Hazem Ilmi

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Die 33. Hochzeit der Donia Nour

Die 33. Hochzeit der Donia Nour

 (23)
Erschienen am 18.04.2016

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Rezension zu "Die 33. Hochzeit der Donia Nour" von Hazem Ilmi

Hazem Ilmi | DIE 33. HOCHZEIT DER DONIA NOUR
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Ägypten ist im Jahr 2048 ein theokratischer Staat, der seine Bevölkerung mit einer Mischung aus Konsumzwang und islamistischer Unterwerfung unter Kontrolle hält. Für die Einhaltung der Gebete gibt es Punkte, die auf einem Gute-Taten-Konto festgeschrieben werden. Je mehr Gebete, desto mehr Punkte, desto angenehmer das Jenseits. Alles wird digital gesteuert und überwacht, selbst in die Träume werden Erlösungs- und Werbebotschaften infiltriert. Shariatainment und Sleepvertising nennt man das dann.

Das Land ist vollständig von der übrigen Welt abgeschottet, jede Einmischung von außen strengstens untersagt. Es gibt drei Zonen: Nordägypten (ein schmaler Streifen entlang der Mittelmeerküste), wo hohe Würdenträger in Pomp und Gloria leben; Mittelägypten (die Metropolregion Kairo und den nahezu wasserlosen Nil entlang), wo die arbeitende Bevölkerung wohnt, betet und einkauft; und Südägypten (ab Assuan bis zur Grenze zum Sudan), wo diejenigen, die die Gesetze des Landes missachtet haben, ein Dasein in harter Arbeit fristen.

In Kairo lebt die junge und schöne Donia Nour, die seit Jahren einen gefährlichen Gedanken hegt: Sie will Ägypten verlassen. Das Gerücht kursiert, dass es Schiffe gibt, die Flüchtlinge übers Mittelmeer aus dem Land bringen. Der Preis für eine Überfahrt: Ein Kilogramm Gold. Seit Jahren verdient sie sich neben ihrer offiziellen Beschäftigung kleine Goldstücke, indem sie sich den gierigen Machthabern aus der Oberschicht als Braut anbietet, mit ihm eine Nacht verbringt und sich wieder scheiden lässt. Sehr wichtig ist den Freiern die Jungfräulichkeit Donias, die sich aber mittels illegaler Technik immer wieder herstellen lässt. Nach 32 Hochzeiten dieser Art hat sie das Kilo fast zusammen, ein Freier fehlt noch, die letzten Gramm sind in greifbarer Nähe … doch sie gerät an den Falschen, ein hohes Tier der Regierung, ein Sadist und Egomane, der sie auffliegen lässt, ihr alles nimmt und in den Süden verbannt.

Zur selben Zeit erscheint wie aus dem Nichts ein nackter Mann im Zentrum von Kairo, der behauptet, vor hundert Jahren von Außerirdischen entführt und jetzt als Zeitreisender auf die Erde zurückgeschickt worden zu sein. Sein Auftrag: Suche Donia Nour und führe sie ins Licht, damit sie ihr Volk in eine bessere Zukunft lenkt. Und tatschlich: Er findet sie, klärt sie auf und bringt damit eine Revolution ins Rollen…

FORM: Hazem Ilmis Roman ist ein klassischer Dreiteiler mit Exposition, Entwicklung und Lösung; da werden trotz des heiklen Themas keine Experimente gewagt. Stilistisch sind die Kapitel um Donia Nour eher nüchtern, die um Ostaz Mukhtar (den Zeitreisenden) eher flapsig-sarkastisch geschrieben. Der für eine Dystopie typische ruhige und kalte Erzählton weicht im dritten Teil einem mit mehr Spannung; das Ganze kippt dann (leider) auch eher in eine Art Thriller.

