Südlich der Grenze, westlich der Sonne

von Haruki Murakami 
4,4 Sterne bei74 Bewertungen
Südlich der Grenze, westlich der Sonne
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (66):
Ananda79s avatar

ein nicht so verrückter Murakami, aber dennoch wieder sehr bildhaft und fesselnd. hat mir sehr gefallen

Kritisch (2):
Christian_Woehls avatar

Ich habe mich wirklich bemüht aber ich finde in diesem Schreibstil einfach nicht den begnadeten Autor. Habe mich durchgequält...

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Inhaltsangabe zu "Südlich der Grenze, westlich der Sonne"

Wie eine Halluzination taucht die Kindheitsgeliebte des Barbesitzers Hajima nach Jahrzehnten wieder auf, unfassbar und geheimnisum-woben. Immer an regnerischen Abenden erscheint Shimamoto wie eine verführerische Andeutung aus einer fremden Welt und hebt das Leben des tüchtigen Geschäftmannes und Familienvaters aus den Angeln. ›Südlich der Grenze, westlich der Sonne‹ erzählt mit großer Magie vom Einbruch dämonischer Kräfte in ein Leben – und scheut dabei keine Tabus.
Als ›Gefährliche Geliebte‹ in der Übersetzung aus dem Englischen erschien, führte der Streit über die Sprache des Romans und seine Darstellung von Sexualität zur Auflösung des 'Literarischen Quartetts'. Nun wurde er zum ersten Mal direkt aus dem japanischen Original ins Deutsche übersetzt: Ursula Gräfe, die längst zur deutschen Stimme Murakamis geworden ist, legt dabei verborgene Schichten frei und enthüllt einen Roman, den wir alle zu kennen glaubten, auf aufregende Weise neu. Der ideale Zeitpunkt für neue Leser, diesen modernen Klassiker zu entdecken – und für alle, die seinem Zauber schon zuvor verfallen waren, sich neu zu verlieben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832197070
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:21.05.2013

Rezensionen und Bewertungen

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    MaternaKuhns avatar
    MaternaKuhnvor einem Monat
    Endlich ein Murakami.

    Endlich ein Murakami. 
    Was hatten wir nicht schon alles über diesen japanischen Autor gehört und gelesen. Neben einer unendlichen Liste an Auszeichnungen erhielt er 2014 den Welt-Literatur-Preis, war mehrfach Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis und trotz aller Begeisterung dennoch mitunter so polarisierend, dass ein Streit über eines seiner Bücher die partielle Auflösung des Literarischen Quartetts provozierte.
    Ein Schriftsteller, der für seine Bücher lebt, jeden Tag morgens um 4 Uhr aufsteht, um zu schreiben und den Nachmittag mit Laufen und Schwimmen verbringt, um stets fit genug fürs Schreiben zu sein.
    Sein Buch „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ war bereits im Jahr 2000 aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt worden, allerdings unter dem Titel „Gefährliche Geliebte“. 2013 wurde das Buch nochmals aus dem japanischen Original ins Deutsche übersetzt und trifft nach Aussage aller Kenner dadurch das Originalbuch in jeglicher Hinsicht besser.
    Die Story klingt auf den ersten Blick eher abgedroschen, aber es ist ja zum Glück ein Murakami! Ein junger japanischer Mann names Hajime erlebt als Teenager mit Shimamoto seine erste große Liebe, jedoch ist es eher eine schwärmerische Verliebtheit enormer Intensität ohne jede Körperlichkeit. Obwohl danach noch eine Vielzahl unterschiedlichster Beziehungen folgen (mal als schüchtern-platonische, mal als exzessive sexuelle Beziehung), ist Shimamoto immer präsent und lässt ihn sein ganzes Leben lang nicht mehr los. Selbst dann nicht, als Hajime bereits verheiratet ist, zwei Kinder hat und beruflich große Erfolge feiert. Und ganz plötzlich taucht sie nach fast 20 Jahren wieder auf.
    Was dieses Buch von anderen Werken mit ähnlicher Thematik abhebt, ist die verbale und analytische Treffsicherheit und absolut ungewöhnliche Empathie, mit denen Murakami dieses Dreiecksverhältnis zwischen der mehr als liebenswerten Ehefrau, der geheimnisumwobenen Shimamoto und dem Protagonisten Hajime darstellt. Es werden Fragen aufgeworfen, die sich mit Sicherheit schon sehr viele Leser selbst gestellt haben. Ein paar Beispiele.
    Kann man nach dem Verlust seiner absolut grössten Liebe jemals wieder eine emotional ähnlich tiefe Beziehung führen oder ist alles, was folgt, nur ein schaler Abklatsch? Kann man als Mensch in einem Zustand, das alle Kriterien des perfekten Lebens erfüllt, Leere empfinden? Sind Affären im Leben eines guten Ehemannes normal und für die familiäre Beziehungsstruktur ohne Bedeutung? Was passiert, wenn auch bei einem Mann während einer ausserehelichen Beziehung auf einmal tiefe Gefühle auftreten? Wie ändert sich die Beziehungsstruktur durch das Fremdgehen? Und was geht dabei in einem Mann vor bzw. in einem Mann mit der Persönlichkeit eines Hajime?
    Fast untypisch für einen Mann (sorry an alle Männer…) gelingt es dem Autor Haruki Murakami mit einem hohen Mass an Empathie und Emotionalität, dass wir als Leser an der Gefühlswelt von Hajime Teil haben dürfen - Schritt für Schritt, Gedanke für Gedanke, mit allen Höhen und Tiefen. Mal folgen wir mit vollem Verständnis und Mitgefühl, mal mit Unverständnis und Entrüstung. Aber muss ein gutes Buch nicht genau so sein?
    Ein Problem gibt es mit diesem herausragenden Werk letztendlich doch noch.
    Wer mit einem offenen Ende oder mit Büchern, die einem viel Interpretationsspielraum lassen, nicht umgehen kann, wird etwas unzufrieden zurück bleiben. Da erinnert „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ an ein abstraktes Gemälde. Komposition und Farben erzeugen Staunen und Bewunderung. Dass einem bei so einem Bild die konkrete Darstellung abgeht, ist verzeihlich. So ist es auch bei Murakami. Was in der Geschichte Fiktion war und weshalb die letzten Geheimnisse nicht gelüftet wurden, das zu entscheiden überlässt er seinem Leser. 
    Da wir uns bei diesem letzten Punkt nicht ganz einigen konnten, gibt es keine glatte 5-Sterne-Bewertung. Aber 4,9 ist so gut wie 5.

