Heidi Rehn

 4 Sterne bei 966 Bewertungen
Autorin von Das Haus der schönen Dinge, Der Sommer der Freiheit und weiteren Büchern.
Autorenbild von Heidi Rehn (©Susie Knoll)

Lebenslauf

Geboren und aufgewachsen im geschichtsträchtigen romantischen Mittelrheintal ist Heidi Rehn von Kindheit an fasziniert von Geschichte(n). Folgerichtig entschied sie sich zum Studium der Germanistik und Geschichte. Dazu ging sie vor vielen Jahren nach München. Obwohl ihr dort der Anblick des imposoanten Rheins sehr abgeht, blieb sie an der Isar hängen und lebt bis heute mit ihrer Familie (fast) mitten in der Stadt, aber dennoch umgeben von viel Grün und Natur. 

Geschichte und Geschichten erzählen hat sie sich nach Stationen in der wissenschaftlichen Arbeit, dem Journalismus und in der PR-Branche längst zum Beruf gemacht. Pünktlich zur Jahrtausendwende erschien ihr erster Roman, dem inzwischen knapp 20 weitere sowie verschiedene Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitungen folgten. "Die Wundärztin" über eine junge Frau im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges war ihr erster großer Erfolg, mit dem Kaufhausroman "Das Haus der schönen Dinge" über eine fiktive jüdische Warenhausdynastie zwischen Prinzregentenzeit und Drittem Reich gelang ihr erstmals der Sprung auf die Bestsellerliste. 2014 erhielt sie außerdem den Goldenen Homer für den besten historischen Gesellschafts- und Beziehungsroman. Ihre bevorzugten Genres sind historischer Roman und historischer Kriminalroman. Ihre bevorzugte Zeit ist die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. 

In ihrer Wahlheimat München bietet Heidi Rehn unter dem Titel "Auf den Spuren von..." Spaziergänge zu den Schauplätzen ihrer Romane mit vielfältigen Informationen zum historischen Hintergrund an. Seit neuestem gibt es auch eine virtuelle Version dieser Touren auf einem eigenen Youtubekanal https://www.youtube.com/channel/UCO3qRWFTyXn29uqtejJ7rtg . Weitere Infos auf www.heidi-rehn.de

Neue Bücher

Cover des Buches Wir träumten vom Sommer (ISBN: 9783548069494)

Wir träumten vom Sommer

 (81)
Erscheint am 01.08.2024 als Taschenbuch bei Ullstein Taschenbuch Verlag.

Alle Bücher von Heidi Rehn

Cover des Buches Das Haus der schönen Dinge (ISBN: 9783426519370)

Das Haus der schönen Dinge

 (152)
Erschienen am 02.05.2017
Cover des Buches Der Sommer der Freiheit (ISBN: 9783426512166)

Der Sommer der Freiheit

 (93)
Erschienen am 01.07.2014
Cover des Buches Wir träumten vom Sommer (ISBN: 9783548069494)

Wir träumten vom Sommer

 (81)
Erscheint am 01.08.2024
Cover des Buches Die Wundärztin (ISBN: 9783426414620)

Die Wundärztin

 (69)
Erschienen am 06.01.2012
Cover des Buches Tanz des Vergessens (ISBN: 9783426515914)

Tanz des Vergessens

 (61)
Erschienen am 01.07.2015
Cover des Buches Das doppelte Gesicht (ISBN: 9783746637075)

Das doppelte Gesicht

 (45)
Erschienen am 08.12.2020
Cover des Buches Vor Frauen wird gewarnt (ISBN: 9783426526262)

Vor Frauen wird gewarnt

 (40)
Erschienen am 02.08.2021

Interview mit Heidi Rehn

Interview zwischen LovelyBooks und Heidi Rehn // Juli 2011

1)Wie bist du zum Schreiben gekommen und wie hat dich deine Arbeit als Schriftstellerin mit der Zeit verändert?