Dass es Ilmi bei seinem Debütroman nicht darum ging, ein literarisches Meisterwerk abzuliefern, ist zu vermuten und auch verständlich. Hauptziel war es wohl, die eigene Vorstellung von Religiösität zu vermitteln und Gedanken zu Begriffen wie Selbstbestimmung, Menschenrechte, Macht und Gleichberechtigung zu veröffentlichen – Kein ungefährliches Vorhaben dieser Tage. Der Roman ist mitten im Arabischen Frühling entstanden, als die ganze Welt auf den Tahrir-Platz blickte, und wurde im Selbstverlag mit großem Echo veröffentlicht. Hazem Ilmi ist ein Pseudonym, der Autor dahinter lebt nicht mehr in Ägypten, seine wahre Identität hält er aus Angst vor Fanatikern weiterhin geheim.

FAZIT: Als Vergleiche mit Ilmi liest man überall George Orwell und Michel Houellebecq … das ist zwar schmeichelhaft aber doch stark übertrieben. Die ersten beiden Teile waren gut, der dritte schwach. Dennoch ist DIE 33. HOCHZEIT DER DONIA NOUR ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung und auch den Mut des Autors möchte ich nicht unterbewerten – vier Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Die 33. Hochzeit der Donia Nour" von Hazem Ilmi

Das etwas andere Buch
Gwhynwhyfarvor 2 Jahren

»Alle ägyptischen Bürger haben das Recht, in den Himmel zu kommen. Es ist die Pflicht der Regierung, sich zu bemühen, dass dieses Recht ihnen gewährt wird.«

Der Roman spielt in der nahen Zukunft in Ägypten, wir schreiben das Jahr 2048. Das Land ist völlig abgeschottet vom Rest der Welt, es herrscht die Diktatur der Neo-Scharia. Religion gilt als Erfüllung und Konsum: Beten ist Pflicht, elektronisch werden die Minuten der Betzeit registriert. Der Gläubige sammelt elektronisch Punkte, um in den Himmel zu kommen. Neben einem religiösen Leben gibt es Extrapunkte für das Tragen von religiösen Kleidungsstücken, Schmuckstücken, die Vergabe von religiösen Namen an die Kinder usw. Gleitet die Haarsträhne einer Frau unter dem Hidschab hervor, geht ein lärmender Alarm los: Unrein, unrein! Das Leben ist sortiert in halal und haram. Riesige Werbebotschaften prangen an den Fassaden: »Allah würde Nike tragen«, auf E-Hidschabs blinkt Dolce&Gabbana, Männer tragen heilige Pantoffeln, die bei jedem Schritt »Allah, Allah« quäken. Der Wegwerf-Saugroboter zitiert summend Koranverse bei der Arbeit. Im Norden des Landes haben sich die Reichen ein luxuriöses Leben aufgebaut, in der Mitte wohnen brave Bürger, die fleißig arbeiten und beten, in die Wüsten des Südens werden die Abtrünnigen in Straflager verbannt. Der Staat ist völlig überwacht, das Leben durch Kameras und Zahlen erfasst. Sittenwächter überwachen in Form von Drohnen die Stadt.

»Wenn du die Dinge gesehen hättest, die ich gesehen habe, ergibt die Vorstellung, fünfmal am Tag einen kosmischen Diktator zu preisen, der dir mit ewiger Folter droht, keinen Sinn.«

Donia Nour wohnt in Kairo, ist im Erlösungsministerium beschäftigt, zählt Bonuspunkte. Irgendwie ist jeder Mensch in religiösem Geschäft angestellt, wundert sie sich, fragt sich, woher die ganzen Produkte stammen mögen, die es zu kaufen gibt. Sie glaubt nicht an die Frömmigkeit, fühlt sich beengt. Man flüstert auf der Straße, mit Booten könne man aus dem Land entkommen, dorthin, wo die Menschen frei sind. Die Fahrt koste ein Kilo Gold. Donia verdient sich heimlich ihr Fährgeld zusammen, indem sie heiratet. Sex ist nur in der Ehe erlaubt. Sie gibt sich widerlichen Typen hin für Gold. Eine Ehe, die innerhalb von 36 Stunden geschieden wird, landet nicht in der Registratur, alles egal, alles nur Papier. Jungfrauen sind beliebt, hübsche Frauen. Mit einer guten Figur und einem engelsgleichen Gesicht gesegnet, findet sie schnell Ehemänner und die Jungfernschaft ist chirurgisch erneuerbar, illegal. Die 33. Hochzeit soll die letzte sein, um das Kilo Gold zu erreichen. Doch beim letzten Ehemann geht alles schief ...

