Hedwig Herold-Schmidt

 4,2 Sterne bei 11 Bewertungen

Lebenslauf von Hedwig Herold-Schmidt

Dr. Hedwig Herold-Schmidt studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Völkerkunde und Politikwissenschaften in Köln und München. Seit 2005 ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Kulturgeschichte des Seminars für Volkskunde/Kulturgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. Forschungsschwerpunkte sind das 19. und 20. Jh., Kultur- und Sozialgeschichte von Gesundheit und Krankheit, Adels- und Pressegeschichte, Festkulturen und Religiosität in der Moderne.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hedwig Herold-Schmidt

Cover des Buches Florence Nightingale (ISBN: 9783806240559)

Florence Nightingale

 (11)
Erschienen am 01.03.2020

Neue Rezensionen zu Hedwig Herold-Schmidt

Cover des Buches Florence Nightingale (ISBN: 9783806240559)R

Rezension zu "Florence Nightingale" von Hedwig Herold-Schmidt

Hedwig Herold-Schmidt – Florence Nightingale: Die Frau hinter der Legende.
RenaMvor 4 Monaten

Florence Nightingale war so viel mehr als nur die „Lady with the lamp“, als nur die Krankenschwester an den Betten der schwer verwundeten Soldaten des Krimkrieges im 19. Jahrhundert. Davon erzählt dieses Buch, das mehr ist als eine Biografie und das sich liest wie ein spannender Roman.

Einer der Forschungsschwerpunkte der Autorin sind Kultur- und Sozialgeschichte von Gesundheit und Krankheit. Das prädestiniert sie für dieses Buch, welches nicht nur das Leben und die Geschichte der Frau Florence Nightingale schildert, sondern auch die historischen Zusammenhänge erläutert, die Tätigkeit Nightingales in diese Zusammenhänge einordnet und damit erst verständlich und nachvollziehbar macht.

Ohne verkrampft in einen populärwissenschaftlichen Duktus zu verfallen, dabei aber immer gut und flüssig lesbar, beschreibt Herold-Schmidt in ihrem Buch den Werdegang der bis heute als Mutter aller Krankenschwestern angesehenen Florence Nightingale. Sie beginnt mit deren Herkunft, ihrem sozialen und familiären Umfeld, damit erklärt sich dann auch vieles im späteren Handeln und Wirken dieser besonderen Frau.

Nightingale, der im Gegensatz zum üblicherweise vorgegebenen Leben der Frauen ihrer Zeit nie der Sinn nach Ehe und Mutterschaft stand, kann dank ihres Vater und ihrer wohlhabenden Familie ihre Bildung wesentlich weiter vertiefen als für Frauen der damaligen Zeit gewünscht und gefördert. Besonders wichtig ist ihr in ihrem ganzen Leben das Hinterfragen, das nicht einfach hinnehmen von Gegebenheiten. Sie ist auch eine große Freundin von Statistiken, die ihr später, nach dem Ende der Krimkriege, als sie in England als Beraterin vieler Minister und sogar der Königin herangezogen wird, sehr behilflich sind, wenn es darum geht, sture Männer von ihren Vorstellungen zu überzeugen.

Zu ihrer Zeit, als sie zum ersten Mal auf die Schlachtfelder und in die Lazarette kommt, ist die Tätigkeit von Frauen in Hospitälern etwas Ungewohntes, Fremdes. Wenn überhaupt, kommen Frauen aus der Unterschicht, oft dem Alkohol verfallen oder aus Armut kriminell geworden, dort zum Einsatz. Nightingale ändert das, beginnt damit, die sich freiwillig meldenden Frauen auszubilden, wobei sie ganz besonders auf große Hygiene achtet, etwas, was zu dieser Zeit wenig bis gar nicht beachtet wird. Beliebt macht sie sich damit nicht, insbesondere nicht bei Militär und bei den Befehlshabern.

Aber sie setzt sich durch, was sich im Grunde bis heute spüren lässt. Noch heute gibt es Schwesternschulen, die auf den Methoden und Lehren Nightingales beruhen oder doch zumindest ihren Namen tragen.

All das schildert die Autorin in diesem spannenden und hochinteressanten Buch, das man nur empfehlen kann. Es bietet sich an, weiterführende Literatur heranzuziehen, worauf man auch entschieden Lust bekommt, nach dieser Lektüre.

Hedwig Herold-Schmidt – Florence Nightingale: Die Frau hinter der Legende.
wbg Theiss, März 2020
 Gebundene Ausgabe, 320 Seiten, 32,00 €

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Cover des Buches Florence Nightingale (ISBN: 9783806240559)S

Rezension zu "Florence Nightingale" von Hedwig Herold-Schmidt

Wer war diese Frau?
Sikalvor 2 Jahren


Es gibt wohl niemanden, dem Florence Nightingale (1820 – 1910) kein Begriff ist. Sie entstammte einer gutsituierten viktorianischen Familie, denen Bildung für ihre beiden Töchter wichtig war. Doch sie entsprach keinesfalls dem Frauenbild jener Zeit, stand doch Heirat und Familie für sie nicht an erster Stelle.

 

Von den einen wird sie verehrt als „Engel der Menschlichkeit“, die anderen sehen in ihr die Feministin. Doch wer war diese Frau wirklich? Wer verbirgt sich hinter dem Mythos der „Lady with the Lamp“?