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    UteSeiberths avatar
    UteSeiberthvor einem Jahr
    Fesselnde japanische Liebesgeschichte

    Murakami erzählt hier die Geschichte eines erfolgreichen Geschäftsmannes und Barbesitzers,dem plötzlich wieder seine erste Geliebte  Shimamoto wie eine Hallunzination erscheint und sein Leben aus den Angeln hebt.Er kennt diese Frau seit Kindheitstagen, kann sie aber nicht vergessen und wäre auch bereit gewesen,seine Frau und die beiden Töchter,die er sehr liebt,zu verlassen um mit ihr zusammen zu sein.Für ihn ist diese Frau eine wirklich "gefährliche Geliebte",die sein Leben zerstören könnte,wenn sie wollte.Das Buch liest sich sehr spannend und schildert  eindrücklich die zerstörerischen Einflüsse dieser Frau auf sein Leben.

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    Banefuls avatar
    Banefulvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: EIn Buch zwischen Traum und Wirklichkeit!
    Ein Buch zwischen Traum und Wirklichkeit!

    Meine Meinung: Können wir bitte ganz kurz den Titel auf der Zunge zergehen lassen? Total poetisch und melanchonisch, finde ich. Das ist mein erstes Buch vom "Meister" Haruki Murakami, der, der Lieblingsautor von so vielen meiner Freunde ist. Ich habe mich von ihrem Geschwärme anstecken lassen und es nicht bereut.

    Wie genau, ich diese Leseerfahrung in Worte packen soll, weiß ich nicht genau. Dieses Buch ist so viel, es zeigt so viel auf so wenigen Seiten, mit so wenigen Worten, meisterhaft ist das perfekte Wort, um die Schreibkunst Murakamis zu beschreiben.

    Normalerweise habe ich ein Problem damit, wenn Autoren (männlich, nur um es zu unterstreichen) Bilder von mysteriösen, schönen Frauen formen und dieses Frauenbild idealisieren, ohne dem Bild eine gewisse Realität einzugestehen. Dass Murakami in diesem Buch "Männerfantasien" beschreibt, wird kritisiert, allerdings sollte der Leser eine Schicht tiefer schauen, um zu sehen, dass eigentlich die Frau den Mann lenkt.

