Mister Aufziehvogel

von Haruki Murakami 
4,2 Sterne bei553 Bewertungen
Mister Aufziehvogel
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (440):
Antigone8s avatar

Großartiger Roman! Sprach- und bildgewaltig. Ein wirkliches Leseerlebnis.

Kritisch (30):
SophiaLaGrandes avatar

Ein episches Durcheinander mit einigen lesenswerten Murakami-Lebensphilosophien.

Alle 553 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Mister Aufziehvogel"

Ein unzufriedener Mann von 30 Jahren, gerade ohne Arbeit und von seiner tüchtigen Frau zur Selbsterforschung ermutigt, so einer ist Murakamis Held Toru Okada in diesem schillernden Roman. Wenn er fliegen kann, dann eher wie ein Spielzeugvogel, von wer weiß wem aufgezogen. Vor diesem Mister Aufziehvogel tun sich plötzlich Wirklichkeiten auf, von denen er bisher nichts ahnte. Erotische, ökonomische und politische. Unbekannte dringen zu ihm vor: eine kesse, intelligente 16-Jährige, eine Wahrsagerin, ein alter Offizier, und alle schleppen sie ihre seltsamen Geschichten in Torus stilles Haus – Geschichten, die sich als insgeheim miteinander verbunden erweisen. Selbst über die eigene Ehe, über seine scheinbar so treue Frau drängen sich dem Helden schwindelerregende Vermutungen auf.

Unter dem Alltagsleben der Großstadtgesellschaft wirken noch andere Kräfte: geheime, abgründige Begierden, die Historie mit ihren militärischen Untaten aus dem japanisch-chinesischen Krieg; vielleicht gar so Altmodisches wie das Schicksal. Haruki Murakami rührt an beunruhigende Empfindungen, die auch den Europäer am Ende des 20. Jahrhunderts umtreiben. Als dem westlichen Erleben zugewandter Erzähler schon lange international ein Geheimtip, erkundet Haruki Murakami die Seele des globalisierten Menschen. Ein Welterfolg, ein hochorigineller zeitgenössischer Roman.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832144791
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:684 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:14.06.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.02.2004 bei Deutsche Grammophon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Janine2610s avatar
    Janine2610vor einem Monat
    Kurzmeinung: Es tun sich mit steigender Seitenzahl viele Fragen auf, die bis zuletzt nicht alle beantwortet werden. Sonst super spannend & lesenswert!!
    Schräge Figuren in einer symbolträchtigen Geschichte

    Darum geht's:

    Toru Okadas Spitzname ist Mister Aufziehvogel, denn er kommt sich vor wie ein Spielzeugvogel, der von wer weiß wem aufgezogen wurde. Der verträumte Mann von 30 Jahren gibt seine Anstellung bei einer großen Tokioter Anwaltskanzlei auf, um sich in Ruhe über einen Neuanfang klar zu werden. Nach seinem Ausstieg aus der Alltagswelt tun sich ihm plötzlich Wirklichkeiten auf, von denen er bisher nichts ahnte – erotische, ökonomische und politische. Er begegnet einer kessen, intelligenten Sechzehnjährigen, einer geheimnisvollen Wahrsagerin und deren Schwester und einem alten Offizier; und alle schleppen sie ihre seltsamen Geschichten in Torus stilles Haus, Geschichten, die sich als insgeheim miteinander verbunden erweisen. Selbst über die eigene Ehe und seine scheinbar so treue Frau drängen sich dem Helden daraufhin schwindelerregende Vermutungen auf. Und er erkennt, dass unterhalb des Alltagslebens der Großstadtgesellschaft andere, geheime Kräfte wirken: abgründige Begierden, die Historie mit ihren militärischen Untaten aus dem japanisch-chinesischen Krieg und vielleicht sogar so etwas Altmodisches wie das Schicksal.

