Ein deutsches Mädchen

von Heidi Benneckenstein 
3,7 Sterne bei44 Bewertungen
Ein deutsches Mädchen
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Positiv (29):
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Eine wichtiges Buch, über eine uns fremde und schockierende Welt.

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Ein deutsches Mädel entflieht dem braunen Sumpf, doch das fesselt nicht wirklich

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Inhaltsangabe zu "Ein deutsches Mädchen"

Wer so tief im braunen Sumpf steckt, schafft es nicht über Nacht hinaus.
Heidi wächst in der alles umfassenden Ideologie einer Nazi-Familie heran, in militanten Jugendgruppen und Kameradschaften. Mit Drill, Schlägen und Belohnung wird sie auf ein Leben im rechten Hass-Milieu vorbereitet. Mit zwanzig findet sie den Mut auszusteigen. Hier blickt sie noch einmal in die Abgründe dieser Parallelwelt.

Deutschland, Ende der 1990er, ein idyllisches Dorf bei München. In Heidis Familie ist die Zeit stehen geblieben. Als kleines Mädchen wird sie in konspirative Ferienlager der »Heimattreuen Deutschen Jugend« geschickt, wo schon für die Kleinen paramilitärischer Drill auf dem Programm steht. Dort lernt sie auch, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 in Holz zu sägen. Mit fünfzehn nimmt Heidi an rechten Aufmärschen teil, hetzt gegen Ausländer und prügelt auf einen Fotografen der »Lügenpresse« ein. Heidis Welt bekommt erste Risse, als sie Flex kennenlernt, einen nicht mehr restlos überzeugten Liedermacher aus der rechten Szene. Mit zwanzig vollzieht sie die komplette Kehrtwende, bricht den Kontakt zu ihrer Familie ab, taucht unter, lässt die Welt der alles umfassenden Nazi-Ideologie hinter sich und durchläuft ein Aussteiger-Programm. Dies ist die Geschichte ihrer zwei Leben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608503753
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:252 Seiten
Verlag:Tropen
Erscheinungsdatum:04.03.2018

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    SkadiVs avatar
    SkadiVvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Eine wichtiges Buch, über eine uns fremde und schockierende Welt.
    Ein Leben im braunen Sumpf

    Als Kind hatte Heidi Benneckenstein keine Ahnung, dass ihre Familie anders ist. Dass sie in eine Nazifamilie hinein geboren wurde, begriff sie erst später. Aber wie ist es, seine Kindheit unter anderem in Camps zu verbringen, in denen Hakenkreuze fast schon Normalität sind und in dem sich die Menschen längst vergangene Zeiten zurückwünschen? Wenn man Deutschland in seinen alten Grenzen aus Holz aussägen muss und lernt, es hätte den Holocaust nie gegeben?

    Es ist ein erschreckendes Bild, dass diese Biographie zeichnet. Angefangen bei einer Kindheit im rechten Milieu, hinein in die rechtsradikale Szene. In einen braunen Sumpf, aus dem heraus zu kommen, alles andere als einfach ist. Aber Heidi hat dies geschafft. Trotz ihrer Vergehen, muss man den Hut vor ihrem Mut ziehen, dieses Buch zu veröffentlichen.

    Heidi Benneckenstein hat den Weg in die Szene nicht frei gewählt, der Weg schien ihr vorgezeichnet und damit steht sie im Kontrast zu vielen anderen Aussteigern. Berichte über das innere der rechten Szene findet man zu Hauf, Aussteigerbiographien, Studien, Onlineartikel. Nur wenig über die Kindheit in der Szene und allein deswegen würde ich eine absolute Leseempfehlung für dieses Buch aussprechen. Hinzu kommt ein authentischer Bericht darüber, wie Nazis die Wahrheit solange verdrehen, bis sie in ihr Weltbild passt und darüber dass die etwas merkwürdig wirkende gutbürgerliche Familie von Nebenan manchmal mehr mit dem Biersaufenden Skinhead zu tun hat, als man auf den ersten Blick glauben würde.

