Hedwig Herold-Schmidt

 4,2 Sterne bei 10 Bewertungen

Lebenslauf von Hedwig Herold-Schmidt

Dr. Hedwig Herold-Schmidt studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Völkerkunde und Politikwissenschaften in Köln und München. Seit 2005 ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Kulturgeschichte des Seminars für Volkskunde/Kulturgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. Forschungsschwerpunkte sind das 19. und 20. Jh., Kultur- und Sozialgeschichte von Gesundheit und Krankheit, Adels- und Pressegeschichte, Festkulturen und Religiosität in der Moderne.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hedwig Herold-Schmidt

Cover des Buches Florence Nightingale (ISBN: 9783806240559)

Florence Nightingale

 (10)
Erschienen am 01.03.2020

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Cover des Buches Florence Nightingale (ISBN: 9783806240559)Sikals avatar

Rezension zu "Florence Nightingale" von Hedwig Herold-Schmidt

Wer war diese Frau?
Sikalvor 9 Monaten


Es gibt wohl niemanden, dem Florence Nightingale (1820 – 1910) kein Begriff ist. Sie entstammte einer gutsituierten viktorianischen Familie, denen Bildung für ihre beiden Töchter wichtig war. Doch sie entsprach keinesfalls dem Frauenbild jener Zeit, stand doch Heirat und Familie für sie nicht an erster Stelle.

 

Von den einen wird sie verehrt als „Engel der Menschlichkeit“, die anderen sehen in ihr die Feministin. Doch wer war diese Frau wirklich? Wer verbirgt sich hinter dem Mythos der „Lady with the Lamp“?

 

Die Historikerin Dr. Hedwig Herold-Schmidt schafft mit dieser Biografie einen aufschlussreichen Einblick in das Leben von Florence Nightingale. Sie lässt den Heiligenschein weg, beschreibt Kindheit und Jugend sowie den Kampf mit der Familie, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Die Pflege wurde zu ihrer Lebensaufgabe, die sie immer weiter optimierte. Auch wenn sie oft auf Mauern stoß, wurden viele Ansätze von ihr so nach und nach übernommen. Vor allem predigte sie tretmühlenartig die Missstände in der Hygiene und stellte deren Wichtigkeit hervor.

 

Doch auch selbst hatte sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und konnte so manche Tätigkeit nur mit Mühe erledigen. Und trotzdem war sie unermüdlich im Einsatz, für das Thema, das ihr wichtig schien. Sie war eine grandiose Netzwerkerin und wusste wie man sich Gehör verschafft. Interessant finde ich, dass sie bereits Statistiken erfasst hat und aussagekräftig präsentierte.

 

Am Ende findet sich ein grober Fehler – Florence Nightingale ist am 13.8.1910 (und nicht 2010) verstorben.

 

Die Biografie gibt uns viele interessante Einblicke in ein umfangreiches Leben, die ich sehr gerne gelesen habe. Gerne vergebe ich hier 5 Sterne.

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Cover des Buches Florence Nightingale (ISBN: 9783806240559)dj79s avatar

Rezension zu "Florence Nightingale" von Hedwig Herold-Schmidt

Beeindruckende Auseinandersetzung mit einer außergewöhnlichen Persönlichkeit
dj79vor einem Jahr

Florence Nightingale „kannte“ ich bisher als berühmte Persönlichkeit nur vom Namen her. Was genau ihren Ruhm ausmachte sowie ihre zeitliche Verortung in der Geschichte war mir verborgen geblieben. Mit der zum 200. Geburtstag der Protagonistin erschienenen Biografie von Hedwig Herold-Schmidt wollte ich die mir sehr wohl bewusste Bildungslücke schließen.

Obwohl ich schon eine herausragende Persönlichkeit erwartet hatte, wurde ich dennoch von dem Ausmaß der Talente Florence Nightingales überrascht. Besonders beeindruckt haben mich neben ihrer Fähigkeit zum Netzwerken, ihre Überzeugungskraft und ihr Durchhaltevermögen. Dabei schien sie von Beginn an immer wieder eine längere Zeit auf verlorenem Posten zu kämpfen, wenn neue Themen zu platzieren waren. Schon das autodidaktische Schaffen einer Basis für ihr späteres Engagement für kranke Soldaten wurde von Teilen der Familie überaus kritisch betrachtet. Die Zeit, die Florence Nightingale mit umfangreicher Lektüre und auf (Bildungs-)Reisen verbrachte, hätte sie aus Sicht der familiären Kritiker wohl besser in einen späteren Ehemann investieren sollen. 

Besonders gefallen hat mir an der Herangehensweise von Hedwig Herold-Schmidt, die Kombination aus Chronologie im Lebenslauf mit dem Herausheben der wichtigsten Themen Florence Nightingales. So lässt sich die Entwicklung der Protagonistin verfolgen. Die Prioritäten in ihrem Schaffen sind augenscheinlich klar. 

