Haruki Murakami Südlich der Grenze, westlich der Sonne

(65)

Lovelybooks Bewertung

  • 64 Bibliotheken
  • 4 Follower
  • 1 Leser
  • 11 Rezensionen
(38)
(19)
(6)
(2)
(0)

Inhaltsangabe zu „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ von Haruki Murakami

Wie eine Halluzination taucht die Kindheitsgeliebte des Barbesitzers Hajima nach Jahrzehnten wieder auf, unfassbar und geheimnisum-woben. Immer an regnerischen Abenden erscheint Shimamoto wie eine verführerische Andeutung aus einer fremden Welt und hebt das Leben des tüchtigen Geschäftmannes und Familienvaters aus den Angeln. ›Südlich der Grenze, westlich der Sonne‹ erzählt mit großer Magie vom Einbruch dämonischer Kräfte in ein Leben – und scheut dabei keine Tabus. Als ›Gefährliche Geliebte‹ in der Übersetzung aus dem Englischen erschien, führte der Streit über die Sprache des Romans und seine Darstellung von Sexualität zur Auflösung des 'Literarischen Quartetts'. Nun wurde er zum ersten Mal direkt aus dem japanischen Original ins Deutsche übersetzt: Ursula Gräfe, die längst zur deutschen Stimme Murakamis geworden ist, legt dabei verborgene Schichten frei und enthüllt einen Roman, den wir alle zu kennen glaubten, auf aufregende Weise neu. Der ideale Zeitpunkt für neue Leser, diesen modernen Klassiker zu entdecken – und für alle, die seinem Zauber schon zuvor verfallen waren, sich neu zu verlieben.

Ich habe mich wirklich bemüht aber ich finde in diesem Schreibstil einfach nicht den begnadeten Autor. Habe mich durchgequält...

— Christian_Woehl
Christian_Woehl

ein nicht so verrückter Murakami, aber dennoch wieder sehr bildhaft und fesselnd. hat mir sehr gefallen

— Ananda79
Ananda79

EIn Buch zwischen Traum und Wirklichkeit!

— Baneful
Baneful

Nur Murakami kann so sanft-melancholisch über die Liebe schreiben.

— Poesiesoso
Poesiesoso

Murakami erzählt in diesem Roman die Geschichte von Hajima, seinem Leben und seinen Beziehungen.

— Nespavanje
Nespavanje

Ein Murakami ohne phantastische Welten und trotzdem sehr schön zu lesen. Kurzweilig und Empfehlenswert

— buchhase
buchhase

Ein wunderbarer Roman über das Gefühlsleben eines Mannes in der Midlifecrisis - neu übersetzt noch besser.

— Zen-Cola
Zen-Cola

Eine faszinierende japanische Liebesgeschichte - schlicht und begeisternd! Murakami eben ...

— Alexandra_vom_Buecherkaffee
Alexandra_vom_Buecherkaffee

Schön, schlicht, fesselnd ....eine Liebesgeschichte und doch mehr. Genussvolles Spiel mit der Realität.

— thursdaynext
thursdaynext

Ein wundervoller leiser, ja fast poetischer Roman über einen Mann, der nach vielen Jahren seine Jugendliebe wiedertrifft.

— Monika58097
Monika58097

Stöbern in Romane

Wer hier schlief

Philipp verlässt sein durchschnittliches Leben für Myriam. Doch es kommt ganz anders. Statt mit ihr aufzusteigen fällt er, und fällt er...

Buchstabenliebhaberin

QualityLand

Verrückt und schwarzhumorig. Mit schrulligen Charakteren und einer leicht bedrückenden Stimmung, die trotzdem skurril-komisch ist.

Mlle-Facette

Britt-Marie war hier

Ein echter Backman

Engelmel

Zeit der Schwalben

Emotionaler Familienroman mit traurigem Happy End

Nadine_Teuber

Zartbitter ist das Glück

Eine tiefgründige und zartbittere Geschichte um fünf Frauen, die den Mut aufbringen nochmals neu anzufangen

tinstamp

Kukolka

Erschütternd, schockierend, berührend und grandios erzählt. Ein gelungenes Debüt und ein Lesehightligh 2017!

Seehase1977

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Fesselnde japanische Liebesgeschichte

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    22. April 2017 um 13:25

    Murakami erzählt hier die Geschichte eines erfolgreichen Geschäftsmannes und Barbesitzers,dem plötzlich wieder seine erste Geliebte  Shimamoto wie eine Hallunzination erscheint und sein Leben aus den Angeln hebt.Er kennt diese Frau seit Kindheitstagen, kann sie aber nicht vergessen und wäre auch bereit gewesen,seine Frau und die beiden Töchter,die er sehr liebt,zu verlassen um mit ihr zusammen zu sein.Für ihn ist diese Frau eine wirklich "gefährliche Geliebte",die sein Leben zerstören könnte,wenn sie wollte.Das Buch liest sich sehr spannend und schildert  eindrücklich die zerstörerischen Einflüsse dieser Frau auf sein Leben.

    Mehr
  • Ein Buch zwischen Traum und Wirklichkeit!