    Dem Roman haftet eine Einsamkeit an, die den Leser stellenweise erdrücken kann. Die Isolation und Hoffnungslosigkeit, in der sich der Protagonist befindet und seine Art damit umzugehen, ist anders, vielleicht befremdlich.

    Als Leser darf man nicht vergessen, aus welchem Kulturkreis dieser Roman, der Autor, stammt. Westliche Stilmittel, Bücher, was auch immer, sind anders, das bedeutet nicht, dass sie besser sind, sondern einfach nur, dass sie anders sind. Für mich ist es wichtig, auch andere Autoren zu lesen, um so durch die Literatur eine Facette ihrer Kultur zu erfahren (nicht die Kultur wohlgemerkt). Was ich damit genau meine, werde ich an dieser Stelle nicht sagen, da es ein kleiner Spoiler wäre. Als interessierte, potentielle Leser, solltet ihr nur diese winzige Info im Hinterkopf behalten und nicht mit westlichen Maßstäben an das Buch herangehen.

    Bewertung: Der Ich-Erzähler zieht den Leser in eine surreale Welt, flimmernde Bilder, rohe Emotionen und Sätze, die durch ihre Einfachheit und Tiefe an Heikus erinnern. Einfach wundervoll. Das Buch ist irgendwo lokalisiert zwischen Traum und Wirklichkeit, genau dorthin gehört es auch. ♥♥♥♥♥ Herzchen, mehr gibt es nicht zu sagen.

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    Nespavanjes avatar
    Nespavanjevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Murakami erzählt in diesem Roman die Geschichte von Hajima, seinem Leben und seinen Beziehungen.
    Gefährliche Bücher und deren Folgen

    Murakami erzählt in diesem Roman die Geschichte von Hajima, seinem Leben und seinen Beziehungen. Besonders Shimamoto nimmt ihn durch ihre surreale Präsenz gefangen. Immer wenn es regnet, taucht sie auf und hinterlässt einen verwirrten und sexuell-begierigen Hajima.

    Als Murakamis "Gefährliche Geliebte" erschien, führte der Streit um dieses Buch zur Auflösung des literarischen Quartetts. Man hat sich wegen der dargestellten Sexualität und der Sprache, insbesondere wegen der Übersetzung, des Romans zerstritten. Die damalige Übersetzung erfolgte aus dem Englischen, diese hier erfolgt direkt aus dem Japanischen. Man war sich uneinig, welche nun eher als das Werk des Romanciers entspricht. Und nichtzuletzt war vor gut 10 Jahren, die dargestellte Sexualität noch ein kleiner Tabubruch, spätestens seit "Shades of Grey" ist dieser aber völlig akzeptabel (=Auch wenn ich an dieser Stelle die beiden Bücher in keinster Weise vergleichen möchte). Ich wäre ja neugierig, was wohl Marcel Reich Ranicki über SOG gesagt hätte; aber ich schweife ab. Die "erste" Übersetzung, hab ich mir auf den eReader geladen und bin schon gespannt, ob ich markante Unterschiede in Stil, Erzählung, Wortwahl und Handlung bemerke. Fließen doch gerade bei Übersetzungen oft die Persönlichkeit und der Charakter des oder der Übersetzer(in) mit ein. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. In diesem Fall ist, wenn man so sagen will, Ursula Gräfe der deutsche gute Geist Murakamis.Daher bin ich völlig unbefangen an "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" herangegangen. Mir hat es sehr gut gefallen. Ein typischer Murakami eben. Ich lese gerne seine Werke und was man von einem Buchhändler, im Getöse der jährlichen und zahlreichen Neuerscheinungen, nicht unbedingt erwartet, auch öfters. Wer bis auf dieses Werk noch nichts von Murakami gelesen hat, dem empfehle ich "Afterdark" und "Schlaf", wobei letzteres eine Kurzgeschichte ist, und durch tolle Zeichnungen und die Gestaltung besonders erwähnenswert ist.

