Heidi Benneckenstein

 3.7 Sterne bei 44 Bewertungen
Heidi Benneckenstein

Lebenslauf von Heidi Benneckenstein

Heidi Benneckenstein wurde in der Nähe von München geboren und wuchs in einer Familie von überzeugten Nazis auf. Dort gehörte sie zu der rechtsextremen Jugendorganisation "Heimattreue Deutsche Jugend" und wurde von ihren Eltern völkisch erzogen. Doch anstatt den Weg zu NPD, Pegida, etc. weiterzugehen so wie ihre ehemaligen Freunde, stieg sie mit 19 Jahren aus der Szene aus. Über ihre Erfahrungen und den Ausstieg schrieb sie ihre Biografie "Ein deutsches Mädchen - Mein Leben in einer Neonazi-Familie".

Alle Bücher von Heidi Benneckenstein

Heidi BenneckensteinEin deutsches Mädchen
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Ein deutsches Mädchen
Ein deutsches Mädchen
 (44)
Erschienen am 04.03.2018

Neue Rezensionen zu Heidi Benneckenstein

Neu
SkadiVs avatar

Rezension zu "Ein deutsches Mädchen" von Heidi Benneckenstein

Ein Leben im braunen Sumpf
SkadiVvor 3 Monaten

Als Kind hatte Heidi Benneckenstein keine Ahnung, dass ihre Familie anders ist. Dass sie in eine Nazifamilie hinein geboren wurde, begriff sie erst später. Aber wie ist es, seine Kindheit unter anderem in Camps zu verbringen, in denen Hakenkreuze fast schon Normalität sind und in dem sich die Menschen längst vergangene Zeiten zurückwünschen? Wenn man Deutschland in seinen alten Grenzen aus Holz aussägen muss und lernt, es hätte den Holocaust nie gegeben?

Es ist ein erschreckendes Bild, dass diese Biographie zeichnet. Angefangen bei einer Kindheit im rechten Milieu, hinein in die rechtsradikale Szene. In einen braunen Sumpf, aus dem heraus zu kommen, alles andere als einfach ist. Aber Heidi hat dies geschafft. Trotz ihrer Vergehen, muss man den Hut vor ihrem Mut ziehen, dieses Buch zu veröffentlichen.

Heidi Benneckenstein hat den Weg in die Szene nicht frei gewählt, der Weg schien ihr vorgezeichnet und damit steht sie im Kontrast zu vielen anderen Aussteigern. Berichte über das innere der rechten Szene findet man zu Hauf, Aussteigerbiographien, Studien, Onlineartikel. Nur wenig über die Kindheit in der Szene und allein deswegen würde ich eine absolute Leseempfehlung für dieses Buch aussprechen. Hinzu kommt ein authentischer Bericht darüber, wie Nazis die Wahrheit solange verdrehen, bis sie in ihr Weltbild passt und darüber dass die etwas merkwürdig wirkende gutbürgerliche Familie von Nebenan manchmal mehr mit dem Biersaufenden Skinhead zu tun hat, als man auf den ersten Blick glauben würde.

Manchmal hadert sie damit, will nicht werden wie ihre Mutter, hat Stress mit dem Vater. Statt früh auszusteigen und das alles hinter sich zu lassen, steigt sie tiefer in die Szene ein. Die Seite des Rechtsradikalismus, die wir aus den Medien kennen. An vielen Stellen wirken diese Beschreibungen Klischeehaft, aber vielleicht sind diese Menschen auch tatsächlich eine Karikatur ihrer selbst. Interessant ist, wie tief Benneckenstein tatsächlich in der Szene steckte und wie schwer ihr der Ausstieg fiel. Hier kommt ein weiteres interessantes Puzzlestück, das ihre Biographie von der anderer Aussteiger unterscheidet, hinzu: sie ist gemeinsam mit ihrem Freund ausgestiegen. Das macht es schwerer und leichter zugleich und damit umso beeindruckender.

Es gibt viele Anekdoten in diesem Buch, schockierend und packend. Zumindest theoretisch. Es gibt viele Stellen, an denen die Atmosphäre authentisch wirkt, an denen man sich als Leser in Heidi Benneckenstein hineinversetzen kann, obwohl ihr damaliges Leben so herzlich wenig mit dem unseren zu tun hat. Trotzdem ist es nicht so fesselnd, wie es sein könnte. Das liegt vor allem Stil, der meist sehr nüchtern ist, manchmal träfe es sogar das Wort fad. Mit viel Abstand reflektiert Benneckenstein ihr Leben, das merkt man. Aber der Anspruch an ein solches Buch sollte auch nicht sein, ein stilistisches Meisterwerk zu sein, es sollte aufklären und diesen Zweck erfüllt es. Ich hoffe sehr, dass es irgendwann in jedem Bundesland auf dem Lehrplan auftaucht, denn dieses Buch zeigt uns definitiv mehr über dieses fremde Leben als jede Dokumentation inklusive kurzem Interview mit einem Aussteiger über die Szene und vor allem wesentlich mehr als überzeichnete Filme wie „Kriegerin“.