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    Baneful

    Baneful

    15. October 2015 um 13:01

    Meine Meinung: Können wir bitte ganz kurz den Titel auf der Zunge zergehen lassen? Total poetisch und melanchonisch, finde ich. Das ist mein erstes Buch vom "Meister" Haruki Murakami, der, der Lieblingsautor von so vielen meiner Freunde ist. Ich habe mich von ihrem Geschwärme anstecken lassen und es nicht bereut. Wie genau, ich diese Leseerfahrung in Worte packen soll, weiß ich nicht genau. Dieses Buch ist so viel, es zeigt so viel auf so wenigen Seiten, mit so wenigen Worten, meisterhaft ist das perfekte Wort, um die Schreibkunst Murakamis zu beschreiben. Normalerweise habe ich ein Problem damit, wenn Autoren (männlich, nur um es zu unterstreichen) Bilder von mysteriösen, schönen Frauen formen und dieses Frauenbild idealisieren, ohne dem Bild eine gewisse Realität einzugestehen. Dass Murakami in diesem Buch "Männerfantasien" beschreibt, wird kritisiert, allerdings sollte der Leser eine Schicht tiefer schauen, um zu sehen, dass eigentlich die Frau den Mann lenkt. Dem Roman haftet eine Einsamkeit an, die den Leser stellenweise erdrücken kann. Die Isolation und Hoffnungslosigkeit, in der sich der Protagonist befindet und seine Art damit umzugehen, ist anders, vielleicht befremdlich. Als Leser darf man nicht vergessen, aus welchem Kulturkreis dieser Roman, der Autor, stammt. Westliche Stilmittel, Bücher, was auch immer, sind anders, das bedeutet nicht, dass sie besser sind, sondern einfach nur, dass sie anders sind. Für mich ist es wichtig, auch andere Autoren zu lesen, um so durch die Literatur eine Facette ihrer Kultur zu erfahren (nicht die Kultur wohlgemerkt). Was ich damit genau meine, werde ich an dieser Stelle nicht sagen, da es ein kleiner Spoiler wäre. Als interessierte, potentielle Leser, solltet ihr nur diese winzige Info im Hinterkopf behalten und nicht mit westlichen Maßstäben an das Buch herangehen. Bewertung: Der Ich-Erzähler zieht den Leser in eine surreale Welt, flimmernde Bilder, rohe Emotionen und Sätze, die durch ihre Einfachheit und Tiefe an Heikus erinnern. Einfach wundervoll. Das Buch ist irgendwo lokalisiert zwischen Traum und Wirklichkeit, genau dorthin gehört es auch. ♥♥♥♥♥ Herzchen, mehr gibt es nicht zu sagen.

    Mehr
  • Gefährliche Bücher und deren Folgen

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    Nespavanje

    Nespavanje

    16. July 2015 um 11:56

    Murakami erzählt in diesem Roman die Geschichte von Hajima, seinem Leben und seinen Beziehungen. Besonders Shimamoto nimmt ihn durch ihre surreale Präsenz gefangen. Immer wenn es regnet, taucht sie auf und hinterlässt einen verwirrten und sexuell-begierigen Hajima. Als Murakamis "Gefährliche Geliebte" erschien, führte der Streit um dieses Buch zur Auflösung des literarischen Quartetts. Man hat sich wegen der dargestellten Sexualität und der Sprache, insbesondere wegen der Übersetzung, des Romans zerstritten. Die damalige Übersetzung erfolgte aus dem Englischen, diese hier erfolgt direkt aus dem Japanischen. Man war sich uneinig, welche nun eher als das Werk des Romanciers entspricht. Und nichtzuletzt war vor gut 10 Jahren, die dargestellte Sexualität noch ein kleiner Tabubruch, spätestens seit "Shades of Grey" ist dieser aber völlig akzeptabel (=Auch wenn ich an dieser Stelle die beiden Bücher in keinster Weise vergleichen möchte). Ich wäre ja neugierig, was wohl Marcel Reich Ranicki über SOG gesagt hätte; aber ich schweife ab. Die "erste" Übersetzung, hab ich mir auf den eReader geladen und bin schon gespannt, ob ich markante Unterschiede in Stil, Erzählung, Wortwahl und Handlung bemerke. Fließen doch gerade bei Übersetzungen oft die Persönlichkeit und der Charakter des oder der Übersetzer(in) mit ein. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. In diesem Fall ist, wenn man so sagen will, Ursula Gräfe der deutsche gute Geist Murakamis.Daher bin ich völlig unbefangen an "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" herangegangen. Mir hat es sehr gut gefallen. Ein typischer Murakami eben. Ich lese gerne seine Werke und was man von einem Buchhändler, im Getöse der jährlichen und zahlreichen Neuerscheinungen, nicht unbedingt erwartet, auch öfters. Wer bis auf dieses Werk noch nichts von Murakami gelesen hat, dem empfehle ich "Afterdark" und "Schlaf", wobei letzteres eine Kurzgeschichte ist, und durch tolle Zeichnungen und die Gestaltung besonders erwähnenswert ist.