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    Zen-Colas avatar
    Zen-Colavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderbarer Roman über das Gefühlsleben eines Mannes in der Midlifecrisis - neu übersetzt noch besser.
    Ein wunderbarer Roman in neuem Gewand

    Murakamis »Gefährliche Geliebte« hatte - neben dem allgemeinen Erfolg - auch noch fragwürdigere Sternstunden, als es während der Besprechung im Literarischen Quartett zu einem offenen, teilweise persönlichen Streit zwischen Reich-Ranicki und Sigrid Löffler kam. Reich-Ranicki attestierte dem Buch eine große literarische Kraft und Zartheit, während Löffler es als sprachloses Machwerk am liebsten aus dem Quartett verbannt hätte. Gerade die Sekundärübersetzung aus dem Englischen wurde kritisch gesehen und die Frage aufgeworfen, inwieweit dabei sprachliche Nuancen überhaupt noch beibehalten werden können (Murakami selbst sah das nicht so eng; ihm gehe es in erster Linie um die Inhalte, erst in zweiter Linie um die Sprache – das zumindest habe ich irgendwann mal irgendwo gelesen). Wenngleich mich bereits die Ausgabe »Gefährliche Geliebte« komplett für sich gewinnen konnte, so bin ich froh, eines meiner Lieblingsbücher nun erneut genießen zu dürfen - direkt übersetzt von Ursula Gräfe, über die wohl jeder, der sich für japanische Literatur interessiert, schon einmal gestolpert sein dürfte. Nun erscheint das Buch auch unter dem übersetzten Originaltitel: dem für die Geschichte bedeutenden Songtitel »South of the border, west of the sun«.

    Hajime ist ein Einzelkind inmitten von Familien mit mehreren Kindern, sodass er sich schon bald wie ein Fremdkörper in seiner eigenen Welt fühlt. Erst als er die leicht hinkende Shimamoto - ebenfalls Einzelkind - kennen lernt, gewinnt er in ihr eine gute Freundin; mit ihr hört er nach der Schule Jazz und Klassik, mit ihr kann er über alles sprechen. Und einmal hält er sogar ihre Hand. Als seine Familie in eine andere Stadt umzieht, verlieren sie den Kontakt.
    Jahre später ist er verheiratet, Vater zweier Töchter und Besitzer von zwei kleinen Jazzbars. Nach vielen ziellosen, verschwendeten Jahren ist er endlich an einem Punkt angekommen, an dem er eigentlich glücklich sein könnte. Dennoch fehlt ihm etwas, nie kann er Shimamoto ganz vergessen. Dann taucht sie eines Tages in seiner Bar auf ... und bietet sich an - als Sehnsucht, als Fluchtweg aus einem gleichförmigen Leben ...

    Ich selbst war schon damals vollkommen gefesselt von diesem Buch - Murakami gelingt es mit Hajime bestens, ein Leben in der Krise zu schildern, die Sehnsüchte eines Mannes, der nicht loslassen kann und sich ganz in diesen Sehnsüchten verliert. Dazu kommen die wunderbaren Schilderungen seiner Freundschaft zu Shimamoto. Meine persönlichen Lieblingsstellen sind allerdings fast schon beiläufige Nebenhandlungen: seine Jugendliebe Izumi. Selten hat mich eine kleine Liebesgeschichte auf so wenigen Seiten so fasziniert und in ihrer Tragik derartig berührt. Aber auch alle weiteren Seiten sind voll von tiefer Melancholie, Atmosphäre und - zwischendurch - recht expliziten Liebesszenen.

    In der Neuübersetzung von Ursula Gräfe behält das Buch natürlich seine Geschichte. Sprachlich dagegen hatte ich den Eindruck, dass ihre Sätze etwas sorgfältiger und zurückhaltender ausgearbeitet wurden. Die Höflichkeitsanrede »Shimamoto-san«, die in der bisherigen Ausgabe oft vorkam, wurde hier komplett weggelassen; aus der im Quartett kritisierten Stelle »Ich wollte sie bis zur Hirnerweichung vögeln« wurde »[Wir] hatten so wilden Sex, dass uns das Hirn schmolz«. Es sind also Kleinigkeiten, die dem Buch aber gut tun. Vorher war es eins meiner Lieblingsbücher - nun ist es das umso mehr.

    Letztendlich bleibt es also die gleiche wunderbare Geschichte, die hier allerdings noch etwas sorgsamer erzählt wird. Für alle, die »Gefährliche Geliebte« nicht gelesen haben, ist »Südlich der Grenze, westlich der Sonne« eine absolute Empfehlung. Für alle anderen ist es eine lohnenswerte Ergänzung.