    Meine Meinung:

    Mister Aufziehvogel habe ich mit einer Bloggerkollegin in einer Leserunde gemeinsam gelesen. Für mich war es das erste (und bestimmt nicht das letzte!!) Buch von Haruki Muramaki. Schon während des Lesens habe ich mir zwei weitere Bücher des Autors zugelegt.

    Ich bin gut im Buch gelandet. Unser Protagonist Toru ist ein Mann, der seinen Job in einer Anwaltskanzlei aufgibt, um einen Neuanfang zu starten und da ich mir persönlich nichts Langweiligeres vorstellen kann, als in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten, habe ich mich schnell mit Toru angefreundet. Bei ihm merkt man allerdings schnell, dass er ein relativ passiver Mensch ist, der Vieles einfach hinnimmt, ohne zu hinterfragen. Diese Tatsache hat mich manchmal überrascht und verwirrt. Nichtsdestotrotz ist Toru mir bis zum Ende sympathisch geblieben, vor allem auch, weil er ein sehr gütiger Mensch ist, der die Fähigkeit zu verzeihen besitzt.

    Die Handlung ist am Anfang zwar wenig spektakulär, dennoch konnte sie mich fesseln. Schon zu Beginn passieren nämlich richtig schräge Dinge, die mich neugierig auf den weiteren Verlauf gemacht haben. Diese Eigenartigkeiten nehmen aber kein Ende, nein. Ganz im Gegenteil: ein Fragezeichen nach dem anderen tut sich auf. Sogar so viele, dass es mir bis zu einem gewissen Punkt zu viel wurde und ich nur mehr verständnislos vor mich hin gelesen habe. Irgendwann fragt man sich dann auch: Was ist Wirklichkeit? Was ist Fantasie? Sind einige Geschehnisse übersinnlicher Natur oder ist doch alles nur Traum? Wie darf man das Ganze verstehen?

    ~ Die Mehrzahl der Leute verwirft alles, was die Grenzen des eigenen Fassungsvermögens sprengt, als absurd und des Nachdenkens nicht wert. ~
    (S. 267)

    Livia (meine Mitleserin) und ich haben gerätselt und spekuliert, aber so recht haben wir die Handlung nicht durchschaut, hatte ich das Gefühl. Erst zum Ende hin überkamen mich einige Aha-Momente, und dann wurde mir auch so einiges klar. Aber ob die Erkenntnisse, die ich in meinen Aha-Momenten hatte, tatsächlich das sind, was Murakami uns zu verstehen geben wollte, dessen bin ich mir aber leider auch nicht ganz sicher. Ich denke jedenfalls, dass ich die Story zum Schluss im Großen und Ganzen verstanden habe. Allerdings kann mir diese Frage wahrscheinlich trotzdem nur der Autor sicher beantworten.

    Die Figuren in Mister Aufziehvogel sind allesamt mit Ecken und Kanten versehen. So haben wir hier zum Beispiel die Schwestern Malta und Kreta Kano. Die eine hat eine Vorliebe für rote Vinylhüte und versucht anderen Menschen durch ihre hellseherischen Fähigkeiten zu helfen. Die andere ist ihre Assistentin und hat die merkwürdige Angewohnheit unbemerkt aufzutauchen und zu verschwinden, nachdem oder bevor sie aus ihrem mehr als verkorksten Leben berichtet. Dann gibt es da noch Torus Frau Kumiko, die irgendwie bis zum Schluss eine der undurchsichtigsten Charktere bleibt, nicht zuletzt, weil sie sich recht bald schon aus Torus Leben vertschüsst und sehr lange ein großes Geheimnis um ihre wahren Gründe dafür macht. Außerdem spielt auch Kumikos höchst unsympathischer Bruder Noboru Wataya eine tragende Rolle in der Geschichte. Er taucht zwar nicht oft persönlich während der Handlung auf, aber dennoch ist von ihm und seinem abartigen und unerträglichen Wesen häufig die Rede. Und nicht zu vergessen: ein Kater, der verschwindet und mit einem anders geformten Schweif wieder auftaucht.
    Ihr merkt, von den Figuren her kommt hier ganz sicher keine Langeweile auf. Diese und einige andere Nebencharaktere bieten auf alle Fälle Unterhaltung der besonderen Art. ;)

