Heidemarie Koch Frauen und Schlangen

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Inhaltsangabe zu „Frauen und Schlangen“ von Heidemarie Koch

Im 5. bis 1. Jt. v. Chr. hatte sich in Alt-Iran eine Hochkultur herausgebildet, die zu den Größten des alten Vorderen Orients zählte – die Kultur der Elamer. Lange vor dem Turm zu Babylon errichteten Elamer die ersten Stufentempel (Zikkurats). Sie trugen entscheidend zur Entwicklung der Schrift bei. Verwaltung, Historiographie, Dichtung und Wissenschaft haben im Iran ihre Wurzeln. Frauen hatten in dieser Gesellschaft eine ganz besondere Bedeutung – sie bestimmten den legitimen Thronfolger. Schlangen waren allgegenwärtig in der Symbolwelt des Göttlichen. Die Elamer spielten noch nach Untergang ihres Reiches zu Zeiten des persischen Großkönigs Dareios eine besondere Rolle als Gelehrte und Schreiber. Auf der Grundlage neuester Forschungen gibt der Band Einblicke in Religion, Kultur und Geschichte eines Reiches im heutigen Iran, das bislang zu den großen Unbekannten der frühen Hochkulturen des Vorderen Orients zählte.

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  • Rezension zu "Frauen und Schlangen" von Heidemarie Koch

    Frauen und Schlangen

    wolfschwerdt

    19. May 2010 um 13:50

    Mit dem Buch Frauen und Schlangen hat die Deutsche Iranistin Prof. Dr. Heidemarie Koch das derzeit wohl einzige umfassende und aktuelle Werk über Elam im alten Iran geschaffen. Während Ägypten und Mesopotamien schon früh in das Zentrum des archäologischen Interesses geraten waren und dort seit Beginn des 20. Jahrhunderts wissenschaftliche Ausgrabungen begonnen wurden, ist das riesige Gebiet Irans mit einer Ausnahme bisher nur relativ wenig erforscht. Susa gehört zu den am gründlichsten untersuchten und am besten dokumentierten Städten des Iran und bildet damit die Grundlage für die Beschäftigung mit der elamischen Kultur und Geschichte. Denn Elam ist ein auf iranischem Gebiet, östlich Mesopotamiens gelegener, eigenständiger Kulturkreis, der im Laufe der Jahrtausende einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der heutigen Regionen vom Persischen Golf über Irak bis weit hinein nach Syrien hatte. Die etwa 4200 vor unserer Zeitrechnung gegründete Stadt Susa ist dabei eine von mehreren zentralen Siedlungen des als Elamisch ausgemachten Kulturkreises, deren archäologische Funde den Beginn dieser Kultur in die Reihe der ganz frühen Kulturen des sogenannten fruchtbaren Halbmondes einordnet. Historisch taucht Elam erst mit den sumerischen und akkadischen Berichten des 3. Jahrtausends vor unserer Zeit auf, beispielsweise als eroberte Gebiete, aus denen reiche Beute zu holen war. So hatte der akkadische Herrscher Rimusch nach eigenen Angaben den König von Elam gefangengenommen und dabei 16.212 Mann getötet und 4.216 gefangengenommen. Zu seinem Ruhm hatte sicher auch die eindrucksvolle Beute von 30 Minen Gold (etwa 15 Kilogramm), 3.600 Minen Kupfer sowie 360 Sklaven und Sklavinnen beigetragen. Allein, weil sich die Sprache der Elamer mit keiner der uns bekannten Sprachen verbinden lässt, ist diese Kultur schon geheimnisvoll. Und die eigenständigen kulturellen Leistungen, bereits in der Frühzeit, tragen ebenfalls dazu bei. So hat man in Susa die bisher reichsten Belege für die Stufe unmittelbar vor Einführung der Schrift gefunden, die so erstaunlich schnell in Mesopotamien zur Verwaltung der schnell wachsenden Städte eingesetzt wurde. In Susa und in anderen elamischen Zentren hatte man gewaltige Bauten ausgegraben, die die Vermutung nahe legen, dass hier und nicht in Mesopotamien die ersten Zikkurate, also Stufentempel entstanden waren. Insgesamt geben die Funde gerade aus der Frühzeit des Kulturraumes noch viele Rätsel auf, die im Buch "Frauen und Schlangen" untersucht werden. Dabei geht die Iranistin Heidemarie Koch sehr systematisch vor und beantwortet zunächst einmal die Frage, die nicht nur Laien interessiert: wer waren die Elamer und wo lag das Land Elam? In diesem Zusammenhang machen Ausführungen zu Topografie und Umwelt deutlich, wie günstig die Voraussetzungen für die Entwicklung dieser erstaunlichen Kultur waren, deren erstes ergrabenes Zentrum, Susa, ausführlich, auch archäologisch vorgestellt wird. Die Funde von nicht nur für die Frühzeit dieser Region außergewöhnlicher Qualität, werden dem Leser anhand von Zeichnungen, Fotos und ausführlichen Erläuterungen nahegebracht und versetzen ihn immer wieder in Erstaunen. Und die noch nicht verstandene Symbolik, die die reich verzierten Gefäße aus Ton, Stein oder gar Bitumen schmückt, lässt kaum, dass man glaubt, etwas von dieser Kultur verstanden zu haben, die Elamer gleich wieder in geheimnisvolle Sphären verschwinden. Aber Frau Koch ist Wissenschaftlerin und weit davon entfernt, in dem Buch reißerisch- mystische Geheimniskrämerei zu betreiben. Ihr Stil ist klar, präzise und verständlich. Das Geheimnisvolle der elamischen Kultur ergibt sich einfach aus der Tatsache, dass sie sich mit ihren Zeugnissen als etwas Besonderes in der Region präsentiert. Je näher man zeitlich dem Perserreich kommt, in dem die elamische Kultur schließlich aufgehen wird, nicht ohne die Persische entscheidend mitzuprägen, desto deutlicher erscheint sie als politische, kulturelle und militärische Kraft in der Region des fruchtbaren Halbmondes. Nun gibt es auch genauere Informationen über Regenten, elamische Götter, Reiche, Städtebündnisse, gewonnene und verlorene Kriegszüge. Und fast zuletzt stößt man in dem Buch auch auf das Kapitel, auf das der Titel hinweist: Frauen und Schlangen. Denn Frauen, so belegt Koch, hatten in Elam eine besondere Stellung. Ganz ohne Zweifel war die elamische Kultur insgesamt wohl etwas Besonderes. Sie hatte bereits in ihrer Entstehungszeit die angrenzenden Kulturräume in vieler Hinsicht beeinflusst und gefördert und selbst bei ihrer Integration in das Perserreich spielte sie beispielsweise mit der elamischen Schrift noch eine staatstragende Rolle. Ebenso besonders wie die elamische Kultur ist auch das Buch. Nicht nur wegen der verständlichen Sprache und gleichzeitigen wissenschaftlichen Fundiertheit. Das Buch schafft es tatsächlich, Interesse für Elam zu wecken. Leider, möchte man nach Abschluss der Lektüre fast sagen, denn es gibt derzeit über dieses Buch hinaus wohl weder neue Erkenntnisse noch andere vergleichbare Werke zu diesem Thema.

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