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    Alexandra_vom_Buecherkaffees avatar
    Alexandra_vom_Buecherkaffeevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Eine faszinierende japanische Liebesgeschichte - schlicht und begeisternd! Murakami eben ...
    Eine faszinierende japanische Liebesgeschichte - schlicht und begeisternd! Murakami eben ...

    Eine Liebesgeschichte bekommt ein neues Gewand. Erstmals direkt aus dem Japanischen übersetzt!

    Klappentext
    Wie eine Halluzination taucht die Kindheitsgeliebte des Barbesitzers Hajima nach Jahrzehnten wieder auf, unfassbar und geheimnisum-woben. Immer an regnerischen Abenden erscheint Shimamoto wie eine verführerische Andeutung aus einer fremden Welt und hebt das Leben des tüchtigen Geschäftmannes und Familienvaters aus den Angeln. ›Südlich der Grenze, westlich der Sonne‹ erzählt mit großer Magie vom Einbruch dämonischer Kräfte in ein Leben – und scheut dabei keine Tabus.

    Meine Gedanken zu dem Buch:

    1999 erschien der Roman von Hakuri Murakami in englischer Sprache, wurde aus dem Englischen ein Jahr später ins Deutsche übersetzt und wurde hierzulande unter dem Titel "Gefährliche Geliebte" bekannt. Nun - 13 Jahre später - bekommt dieser Roman des Japaners Murakami ein neues Gewand. Statt "Gefährliche Geliebte" heißt er nun "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" - und zeigt nun auf, wieviel eine gute Übersetzung wert ist. Bei einer Übersetzung vom Japanischen ins Englische und von da ins Deutsche, da sind sprachliche Dispute ja schon beinahe vorprogrammiert, da leidet die Eleganz des geschriebenen Wortes. Und so löste "Gefährliche Geliebte" große Spannungen in der Literaturwelt aus und nicht zuletzt führte ein Streit über die Sprache und seine Darstellung der Sexualität sogar zur Auflösung des "Literarischen Quartetts".
    Nun legt die Übersetzerin Ursula Gräfe, die schon viele Werke japanischer Schriftsteller übersetzte, eine vollkommen neue Übersetzung direkt aus dem Japanischen vor und Haruki Murakamis großer Roman erwacht durch diese facettenreichere Übersetzung nun zu neuem Leben.
    Wer schon Romane von Murakami gelesen hat, der weiß um seinen leicht kühlen und eher etwas sachlichen Schreibstil - und genau dieser macht nun auch diesen Roman aus.
    Ich persönlich habe die erste Übersetzung damals nicht gelesen, aber die Kritiken beschimpften die alte Übersetzung als "flapsig" über "lapidar" bis hin zu "banal". Davon ist hier nichts zu merken. Murakamis Handschrift ist eindeutig erkennbar und der Stil zeigt Tiefe und Charakter.
    Erzählt wird diese Liebesgeschichte aus Sicht von Hajime in der ich-Perspektive. Er erzählt rückblickend und arbeitet sich langsam in die Gegenwart vor.
    Hajime wuchs in den Fünfziger Jahren als Einzelkind in der Nähe von Tokio auf, was zu dieser Zeit eher ungewöhnlich war. Ein Kind ohne Geschwister galt quasi als Rarität. Dies spiegelte sich auch auf sein Verhalten wider. Verwöhnt, etwas egoistisch und eher der schwächliche Typ - Eigenschaften, die sein Leben prägten. Freundschaften schloss er nur schwer, verbrachte seine Zeit lieber mit Lesen und Musik hören. Bis er Shimamoto begegnete. Shimamoto war ebenfalls ein Einzelkind und bald darauf auch seine beste Freundin. Nach der Schule lauschten sie gemeinsam der Musik und Hajime hegte unbekannte Gefühle für sie.
    Aber er verlor sie nach einem Umzug jedoch aus den Augen, woran er nicht unschuldig war. Nur vergessen konnte er sie nicht. Hajime hatte natürlich Freundinnen, trottete auf seine Eingangs genannte egoistische Weise durch das Leben, er heiratete sogar und bekam Kinder - und er erfüllte sich den großen Traum eines eigenen Jazzclubs, der sehr erfolgreich wurde. Er war glücklich. Fast. Etwas fehlte. Shimamoto.

