufinden, was passiert ist. Wird er abblitzen oder wird er endlich seinen Frieden mit den ehemaligen Weggefährten machen können? Ruhig, entspannt und geradezu poetisch erzählt Murakami von der Angst, verlassen zu werden, von Hoffnung, Liebe und Freundschaft. Von Enttäuschungen, von Wunden, die man ganz tief in sich verschließt und die doch jeden Moment wieder aufzubrechen drohen. Die Geschichte, die erzählt wird, könnte auch ins Belanglose abrutschen, wäre da nicht dieser federleichte, bewegende Stil, mit dem Murakami dieser Geschichte eine emotionale Tiefe einhaucht, die dem Leser ans Herz geht. Dieses Buch hat mich so gefesselt, dass ich einerseits immer weiterlesen wollte, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht - auf der anderen Seite war es die Art Buch, die ich am liebsten ins Unendliche gezogen hatte, um mehr davon zu haben. Das sind mir die liebsten Bücher, und auch die, die mich lange über das Lesen hinaus beschäftigen. Und ich finde durchaus nicht, dass Tsukuru Tazaki ein farbloser Held ist. Wie eigentlich alle Menschen hat er Angst davor, verletzt zu werden, jemanden zu verlieren, einsam und traurig alleine alt zu werden. Ein Mensch wie Du und ich, sensibel und filigran dargestellt von einem Autor der Extraklasse. Murakami zeigt hier, dass er nicht nur überbordende Fantasie hat, sondern auch die ganz leisen Töne beherrscht. Domo arigatou, Murakami-san!

    Mehr
    • 2
    awogfli

    awogfli

    04. April 2016 um 12:19
  • Sind Farben in der Freundschaft wichtig?

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    skywatcher

    skywatcher

    28. March 2016 um 11:41

    Nicht umsonst ist "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" ein SPIEGEL Bestseller, ist es doch wieder typisch für einen Murakami-Roman und somit für all die Murakami-Fans auf der Welt, zu denen ich mich seit Kurzem zähle, es in ihrer Buchhandlung zu kaufen.In dieser Geschichte beschreibt Murakami die Freundschaft von Tsukura Tazaki und seinen vier Freunden in ihrer Heimatstadt Nagoya. Auch nach seinem Umzug nach Tokio treffen sich die fünf Freunde in allen Ferien und verbringen genauso viel Zeit wir früher. Doch eines Tages geht niemand mehr ans Telefon, keiner ruft zurück und die Freunde teilen Tazaki mit, dass sie keinen Kontakt mehr wünschen...Ich habe das Buch verschlungen, beschreibt es doch auf sehr philosophische und poetische Weise ein Leben in Japan (sehr Murakami-typisch). Es zeigt verschiedene Aspekte der japanischen Kultur in ruhiger und entspannter Atmosphäre und das Einzige, worüber man sich ärgert, ist die Tatsache, dass das Buch irgendwann ausgelesen ist. Ich werde mir nach dieser Lektüre zumindest alle weiteren Murakami-Titel kaufen und einen Japan-Urlaub buchen!Einen Extrapunkt gibt es für das schöne Cover, das mich persönlich sehr anspricht.

    Mehr
  • Murakami ist grandios, und wird immer besser!

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    rkuehne

    rkuehne

    22. March 2016 um 10:54

    Murakami zeigt mal wieder, warum er seit Jahren zu den tollsten Autoren unserer Zeit  gehört. Ein grandioses Buch. Murakami beschreibt das Leben von Tsukuru Tazaki, der in Tokio lebt und Bahnhöfe baut und auch privat eine Passion für das Eisenbahnwesen hat. Vor allem aber trägt er eine Narbe, tief im Innern mit sich rum, seit sich seine vier besten Freunde vor 16 Jahren plötzlich und ohne Erklärung von ihm losgesagt haben. Nun, animiert von Sara, einer abermals großartigen Frauenfigur Murakamis, macht er sich auf die Suche nach dem Rätsel seiner Vergangenheit. In Murakamis Welten und Geschichten verliert man sich, ehe man sich versieht, seine Sprache und auch die der Übersetzerin Ursula Gräfe, zieht einen in seinen Bann und so war es stets bedauerlich, wenn der Pendlerzug sein Ziel erreicht hat, weil es dann wieder hieß, für mehrere Stunden Abschied von Murakami und Tsukuru nehmen zu müssen.