    Mehr
  • Die männliche Sehnsucht nach der einen Frau

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    gst

    gst

    Noch nie habe ich ein Buch wie dieses gelesen, in dem ein Mann sehr sensibel seine Gefühle dem weiblichen Geschlecht gegenüber beschreibt. Aufgewachsen als Einzelkind, was in seiner Generation (*1951) in Japan nur selten vorkam, verliebte sich Hajime bereits in der Grundschule zum ersten Mal. Shimamoto war auch Einzelkind, ein Grund für die beiden, sich von Anfang an zu verstehen. Wegen einer in jungen Jahren erlittenen Kinderlähmung hinkte sie, was ihn jedoch nicht störte. Ganz im Gegenteil, so zog sich der gemeinsame Schulweg länger hin, sie hatten mehr Zeit zusammen. Durch Shimamoto lernte Hajime Musik kennen und lieben. Nach und nach entdeckte er bisher unbekannte Gefühle – doch ehe er sie ausleben konnte, zogen seine Eltern mit ihm in einen anderen Ort. Die neue Umgebung bescherte ihm neue Menschen und eine neue Freundin, mit der er sich langsam an seine Sexualität herantastete. Zum Tragen kam sie dann mit Izumis Cousine – was Izumi in ein tiefes Loch stieß. Hajime verbrachte danach einige sehr bindungsscheue Jahre, ehe er mit dreißig heiratete, zweifacher Vater wurde und eine Bar eröffnete. Er war glücklich, bis eines Abends Shimamoto in seiner Bar auftauchte und sein Leben durcheinanderwirbelte … In Wikipedia kann man nachlesen: „Ein übergreifendes Thema in Murakamis Werk ist der Verlust geliebter Menschen und die oft vergebliche Suche nach ihnen.“ Dieses Buch passt genau ins Schema. Denn die Sehnsucht spielt in fast allen 15 Kapiteln eine große Rolle. Und die ist in einer so poetischen Sprache geschrieben, dass sie sich tief in mein Herz gegraben hat. Für mich ist Haruki Murakami eine Neuentdeckung. Gerne wäre ich allerdings noch tiefer in die japanische Kultur eingestiegen. Der ihm von Seiten traditioneller japanischer Kritiker gemachte Vorwurf zu viele „westliche Einflüsse“ in seine Werke einfließen zu lassen (siehe Wikipedia), ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber vielleicht machen gerade diese Einflüsse seine Werke für uns Westeuropäer so gut lesbar. Eines ist sicher: Das wird nicht mein letzter Roman von Haruki Murakami sein. Ich kann ihn nur uneingeschränkt weiterempfehlen!

    Mehr
    • 2
    The iron butterfly

    The iron butterfly

    20. October 2014 um 20:38
  • Ein wunderbarer Roman in neuem Gewand

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    Zen-Cola

    Zen-Cola

    04. October 2014 um 04:05

    Murakamis »Gefährliche Geliebte« hatte - neben dem allgemeinen Erfolg - auch noch fragwürdigere Sternstunden, als es während der Besprechung im Literarischen Quartett zu einem offenen, teilweise persönlichen Streit zwischen Reich-Ranicki und Sigrid Löffler kam. Reich-Ranicki attestierte dem Buch eine große literarische Kraft und Zartheit, während Löffler es als sprachloses Machwerk am liebsten aus dem Quartett verbannt hätte. Gerade die Sekundärübersetzung aus dem Englischen wurde kritisch gesehen und die Frage aufgeworfen, inwieweit dabei sprachliche Nuancen überhaupt noch beibehalten