    Manchmal hadert sie damit, will nicht werden wie ihre Mutter, hat Stress mit dem Vater. Statt früh auszusteigen und das alles hinter sich zu lassen, steigt sie tiefer in die Szene ein. Die Seite des Rechtsradikalismus, die wir aus den Medien kennen. An vielen Stellen wirken diese Beschreibungen Klischeehaft, aber vielleicht sind diese Menschen auch tatsächlich eine Karikatur ihrer selbst. Interessant ist, wie tief Benneckenstein tatsächlich in der Szene steckte und wie schwer ihr der Ausstieg fiel. Hier kommt ein weiteres interessantes Puzzlestück, das ihre Biographie von der anderer Aussteiger unterscheidet, hinzu: sie ist gemeinsam mit ihrem Freund ausgestiegen. Das macht es schwerer und leichter zugleich und damit umso beeindruckender.

    Es gibt viele Anekdoten in diesem Buch, schockierend und packend. Zumindest theoretisch. Es gibt viele Stellen, an denen die Atmosphäre authentisch wirkt, an denen man sich als Leser in Heidi Benneckenstein hineinversetzen kann, obwohl ihr damaliges Leben so herzlich wenig mit dem unseren zu tun hat. Trotzdem ist es nicht so fesselnd, wie es sein könnte. Das liegt vor allem Stil, der meist sehr nüchtern ist, manchmal träfe es sogar das Wort fad. Mit viel Abstand reflektiert Benneckenstein ihr Leben, das merkt man. Aber der Anspruch an ein solches Buch sollte auch nicht sein, ein stilistisches Meisterwerk zu sein, es sollte aufklären und diesen Zweck erfüllt es. Ich hoffe sehr, dass es irgendwann in jedem Bundesland auf dem Lehrplan auftaucht, denn dieses Buch zeigt uns definitiv mehr über dieses fremde Leben als jede Dokumentation inklusive kurzem Interview mit einem Aussteiger über die Szene und vor allem wesentlich mehr als überzeichnete Filme wie „Kriegerin“.

     

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    dieFlos avatar
    dieFlovor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Realistische und einfach Darstellung des Lebens in der Szene als Kind
    Das Leben wählen

    Wenn Heidi hätte das Leben wählen können, dann wäre sie sicher in einer anderen Familie geboren worden. Aber man kann nicht wählen und somit weiß sie am Anfang nicht, dass ihre Familie anders ist. Das andere Kinder nicht schon im frühesten Kindheitsalter in ein Camp müssen und dass dieses Camp nicht so normal ist, wie es erscheint. Als sie älter ist, begreift sie schon, sie wünscht sich schönere Sachen, Spielzeug, wie es ihre Klassenkameraden haben, doch es bleibt ihr verwehrt. Stattdessen darf sie eine streng deutsche Erziehung genießen. Sie lernt die alten Grenzen Deutschlands und alte Lieder, sie lernt, dass das Leben hier nur vorübergehend so sein soll und das Besitz nur bindet. Deshalb nur ihr schlichtes, sehr einfaches Zimmer zu Hause. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt so langsam der Verstand. Ist das alles richtig? Wäre eine Jugendweihe nicht eine schönere Feier gewesen? Sind diese rechten Typen nicht alle ein wenig arm und suchen nur Liebe in der Beziehung um andere Defizite auszugleichen? So nach und nach sieht Heidi ihre Welt kritischer und so nach und nach möchte sie weg. 


    Dieses Buch ist kein Buch, welches man mit herkömmlichen Aussteigerbüchern vergleichen kann. Dieses Buch ist keine Abrechnung mit irgendjemanden. Wenn dann maximal mit sich selbst. Die Erkenntnis, dass sie in der Schule schon hätte eher aufwachen können, um ein besseres Leben zu haben. Das ihre Mama ein Leben führte, wie sie  es nie haben möchte und die Erkenntnis, dass man alles schaffen kann, wenn man will.

    Einfach, schlicht und sachlich - so erzählt Heidi ihr Leben, ihre Kindheit, wie niemand seine Kindheit haben sollte und genauso einfach erzählt sie, wie sie nun ein neues Leben führt. ihr neues Leben als Erzieherin, so ganz normal - wo vor vielen Jahren diese Normalität so weit weg war. 

    Ein Buch, welches es sich zu lesen lohnt. 