    Mehr
  • "Die grundlose Traurigkeit, die eine ländliche Idylle im Herzen der Menschen weckt."

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    blauerklaus

    blauerklaus

    "Vom Juli seines zweiten Jahres an der Universität bis zum Januar des folgenden Jahres dachte Tsukuru Tazaki an nichts anderes als den Tod.“ Schon dieser erste Satz bringt den Leser in die melancholische Grundstimmung, die den gesamten Roman durchzieht. Die Hauptperson des Romans erinnert sich an seine Schulzeit, in dem er und vier seiner Freunde unzertrennlich waren. Die fünf Jugendlichen, drei Jungen und zwei Mädchen, unternehmen alles gemeinsam. Sie lernen, führen Projekte durch und verbringen ihre Freizeit miteinander. Allen ist bewusst, dass es eine solche Harmonie und Freundschaft unter fünf Personen nur selten gibt und daher achten alle auch streng darauf etwaige Beziehungen, die über die reine Freundschaft hinausgehen, untereinander zu vermeiden. „Er liebte seine vier Freunde und das Gefühl von Einigkeit, wenn er mit ihnen zusammen war. Wie junge Bäume Nährstoffe aus der Erde ziehen, erhielt Tsukuru die Nahrung, die er in der Pubertät brauchte, von seinen Freunden.“ (Seite 18) Vier der Freunde tragen japanische Farbbezeichnungen in ihrem Namen: Akamatsu, die Rotkiefer; Oumi, blaues Meer; Shirane, weiße Wurzel; Kurono, schwarzes Feld. Nur Tsukuru hat keine Farbe im Namen. Sein Name bedeutet so viel wie „Macher“. Tsukuru verlässt als einziger der Fünferbande nach der Schulzeit seine Heimatstadt Nagoya um in Tokio zu studieren, besucht seine Freunde aber regelmäßig. Dann, eines Tages, brechen die Freunde ganz plötzlich jeden Kontakt zu ihm ab, lassen sich am Telefon verleugnen und erklären ihr Handeln mit keinem Wort. Dies stürzt Tsukuru in eine schwere Depression, von der er sich nur knapp erholen kann. Sechzehn Jahre später kennt Tsukuru den Grund für das Verhalten der Freunde immer noch nicht. Eines Tages lernt Tsukuru die zwei Jahre ältere Sara kennen und beide verlieben sich ineinander. Aber bevor die beiden ein richtiges Paar werden können, verlangt Sara, dass Tsukuru das von seinen Freunden gehütete Geheimnis versucht aufzuklären um die tiefe Wunde, die deren Verhalten ihm zugefügt hat, verheilen zu lassen. Sie recherchiert für ihn die heutigen Aufenthaltsorte der Freunde und Tsukuru machte sich auf seine „Pilgerreise“ um sich mit ihnen auszusprechen. Ein Mitglied der Gruppe ist inzwischen gestorben und wie er nach und nach erfährt soll er selber daran nicht ganz unschuldig sein. Mehr möchte ich vom Plot hier nicht erzählen, in meinen Augen wird aber das Rätsel am Ende des Romans nicht komplett gelöst sein. Wie so oft in Murakamis Büchern spielt die Musik eine wichtige Rolle und wer sich einen „Soundtrack“ zum Roman gönnen möchte, kann sich die titelgebenden „Pilgerjahre“ von Franz Liszt anhören. Im Roman trifft Tsukuru immer wieder auf das Stück „Le mal du pays“ aus dem ersten Jahr der Pilgerjahre. „…das ist Französisch. Allgemein heißt das so etwas wie Heimweh oder Sehnsucht, aber genau genommen ist es die grundlose Traurigkeit, die eine ländliche Idylle im Herzen der Menschen weckt. Der Ausdruck ist schwer zu übersetzen.“ (Seite 59). Auch wenn die surrealen Elemente, die die meisten Bücher von Murakami auszeichnen, hier nur sehr selten auftauchen, ist man doch schnell wieder in diesem schwer zu erklärenden „Murakami-Sog“ und man fiebert mit der Hauptperson mit, ob es ihm gelingen wird seiner verletzten Seele die so dringend benötigte Ruhe wiederzugeben. Murakamis Stil spaltet nicht nur die Meinungen der Leser sondern auch der Kritiker. Den einen sind Charaktere und Dialoge zu flach und holzschnittartig, die anderen loben hingegen gerade diese knappe, sehr leicht lesbare Schreibweise. Für mich war es eine sehr bewegende und spannende Geschichte, die einen auch nach Ende des Romans noch eine Weile beschäftigt und am Beispiel von Tsukuro Tazaki aufzeigt wie unterschiedlich Personen von sich selber und der Umwelt gesehen werden können. Für Murakami-Fans ist der Roman vermutlich sowieso Pflichtlektüre, aber auch von Murakami-Erstlesern habe ich schon begeisterte Rezensionen gelesen. Von mir daher eine große Leseempfehlung für diesen Roman. Glücklicherweise kann ich noch ein paar Romane von diesem Autor entdecken. Extra-Lob verdient der Dumont-Verlag für die sehr schöne Covergestaltung der Hardcoverausgabe mit dem schwarz-weiß bedruckten Buchdeckel und dem farbigen, teilweise transparenten, Umschlag.

