Heidi Kastner, österreichische Fachärztin für Psychiatrie, Gerichtsgutachterin und Primaria für forensische Psychiatrie, hat sich in diesem nur 128 Seiten dünnen Buch, das quietgelb im Ecowing-Verlag erschienen ist, mit dem Thema Feigheit beschäftigt.
In acht Kapiteln und einem Nachwort lässt sie ihren Gedanken freien Lauf, die sie mit zahlreichen Beispielen untermauert. Gleich einer der ersten Sätze (auf Seite 5) lässt aufhorchen:
„Für den Verlag, der nicht zu feig war, dieses Buch herauszubringen.“
Vor wem oder was muss sich ein Verlag fürchten, wenn er ein Buch wider die Feigheit herausbringt? Vor schlechten Verkaufszahlen? Nur für dieses eine Buch oder nachhaltigen Boykott? Oder ist es viel mehr der Spiegel, den der Verlag vorgehalten bekommt?
Feigheit ist durch die Jahrhunderte vor allem militärisch negativ konnotiert: Feigheit vor dem Feind etc..
Auch die aktuelle Politik, in Österreich und anderswo, ist feige, wenn sie notwendige Maßnahmen aus Furcht, nicht wiedergewählt zu werden, unterlässt.
"Die Feigheit, unerfreuliche Sachverhalte nicht anzusprechen, zu umschiffen oder gefühlt zu ignorieren...treibt Menschen in die Arme von radikal populistischen Gruppierungen..."
Um hier Ingeborg Bachmann zu zitieren: „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“ - auch wenn es z. B. um das Budgetdefizit geht, dessen Sanierung von allen schmerzliche Beiträge fordert.
Im Nachwort hält Heidi Kastner eine wunderbare Conclusio ihres Essays bereit:
"Feigheit ist keine Primäremotion, sondern ein vielschichtiges und vielgestaltiges Phänomen, das sich fast immer aus mehreren rationalen und emotionalen Komponenten zusammensetzt: Angst, Unsicherheit, Gier, Egozentrik, Mangel an Mitgefühl, Ignoranz, Mangel an Schamgefühl, Trägheit, Dummheit, Korpsgeist und viele andere mehr...."
Dem ist wohl wenig hinzuzufügen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.




