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    kuerbiskoepfchens avatar
    kuerbiskoepfchenvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Interessant was in der rechten Szene so hinter den Kulissen passiert, wie Heidi damit aufgewachsen und dann ausgestiegen ist. Lesenswert!
    Aufrüttelnd, schockierend und sooo wichtig zu wissen!

    Dieses Buch ist mir schon aufgrund seines Covers in der Buchhandlung aufgefallen und hat mich direkt angesprochen. Das Layout scheint also bereits gelungen zu sein. ;) Gerade erst gekauft, konnte ich es kaum mehr weglegen. 


    Heidi berichtet nicht nur aus der rechten Szene, wie die "Kameraden" ticken und was sich hinter den Kulissen so abspielt, sie erzählt vor allem aus eigener Erfahrung, die sich fast auf die ersten 20 Jahre ihres Lebens beziehen.  Denn Heidi ist in einer Nazifamilie aufgewachsen. Der Vater ein angesehener Nazi, der streng und gefühlskalt ist, die Mutter lässt es geschehen. So kommt es, dass Heidi komplett unter Nazis aufwächst, was für sien zunächst komplett normal ist. Sie kennt es ja nicht anders!

    Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, die ihr seltsam vorkommen, denen sie sich entgegen stellt, weil sie mit ihnen nicht einverstanden ist. Meist eher provozierend, laut und unangepasst. Denn das hat sie so gelernt. Ruhige Diskussionen, gegenseitige Aushandlungen ist sie nicht gewohnt... und so kommt es, dass sie sich auch in der Schule ziemlich unangepasst verhält, während sie sich ganz selbstverständlich in der rechten Szene bewegt, auf NPD Veranstaltungen geht, Demonstrationen besucht, Punks verprügelt und sogar auf einer Beerdigung eines bedeutenden Nazis auftaucht.

    Ihre Denkweise, ihr Umfeld, ihr Leben letztendlich grundlegend zu verändern, das geschieht nicht von heute auf morgen. Es dauert eine Weile, mehrere Situationen und es braucht vor allem einen Menschen: Felix, ihren heutigen Mann, um zu begreifen, dass dies nicht das Leben ist, welches sie sich wünscht. Doch der Ausstieg aus rechten Kreisen ist nicht leicht, wenn man erst einmal drinhängt...

    Eine spannende, sehr gut geschriebene Lebensgeschichte einer jungen Frau, die den Absprung aus der rechten Szene geschafft hat, und sich dafür sogar teilweise von ihrer Familie trennen musste... sehr empfehlenswert!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Monaten
    Zwiespältiges Resümee

    Heidi Benneckenstein verbringt die ersten knapp zwanzig Jahre ihres Lebens in einem rechtsextremen Umfeld. Ihre Familie, ihre Freunde in einem Dorf bei München - alle sind sie Neonazis, teilweise sogar Größen in der Szene. Heidi und ihre Schwestern kennen es nicht anders, denn die wenigen Berührungspunkte mit Andersdenkenden lassen sie als Außenseiterinnen keinerlei Erfahrung machen. Stattdessen bewegt sich Heidi in militanten Jugendgruppen, wird Mitglied in der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) und knüpft Kontakte zu sogenannten freien Kameradschaften. Zuhause wird sie mit Härte und Drill erzogen, die Atmosphäre wirkt so, als wäre die Zeit im Hause Redeker stehengebleiben - mindestens extrem rückwärtsgewandt wirkt die Erziehung, aber schnell wird klar, dass die Redekers in gefestigten nationalsozialistischen Strukturen leben und ihre Kinder auch dementsprechend formen. Es ist eine Parallelwelt, die kaum zu begreifen ist, da sie so dermaßen ordentlich und zutiefst mustergültig-nationalsozialistisch ist, dass ich an mancher Stelle fast ungläubig lachen musste. 

    Im Alter von 15 Jahren nimmt Heidi an Aufmärschen teil, hetzt gegen alle, die nicht in ihre Weltbild passen, und greift Menschen auch körperlich an.