    ~ In wirklich tiefer Finsternis waren die seltsamsten Dinge möglich. ~
    (S. 297)

    Aufgepeppt wurde das Ganze noch durch Erzählungen aus der Vergangenheit verschiedener Bekanntschaften Torus. Beispielsweise gab es lange Episoden über den Krieg, in denen die eine oder andere blutige und gewaltvolle Szene beschrieben wurde. Oder es wurde die damalige politische Situation erläutert – die ich allerdings wenig spannend fand und bei der ich dabei deswegen nicht so aufmerksam gelesen habe. Toru als guter Zuhörer hat sich das alles natürlich geduldig angehört und darüber nachgedacht. Da doch einige dieser Erzählungen in dem Buch vorgekommen sind, habe ich mich selbstverständlich gefragt, inwiefern diese mit der gegenwärtigen Handlung zu tun haben könnten. Leider hat sich mir bis zuletzt deren Bedeutsamkeit leider nicht (bei allen Rückblicken) erschlossen.

    Allgemein betrachtet, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ja, ein paar Fragen blieben zwar offen, aber es gab auch genug, die mir schlussendlich beantwortet wurden und mich das Buch relativ zufrieden haben zuklappen lassen. Mein Freund sagt immer wieder, dass er offene Enden mag, da diese so viel Spielraum für eigene Gedanken lassen. Ich mag das allerdings nicht so gerne, da ich fixe Tatsachen – völlig egal, ob sie nun gut oder schlecht sind – sehr schätze.

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    haberland86s avatar
    haberland86vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Sprachlich top. Inhaltlich verwirrend.
    Sprachlich top. Inhaltlich verwirrend.

    Immer wieder höre ich, wie Leserinnen und Leser weltweit in Begeisterungsstürme ausbrechen, wenn sie von den Büchern des japanischen Autors Haruki Murakami sprechen. Als mir eine Freundin vor kurzem „Mister Aufziehvogel“ empfahl, das ihr Einstieg in dessen Werk war, zögerte ich nicht und kaufte mir das Buch. Fest dazu entschlossen, mich in die Riege der Murakami-Jünger einzureihen.

    Tatsächlich trafen die ersten Kapitel, in welchen der Alltag des Helden Toru Okada beschrieben wird, meinen Geschmack. Leicht zu lesen und sprachlich trotzdem schön, zeigte sich die hervorragende Beobachtungsgabe des Autors, der jedes Detail im Umfeld seines Protagonisten äußerst präzise beschrieb.

    Bald aber wurde mir Murakamis Blick für die Details im Alltag eines arbeitslosen Anwaltsgehilfen zu viel. Zwar bringt er die Banalität und Tristesse der ständig wiederkehrenden Tätigkeiten – bügeln, waschen, kochen, einkaufen – sehr gut herüber, sie interessierten mich aber ebenso wenig, wie der Streit über Toilettenpapier und Taschentücher, den Toru mit seiner Frau Kumiko ausfechtet.

    Überraschend und interessant empfand ich lediglich die Erkenntnis, dass mir die Alltagssorgen der Okadas erschreckend bekannt vorkamen. Aus irgendeinem Grund hatte ich mir den Alltag der Japaner befremdlicher – irgendwie exotischer - vorgestellt, doch seltsamerweise kam mir alles sehr vertraut vor und ich stellte fest, dass die Japaner uns Mitteleuropäern ein ganzes Stück ähnlicher zu sein scheinen, als ich dachte.