 

Kommentieren0
2
Teilen
dieFlos avatar

Rezension zu "Ein deutsches Mädchen" von Heidi Benneckenstein

Das Leben wählen
dieFlovor 4 Monaten

Wenn Heidi hätte das Leben wählen können, dann wäre sie sicher in einer anderen Familie geboren worden. Aber man kann nicht wählen und somit weiß sie am Anfang nicht, dass ihre Familie anders ist. Das andere Kinder nicht schon im frühesten Kindheitsalter in ein Camp müssen und dass dieses Camp nicht so normal ist, wie es erscheint. Als sie älter ist, begreift sie schon, sie wünscht sich schönere Sachen, Spielzeug, wie es ihre Klassenkameraden haben, doch es bleibt ihr verwehrt. Stattdessen darf sie eine streng deutsche Erziehung genießen. Sie lernt die alten Grenzen Deutschlands und alte Lieder, sie lernt, dass das Leben hier nur vorübergehend so sein soll und das Besitz nur bindet. Deshalb nur ihr schlichtes, sehr einfaches Zimmer zu Hause. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt so langsam der Verstand. Ist das alles richtig? Wäre eine Jugendweihe nicht eine schönere Feier gewesen? Sind diese rechten Typen nicht alle ein wenig arm und suchen nur Liebe in der Beziehung um andere Defizite auszugleichen? So nach und nach sieht Heidi ihre Welt kritischer und so nach und nach möchte sie weg. 


Dieses Buch ist kein Buch, welches man mit herkömmlichen Aussteigerbüchern vergleichen kann. Dieses Buch ist keine Abrechnung mit irgendjemanden. Wenn dann maximal mit sich selbst. Die Erkenntnis, dass sie in der Schule schon hätte eher aufwachen können, um ein besseres Leben zu haben. Das ihre Mama ein Leben führte, wie sie  es nie haben möchte und die Erkenntnis, dass man alles schaffen kann, wenn man will.

Einfach, schlicht und sachlich - so erzählt Heidi ihr Leben, ihre Kindheit, wie niemand seine Kindheit haben sollte und genauso einfach erzählt sie, wie sie nun ein neues Leben führt. ihr neues Leben als Erzieherin, so ganz normal - wo vor vielen Jahren diese Normalität so weit weg war. 

Ein Buch, welches es sich zu lesen lohnt. 

Kommentieren0
42
Teilen
kuerbiskoepfchens avatar

Rezension zu "Ein deutsches Mädchen" von Heidi Benneckenstein

Aufrüttelnd, schockierend und sooo wichtig zu wissen!
kuerbiskoepfchenvor 7 Monaten

Dieses Buch ist mir schon aufgrund seines Covers in der Buchhandlung aufgefallen und hat mich direkt angesprochen. Das Layout scheint also bereits gelungen zu sein. ;) Gerade erst gekauft, konnte ich es kaum mehr weglegen. 


Heidi berichtet nicht nur aus der rechten Szene, wie die "Kameraden" ticken und was sich hinter den Kulissen so abspielt, sie erzählt vor allem aus eigener Erfahrung, die sich fast auf die ersten 20 Jahre ihres Lebens beziehen.  Denn Heidi ist in einer Nazifamilie aufgewachsen. Der Vater ein angesehener Nazi, der streng und gefühlskalt ist, die Mutter lässt es geschehen. So kommt es, dass Heidi komplett unter Nazis aufwächst, was für sien zunächst komplett normal ist. Sie kennt es ja nicht anders!

Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, die ihr seltsam vorkommen, denen sie sich entgegen stellt, weil sie mit ihnen nicht einverstanden ist. Meist eher provozierend, laut und unangepasst. Denn das hat sie so gelernt. Ruhige Diskussionen, gegenseitige Aushandlungen ist sie nicht gewohnt... und so kommt es, dass sie sich auch in der Schule ziemlich unangepasst verhält, während sie sich ganz selbstverständlich in der rechten Szene bewegt, auf NPD Veranstaltungen geht, Demonstrationen besucht, Punks verprügelt und sogar auf einer Beerdigung eines bedeutenden Nazis auftaucht.

Ihre Denkweise, ihr Umfeld, ihr Leben letztendlich grundlegend zu verändern, das geschieht nicht von heute auf morgen. Es dauert eine Weile, mehrere Situationen und es braucht vor allem einen Menschen: Felix, ihren heutigen Mann, um zu begreifen, dass dies nicht das Leben ist, welches sie sich wünscht. Doch der Ausstieg aus rechten Kreisen ist nicht leicht, wenn man erst einmal drinhängt...

Eine spannende, sehr gut geschriebene Lebensgeschichte einer jungen Frau, die den Absprung aus der rechten Szene geschafft hat, und sich dafür sogar teilweise von ihrer Familie trennen musste... sehr empfehlenswert!

Kommentieren0
25
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 80 Bibliotheken

auf 20 Wunschlisten

von 4 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks