Hauser Erik

 4 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf

Erik Hauser ist Gymnasiallehrer und schreibt Phantas-tisches als Ausgleich zum täglichen Horror des Schulall-tags. Er schreibt am liebsten in Cafés oder in der Schul-mensa während seiner Freistunden. Hauser ist als Übersetzer, Herausgeber (zusammen mit F.R. Scheck) und Autor im Genre der Phantastik her-vorgetreten. Seine Texte werden in Anthologien und Magazinen (z.B. Zwielicht, Odem des Todes, Der Ritt auf der Maschine) publiziert. 2016 erschien „Jenseits des Rheins“, eine Sammlung miteinander verbundener makaberer Erzählungen, die alle in seinem Heimatort Brühl spielen, dem „Arkham Nordbadens“. Sein Debütroman „Das Erbe der Wölfe“, 2022 bei Fa-bylon erschienen, verbindet den klassischen Wer-wolfmythos mit der Thematik von politischer Repressi-on und Unterdrückung im zaristischen Russland. Der Roman stand auf der Short List des Vincent-Preises 2022 für Bester Roman/national.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Hauser Erik

Cover des Buches Von Werwölfen, Vampiren und anderen Mitmenschen (ISBN: 9783910587182)
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Rezension zu "Von Werwölfen, Vampiren und anderen Mitmenschen" von Hauser Erik

Elmar Huber
Von Werwölfen, Vampiren und anderen Mitmenschen

Ein frostiger November in der Nähe von Kassel. Unter den Dorfbewohnern macht das ängstliche Gerede von einem riesenhaften Wolf die Runde. Es wird gemunkelt, ob der geheimnisvolle Graf, der durch die umliegenden Wälder streift, möglicherweise mit diesem Ungeheuer in Verbindung steht. Inmitten dieser unheimlichen Atmosphäre befinden sich die beiden Studenten Jakob und Wilhelm Grimm, die auf der Suche nach alten Geschichten, Sagen und Märchen sind. Ihre Erzählungen tragen dazu bei, die ohnehin angespannte Stimmung weiter anzuheizen.

Das Thema, die stimmungsvolle Kulisse, der unterschwellige Humor und die theaterhafte Struktur, mit dem sich die Geschichte puzzleartig über mehrere Einzelszenen entwickelt, macht „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“ zu einer reizvollen Alternativversion von Erik Hausers Roman „Das Erbe der Wölfe“.

Wo die Werwolfgeschichte den Leser mit pointierten Andeutungen noch zu amüsanten Schlussfolgerungen führt, bleibt einem bei „Die Jäger und die Gejagten“ das Lachen im Hals stecken: Vater Bertram hat gute Arbeit geleistet und mit fast fanatischem Eifer folgt ihm eine Gruppe von neun Dorfjungen, bewaffnet mit Pflöcken, zur Höhle, in der sich die Vampire tagsüber verstecken. In einem unachtsamen Moment brechen die Blutsauger aus ihrem Versteck hervor. Einige können die Jungen sofort ergreifen, während andere in panischer Flucht in den Wald entkommen. Trotz Bertrams ausdrücklicher Anweisung setzen die Halbwüchsigen die Verfolgung der Vampire fort, was in einer barbarischen Jagd mündet, bei der sich Übermut und Kampfeslust bald gegen die eigenen Reihen richten. 

Unterschwelligen Humor sucht man hier vergebens; stattdessen wird man von der ungebremsten Freude der Jungen am Quälen und Töten schockiert. Darüber hinaus verleihen subtile Andeutungen über das scheinheilige Verhalten des Pfaffen der Geschichte eine zusätzliche, bittere Note, die die düstere Stimmung noch verstärkt.

Gregors Enthüllung, dass der Nachbarjunge Sebastian „einen Vampir hat“, den er in einem Verschlag im Keller gefunden und nun mit Ratten, Mäusen und Hamstern aufzupäppeln versucht, stößt bei seinem Vater auf eine Mischung aus amüsiertem und skeptischem Unglauben. Doch weder Ironie noch Verdrängung können die Welle von Krankheiten, Siechtum und Tod aufhalten, die sich fortan im gesamten Haus ausbreitet.

In „Sebastians Vampir“ spielt der Autor auf unterhaltsame Weise mit etablierten Vampir-Klischees, sodass der Leser die Geschichte mit einer Mischung aus Amüsement und ahnungsvollem Schrecken verfolgt. 

Um die Neue in der Klasse zu beeindrucken, wagen drei ihrer Mitschüler und die kleine Nele – weil deren Mama unvorhergesehen zur Arbeit musste – mit ihr einen nächtlichen Ausflug in das verlassene und baufällige „Hexenhaus“, über das unzählige Schulhof- und Internetmythen im Umlauf sind. Obwohl die Geschichten übertrieben und absurd sind, reicht ihre Wirkung aus, um die Gruppe trotz ihrer gespielten Coolness in angespannte Aufregung zu versetzen.

Als Nele eine zerfledderte Puppe entdeckt, die sie „Annabelle“ nennt, wird die Atmosphäre im Lost Place zunehmend unheimlicher. Unerklärliche Geräusche lassen die Gruppe ahnen, dass sie nicht allein in dem alten Gebäude sind. 

Der Titel „Annabelle“ – der Name, den auch die Puppe aus dem „Conjuring“-Universum trägt – lässt bereits Unheimliches erahnen. Erik Hauser zieht zwar keinen direkten Zusammenhang zu dem bekannten Spielzeug, bietet jedoch ebenfalls eine fesselnde Geistergeschichte, in der auch die Dynamik innerhalb der Gruppe nicht zu kurz kommt.