    Dennoch gefiel mir das erste der drei Bücher des Romans ausgesprochen gut. Bis zu dem Punkt, als mit den Schwestern Malta und Kreta Kano das Übersinnliche Einzug in den Roman hält und die Realität mehr und mehr einer Traumwelt weicht. Vielleicht störte mich das nur deshalb so, weil ich es nicht erwartet hatte, aber alles in allem möchte ich innerhalb eines Romans lieber in einer Welt bleiben.

    Mit den Briefen des Leutnant Mamiya kommt eine weitere Ebene hinzu – die Geschehnisse in der ehemals japanischen Kolonie Mandschukuo während des Zweiten Weltkriegs. Ein Kapitel der Geschichte, das mir vollkommen neu war. Entsprechend interessant fand ich die Frontberichte des Leutnants, auch wenn mir die detaillierte Schilderung der grausamen russischen Foltermethoden zu viel war. Insbesondere auf die Details zur Häutung eines japanischen Gefangenen bei lebendigem Leib hätte ich gut und gerne verzichten können.

    Nicht verzichten wollen hätte ich hingegen auf die erfrischenden Szenen, die sich zwischen Toru Okada und May Kashahara abspielten. Wenn sie über Gott und die Welt reden und dabei über dies und das philosophieren, während beide voneinander lernen. Auch Mays Briefe an Toru habe ich gerne gelesen, da ich wusste – hier passiert zumindest keine Grausamkeit, es gibt immer etwas zu schmunzeln und meistens etwas zum Nachdenken.

    Am Ende bleiben auch nach über 700 – teils ziemlich langatmigen - Seiten viele Fäden offen und ich blieb ein wenig ratlos zurück, ob ich den tieferen Sinn des Buches überhaupt verstanden habe. Alles in allem kein schlechtes Buch, das mich sprachlich überzeugen konnte und inhaltlich einiges bot, letzten Endes aber irgendwie nicht so ganz meins war.

    Zumindest der erhoffte Murakami-Jünger bin ich (noch) nicht geworden. Schade.

    Die vollständige Rezension findet sich auf meinem Blog.

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    Aliras avatar
    Aliravor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Absurde Handlung in einer Traumwelt, langatmig erzählt.
    Absurde Handlung in einer Traumwelt, langatmig erzählt

    Beispiel: „Der Held“ bekommt von einem alten Mann, den er nur einige Male gesehen hat, eine leere wertlose(!) Schachtel vererbt. Für die Beschreibung des Verblichenen braucht der Autor dann aber 20 Seiten mit unaufregendem Inhalt.

    Spätestens auf Seite 266 dürfte es dann aber auch Murakami gedämmert haben, wenn er schreibt „Entschuldigen Sie bitte die Weitschweifigkeit...“. Trotzdem habe ich bis zur Hälfte des Buches – wenn auch nicht immer aufmerksam – durchgehalten, aber auf Seite 397 war endgültig Schluss.

    Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass der Autor sehr „fleißig“ ist. Bei der Frequenz seiner Bucherscheinungen in gleichbleibend guter Qualität müsste er entweder ein Genie sein, oder bestimmte Bereiche an Mitautoren auslagern. Ich werde jedenfalls bis auf Weiteres eine Haruki-Murakami-Lesepause einlegen.

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    Ullarullas avatar
    Ullarullavor 2 Jahren
    Wo bin ich hier?

    Ich bin gerade so glücklich. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt ein so wunderbares Buch gelesen habe. Vor ein paar Jahren, habe ich von Haruki Murakami versucht "Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt" zu lesen und fand es einfach nur verwirrend und scheiße. Ehrlich.

    Es ist in der zwischenzeit viel passiert mit meinem Leben und jetzt, mag ich ganz einfach seine, für einige Leute eventuell, surreal erscheinende Literatur.

    Der Aufziehvogel hat mir geholfen, mich auf den Moment zu konzentrieren. Genau das habe ich gebraucht. Die Kapitel hängen jedoch nur irgendwie lose miteinander zusammen, erscheint es mir. Klar, gibt es eine große Geschichte, die am Ende auch irgendwie aufgelöst wird, doch schon noch einiges an Interpretationsspielraum lässt.