    "Keine messbare äussere Schönheit war es also, die mich anzog, sondern etwas Absolutes, Verborgenes. Ebenso wie manche Menschen insgeheim Wolkenbrüche, Erdbeben oder Stromausfälle liebten, liebte ich diese verborgene Anziehungskraft, die das andere Geschlecht auf mich ausübte."
    Seite 45

    Und dann - viele, viele Jahre später - steht sie plötzlich in seinem Club, taucht auf wie aus dem Nichts. Und seither steht Hajimes Leben auf Kopf. Shimamoto kommt und geht, wie es ihr gefällt, sie bestimmt die Regeln und sie ist sehr geheimnisumwoben, teilt nichts über sich mit und verschwindet auch mal plötzlich auf unbestimmte Zeit. Doch immer wieder taucht sie genauso plötzlich wieder im Club auf, immer an regnerischen Abenden ...
    Als Leser fragt man sich unwillkürlich, was es mit dieser unnahbaren Shimamoto auf sich hat. Was hat sie zu verbergen, wer ist sie wirklich?
    Mich faszinierte dieser eher nüchterne Schreibstil ungemein. Es passt so hervorragend zu Hajimes Charakter, zu seiner ganzen Art, seinem Auftreten und seinem durch-das-Leben-schlittern. Hajime nimmt in seiner Erzählung kein Blatt vor den Mund, steht zu seinen Makeln und Fehlern und sieht in seinem Rückblick sein Leben selbst nüchtern an sich vorüberziehen. Nur seine Liebe zu Shimamoto zieht sich beständig durch sein Leben, scheint unendlich zu sein.
    Hajime scheint ihr verfallen.
    Und zum Schluss bleibt eine Frage: was ist Realität, was ist Fiktion und wo verschwimmt die Grenze? Vielleicht westlich der Sonne?

    Kurz & gut - mein persönliches Fazit

    Murakamis Roman begeisterte mich von den ersten Seiten an und gehört für mich definitiv zu den diesjährigen Lese-Highlights.
    Ein unvergleichlicher Schreibstil, der durch seine Schlichtheit und seine Kühle trumpft - und doch dieser faszinierenden japanischen Liebesgeschichte das i-Tüpfelchen aufsetzt. Ein Roman über die unendliche Liebe, das Leben selbst, das Vergängliche und das, was bestehen bleibt - und sei es nur in unseren Gedanken.
    Eine ganz klare Leseempfehlung!

    © Rezension: 2013, Alexandra
    buecherkaffee.blogspot.de

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    gsts avatar
    gstvor 5 Jahren
    Die männliche Sehnsucht nach der einen Frau

    Noch nie habe ich ein Buch wie dieses gelesen, in dem ein Mann sehr sensibel seine Gefühle dem weiblichen Geschlecht gegenüber beschreibt.


    Aufgewachsen als Einzelkind, was in seiner Generation (*1951) in Japan nur selten vorkam, verliebte sich Hajime bereits in der Grundschule zum ersten Mal. Shimamoto war auch Einzelkind, ein Grund für die beiden, sich von Anfang an zu verstehen. Wegen einer in jungen Jahren erlittenen Kinderlähmung hinkte sie, was ihn jedoch nicht störte. Ganz im Gegenteil, so zog sich der gemeinsame Schulweg länger hin, sie hatten mehr Zeit zusammen. Durch Shimamoto lernte Hajime Musik kennen und lieben. Nach und nach entdeckte er bisher unbekannte Gefühle – doch ehe er sie ausleben konnte, zogen seine Eltern mit ihm in einen anderen Ort. Die neue Umgebung bescherte ihm neue Menschen und eine neue Freundin, mit der er sich langsam an seine Sexualität herantastete. Zum Tragen kam sie dann mit Izumis Cousine – was Izumi in ein tiefes Loch stieß. Hajime verbrachte danach einige sehr bindungsscheue Jahre, ehe er mit dreißig heiratete, zweifacher Vater wurde und eine Bar eröffnete. Er war glücklich, bis eines Abends Shimamoto in seiner Bar auftauchte und sein Leben durcheinanderwirbelte …

    In Wikipedia kann man nachlesen: „Ein übergreifendes Thema in Murakamis Werk ist der Verlust geliebter Menschen und die oft vergebliche Suche nach ihnen.“ Dieses Buch passt genau ins Schema. Denn die Sehnsucht spielt in fast allen 15 Kapiteln eine große Rolle. Und die ist in einer so poetischen Sprache geschrieben, dass sie sich tief in mein Herz gegraben hat.