»In Bezug auf die meisten Kulturen der Weltgeschichte ist jeder von euch gewissermaßen ein Atheist, da jeder von euch ihre Götter ablehnt.«

Und dann ist da noch Ostaz Mukhtar, der Philosophieprofessor, der einstmals von Außerirdischen entführt wurde ...

»Ist es dir nie verdächtig vorgekommen, dass Gottes Wille so hübsch zu den Absichten der Mächtigen passt? Für die meisten Gestalten der Geschichte ist der Wille Gottes nichts anderes als eine düstere Stimme in ihrem Kopf, die die Unterwerfung der Frauen und die Auslöschung Andersdenkender rechtfertigt.«

Hizim Ilmi (ein Pseudonym) ist mit diesem Buch eine islamistischen Dystopie mit einem Schlag Science-Fiction gelungen, nicht weit entfernt der Wirklichkeit, eine Abrechnung mit dem Islam und der arabischen Gesellschaft, mit der Scheinheiligkeit von Religion an sich. Es ist kein philosophisches Werk, aber gute Unterhaltung. Religion als Vorwand für korrupte Diktatur, indoktriniertes Denken, man muss die Botschaft nur oft genug am Tag vorplappern, damit es alle glauben. Wer sich nicht an die Regeln hält, schmort in der Hölle, wer brav ist, kommt in den Himmel.

»Welche sadistische Perversion will ewiges Höllenfeuer als Strafe?«

Ein leichter Text, vielleicht ein wenig einfach gestrickt. Religion gleich Abschottung und Diktatur, gleich Korruption, gleich Vormachtstellung und Reichtum für die Mächtigen, gleich Dummheit der blökendenden Schafe, das Volk. Die Geschichte ist bitterböse und humorvoll, aber eben nur seichte Kost. Islam als Unterdrückung der Frau, Gewalt gegen Frauen, Männerperversion. Hier wird der Roman messerscharf. Die Erneuerung des Hymen vor der Hochzeit durch einen chirurgischen Eingriff ist in der heutigen »modernen« islamischen Welt keine Seltenheit, auch nicht in unserem Land. Am Ende des Buchs stand ich allerdings etwas ratlos da. Es wirkte unausgegoren, runtergeschrieben und ehmmmm ... wie bekomme ich die Kurve? Insgesamt ein nettes Buch zur Kurzweil.

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vanessablns avatar

Rezension zu "Die 33. Hochzeit der Donia Nour" von Hazem Ilmi

Interessanter Zukunftsroman aus Ägypten
vanessablnvor 2 Jahren

"Die 33. Hochzeit der Donia Nour" hörte sich aufgrund der ungewöhnlichen Mischung sehr interessant an. Tatsächlich ist das Buch sehr gut gelungen und dazu von dem ägyptischen Autor, der unter einem Pseudonym schreibt, sehr mutig. Normalerweise gebe ich keine Klappentexte wieder, aber die folgenden Sätze sind einfach treffend:  

"Hazem Ilmi vereint auf einzigartige Weise Orwells Gedanken zur Überwachung und Houellebecqs Kritik an westlichem Konsum und islamistischer Unterwerfung. Und bei alledem hat er noch Humor. Eine Lektüre, die einen lange nicht mehr loslässt."