    Erst als die Siebzehnjährige schwanger wird, kommt ihr Weltbild erstmals ins Wanken. Wollen ihr Freund Felix, selbst ein rechter Aktivist, und sie wirklich, dass ihr Kind in dieser Szene groß wird? Auch der Kontakt zu einem rechten Liedermacher, dessen politisches Weltbild ebenfalls Risse bekommen hat, gibt Heidi zu denken… Schließlich wendet sie sich mit 19 von ihrer Familie ab, taucht unter und schafft mit einem Aussteiger-Programm die Kehrtwende in ihrem Leben.


    „Ein deutsches Mädchen“ ist eine Biographie, die mich ziemlich zwiespältig zurücklässt. Zum einen ist sie schockierend, zum anderen macht sie mich auch ein Stück ratlos. Doch von Anfang an.


    Die Schilderungen der Kindheit ist wirklich aufrüttelnd, denn natürlich weiß ich, dass es Nazis gibt - aber in meiner Vorstellung sind das Menschen, die sich bewusst für diese menschenverachtende Ideologie entschieden haben. Bei Heidi ist es anders, denn sie wurde von Kindesbeinen an indoktriniert, ja, vollumfänglich rechtsextrem sozialisiert. Sie hat sich nicht bewusst entschieden, sondern kannte schlicht und ergreifend nicht anders. Alleine diese Erkenntnis hat mich erst einmal schockiert, ebenso wie die Tatsache, dass es bei Redekers zuhause wie bei einer Muster-Nazi-Familie in den 30er Jahren zuging. Das Mädchen stellte ich mir wie ein Kind auf einem Werbeplakat für den BDM vor, blond mit Zöpfen und im züchtigen Kleid - die Bilder im Buch haben mich bestätigt.


    Ratlos hat es mich allerdings gemacht, dass Benneckenstein keinerlei Bezug zu ihrer heutigen Einstellung nimmt. Natürlich ist es schwierig, sie bei all der Erziehung für ihr Handeln damals verantwortlich zu machen, denn sie steckte sehr tief im braunen Sumpf und kannte keine Alternative. Verwundert hat mich dennoch, dass sie zu keinem Zeitpunkt gegen ihr Zuhause oder zumindest ihren Vater rebelliert hat. Nein, sie nimmt die Strafen und Demütigungen hin, ordnet sich den geforderten antiquierten und zutiefst nationalsozialistischen Tugenden ihres Vaters unter und freut sich über die wenigen Belohnungen für ein perfekt konformes Verhalten. Andernorts scheint sie allerdings dann nicht mehr so auf den Mund gefallen zu sein, gibt gerne die Frontsau und scheut sich auch nicht vor körperlichen Angriffen. 


    Nachdem Benneckenstein sich nun die Mühe gemacht hat, ein - zugegeben etwas holprig zu lesendes - Buch zu schreiben und so ihre Erlebnisse einer breiten Öffentlichkeit offen zu legen, hätte ich mir gewünscht, dass sie sich auch mit ihren eigenen Taten und ihrer Verantwortung befasst. Stattdessen habe ich den Eindruck, dass sie die Schuld fast ausschließlich bei ihrem Vater sieht. Ich stimme ihr zu, denn er hat ihr dieses Weltbild eingetrichtert, hat bedingungslosen Gehorsam gefordert - und dennoch empfinde ich dieses „Wegschieben“ sämtlicher Verantwortung als falsch. Ja, Heidi Benneckenstein ist ein Opfer, aber sie ist auch Täterin und hatte hier die Chance, alles auf den Tisch zu packen.


    Dennoch habe ich Respekt vor ihrem Ausstieg und dem Mut, unter ihrem realen Namen von ihrem ersten Leben zu berichten. Vielleicht schafft Heidi Benneckenstein irgendwann ein fundierteres, selbstreflektierenderes Werk, das auch etwas besser zu lesen ist.

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    M
    michael_lehmann-papevor 8 Monaten
    Ein authentischer, erschreckender Blick hinter die Kulissen

    Ein authentischer, erschreckender Blick hinter die Kulissen

    „Ich lernte Wohlleben nicht wirklich kennen, dafür fand ich ihn zu merkwürdig…..Er war extrem sonderbar. Als hätte er nicht alle Tassen im Schrank“.