    Für mich ist Haruki Murakami eine Neuentdeckung. Gerne wäre ich allerdings noch tiefer in die japanische Kultur eingestiegen. Der ihm von Seiten traditioneller japanischer Kritiker gemachte Vorwurf zu viele „westliche Einflüsse“ in seine Werke einfließen zu lassen (siehe Wikipedia), ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber vielleicht machen gerade diese Einflüsse seine Werke für uns Westeuropäer so gut lesbar.

    Eines ist sicher: Das wird nicht mein letzter Roman von Haruki Murakami sein. Ich kann ihn nur uneingeschränkt weiterempfehlen!



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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    "Was bleibt ist die Wüste"

    Wenn man Murakami kennt und zu schätzen weiß, wird man auch dieses Buch lieben und wer Gefährliche Geliebte gelesen hat, wird die Story wieder erkennen, doch dadurch dass die Geschichte eins zu eins aus dem japanischen übersetzt wurde hat sie sich noch ein wenig verändert.
    Hajime, ein Mitdreißiger, führt ein angenehmes Leben, er hat eine Frau,zwei Kinder und zwei sehr gut laufende Bars, doch ein Mädchen aus seiner Schulzeit lässt ihn einfach nicht los, Shimamoto, das Mädchen mit dem nachhinkendem Bein und der Schönheit die sie dabei noch umgibt. Ein Umzug hat sie damals getrennt und viele Jahre haben sie nichts voneinander gehört, als sie eines Abends in eine seiner Bars auftaucht und ihn sofort wieder verzaubert.
    Er gerät in einen Sog aus Traum und Wirklichkeit und bleibt am Ende mit einem seltsamen leeren Gefühl zurück, ebenso wie der Leser.

    Mich hat die Geschichte wie schon damals "Gefährliche Geliebte" völlig in ihren Bann gezogen, Murakami schreibt wundervoll und voller Poesie, er schafft es immer wieder mich in seine Traumwelten zu entführen um mich dann am Ende mit einer bedrückenden Leere und einem gleichzeitig faszinierendem Gefühl zurückzulassen.
    Shimamoto als Person ist geheimnisvoll und schön, melancholisch und tröstend zugleich, sie kommt wenn es regnet und verschwindet wann immer es ihr passt, man fragt sich, ist sie wirklich real, wohin verschwindet sie, warum taucht sie immer an regnerischen Abenden auf und warum verlässt sie Hajime obwohl er mit ihr zusammen sein will. Alles ungeklärte Fragen die ein berauschendes lesegefühl hinterlassen.
    Auch die Nebenhandlungen sind typisch Murakami, Izumi, Hajimes frühere Freundin die er eines Tages in einem Taxi sitzen sieht und vor dessen leeren Blick er unsichtbar scheint, er scheint von seinen früheren Freundinnen verfolgt, als könne er oder sie ihn nicht loslassen.
    Murakamis Romane sind einfach traumhaft, surreal und lassen einen nicht mehr los!

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    Monika58097s avatar
    Monika58097vor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wundervoller leiser, ja fast poetischer Roman über einen Mann, der nach vielen Jahren seine Jugendliebe wiedertrifft.
    Die grosse Sehnsucht