    Ich war in einem Brunnen, einem Zoo, einem Kriegsgefangenenlager in Sibirien, in einer Gasse ohne Ein- und Ausgang, einer Perückenfabrik, einem Selbstmörderhaus und an einigen mehr oder weniger realen Orten mehr.

    Wen verwirrende Literatur nicht stört, wer sich viel Gedanken um jeden Scheiß macht und der großartige Phantasie zu schätzen weiß, dem kann ich dieses Buch nur sehr ans Herz legen. Auf jeden Fall gebe ich dem Wonderland bei Gelegenheit auch nochmal eine Chance. ;-)


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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    schwer aber wert gelesen zu werden

    Wie immer - bei Murakami - ist es schwer eine Inhaltsangabe zu machen und dabei möglichst nicht zu viel zu verraten. Wie schon andere Romane des Autors scheint es eine Art Welt neben der Welt zu geben und genau das fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

    Toru Okada ist ein recht durchschnittlicher Typ. Er ist arbeitslos und scheint ein wenig auf der Suche. Anfangs weiß weder der Leser noch er selbst wonach er eigentlich sucht. Seine Frau Kumiko findet es in Ordnung das er derzeit daheim ist, sie verdient gut und er soll schauen wie er sich seine weitere berufliche Zukunft vorstellt.

    Eigentlich könnte Toru also ein ruhiges, entspanntes Leben haben. Tja, eigentlich...Denn das hat er nicht. Merkwürdige Frauen - Malta und Kreta - treten in sein Leben und erzählen ihm zum Teil grausige Geschichten. Ein alter Mann schreibt ihm Briefe über seine Zeit im Krieg, die teils wirklich brutal sind. Ich denke, das Leser die detailiertes Kriegsgeschehen, das teils sehr brutal dargestellt ist, nicht mögen, lieber ein anderes Buch von Murakami lesen.

    Der Erzählstil erscheint teilweise etwas konfus und doch wieder schlicht in den Worten. Natürlich kennt man das vom Autoren, sofern man schon andere Bücher gelesen hat. Ich vermute aber zudem das hier einfach der Stil der Übersetzung aus der Feder von Ursula Gräfe fehlt. Es macht in meinen Augen einen großen Unterschied ob vom Original (japanisch) ins Deutsche übersetzt worden ist oder vom Original erst ins Englische und dann ins Deutsche - was hier der Fall ist. Das Buch ist surreal und hat eine Tendenz zum Thriller, wodurch es gut lesbar wurde. Mir hat das Buch gut gefallen, insbesondere der wechselnde Schreibstil. Es ist irgendwie wie ein Märchen - aber definitiv für Erwachsene.

    Fazit

    Ein schwerer Murakami der meines Erachtens nicht als erstes Buch von ihm gelesen werden sollte, da es dem Leser einiges abverlangt - noch mehr als in 1Q84. Lesenswert ja, aber mit der entsprechenden Konzentration. Kein Roman für "Kopf abschaltende Abende".

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Enttäuschend

    Da ich ein großer Fan von Haruki Murakamis Romanen "Kafka am Strand" und "Tanz mit dem Schafsmann" bin, wollte ich ein weiteres seiner mit Fantasy angereicherten Werke lesen, das hier schon ewig auf dem SUB (Stapel ungelesener Bücher) lag. Beim ersten Mal hatte ich nur 30 Seiten geschafft, wollte es aber noch einmal wissen.