    Was, vielleicht, in eine generelle Bobachtung der Heidi Bennecker, Mitglied im innersten Kreis politisch überaus rechts bewegter Menschen, münden könnte:

    Charaktere, die „nach außen ein Harter Hund, innerlich weinerlich und voller Selbstmitleid“ sind.
    „Je martialischer das Auftreten nach außen, desto komplexbeladener nach innen“.

    Dann aber sentimental zu werden, das geht nicht als „harter Hund“ und so werden solche Emotionen mit Aggression ausgedrückt.

    Nicht umsonst also taucht hier und da das Lied der Ärzte „Schrei nach Liebe“ im Buch als Mit-Erklärungsmuster auf.

    Ein Buch, in dem Heidi Benneckenstein alle ihre Beobachtungen in der „rechten Szene „ durchaus schon als „Familienbuch“ beginnt, denn gerade ihr Vater hat zu Hause bereits eine Art von Lohn-Strafe System, einen Drill, eine klare, nationalsozialistische Haltung vermittelt und durchgesetzt, dass die weiteren „Anekdoten“ im Buch nur als erweiterte Entfaltung dieser Haltung erkannt werden können.

    Und da hat Benneckenstein einiges zu berichten. Von „Treffen, Wehrlagern, Jugendfahrten, Drill, Erziehung, Kleidungsvorschriften, politischen Unterricht, Konzerten mit rechtsorientierten Bands (aus deren Reihen heraus die erste Liebesbeziehung für die junge Heidi sich entwickelte“.

    Durchaus eine Vielzahl rechtsprominenter Nahmen tauchen dabei immer wieder auf, vor allem aber schildert Benneckenstein detailliert und nachvollziehbar, wie groß und eng vernetzt diese Szene in Deutschland aktiv ist, von „Stammtischen“ bis zu ganzen Dörfern „arisch übernommen“ werden, von Unnachgiebigkeiten und einem spürbaren, klaren Hass und unüberwindbarer Distanz zu jenem „Deutschland NICHT in den Grenzen von 1937).

    Dass Benneckenstein in der Erzählung eher assoziativ vorgeht, munter in der Zeitlinie springt, eben noch von sich als 15jähjriger samt Trennung vom Vater erzählt und auf den nächsten Seiten dann ihre ersten Erfahrungen als sechs-bis siebenjährige in den „Fahrtenlagern“ schildern, um dann neben Udo Pastörs entspannt auf einer Kundgebung zu sitzen, das stört den Lesefluss zunächst ein wenig, rundet sich aber langsam, je mehr man in der Lektüre fortschreitet.

    Wobei die vielen Anekdoten und die gut getroffene Wiedergabe der Atmosphäre „in der Szene“ dem Leser, neben einzelnen „Aha-Momenten“ eines vor allem verdeutlichen: Eine Diskussionsgrundlage, Ansatzpunkte zu konstruktiven Gesprächen mit Zugehörigen zu dieser Szene erscheinen im Rahmen der Lektüre dieses Buches als sinnlos. Denn „die andere Seite“, das „rechte Netzwerk“, hat an solchen konstruktiven Schritten mit dem „System“ kein Interesse. Kampf und Revolution, Veränderung des aktuellen Status quo hin zu einem tradierten „Nationalmodell“ mit „nationalsozialistischem Familienmodell“ aus „starkem Mann, einer untertänigen Frau und möglichst vielen gehorsamen Kindern“.

    Wie schwer das ist, da andere Gedanken zuzulassen und die eigene Haltung überhaupt zu reflektieren, dass zeigt Benneckenstein eindrucksvoll am Weg ihres eigenen Ausstiegs aus dieser „Parallelwelt“.

    Sprachlich überaus schlicht gehalten und in Teilen sehr assoziativ zwischen Themen springend, bietet dieses Werk dennoch einen originären und intensiven Einblick in die „rechte Szene“ Deutschlands.

    Eine Lektüre, die absolviert werden sollte, um sich die Augen (noch) weiter öffnen zu lassen.