    Der Barbesitzer Hajime lebt sein Leben. Er ist verheiratet, hat 2 Kinder und nennt zwei erfolgreiche Jazz-Clubs sein Eigen. Eigentlich ist er glücklich, eigentlich ist er erfolgreich. Doch dann erscheint Shimamoto und stellt sein Leben auf den Kopf. Shimamoto, die er schon als Kind gekannt und geliebt hat. Shimamoto, die ihn an seine Kindheit erinnert. An die Kindheit, in der er ein Einzelgänger war und vor allen Dingen ein Einzelkind. Alle anderen Kinder hatten Geschwister, nur Hajime war allein. Dann kommt Shimamoto, auch ein Einzelkind, auch so allein wie er. Die beiden sind unzertrennlich, hegen bereits Gefühle füreinander, sind sich dessen aber noch gar nicht so bewusst. Dann zieht Hajime mit seinen Eltern weg. Die beiden sehen sich nicht mehr. Viele, viele Jahre später erscheint dann Shimamoto in Hajimes Bar. Auf einmal verspürt Hajime eine Sehnsucht, die er so noch nicht erlebt hat. Er liebt seine Frau und seine Kinder, doch mit Shimamoto ist es etwas anderes. Sie ist geheimnisvoll. Ihr Auftreten hat etwas Mysteriöses an sich, erscheint sie doch immer nur, wenn es regnet. Hajime und Shimamoto fangen an, sich regelmässig zu treffen. Nichts passiert. Sie gehen spazieren, sie gehen ins Theater. Hajime wird regelrecht in einen Sog der Gefühle hinein gezogen. Eines Tages fahren die beiden in Hajimes Ferienhaus und endlich, ja, endlich, finden die beiden richtig zueinander, doch hat diese Liebe eine Chance? Und was wird aus Hajimes Familie? Ich habe ganz oft gelesen, dass dieser Roman - vor Jahren erschienen unter dem Titel "Gefährliche Geliebte" ein Skandalbuch sein soll. Ich kann dieses Urteil überhaupt nicht nachvollziehen. "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" ist ein sehr feinfühliger Roman, ein sehr leiser Roman, fast schon poetisch kommt er daher. Haruki Murakami versteht es, den Leser mit seiner einfühlsamen Sprache zu fesseln. Skandalös? Nein. Dämonische Kräfte - wie auf dem Buchrücken beschrieben? Nein. Eine wunderschöne Geschichte um einen Mann, der alles hat und nach vielen Jahren seine Jugendliebe wiedertrifft. Ein Roman, eine Geschichte, mit der ich mich sehr wohl gefühlt habe.

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    rumble-bees avatar
    rumble-beevor 5 Jahren
    Fast ein "neues" Buch

    Für mich als Fan von Murakami, und insbesondere als begeisterter Leserin der "Gefährlichen Geliebten", ist es natürlich schwer, eine Rezension zur Neu-Übersetzung zu verfassen. Denn was soll ich nun bewerten - die Handlung, oder die Sprache? Das neue Buch im Vergleich zum alten?

    Kurz gefasst, kann ich nur sagen, dass es sich beim Lesen tatsächlich anfühlte wie ein anderes, ein "neues" Buch. Obwohl ich die Handlung zu kennen glaubte, und mich an das Meiste erinnerte, habe ich doch einen neuen Bezug zu diesem Buch bekommen.

    Ich fand schon damals das psychische Porträt eines Mannes im mittleren Alter sehr faszinierend und glaubwürdig. Durch die Neu-Übersetzung ist jedoch eine ganz andere Feinfühligkeit und Vielschichtigkeit hinzugekommen. Der Held Hajime scheint mir nun nicht mehr nur "getrieben", sei es von Erinnerungen, Trieben oder Träumen - nein, er liebt Shimamoto wirklich, und zwar schon seit damals, seit ihrer Kindheit! Mir wurde erschreckend klar, dass dieser Mensch im Wesentlichen zu bedauern ist - weil er sich selbst teilweise "verpasst" hat.

    Die Liebesszenen haben natürlich ganz besonders von der Neufassung profitiert. Sie sind einerseits sehr japanisch, weil unaufgeregt und wenig reißerisch. Und andererseits sprachlich klar und gerade gehalten, wunderbar einfühlsam. Sie fühlen sich "logisch" an, unvermeidlich.

    Am allerbesten finde ich natürlich den neuen Titel des Buches, der eine 1:1 Übertragung des Originals ist. Wunderbar! Gemeint ist ein alter Jazz-Klassiker von Nat King Cole, in dem er - wie könnte es auch anders sein - Sehnsucht und Weite besingt. Das passt auf diese Buch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Wohingegen ja der "alte" Titel sozusagen allein der Frau, Shimamoto, die "Schuld gegeben" hat.

    Ich hoffe von Herzen, dass Frau Sigrid Löffler diese Neufassung lesen wird. Sie war es ja damals, die durch ihren Verriss einerseits das Literarische Quartett sprengte, und andererseits wohl - unabsichtlich - dem Buch zu einer guten Portion Propaganda verhalf. Heute wird sie aber beim besten Willen nicht mehr behaupten können, es handle sich um "literarisches Fast Food"!

    Einziger Nachteil, wie auch schon eine andere, liebe Leserin bemerkte: es fehlt ein Lesebändchen. Das hätte ich bei der ansonsten rundum liebevollen und hochwertigen Gestaltung dieses Bandes erwartet. Ansonsten gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung, sowohl für alte, als auch neue Leser. Auch und gerade für Murakami-Einsteiger - diese Fassung ist sehr sensibel.

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