    Zum Inhalt: Der 30jährige Toru Okada ist freiwillig arbeitslos, lebt mit seiner Ehefrau in einer eher lahmen Beziehung und vermisst seine Katze. Dann bekommt er einen seltsamen Anruf einer unbekannten Frau, die sich am Telefon sexuell befriedigt. Weiter geht es mit einer Bekanntschaft einer 16Jährigen, die Okada bei seiner Suche nach seiner Katze im Wohnviertel zufällig trifft und sich mit ihr anfreundet. Eine weitere fremde Frau, diesmal vermittelt durch seine Ehefrau, mit dem seltsamen Namen Malta Kano (übrigens eine Anspielung auf Inseln, die nachher noch weiter ausgereizt wird) tritt in sein Leben, die behauptet, von seinem Schwager vergewaltigt worden zu sein...

    Das alles wird in einem unglaublich unaufgeregten gelangweilten Erzähltstil wiedergegeben. Die Hauptfigur scheint so ziemlich überhaupt nichts erschüttern zu können. Ich hab dann, um nicht 765 Seiten lang enttäuscht zu werden, etwas vorgeblättert. Nunja, die Ereignisse werden interessanter, aber auch verworrener. Dazu kommt noch ein komplett anderer Erzählstrang um Erinnerungen aus dem 2. Weltkrieg. 

    Ich muss dann leider zu meiner Schande gestehen, dass ich auch ein zweites Mal das Buch nicht geschafft hab. Ich hatte das Gefühl, etwas lieblos Hingeklatschtes ohne jeglichen Zusammenhang und Gefühl zu lesen. Das bin ich aus den obigen Romanen nicht gewohnt von Murakami und daher war ich sehr enttäuscht. 

    Ein Blick auf Wikipedia deutete dann noch an, dass es möglicherweise an der Übersetzung liegen könnte, die ich vorliegen habe. Offenbar wurde selbst im "Literarischen Quartett" über die grauenhaften Übersetzungen eines Ehepaar Bandini gelästert, die nicht aus dem japanischen, sondern aus der englischen Übersetzung als Vorlage übersetzt hatten. 

    Tja, und leider ist "Mister Aufziehvogel" genau von diesem "berüchtigten" Ehepaar übersetzt worden. Es kann also sein, dass die Sprache im Original gewohnt poetisch ist, nur durch die Übersetzung kaputtgemacht wurde. Sehr sehr schade und nicht zu empfehlen.

    (Ausgabe ist: 6. Auflage, 2000, DuMont, ISBN 9783442726684)

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    tragalibross avatar
    tragalibrosvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein ruhiges Buch, dessen Handlung langsam dahin plätschert. Leider mit vielen Längen.
    Rezension zu "Mister Aufziehvogel" von Haruki Murakami

    Toru Okada steckt in einer Lebenskrise. Arbeitslos, verlassen von seiner Frau und perspektivlos.
    Während seines ziellosen Herumirrens, lernt er einige interessante Charaktere kennen und beginnt nach seinem Lebensinhalt zu suchen.

    Eine Geschichte, die im Klappentext wirklich interessant klingen mag, die es in meinen Augen aber kaum Wert ist gelesen zu werden.
    Der Schreibstil ist zwar flüssig und locker leicht, aber das Buch weist viele Längen auf.
    Die einzelnen Handlungsstränge hängen zwar entfernt miteinander zusammen, wirken in der Gesamtheit aber unglaublich wirr. An allen Ecken und Enden stößt man auf lose Fäden und viel zu häufig habe ich mich gefragt: "Und wie soll das jetzt den Protagonisten beeinflussen? Was hat diese Geschichte hier zu suchen?"

    Auch das Ende fand ich unbefriedigend und lahm.

    Dieser Roman war nur kein kompletter Reinfall, weil es ein paar spannende geschichtliche Erzählungen gab, die ich meisterhaft erzählt fand. Diese Stellen im Buch haben mich einzig und allein das Buch zu Ende lesen lassen, weil ich auf Mehr gehofft habe. Durch die übrigen Seiten musste ich mich hindurch quälen. 

     

    Daher kann ich diesem Buch nur zwei Sterne geben. Mich hat es überhaupt nicht mitgerissen.