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    makamas avatar
    makamavor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Kindheit im braunen Sumpf----eigentlich unvorstellbar - aber leider wahr.
    Braune Parallelwelt

    Heidi Benneckenstein, geborene Redeker ist in einer Nazifamilie aufgewachsen. Das kann man sich eigentlich nicht vorsellen.
    In millitanten Kinder- und Jugendtruppen wird sie mit viel Drill, Schlägen aber auch mit Belohnung auf ein Leben im rechten Hassmilieu vorbereitet.
    1992 geboren muss sie schon al kleines Mädchen an Lagern der "HEIMATTREUEN DEUTSCHEN JUGEND" teilnehmen....
    als Jugendliche nimmt sie an rechten Aufmärschen teil, prügelt auf andersdenkende ein und lernt schliesslich den rechten Liedermacher Felix, genannt Flex kennen, der heute ihr Ehemann ist.
    Mit 19 gelingt es ihr und ihrem Freund Felix die rechte Szene zu verlassen, sie machen eine komplette Kehrtwende und lassen die Nazi-Ideologie hinter sich.
    Das ist ihre Geschichte über ihre ZWEI LEBEN......
    ein eindrückliches Buch, über eine Parallelwelt, die man sich kaum vorstellen kann.....
    Schlimm, dass es gibt....
    Fazit und Meinung:
    Heidrun, wie sie eigentlich heißt ist es gelungen ein beeindruckendes Buch über ihr Leben zu schreiben.
    Trotz einiger Längen und Wiederholungen hat es mir gut gefallen und ich vergebe 4 Sterne.


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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 9 Monaten
    ‚Wenn ich daran denke, was ich früher gesagt, gedacht oder getan habe [...].'

    ‚Wenn ich daran denke, was ich früher gesagt, gedacht oder getan habe, woran ich geglaubt und gezweifelt habe, schäme ich mich, aber vor allem bin ich wütend.‘ (Seite 13)

    Die heute 24-jährige Heidi Benneckenstein ist in einer Neonazifamilie aufgewachsen, hat ihre ‚ersten 18 Jahre mit Nazis verbracht. Nicht aus sicherer Distanz und nicht für ein, zwei Jahre in der Pubertät, sondern mittendrin, ausschließlich und von Anfang an.‘ (Seite 13).

    In ‚Ein deutsches Mädchen‘ erzählt sie von ihrer Kindheit und Schulzeit, von der Erziehung durch die Eltern und dem Drill in Feriencamps, von Freunden und Propaganda, von emotionaler Vernachlässigung und körperlicher Gewalt, von ihrer Jugend und ersten Beziehungen, von Zweifeln und Umdenken, vom Ausstieg und von Aussteigerhilfe, die sie und ihr Mann heute anderen Personen aus dem rechten Milieu anbieten.

    Ich empfand die Einblicke in Benneckensteins Kindheit und Jugend als sehr spannend und eindrücklich, da ich bisher nur Bücher und Berichte von Personen kannte, die erst in der Jugend in rechtsextreme Kreise gerieten.

    Das Buch wirkt im ersten Kapitel eher kindlich, die Sprache ist anfangs noch sehr einfach, wodurch das Buch schnell lesbar ist. Im Verlauf empfand ich Benneckensteins Schreibstil deutlich elaborierter, sie zitiert Tolstoi und stellt Bezüge zur RAF etc. her, was ich persönlich eher etwas unglaubwürdig fand, denn an mehreren Stellen beschreibt die Autorin, wie schlecht ihr Hauptschulabschluss war und wie wenig sie sich für Schule und Bildung interessiert hat. Dieser Aspekt ist eigentlich auch mein einziger Kritikpunkt am Buch, das mir sonst sehr gut gefallen hat.

    Besonders gelungen fand ich, wie die Autorin ihre Kindheit und Jugend sowie das Verhältnis zu ihrem Vater seziert, wie sie genau erklärt, wie sich was zugetragen hat, wodurch sie es dem Leser ermöglicht, das ihr Widerfahrene zu verstehen und nachzuvollziehen.

    Alles in allem finde ich ihren Mut, aus ihrem alten Leben auszusteigen, und ihren Willen, neue Wege einzuschlagen, beeindruckend und ihren Bericht wichtig und hilfreich, um andere bei ihrer Entscheidung zu unterstützen und um zu zeigen, was alles möglich ist, wenn man es wirklich möchte.