Für das Verständnis ihrer Selbstfindungsphase, ihrer Suche nach einer Aufgabe im Leben, war der Einstieg über die viktorianische Familie essenziell. Nur so wird für uns heute der Weg über die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben hin zur Pflege wirklich nachvollziehbar. Sehr wichtig darzustellen war darüberhinaus auch die Art wie Florence Nightingale kommuniziert, wie sie einerseits Daten mittels Befragungen gesammelt, grafisch aufbereitet und Wissen geschaffen, anderseits dieses Wissen geschickt einsetzt hat, um ihre Ziele zu verfolgen. Nur so avanciert sie zur „Governess of the Governors“. Erstaunlich, gleichzeitig offensichtlich, dass sie all dies per unzähliger Briefe und über persönliche Beziehungen - also über Besucher - getan hat, da sie nach dem Krimkrieg gesundheitlich eingeschränkt nicht mehr zu langen Reisen in der Lage war. So konnte  Florence Nightingale sich beispielsweise ein recht detailliertes Bild über Indien innerhalb ihres Interessenhorizonts machen, ohne selbst je dort gewesen zu sein. 

Glaubwürdigkeit erlangen sämtliche dezenten bewertenden Formulierungen durch die Betrachtung der Persönlichkeit Nightingale im historischen Kontext. Insgesamt hatte ich als Leser den Eindruck, dass wohl eher ich selbst Bewertungen vorgenommen habe. Damit diese nicht zu heroisch bzw. auf Basis heutigen Wissens und heutiger Möglichkeiten zu negativ ausfallen, war die historische Brille sehr hilfreich.

Insgesamt lässt mich die Biografie begeistert zurück. Ich habe eine überaus faszinierende Persönlichkeit kennen gelernt, in deren Werk ich nun noch tiefer einsteigen möchte. Dieser erste Kontakt zu Florence Nightingale wurde mir durch die verständliche, sehr gut nachzuempfindende Aufbereitung leicht gemacht. Diese Biografie ist sehr zu empfehlen.

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Cover des Buches Florence Nightingale (ISBN: 9783806240559)heinokos avatar

Rezension zu "Florence Nightingale" von Hedwig Herold-Schmidt

Sachliche, hoch informative, aber auch etwas anstrengende Lektüre
heinokovor einem Jahr

 

Zu meiner Jugendzeit, lang ist’s her, besaß ich eine Florence-Nightingale-Biographie, die in ihrer gefühlsmäßigen Verbrämtheit meinem pubertären Überschwang sehr entgegenkam. Deshalb war ich jetzt, ca. 55 Jahre später, besonders neugierig auf das vorliegende Buch. Denn ich hatte tatsächlich die Vorstellung eines „Engels“, der sich für die Pflege von Kriegsverletzten restlos aufopferte. Ein oberflächliches Klischee, mit dem Hedwig Herold-Schmidt restlos aufräumt. 

 

Die Autorin ist zu bewundern, wie detailliert-genau, mit welcher Akribie und ausufernden Recherchearbeit sie sich mit Florence Nightingale beschäftigte und deren Persönlichkeit sowohl historisch, politisch, gesellschaftlich als auch psychologisch beleuchtet. Die immense Arbeit, die hinter diesem Buch steckt, ist kaum zu erahnen. So beeindruckend diese Detailgenauigkeit ist, so schwierig wurde mir dadurch auch mitunter das Lesen. Die enorme Fülle der Informationen erschlug mich geradezu, und so las ich lange am Buch, in jeweils kurzen Etappen. Und doch bildete sich in mir zunehmend das Bild einer willensstarken Frau heraus, einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die von Glaubensstärke getragen weder auf ihre eigene angegriffene Gesundheit noch auf gesellschaftliche Normen achtete und sich lediglich dem unterordnete, was sie selbst als richtig und richtig und notwendig erachtete. 

 

Die sachlich-informative Schreibweise der Autorin ist als Informationsübermittlung großartig, aber dennoch hätte ich mir ab und zu etwas mehr „Farbe“   gewünscht, um nicht nur Wissen, sondern auch ein gewisses Gefühl für den Menschen Florence Nightingale entwickeln zu können. Insofern bleibt für mein Empfinden Hedwig Herold-Schmidt hinter ihrem eigenen Anspruch etwas zurück. Denn die eigentliche „Frau hinter der Legende“ blieb mir trotz allen Wissensgewinns irgendwie weiterhin verborgen. 

 

Fazit: Eine sachliche, fundierte und hoch informative Biographie über Florence Nightingale, sowohl kritisch als auch würdigend. Allerdings leider etwas anstrengend zu lesen.

 

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