Hazel Rosenstrauch JUDEN NARREN DEUTSCHE

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Inhaltsangabe zu „JUDEN NARREN DEUTSCHE“ von Hazel Rosenstrauch

Hazel Rosenstrauch bezeichnet sich als unjüdische Jüdin und nennt ihre Texte „Deutsche Studien“. Als Nachkömmin von Verfolgten beobachtet sie – skeptisch, heiter und auch böse – die Erinnerungskultur in Deutschland, Österreich und ein bisschen auch in Europa.
Die Geschichten sind aus dem Leben gegriffen – in Berlin, in Wien oder auch in der Bischofsstadt Rottenburg. Denkmale, Stolpersteine und Orte der Erinnerung sollen mahnen. Wie aber wirken sie auf jemanden, der ständig an die Ausgrenzung seiner Vorfahren erinnert wird? Die Autorin wehrt sich gegen Zuschreibungen und möchte die verharschte Sprache aufbrechen.

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  • Rezension zu "Juden Narren Deutsche" von Hazel Rosenstrauch

    JUDEN NARREN DEUTSCHE

    WinfriedStanzick

    22. August 2011 um 11:02

    Sechs neue Essays unter der Überschrift „Die ewige Jüdin“ und etliche ältere Texte sind in dieser Essaysammlung der 1945 als Tochter jüdischer Eltern geborenen Hazel Rosenstrauch vereint. Es sind Essays, die sich einmischen, Texte, die die scharfe Gedankenführung lieben und die beeindrucken mit ihrer sicheren Urteilskraft. Obwohl sie sich eine „nichtjüdische Jüdin“ nennt, kommt sie zeitlebens an dem in Deutschland zelebrierten öffentlichen Erinnern nicht vorbei, das sie, öfter als ihr lieb ist, an ihr Jüdischsein erinnert. Es ist für den zeitgenössischen und aufgeklärten Leser, der seit Jahrzehnten vielleicht in Debatten dafür eintritt, dass der Holocaust nicht historisiert und niemals vergessen werden darf, der sich sorgt um die Wiederkehr antisemitischer Reflexe besonders in der Linken und bei Attac etwa, schon eine Art Schock, in einem der Essays Hazel Rosenstrauchs Kritik an jeglichen Stolpersteinen oder Gedenktafeln zu lesen. In ihrem Stadtviertel in Berlin, wo sie nun nach langer Wanderschaft mit über 30 Umzügen lebt, erinnern insgesamt 80 Gedenktafeln an das Unrecht und den Terror, der gegen Juden im Dritten Reich verübt wurde. Doch keiner beachtet diese Tafeln noch, niemand schaut hin. Außer ihr selbst: „Im Unterschied zu den Passanten, die sich an die Tafeln gewöhnt haben, werde ich jeden Tag daran erinnert, dass nur die Gnade der späten Geburt mich davor bewahrt hat, deportiert zu werden.“ Das ist ein hartes Verdikt für eine Erinnerungskultur, die doch so stolz auf sich ist. Hazel Rosnetrauch legt den Finger in die Wunden, indem sie nicht nur in diesem Essay die Verlogenheit und die Unaufrichtigkeit der meisten Gedenkakte entlarvt. Das Gedenken soll das Vergessen befördern, bzw. das Geschehene trivialisieren. Der Titel der Essaysammlung ist programmatisch. Sie setzt zwischen ihre beiden Identitäten das Wort „Narren“, jene, die alles aussprechen, auch das, was man eigentlich nicht aussprechen kann. Ein solcher Narr will sie sein, jemand, die ausspricht, was niemand hören will, die nachfragt und unterstellt und immer wieder anschreibt gegen die Sehnsucht, endlich das Geschehene zu bannen, ob in Steine oder ins Vergessen.

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