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    jamal_tuschickvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wichtiger Beitrag zum Neufaschismus in Deutschland.
    Dezente Diversität

    Mit der Laubsäge schneidet sie die Bögen des deutschen Grenzverlaufs von 1937 aus einem Stück Holz. Den revanchistischen Geografiebegriff rechnet sie einer höheren Wahrheit zu. Auch über die Gaskammern weiß sie besser Bescheid als die Unterwanderten. Heidrun, genannt Heidi, korrigiert ihre Deutschlehrerin, die von der Nationalhymne nur die dritte Strophe zu kennen scheint. Die Pädagogin duckt sich weg vor dem feuerfesten Hitlermädchen, das mit alternativer Attitüde seinem Weltbild die plakative Offensichtlichkeit verweigert.
    Zuhause reinigt der nationalsozialistische Vater die deutsche Sprache und verwüstet die Seelen seiner Kinder. In ländlich-bayrischer Umgebung genießt der Holocaustleugner Ansehen. Man begreift ihn als engagierten Zeitgenossen. Er selbst sieht sich als antisemitisches Bollwerk gegen den Multikulturalismus. In seinem Nachwuchs erkennt er die saubere Zukunft Deutschlands. Er erzieht im Geist des politischen Soldatentums. Er zieht Führungskräfte für das IV. Reich auf.
    In ihrer Aussteigerbiografie Ein deutsches Mädchen erzählt Heidi Benneckenstein von einem Faschismus im Dirndl. Sie lotet die Selbstverständlichkeit aus, mit der Faschismus stattfindet. In einer bundesweiten, durchgängig bürgerlichen Gemeinschaft werden die Töchter und Söhne an den demokratischen Strukturen vorbei zu Kadern geschmiedet. Als Erwachsene begegnet man ihnen als Verantwortliche in neonazistischen Gliederungen. Das jedenfalls behauptet Benneckenstein. Sie beschreibt eine rechte Jugendkultur ohne die Merkmale des Mobs. Eine dezente Diversität erschwert zunehmend die Identifizierung. Rechtsradikale kopieren alle möglichen Formate vom Biedermann bis zum Schwarzen Block. Die Demokratiefeinde spielen mit den Formularen der Demokratie. Sie besetzen die Räume, die von einer trägen Mehrheit preisgegeben werden. Anscheinend kann man in unserer Gesellschaft völkisch leben, ohne anzuecken.

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    J
    jamal_tuschickvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wichtiger Beitrag zum Neufaschismus in Deutschland.
    Dezente Diversität

    Mit der Laubsäge schneidet sie die Bögen des deutschen Grenzverlaufs von 1937 aus einem Stück Holz. Den revanchistischen Geografiebegriff rechnet sie einer höheren Wahrheit zu. Auch über die Gaskammern weiß sie besser Bescheid als die Unterwanderten. Heidrun, genannt Heidi, korrigiert ihre Deutschlehrerin, die von der Nationalhymne nur die dritte Strophe zu kennen scheint. Die Pädagogin duckt sich weg vor dem feuerfesten Hitlermädchen, das mit alternativer Attitüde seinem Weltbild die plakative Offensichtlichkeit verweigert.
    Zuhause reinigt der nationalsozialistische Vater die deutsche Sprache und verwüstet die Seelen seiner Kinder. In ländlich-bayrischer Umgebung genießt der Holocaustleugner Ansehen. Man begreift ihn als engagierten Zeitgenossen. Er selbst sieht sich als antisemitisches Bollwerk gegen den Multikulturalismus. In seinem Nachwuchs erkennt er die saubere Zukunft Deutschlands. Er erzieht im Geist des politischen Soldatentums. Er zieht Führungskräfte für das IV. Reich auf.
    In ihrer Aussteigerbiografie Ein deutsches Mädchen erzählt Heidi Benneckenstein von einem Faschismus im Dirndl. Sie lotet die Selbstverständlichkeit aus, mit der Faschismus stattfindet. In einer bundesweiten, durchgängig bürgerlichen Gemeinschaft werden die Töchter und Söhne an den demokratischen Strukturen vorbei zu Kadern geschmiedet. Als Erwachsene begegnet man ihnen als Verantwortliche in neonazistischen Gliederungen. Das jedenfalls behauptet Benneckenstein. Sie beschreibt eine rechte Jugendkultur ohne die Merkmale des Mobs. Eine dezente Diversität erschwert zunehmend die Identifizierung. Rechtsradikale kopieren alle möglichen Formate vom Biedermann bis zum Schwarzen Block. Die Demokratiefeinde spielen mit den Formularen der Demokratie. Sie besetzen die Räume, die von einer trägen Mehrheit preisgegeben werden. Anscheinend kann man in unserer Gesellschaft völkisch leben, ohne anzuecken.