 

Die Historikerin Dr. Hedwig Herold-Schmidt schafft mit dieser Biografie einen aufschlussreichen Einblick in das Leben von Florence Nightingale. Sie lässt den Heiligenschein weg, beschreibt Kindheit und Jugend sowie den Kampf mit der Familie, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Die Pflege wurde zu ihrer Lebensaufgabe, die sie immer weiter optimierte. Auch wenn sie oft auf Mauern stoß, wurden viele Ansätze von ihr so nach und nach übernommen. Vor allem predigte sie tretmühlenartig die Missstände in der Hygiene und stellte deren Wichtigkeit hervor.

 

Doch auch selbst hatte sie mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und konnte so manche Tätigkeit nur mit Mühe erledigen. Und trotzdem war sie unermüdlich im Einsatz, für das Thema, das ihr wichtig schien. Sie war eine grandiose Netzwerkerin und wusste wie man sich Gehör verschafft. Interessant finde ich, dass sie bereits Statistiken erfasst hat und aussagekräftig präsentierte.

 

Am Ende findet sich ein grober Fehler – Florence Nightingale ist am 13.8.1910 (und nicht 2010) verstorben.

 

Die Biografie gibt uns viele interessante Einblicke in ein umfangreiches Leben, die ich sehr gerne gelesen habe. Gerne vergebe ich hier 5 Sterne.

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Cover des Buches Florence Nightingale (ISBN: 9783806240559)D

Rezension zu "Florence Nightingale" von Hedwig Herold-Schmidt

Beeindruckende Auseinandersetzung mit einer außergewöhnlichen Persönlichkeit
dj79vor 2 Jahren

Florence Nightingale „kannte“ ich bisher als berühmte Persönlichkeit nur vom Namen her. Was genau ihren Ruhm ausmachte sowie ihre zeitliche Verortung in der Geschichte war mir verborgen geblieben. Mit der zum 200. Geburtstag der Protagonistin erschienenen Biografie von Hedwig Herold-Schmidt wollte ich die mir sehr wohl bewusste Bildungslücke schließen.

Obwohl ich schon eine herausragende Persönlichkeit erwartet hatte, wurde ich dennoch von dem Ausmaß der Talente Florence Nightingales überrascht. Besonders beeindruckt haben mich neben ihrer Fähigkeit zum Netzwerken, ihre Überzeugungskraft und ihr Durchhaltevermögen. Dabei schien sie von Beginn an immer wieder eine längere Zeit auf verlorenem Posten zu kämpfen, wenn neue Themen zu platzieren waren. Schon das autodidaktische Schaffen einer Basis für ihr späteres Engagement für kranke Soldaten wurde von Teilen der Familie überaus kritisch betrachtet. Die Zeit, die Florence Nightingale mit umfangreicher Lektüre und auf (Bildungs-)Reisen verbrachte, hätte sie aus Sicht der familiären Kritiker wohl besser in einen späteren Ehemann investieren sollen. 

Besonders gefallen hat mir an der Herangehensweise von Hedwig Herold-Schmidt, die Kombination aus Chronologie im Lebenslauf mit dem Herausheben der wichtigsten Themen Florence Nightingales. So lässt sich die Entwicklung der Protagonistin verfolgen. Die Prioritäten in ihrem Schaffen sind augenscheinlich klar. 

Für das Verständnis ihrer Selbstfindungsphase, ihrer Suche nach einer Aufgabe im Leben, war der Einstieg über die viktorianische Familie essenziell. Nur so wird für uns heute der Weg über die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben hin zur Pflege wirklich nachvollziehbar. Sehr wichtig darzustellen war darüberhinaus auch die Art wie Florence Nightingale kommuniziert, wie sie einerseits Daten mittels Befragungen gesammelt, grafisch aufbereitet und Wissen geschaffen, anderseits dieses Wissen geschickt einsetzt hat, um ihre Ziele zu verfolgen. Nur so avanciert sie zur „Governess of the Governors“. Erstaunlich, gleichzeitig offensichtlich, dass sie all dies per unzähliger Briefe und über persönliche Beziehungen - also über Besucher - getan hat, da sie nach dem Krimkrieg gesundheitlich eingeschränkt nicht mehr zu langen Reisen in der Lage war. So konnte  Florence Nightingale sich beispielsweise ein recht detailliertes Bild über Indien innerhalb ihres Interessenhorizonts machen, ohne selbst je dort gewesen zu sein. 

Glaubwürdigkeit erlangen sämtliche dezenten bewertenden Formulierungen durch die Betrachtung der Persönlichkeit Nightingale im historischen Kontext. Insgesamt hatte ich als Leser den Eindruck, dass wohl eher ich selbst Bewertungen vorgenommen habe. Damit diese nicht zu heroisch bzw. auf Basis heutigen Wissens und heutiger Möglichkeiten zu negativ ausfallen, war die historische Brille sehr hilfreich.

Insgesamt lässt mich die Biografie begeistert zurück. Ich habe eine überaus faszinierende Persönlichkeit kennen gelernt, in deren Werk ich nun noch tiefer einsteigen möchte. Dieser erste Kontakt zu Florence Nightingale wurde mir durch die verständliche, sehr gut nachzuempfindende Aufbereitung leicht gemacht. Diese Biografie ist sehr zu empfehlen.

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