    Kommentare: 1
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    Schnuppels avatar
    Schnuppelvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine typische Erzählung Murakamis, in der dem Protagonisten die reale Welt abhanden kommt. Spannend, poetisch, traumhaft.
    Träumerische und spannende Erzählung

    Toru Okada wird aus seiner Wirklichkeit herausgerissen und in eine Traumwelt gezogen, als sein Kater verschwindet und er von seiner Frau verlassen wird. Auf diese Reise in eine poetische, erotische, aber auch sehr brutale Welt wird der Leser mitgenommen. Die Figuren, denen Toru Okada begegnet wirken allesamt etwas merkwürdig und doch trägt jede einzelen dazu bei, dass Toru die Chance auf die Rückkehr in sein wirkliches Leben erhält. Die einzelen Erzählstränge, die Toru Okada, den Mister Aufziehvogel, mit den restlichen Figuren verbindet, hängen in irgendeiner Weise zusammen, die sich aber Toru Okada und somit auch dem Leser nicht genau erschließen lässt. Alles wird vermutet, aber nichts kann bewiesen werden.
    Das Ende jedoch unterscheidet sich meiner Meinung nach von anderen Erzählungen Murakamis dadurch, dass es  Hoffnung auf ein wirkliches und gutes Ende gibt für das auch der Protagonist so sehr gekämpft hat. So konnte ich das Buch auf der letzten Seite weniger aufgekratzt abschließen als die letzten Erzählungen.
    Es ist eine weiteres Buch Murakamis, dass man nicht aus den Händen legen will, weil es die Spannung hält und man sich in der Geschichte verlieren kann.
    Spannend ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die abwechslungsreiche Gestaltung durch Zeitungsartikel, Briefe oder auch E-Mailverkehr, was das Lesen noch schöner macht.

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    D
    DamonWildervor 5 Jahren
    Haruki Murakami: Mister Aufziehvogel

    Mein erstes Buch von Murakami hat mich gleich gebannt und gefesselt. Wenn man es über die ersten 30 Seiten hinaus schafft, möchte man dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Und wenn man es dann endlich durch hat, ist man verstört und weiß eigentlich gar nicht, was man da gerade gelesen hat.

    Marukami ist ein Meister der phantastischen Literatur und er schafft es wie kaum ein Zweiter, Spannungen aufzubauen, die nur allzu selten aufgelöst werden.

    Lesetipp für LOST-Serienzuschauer!

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    awogflis avatar
    awogflivor 6 Jahren
    Rezension zu "Mister Aufziehvogel" von Haruki Murakami

    Tja was soll ich zu diesem Roman schreiben - eine Beurteilung ist sehr schwierig. Am Einband steht eine Kritik des Spiegels "In Murakamis Büchern kann man sich wie in wunderbaren Träumen verlieren."

    Ich glaube das trifft meine Meinung ziemlich genau, aber nicht so wie es in der Kritik gemeint war, ich hab mich in diesem Buch wirklich komplett verloren. Einerseits liebe ich die Sprache Murakamis, die märchenhafte, bildhafte Fantasie des Autors und ich begebe mich sehr gerne mit auf eine lange Reise in mysteriöse fantastische Welten, wenn ich dann aber nirgendwo ankomme, dann bin ich am Ende des Buches sauer. Schlimmer als bei Kafka am Strand haben sich am Ende mehrere Erzählstränge nicht aufgeklärt, angesprochene und gemutmaßte Zusammenhänge werden nicht aufgedeckt, schändliche Taten werden nur angedeutet im Endeffekt bleibt vieles völlig ungelöst. Das mag ich gar nicht und deshalb muss ich zwei Sterne abziehen, obwohl ich ein Fan von Murakamis Märchenwelt bin. zB. Hardboiled Wonderland und Gefährliche Geliebte haben mir von der Geschichte her wesentlich besser gefallen.

    Fazit nicht sein bestes Werk, aber ganz passabel in gewohntem Stil des Autors.

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