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    Faltines avatar
    Faltinevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Haut dieses Buch jedem Rassisten um die Ohren!
    Einfach großartig

    Da ich den Inhalt nicht anders oder besser wiedergeben kann, kommt heute nur meine Meinung dazu :)


    Meine Meinung:

    Das Cover finde ich gut. Es ist schlicht und zeigt nur Heidi Benneckenstein – etwas anderes (Blumen o.ä.) hätte auch nicht gepasst.


    Meine Mutter hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht, sonst wäre auch dieser Schatz an mir vorbeigerauscht. Ich sollte schauen, ob es was für sie ist: gesagt, getan ;)


    Die ''Story'' ist hier keine. Es geht um ein echtes Leben und das ist teilweise so schockierend, dass mir echt die Spucke weggeblieben ist. Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie froh ich darüber bin, in einer tollen Familie aufgewachsen zu sein ♥ Heidi Benneckenstein ist nur ein paar Jährchen älter als ich, weshalb sie auch genauso schreibt, dass es mich anspricht. Ihr Schreibstil ist lebendig und sehr anschaulich. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt, auch wenn es ein Genre ist, dem ich normalerweise aus dem Weg gehe, wegen seiner trockenen Erzähl Art.


    Ich kenne sie nicht persönlich, aber nach dem Buch hatte ich das Gefühl, als hätte sie neben mir gesessen, als sie mir ihre Geschichte erzählt hat. Ich bewundere ihren Mut und ihre Courage, dass sie gerade in der heutigen Zeit, ein solch wichtiges Buch veröffentlicht.


    Leider wird das Thema Rassismus immer aktueller und schlimmer und die Art wie die Menschen wieder miteinander umgehen ist einfach nur noch traurig. Fr. Benneckenstein zeigt hier ganz deutlich, dass man immer eine Wahl treffen kann und sie hat die Richtige getroffen.


    Ein Buch, dass jeder gelesen haben sollte und das man jedem Neo-Nazi und Trump/Erdogan und was weiß ich für Vollidioten Anhänger um die Ohren schlagen sollte.


    Vielen Dank an den Verlag für dieses Buch ♥




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    »Heidi Benneckenstein [...] ist eine junge Frau, die zu reflektieren versteht und die ihr „Leben in einer Neonnazi-Familie" heute kritisch durchleuchtet. Das macht ihre Autobiografie „Ein deutsches Mädchen" so lesenswert.«
    Frankfurter Neue Presse, 11.11.2017

    »„Ein deutsches Mädchen" ist ein Buch mit tiefen und erschreckenden Einblicken in eine, noch nicht ausgestorbene Ideologie, die manchmal sogar vor unserer Haustür stattfindet, ohne dass wir es merken. Eine erschreckend spannende Aussteigergeschichte.«
    Fritz Radio, 01.11.2017

    »Heidi Benneckenstein[s] [...] Biografie ist in der derzeit aufgewühlten Debatte um das Erstarken der Rechten ein wichtiger Beitrag. Denn ohne Selbstmitleid, mit nüchternem und klarem Blick bietet die Autorin seltene Einblicke in eine erschreckende Parallelwelt.«
    Sybille Peine, Freie Presse, 14.11.2017

    »Benneckensteins Buch ist das Porträt einer Aussteigerin. Es zeigt, wie autoritäre Erziehung und Rassenideologie ein junges Mädchen zu einer überzeugten Nationalsozialistin machten.«
    Xaver von Cranach, Der Spiegel, 07.10.2017

    Die packende Autobiographie einer Aussteigerin aus der Neonazi-Szene

    Das Buch gibt Einblick in die innere Organisation der rechten Szene.

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