    Mehr
    • 3
    buchjunkie

    buchjunkie

    18. March 2016 um 20:17
  • Fünf sind keiner zuviel

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
    YukBook

    YukBook

    14. March 2016 um 17:25

    Bahnhöfe in japanischen Großstädten sind ein Phänomen. Shinjuku in Tokio zum Beispiel zählt mit bis zu vier Millionen Passagieren täglich zu den verkehrsreichsten Bahnhöfen der Welt. Die Hauptfigur des Romans „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami ist jedenfalls derart fasziniert, dass er sogar Bahnhofsarchitektur studiert, um beim Bau mitzuwirken. Das ist aber auch so ziemlich das Einzige, wofür sich der Protagonist jemals interessiert hat. Mit 36 Jahren erzählt Tsukuru Tazaki seiner Angebeteten Sara Kimoto von seiner Schulzeit in Nagoya. Damals gehörte er zu einer unzertrennlichen Clique, bestehend aus zwei Mädchen und drei Jungen. Dabei verstand er gar nicht, was sie an ihm fanden. Er kam sich nichtssagend und farblos vor – im wahrsten Sinne des Wortes, denn die anderen vier trugen alle Farbbezeichnungen in ihren Namen. Trotzdem war es die glücklichste Zeit seines Lebens – bis zu dem Zeitpunkt, als er ganz plötzlich ohne jegliche Erklärung aus der Gruppe verstoßen wurde. Erst 16 Jahre später ermutigt ihn Sara, der Sache auf den Grund zu gehen. Tsukurus Reise in die Vergangenheit führt ihn bis nach Helsinki und zu der Erkenntnis, wie stark Selbst- und Fremdbild voneinander abweichen können. Haruki Murakami zählt zu meinen Lieblingsschriftstellern und spielt auch in diesem Roman seine besondere Stärke aus, vermeintlich gegensätzliche Welten miteinander zu verschmelzen. Aus der Sicht von Tsukuru erleben wir, wie die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Realität und Traum, zwischen vollkommener Harmonie und Zerrüttung zerfließen. Tsukurus Stimmung schwankt zwischen düsterer Todessehnsucht und heiterer Melancholie. Stets findet der Autor den perfekten Ton, um etwa die perfekte Chemie in der Clique oder Tsukurus tiefste Depression zu beschreiben. An Murakamis typischen philosophischen Exkursen und Episoden, die ans Mystische und Fantastisch-Absurde grenzen wie zum Beispiel die Frage, ob sechs Finger wohl nützlich oder eher hinderlich seien, mangelt es auch diesmal nicht. Darüber baut der Autor geschickt einen Spannungsbogen und lässt die Leser bis zum Schluss grübeln, was wohl die vermeintlich perfekte harmonische Gemeinschaft von damals entzweit hat.

    Mehr
  • weitere