Das Buch ist "1984" von George Orwell sehr ähnlich, da es genauso um einen totalitären Staat mit Gehirnwäsche und Feindbildern geht, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. In einem technisch hochmodernen Ägypten der Zukunft, wo der Nazim und egoistische, freuenfeindliche Oligarchen herrschen, lebt die junge Donia Nour. Ihren Körper für ganz legale 24-Stunden-Ehen herzugeben ist für sie nichts Besonderes. Nur noch eine 33. "Ehe" fehlt ihr, dann möchte sie mit dem erhaltenen Gold per Boot ins Feindesland. Aber alles entwickelt sich anders als geplant. Eine nicht unwichtige Rolle spielt dabei auch ein Philosoph, der von Außerirdischen entführt wurde. Diese Figur bringt nicht nur Humor, sondern auch Gelassenheit und konträre philosophische Gedanken in die ansonsten recht beängstigende Geschichte bzw. Realität im Zukunfts-Ägypten.

Unter dem Deckmantel eines radikal und einseitig ausgelegten Islams (die Religion wäre wahrscheinlich auch gut gegen eine andere austauschbar) sind die Bürger ständig bemüht, so viel zu beten und einzukaufen wie nur möglich. Auf diese Weise werden ihnen nämlich Punkte gutgeschrieben, die ihnen den späteren Eintritt ins Paradies garantieren. Wer seine Pflichten nicht erfüllt oder gar aufbegehrt, hat nicht nur das Höllenfeuer zu fürchten, sondern die Abschiebung in die "Quarantäne für verlorene Seelen", worüber Erschreckendes erzählt wird, genauso wie über die "Ungläubigen".  

Das Buch bietet eine intelligente und überraschende Mischung mit überzeugenden Details. Einiges ist direkt aus der Realität gegriffen, anderes für die imaginäre Zukunft erfunden oder ausgestaltet. Die Technik ist im Jahr 2048 z. B. sehr ausgereift, Roboter haben teilweise wichtige Aufgaben übernommen. Die Träume der Menschen können gesteuert werden und Produktwerbung hat immense Ausmaße angenommen. Der Roman steht keineswegs nur für Islam-Kritik und Mut zum eigenen Denken, sondern behandelt auch viele andere aktuelle oder zeitlose Themen. Bei allem durchscheinenden Sarkasmus ist er doch recht versöhnlich. Übrigens hat das Buch eine sehr schöne Aufmachung.

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Gespräche aus der Community

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aufbauverlags avatar
Jede Veränderung braucht einen, der sie beginnt

Ägypten im Jahr 2048. Etwas völlig Neues ist entstanden: eine islamistische Diktatur 2.0. Das Gesetz ist die Neo-Sharia, der Markt das Shariatainment. Die junge Muslima Donia Nour will so schnell wie möglich das Land verlassen. Doch die Grenzen sind dicht. Ihr bleibt kein anderer Weg, als sich für 24-Stunden-Hochzeiten herzugeben, um so die Schlepper zu finanzieren. Am Abend ihrer 33. Hochzeit gerät alles außer Kontrolle, und kurz darauf befindet sie sich inmitten einer Hetzjagd durchs ganze Land. 
Die 33. Hochzeit der Donia Nour ist eine aufwühlende, mitreißende Zukunftsvision, die zu keinem Zeitpunkt aktueller war als jetzt. 

Zur Leseprobe

Mehr Informationen zum Buch unter http://www.aufbau-verlag.de/die-33-hochzeit-der-donia-nour.html

Über Hazem Ilmi
Hazem Ilmi ist ein Pseudonym. Der Autor ist ägyptischer Neurowissenschaftler, geboren in Kairo, wo er bis 2014 gelebt hat. Seither lebt und forscht er in Neuseeland. »Die 33. Hochzeit der Donia Nour« ist sein Debüt. Ilmi hat es auf Englisch geschrieben und mit großem Echo selbst publiziert.

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