werden können (Murakami selbst sah das nicht so eng; ihm gehe es in erster Linie um die Inhalte, erst in zweiter Linie um die Sprache – das zumindest habe ich irgendwann mal irgendwo gelesen). Wenngleich mich bereits die Ausgabe »Gefährliche Geliebte« komplett für sich gewinnen konnte, so bin ich froh, eines meiner Lieblingsbücher nun erneut genießen zu dürfen - direkt übersetzt von Ursula Gräfe, über die wohl jeder, der sich für japanische Literatur interessiert, schon einmal gestolpert sein dürfte. Nun erscheint das Buch auch unter dem übersetzten Originaltitel: dem für die Geschichte bedeutenden Songtitel »South of the border, west of the sun«. Hajime ist ein Einzelkind inmitten von Familien mit mehreren Kindern, sodass er sich schon bald wie ein Fremdkörper in seiner eigenen Welt fühlt. Erst als er die leicht hinkende Shimamoto - ebenfalls Einzelkind - kennen lernt, gewinnt er in ihr eine gute Freundin; mit ihr hört er nach der Schule Jazz und Klassik, mit ihr kann er über alles sprechen. Und einmal hält er sogar ihre Hand. Als seine Familie in eine andere Stadt umzieht, verlieren sie den Kontakt. Jahre später ist er verheiratet, Vater zweier Töchter und Besitzer von zwei kleinen Jazzbars. Nach vielen ziellosen, verschwendeten Jahren ist er endlich an einem Punkt angekommen, an dem er eigentlich glücklich sein könnte. Dennoch fehlt ihm etwas, nie kann er Shimamoto ganz vergessen. Dann taucht sie eines Tages in seiner Bar auf ... und bietet sich an - als Sehnsucht, als Fluchtweg aus einem gleichförmigen Leben ... Ich selbst war schon damals vollkommen gefesselt von diesem Buch - Murakami gelingt es mit Hajime bestens, ein Leben in der Krise zu schildern, die Sehnsüchte eines Mannes, der nicht loslassen kann und sich ganz in diesen Sehnsüchten verliert. Dazu kommen die wunderbaren Schilderungen seiner Freundschaft zu Shimamoto. Meine persönlichen Lieblingsstellen sind allerdings fast schon beiläufige Nebenhandlungen: seine Jugendliebe Izumi. Selten hat mich eine kleine Liebesgeschichte auf so wenigen Seiten so fasziniert und in ihrer Tragik derartig berührt. Aber auch alle weiteren Seiten sind voll von tiefer Melancholie, Atmosphäre und - zwischendurch - recht expliziten Liebesszenen. In der Neuübersetzung von Ursula Gräfe behält das Buch natürlich seine Geschichte. Sprachlich dagegen hatte ich den Eindruck, dass ihre Sätze etwas sorgfältiger und zurückhaltender ausgearbeitet wurden. Die Höflichkeitsanrede »Shimamoto-san«, die in der bisherigen Ausgabe oft vorkam, wurde hier komplett weggelassen; aus der im Quartett kritisierten Stelle »Ich wollte sie bis zur Hirnerweichung vögeln« wurde »[Wir] hatten so wilden Sex, dass uns das Hirn schmolz«. Es sind also Kleinigkeiten, die dem Buch aber gut tun. Vorher war es eins meiner Lieblingsbücher - nun ist es das umso mehr. Letztendlich bleibt es also die gleiche wunderbare Geschichte, die hier allerdings noch etwas sorgsamer erzählt wird. Für alle, die »Gefährliche Geliebte« nicht gelesen haben, ist »Südlich der Grenze, westlich der Sonne« eine absolute Empfehlung. Für alle anderen ist es eine lohnenswerte Ergänzung.