Mit „Von Werwölfen, Vampiren und anderen Mitmenschen“ präsentiert der Ashera Verlag eine kleine, aber feine Sammlung neuer Geschichten von Erik Hauser („Jenseits des Rheins“, „Das Erbe der Wölfe“). Hauser hat sich in den letzten Jahren als versierter Erzähler zeitgemäßer Phantastik verdient gemacht, der es versteht, sein Publikum schnell einzunehmen. Ein charakteristisches Merkmal seines Schreibstils ist der unaufdringliche Humor, der häufig aus den Handlungen seiner lebensecht gestalteten Figuren entsteht. Viele Leser werden sich in diesen Charakteren wiedererkennen.

Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet hier der eindringliche Beitrag „Die Jäger und die Gejagten“, der an manchen Stellen regelrecht die Kehle zuschnürt. Nur ein weiterer Beweis für Erik Hausers erzählerische Fähigkeiten und seine Begabung, auch dunklere und komplexere Themen effektvoll zu behandeln.

Als Ergänzung zu dieser Sammlung, darf noch die Novelle „Verhext, verzaubert – und verloren“ empfohlen werden, die ebenfalls im Ashera Verlag erschienen ist.

Vampirfutter

Klappentext:

Sie leben unerkannt unter uns – unsere Nachbarn, Freunde, Mitmenschen. Doch wehe, wenn ihr wahres Wesen ans Licht kommt! In einem kleinen hessi­schen Dorf zur Zeit der Napoleo­nischen Kriege häufen sich seltsame Morde. Die Dorf­bewohner glauben an einen Wer­wolf, und zwei Märchen­forscher aus Kassel be­stärken sie in diesem Ver­dacht. Doch ist der Schul­dige wirk­lich der, für den sie ihn halten? („Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“) Eine Schul­klasse macht sich auf die Jagd nach schwachen, ver­wirrten Vam­piren, aus­ge­mergelte Ge­stalten, die im hellen Tages­licht hilf­los durch den Wald irren. Doch als ein Ge­witter herauf­zieht und die Nacht an­bricht, ändert sich die Lage. („Die Jäger und die Gejag­ten“) Ein Junge findet in den Ruinen eines Ge­bäudes einen halb­toten Vampir und pflegt ihn – um sich mit seiner Hilfe an seinen sadisti­schen Schul­kame­raden zu rächen. („Sebas­tians Vampir“)


Rezension:

Enthaltene Kurzgeschichten:
Wer hat Angst vorm bösen Wolf?
Die Jäger und die Gejagten
Sebastians Vampir
Annabella

Die Grimms suchen nach Märchen, eine Schulklasse unter Anleitung des Pfarrers nach Vam­piren. Beide Suchen laufen ganz anders als ge­plant ab. Dafür findet ein Junge un­be­absich­tigt einen Vampir, und eine Gruppe Freunde findet in einem ver­lassenen Haus das Grauen.

Erik Hauser findet das Grauen an den unterschiedlichsten Orten und zu ver­schie­denen Zeiten. In den 4 Kurz­ge­schichten, die er in diesem Buch zu­sammen­gefasst hat, gibt es keine wirk­lichen Happy­ends. 2 der Ge­schichten sind in ver­gangenen Tagen ange­siedelt, die anderen beiden in unserer Zeit. In gleich 3 der Ge­schichten sind die Prota­gonis­ten in jugend­lichem Alter, was viel­leicht auch daran liegen könnte, dass der Autor im nor­malen Leben Lehrer ist. Even­tuell hat er dem einen oder anderen seiner Schüler schon mal eine der­artige Begeg­nung ge­wünscht. Oder die ihm …

In „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“ treffen Märchenforscher aus Kassel auf eine Be­völke­rung, die ihre For­schungen etwas zu wörtlich nimmt. Der Name Grimm wird hier zwar nicht aus­drück­lich ge­nannt, da die Brüder aber Jakob und Wilhelm heißen und sich alles in der Zeit der napoleo­nischen Kriege ab­spielt, ist wohl auch so klar, wer ge­meint ist.

Bei „Die Jäger und die Gejagten“ führt ein Pfarrer die Schuljungen seines Dorfes gegen die in den Wäldern leben­den Vampire an. An Ende stellt sich die Frage, wer Jäger und wer Ge­jagter ist.

„Sebastians Vampir“ handelt dagegen in modernen Zeiten. Diese aus der Sicht des Vaters er­zählte Story konnte mich am wenigs­ten über­zeugen.

Die letzte (und als einzige im Klappentext nicht erwähnte) Geschichte fällt vom Schema etwas aus den anderen heraus. Ein Junge will mit ein paar Freunden ein unheimliches, ver­lassenes Haus er­kunden. Da er gerade heute auf seine kleine Schwester auf­passen muss, nimmt er die kurzer­hand mit. Aus dem Aben­teuer, mit dem er eigent­lich nur eine Mit­schülerin beein­drucken will, wird ein ge­fähr­licher Aus­flug. Wie auch bei den anderen Bei­trägen bleibt am Ende einiges offen.

Zusammengenommen können alle 4 Geschichten gut unterhalten.


Fazit:

Diese Horror-/Grusel-/Mystery-Kurzgeschichtensammlung versammelt 4 für das Genre eher un­ge­wöhn­liche Ver­treter.


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