    Mehr
  • Eine faszinierende japanische Liebesgeschichte - schlicht und begeisternd! Murakami eben ...

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    Alexandra_vom_Buecherkaffee

    Alexandra_vom_Buecherkaffee

    16. October 2013 um 14:22

    Eine Liebesgeschichte bekommt ein neues Gewand. Erstmals direkt aus dem Japanischen übersetzt! Klappentext Wie eine Halluzination taucht die Kindheitsgeliebte des Barbesitzers Hajima nach Jahrzehnten wieder auf, unfassbar und geheimnisum-woben. Immer an regnerischen Abenden erscheint Shimamoto wie eine verführerische Andeutung aus einer fremden Welt und hebt das Leben des tüchtigen Geschäftmannes und Familienvaters aus den Angeln. ›Südlich der Grenze, westlich der Sonne‹ erzählt mit großer Magie vom Einbruch dämonischer Kräfte in ein Leben – und scheut dabei keine Tabus. Meine Gedanken zu dem Buch: 1999 erschien der Roman von Hakuri Murakami in englischer Sprache, wurde aus dem Englischen ein Jahr später ins Deutsche übersetzt und wurde hierzulande unter dem Titel "Gefährliche Geliebte" bekannt. Nun - 13 Jahre später - bekommt dieser Roman des Japaners Murakami ein neues Gewand. Statt "Gefährliche Geliebte" heißt er nun "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" - und zeigt nun auf, wieviel eine gute Übersetzung wert ist. Bei einer Übersetzung vom Japanischen ins Englische und von da ins Deutsche, da sind sprachliche Dispute ja schon beinahe vorprogrammiert, da leidet die Eleganz des geschriebenen Wortes. Und so löste "Gefährliche Geliebte" große Spannungen in der Literaturwelt aus und nicht zuletzt führte ein Streit über die Sprache und seine Darstellung der Sexualität sogar zur Auflösung des "Literarischen Quartetts". Nun legt die Übersetzerin Ursula Gräfe, die schon viele Werke japanischer Schriftsteller übersetzte, eine vollkommen neue Übersetzung direkt aus dem Japanischen vor und Haruki Murakamis großer Roman erwacht durch diese facettenreichere Übersetzung nun zu neuem Leben. Wer schon Romane von Murakami gelesen hat, der weiß um seinen leicht kühlen und eher etwas sachlichen Schreibstil - und genau dieser macht nun auch diesen Roman aus. Ich persönlich habe die erste Übersetzung damals nicht gelesen, aber die Kritiken beschimpften die alte Übersetzung als "flapsig" über "lapidar" bis hin zu "banal". Davon ist hier nichts zu merken. Murakamis Handschrift ist eindeutig erkennbar und der Stil zeigt Tiefe und Charakter. Erzählt wird diese Liebesgeschichte aus Sicht von Hajime in der ich-Perspektive. Er erzählt rückblickend und arbeitet sich langsam in die Gegenwart vor. Hajime wuchs in den Fünfziger Jahren als Einzelkind in der Nähe von Tokio auf, was zu dieser Zeit eher ungewöhnlich war. Ein Kind ohne Geschwister galt quasi als Rarität. Dies spiegelte sich auch auf sein Verhalten wider. Verwöhnt, etwas egoistisch und eher der schwächliche Typ - Eigenschaften, die sein Leben prägten. Freundschaften schloss er nur schwer, verbrachte seine Zeit lieber mit Lesen und Musik hören. Bis er Shimamoto begegnete. Shimamoto war ebenfalls ein Einzelkind und bald darauf auch seine beste Freundin. Nach der Schule lauschten sie gemeinsam der Musik und Hajime hegte unbekannte Gefühle für sie. Aber er verlor sie nach einem Umzug jedoch aus den Augen, woran er nicht unschuldig war. Nur vergessen konnte er sie nicht. Hajime hatte natürlich Freundinnen, trottete auf seine Eingangs genannte egoistische Weise durch das Leben, er heiratete sogar und bekam Kinder - und er erfüllte sich den großen Traum eines eigenen Jazzclubs, der sehr erfolgreich wurde. Er war glücklich. Fast. Etwas fehlte. Shimamoto. "Keine messbare äussere Schönheit war es also, die mich anzog, sondern etwas Absolutes, Verborgenes. Ebenso wie manche Menschen insgeheim Wolkenbrüche, Erdbeben oder Stromausfälle liebten, liebte ich diese verborgene Anziehungskraft, die das andere Geschlecht auf mich ausübte." Seite 45 Und dann - viele, viele Jahre später - steht sie plötzlich in seinem Club, taucht auf wie aus dem Nichts. Und seither steht Hajimes Leben auf Kopf. Shimamoto kommt und geht, wie es ihr gefällt, sie bestimmt die Regeln und sie ist sehr geheimnisumwoben, teilt nichts über sich mit und verschwindet auch mal plötzlich auf unbestimmte Zeit. Doch immer wieder taucht sie genauso plötzlich wieder im Club auf, immer an regnerischen Abenden ... Als Leser fragt man sich unwillkürlich, was es mit dieser unnahbaren Shimamoto auf sich hat. Was hat sie zu verbergen, wer ist sie wirklich? Mich faszinierte dieser eher nüchterne Schreibstil ungemein. Es passt so hervorragend zu Hajimes Charakter, zu seiner ganzen Art, seinem Auftreten und seinem durch-das-Leben-schlittern. Hajime nimmt in seiner Erzählung kein Blatt vor den Mund, steht zu seinen Makeln und Fehlern und sieht in seinem Rückblick sein Leben selbst nüchtern an sich vorüberziehen. Nur seine Liebe zu Shimamoto zieht sich beständig durch sein Leben, scheint unendlich zu sein. Hajime scheint ihr verfallen. Und zum Schluss bleibt eine Frage: was ist Realität, was ist Fiktion und wo verschwimmt die Grenze? Vielleicht westlich der Sonne? Kurz & gut - mein persönliches Fazit Murakamis Roman begeisterte mich von den ersten Seiten an und gehört für mich definitiv zu den diesjährigen Lese-Highlights. Ein unvergleichlicher Schreibstil, der durch seine Schlichtheit und seine Kühle trumpft - und doch dieser faszinierenden japanischen Liebesgeschichte das i-Tüpfelchen aufsetzt. Ein Roman über die unendliche Liebe, das Leben selbst, das Vergängliche und das, was bestehen bleibt - und sei es nur in unseren Gedanken. Eine ganz klare Leseempfehlung! © Rezension: 2013, Alexandra buecherkaffee.blogspot.de

    Mehr
  • Auf der Sucher

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    capkirki

    capkirki

    “Ich komme zu dir, oder ich komme nicht. Wenn ich komme, bin ich hier. Wenn ich nicht komme, bin ich woanders.” “Gibt es da keinen Mittelweg?” “Nein”, sagte sie. “Denn dort existieren keine mittleren Dinge. Und wo nichts Mittleres existiert, gibt es auch keinen Mittelweg”, sage ich. “Genau.” Murakamis “Südlich der Grenze, westlich der Sonne” erschien Anfang der 90er Jahre schon einmal, allerdings unter einem anderen Titel: “Gefährliche Geliebte”. Damals wurde es aus dem Japanischen ins Englische und aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Diese Ausgabe jetzt ist direkt aus dem Japanischen übersetzt worden und ich habe das Gefühl, es ist ein ganz anderes Buch geworden, vielschichtiger und tiefer gehend. Wer früher gern das “Literarische Quartett” gesehen hat, wird sich vielleicht an den großen Krach zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler erinnern, der Streit, an dem das Quartett letztendlich zerbrochen ist. Der Grund war nichts anderes als die “Gefährliche Geliebte” – für Löffler, “literarisches Fastfood”, für das sie am liebsten einen “Platzverweis” aussprechen wollte, ein sprachloses Buch, das es nicht wert sei, gelesen zu werden. Vor allem die erotischen Szenen fand sie indiskutabel. Reich-Ranicki hielt ihr die Zartheit des Buches entgegen und beschuldigte sie, generell ein Problem mit Erotik und Liebe in Bücher zu haben. Das war das Ende dieser großartigen Sendung, denn Löffler schmiss hin. Reich-Ranicki hätten mit seinen Äußerungen und seinen Interviews danach, den Bogen “überspannt und zerbrochen.” Was steckt nun hinter diesem “Skandalbuch”, das für so viel Wirbel gesorgt hat? Hajime ist ein Einzelkind, Außenseiter, keiner ist so wie er. Andere haben Bruder und Schwester, er aber ist immer allein. Als eines Tages eine neue Schülerin in seine Klasse kommt, ändert sich sein Leben, denn auch Shimamoto ist Einzelkind. In ganz jungen Jahren hatte sie Polio und zieht jetzt ein Bein hinter sich her. Die beiden werden Freunde und in Hajime erwachen Gefühle, die er noch nicht kennt, die er aber auch noch nicht einordnen kann. Durch einen Umzug verlieren sich die beiden Kinder nach Jahren aus den Augen. Hajime hat viele kurze Beziehungen, aber etwas fehlt immer, das Leben scheint ihm das Glück zu verwehren und auch er selbst bringt anderen Unglück. Hajime ist auf der Suche, aber er weiß nicht, wonach. Mit Anfang 30 heiratet er, bekommt zwei Kinder, macht mit dem Geld seines Schwiegervaters zwei Jazz Clubs auf und wird erfolgreich. Doch dann taucht eines Tages Shimamoto in seiner Bar auf, geheimnisvoll und verschlossen. Sie kommt wieder, immer, wenn es regnet und Hajime verfällt ihrem Bann. Bereit, die Gegenwart für die Vergangenheit aufzugeben, macht er sich auf den Weg, südlich der Grenze, westlich der Sonne. Vieles an dem Buch hat mich an Casablanca erinnert, der Film selbst wird auch im Buch zitiert, allerdings ist es hier die japanische Form der Liebesgeschichte. Es geht um Leben, Liebe, Zerrissenheit, Treue, Unglück, verpasste Chancen, den Wunsch, das Gestern ändern zu können und zum Schluss um nichts anderes als um den Tod. Wie Hajime bleibt auch der Leser im Dunkeln, was es mit Shimamoto tatsächlich auf sich hat. Sie verschwindet immer wieder, ohne Begründung, taucht dann wieder auf und beherrscht und verzaubert. Ist sie real oder nur eine Vision, ein Wunsch eines frustrierten, älter werdenden Mannes, der etwas begehrt, was es in seinem Leben nicht gibt? “In meinem Leben fehlt etwas. Ich habe etwas verloren. Und danach hunger und dürste ich die ganze Zeit. Meine Frau kann dieses Verlangen nicht stillen und meine Kinder auch nicht.” Öfters habe ich die Kritik gehört, dass es ein zu männliches Buch sei, auch Löffler warf Murakami vor, nur Männerfantasien zu bedienen. Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Für mich hält die Frau jederzeit die Zügel in der Hand, führt den Mann, lenkt ihn. Hajime erscheint dagegen als der Mann in der Midlife-Crisis, ratlos, richtungslos.  Die Sexszenen sind zwar in aller Klarheit beschrieben, aber trotzdem finde ich Murakamis Stil eher poetisch, tiefgehend und auch menschlich, ja, man könnte sagen sehr japanisch, denn japanische Liebesgeschichten (zumindest die, die ich gelesen habe) haben immer eine Art Zartheit an sich. Der Originaltitel, der jetzt auch die deutsche Ausgabe ziert “Südlich der Grenze, westlich der Sonne” passt wesentlich besser zu dieser Geschichte als “Gefährliche Geliebte”, denn der führt eigentlich auf eine falsche Spur. Es geht in dem Buch um die innere Reise Hajimes, seine Suche nach der Erfüllung und nicht in erster Linie um die Geliebte. Die jetzt vorliegende Übersetzung bringt ganz andere Seiten des Werkes zum Vorschein, es erscheint liebevoller als die Erstausgabe. Wahrscheinlich würde diese Übersetzung auch Frau Löffler gefallen, ich hoffe, sie liest sie. Mich hat die Geschichte bewegt und nachdenklich gemacht. Das Ende ließ mich etwas ratlos zurück, aber genau das passt zur Handlung. Murakami ist hier eine ganz eindrückliche Geschichte eines Mannes gelungen, mit dessen Lebenswanderung sich wahrscheinlich viele Leser identifizieren können. Von mir gibt es fünf Sterne für Hajime und seine Suche nach dem Sinn und sich selbst. “Du bist doch glücklich?” “Ich weiß es nicht genau. Zumindest bin ich nicht unglücklich und auch nicht einsam.”

    Mehr
    • 2
    thursdaynext

    thursdaynext

    24. August 2013 um 15:06
  • "Was bleibt ist die Wüste"

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    15. July 2013 um 19:53

    Wenn man Murakami kennt und zu schätzen weiß, wird man auch dieses Buch lieben und wer Gefährliche Geliebte gelesen hat, wird die Story wieder erkennen, doch dadurch dass die Geschichte eins zu eins aus dem japanischen übersetzt wurde hat sie sich noch ein wenig verändert. Hajime, ein Mitdreißiger, führt ein angenehmes Leben, er hat eine Frau,zwei Kinder und zwei sehr gut laufende Bars, doch ein Mädchen aus seiner Schulzeit lässt ihn einfach nicht los, Shimamoto, das Mädchen mit dem nachhinkendem Bein und der Schönheit die sie dabei noch umgibt. Ein Umzug hat sie damals getrennt und viele Jahre haben sie nichts voneinander gehört, als sie eines Abends in eine seiner Bars auftaucht und ihn sofort wieder verzaubert. Er gerät in einen Sog aus Traum und Wirklichkeit und bleibt am Ende mit einem seltsamen leeren Gefühl zurück, ebenso wie der Leser. Mich hat die Geschichte wie schon damals "Gefährliche Geliebte" völlig in ihren Bann gezogen, Murakami schreibt wundervoll und voller Poesie, er schafft es immer wieder mich in seine Traumwelten zu entführen um mich dann am Ende mit einer bedrückenden Leere und einem gleichzeitig faszinierendem Gefühl zurückzulassen. Shimamoto als Person ist geheimnisvoll und schön, melancholisch und tröstend zugleich, sie kommt wenn es regnet und verschwindet wann immer es ihr passt, man fragt sich, ist sie wirklich real, wohin verschwindet sie, warum taucht sie immer an regnerischen Abenden auf und warum verlässt sie Hajime obwohl er mit ihr zusammen sein will. Alles ungeklärte Fragen die ein berauschendes lesegefühl hinterlassen. Auch die Nebenhandlungen sind typisch Murakami, Izumi, Hajimes frühere Freundin die er eines Tages in einem Taxi sitzen sieht und vor dessen leeren Blick er unsichtbar scheint, er scheint von seinen früheren Freundinnen verfolgt, als könne er oder sie ihn nicht loslassen. Murakamis Romane sind einfach traumhaft, surreal und lassen einen nicht mehr los!

    Mehr
  • Die grosse Sehnsucht

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    Monika58097

    Monika58097

    09. June 2013 um 12:19

    Der Barbesitzer Hajime lebt sein Leben. Er ist verheiratet, hat 2 Kinder und nennt zwei erfolgreiche Jazz-Clubs sein Eigen. Eigentlich ist er glücklich, eigentlich ist er erfolgreich. Doch dann erscheint Shimamoto und stellt sein Leben auf den Kopf. Shimamoto, die er schon als Kind gekannt und geliebt hat. Shimamoto, die ihn an seine Kindheit erinnert. An die Kindheit, in der er ein Einzelgänger war und vor allen Dingen ein Einzelkind. Alle anderen Kinder hatten Geschwister, nur Hajime war allein. Dann kommt Shimamoto, auch ein Einzelkind, auch so allein wie er. Die beiden sind unzertrennlich, hegen bereits Gefühle füreinander, sind sich dessen aber noch gar nicht so bewusst. Dann zieht Hajime mit seinen Eltern weg. Die beiden sehen sich nicht mehr. Viele, viele Jahre später erscheint dann Shimamoto in Hajimes Bar. Auf einmal verspürt Hajime eine Sehnsucht, die er so noch nicht erlebt hat. Er liebt seine Frau und seine Kinder, doch mit Shimamoto ist es etwas anderes. Sie ist geheimnisvoll. Ihr Auftreten hat etwas Mysteriöses an sich, erscheint sie doch immer nur, wenn es regnet. Hajime und Shimamoto fangen an, sich regelmässig zu treffen. Nichts passiert. Sie gehen spazieren, sie gehen ins Theater. Hajime wird regelrecht in einen Sog der Gefühle hinein gezogen. Eines Tages fahren die beiden in Hajimes Ferienhaus und endlich, ja, endlich, finden die beiden richtig zueinander, doch hat diese Liebe eine Chance? Und was wird aus Hajimes Familie? Ich habe ganz oft gelesen, dass dieser Roman - vor Jahren erschienen unter dem Titel "Gefährliche Geliebte" ein Skandalbuch sein soll. Ich kann dieses Urteil überhaupt nicht nachvollziehen. "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" ist ein sehr feinfühliger Roman, ein sehr leiser Roman, fast schon poetisch kommt er daher. Haruki Murakami versteht es, den Leser mit seiner einfühlsamen Sprache zu fesseln. Skandalös? Nein. Dämonische Kräfte - wie auf dem Buchrücken beschrieben? Nein. Eine wunderschöne Geschichte um einen Mann, der alles hat und nach vielen Jahren seine Jugendliebe wiedertrifft. Ein Roman, eine Geschichte, mit der ich mich sehr wohl gefühlt habe.

    Mehr
  • Fast ein "neues" Buch

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    rumble-bee

    rumble-bee

    Für mich als Fan von Murakami, und insbesondere als begeisterter Leserin der "Gefährlichen Geliebten", ist es natürlich schwer, eine Rezension zur Neu-Übersetzung zu verfassen. Denn was soll ich nun bewerten - die Handlung, oder die Sprache? Das neue Buch im Vergleich zum alten? Kurz gefasst, kann ich nur sagen, dass es sich beim Lesen tatsächlich anfühlte wie ein anderes, ein "neues" Buch. Obwohl ich die Handlung zu kennen glaubte, und mich an das Meiste erinnerte, habe ich doch einen neuen Bezug zu diesem Buch bekommen. Ich fand schon damals das psychische Porträt eines Mannes im mittleren Alter sehr faszinierend und glaubwürdig. Durch die Neu-Übersetzung ist jedoch eine ganz andere Feinfühligkeit und Vielschichtigkeit hinzugekommen. Der Held Hajime scheint mir nun nicht mehr nur "getrieben", sei es von Erinnerungen, Trieben oder Träumen - nein, er liebt Shimamoto wirklich, und zwar schon seit damals, seit ihrer Kindheit! Mir wurde erschreckend klar, dass dieser Mensch im Wesentlichen zu bedauern ist - weil er sich selbst teilweise "verpasst" hat. Die Liebesszenen haben natürlich ganz besonders von der Neufassung profitiert. Sie sind einerseits sehr japanisch, weil unaufgeregt und wenig reißerisch. Und andererseits sprachlich klar und gerade gehalten, wunderbar einfühlsam. Sie fühlen sich "logisch" an, unvermeidlich. Am allerbesten finde ich natürlich den neuen Titel des Buches, der eine 1:1 Übertragung des Originals ist. Wunderbar! Gemeint ist ein alter Jazz-Klassiker von Nat King Cole, in dem er - wie könnte es auch anders sein - Sehnsucht und Weite besingt. Das passt auf diese Buch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Wohingegen ja der "alte" Titel sozusagen allein der Frau, Shimamoto, die "Schuld gegeben" hat. Ich hoffe von Herzen, dass Frau Sigrid Löffler diese Neufassung lesen wird. Sie war es ja damals, die durch ihren Verriss einerseits das Literarische Quartett sprengte, und andererseits wohl - unabsichtlich - dem Buch zu einer guten Portion Propaganda verhalf. Heute wird sie aber beim besten Willen nicht mehr behaupten können, es handle sich um "literarisches Fast Food"! Einziger Nachteil, wie auch schon eine andere, liebe Leserin bemerkte: es fehlt ein Lesebändchen. Das hätte ich bei der ansonsten rundum liebevollen und hochwertigen Gestaltung dieses Bandes erwartet. Ansonsten gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung, sowohl für alte, als auch neue Leser. Auch und gerade für Murakami-Einsteiger - diese Fassung ist sehr sensibel.

    Mehr
    • 2
  • Ein sehr bewegender Text

    Südlich der Grenze, westlich der Sonne
    Jetztkochtsie

    Jetztkochtsie

    26. May 2013 um 12:56

    Vorab, ich kenne "Gefährliche Geliebte" nicht, da ich Murakami erst vor einigen Monaten für mich entdeckt habe. Dennoch war ich gerade auf diese Neuübersetzung unheimlich gespannt. In der Regel ist es allerdings so, daß ich, wenn ich mich auf ein Buch unwahrscheinlich freue, letztlich eine große Enttäuschung erfahre. Hier war das allerdings nicht so. Dieses Buch ist wirklich sehr berührend und bewegend. Es gab so viele Szenen, die ich, da aus der Sicht eines Mannes erzählt, zwar schlecht nachfühlen, aber doch verstehen konnte. Die Sprache ist typisch für Murakmi sehr klar und relativ einfach gehalten. Obwohl das Buch seinem Leser einiges abverlangt, verstrickt man sich nicht in langen Schachtelsätzen oder verkopften Ideen. Murakami berichtet mit viel Gefühl und Einfühlsamkeit von diesen beiden Menschen, die sich verloren, wiederfinden und erleben. Es ist kein Buch, das einen zu Tränen rührt, oder Denkweisen verändert, aber es ist ein Buch, das mir sicherlich noch lange im Kopf bleiben wird. Eben gerade wegen der klaren und deutlichen, aber nie banalen Sprache und der tiefen Eindrücke und Gedanken, die es auslöst. Ich persönlich habe jede einzelne Seite genossen und würde sagen, hier ein Buch gelesen zu haben, das zu den wenigen gehört, die ich sicher noch einmal später im Leben zur Hand nehmen werde, einfach weil es mich interessiert, wie ich es empfinde, wenn mein persönlicher Erfahrungsschatz ein größerer geworden ist. Ich habe mir mittlerweile auch den "Streit" des literarischen Quartetts zu dem Buch angesehen und muß gestehen, daß diese Diskussion mich nach der Lektüre des Buches etwas erheitert hat, da ich ihn nicht mehr gänzlich nachvollziehen konnte, da auf die Neuausgabe die Argumente nicht gänzlich passen. Kleines Manko ist das fehlende Lesebändchen, bei der sonst so schönen Ausstattung des Buches hätte ich, als Liebhaberin der Lesebändchen, mir das einfach noch gewünscht. Fazit: Ein sehr bewegendes, einfühlsames und anregendes Buch, das sich durch seine klare Sprache von allem anderen abhebt und Einblicke in die Gedanken und Gefühle eines Mannes gibt, die mich als Leserin faszinieren konnten.

    Mehr