Schreiben wollte ich schon immer, allerdings habe ich erst relativ spät mit dem Bücherschreiben begonnen. Gleich aber bin ich von der Sucht erfasst gewesen, ständig neue Ideen auf diese ganz besondere Weise im Kopf herumzuwälzen und zu Romanen auszubauen. Das liegt sicher auch daran, dass ich das unverschämte Glück hatte, meinen ersten Roman, einen Frauenroman, auf Anhieb bei einem angesehenen Publikumsverlag (Rowohlt) unterzubringen. Meine Arbeit als Autorin hat sich seither sehr verändert, zum einen, weil ich zunächst zwei Gegenwartsromane geschrieben habe, die nicht annähernd denselben Rechercheaufwand besaßen wie meine jetzigen historischen Romane. Zum anderen, weil ich mich seit einigen Jahren ganz aufs Schriftstellern konzentrieren kann und meine journalistischen Arbeiten dafür aufgegeben habe.

2)Welche Vorteile bietet das Internet für dich und wie nutzt du hier den Kontakt zum Leser, wie z.B. in einer Literaturcommunity wie LovelyBooks.de?

Eine sehr große Hilfe ist das Internet für mich natürlich beim Recherchieren. Ich gehöre zwar nach wie vor zu den Leuten, die Orte mit eigenen Augen gesehen, Dinge mit eigenen Händen angefasst, Gerüche um die eigene Nase geweht haben müssen, aber im Internet bekomme ich auf die Schnelle Informationen, die mir darüberhinaus noch fehlen. Und ich kann mich dort auf die Suche nach (Sach-)Büchern machen, die ich zu meinen Themen lesen will. Meine Lieblingsbibliothek, die Bayerische Staatsbibliothek, erreiche ich via Internet rund um die Uhr, ganz zu schwiegen von den Adressen für antiquarische Bücher etc. Ein wahrer Segen (allerdings nicht unbedingt für mein Bankkonto)! Zudem liebe ich es, dank des Internets den direkten Kontakt zu Lesern z.B. in Internetforen oder bei Leserunden auf sehr unkomplizierte Weise zu bekommen. Dadurch erfahre ich, wie meine Bücher und meine Schreibe bei meinen Lesern ankommen, was ihnen beim Lesen wichtig ist, wie sie Figuren oder den Plot verstehen etc. Es ist ein viel ungezwungenerer Austausch als z.B. bei Lesungen, wenn der Moderator die beliebte Aufforderung stellt „Wenn Sie jetzt noch Fragen haben...“ und alle verschämt hinterm Rücken ihres Vordermanns abtauchen...

3)Welche Bücher/Autoren liest du selbst gern und wo findest bzw. suchst du Empfehlungen für den privaten Buchstapel?

Ich bin geradezu lesesüchtig und lese eigentlich alles, was mir in die Finger kommt, so lange es gut schrieben ist und eine packende Story enthält. Wenn es mich allerdings langweilt, lege ich ein Buch inzwischen auch weg (das war ein langer Lernprozess!). Empfehlungen finde ich auf diversen Leselisten im Internet, immer wieder sehr gern auch bei meinem Buchhändler hier in meinem Stadtviertel sowie durch Gespräche mit Freunden, die ebenfalls sehr viel lesen. Manchmal macht mich sogar ein Zeitungsartikel neugierig. :-)))

4)Von welchem Autor würdest du dir gern mal ein Vorwort für eines deiner Bücher wünschen und warum?

Eine schwierige Entscheidung – ich hasse Entscheidungen! Mein absoluter Lieblingsautor – Gert Hofmann – ist leider schon gestorben. Von ihm stammt der Satz „Nicht schreiben, wie es war, sondern wie es gewesen sein könnte.“ Das steht allen meinen Romanen quasi als Grundüberlegung voran. Deshalb wäre er als Vorwortschreiber der absolute Wunschkandidat gewesen.

5)Man wird als Schriftsteller schnell in Schubladen gesteckt. Würdest du gerne mal das Genre wechseln und deine Leser mit einer völlig neuen Seite überraschen?

Ich habe in meiner noch relativ kurzen Autorinnenkarriere schon mehrmals das Genre gewechselt: das erste Buch lief als „Frauenroman“, das zweite als „Regiokrimi“, dann folgten drei historische Krimis bis ich - endlich! - bei meinem absoluten Wunschgenre, dem historischen Roman, angekommen bin. Vorerst möchte ich dort bleiben, weil ich noch sehr, sehr viele Ideen dazu mit mir herumtrage. Meine Leser mögen mir also bitte verzeihen, wenn ich auf absehbare Zeit meinem Genre treu bleibe und lieber mit neuen Geschichten als mit einem neuen Genre überrasche.

6)Wo holst du dir die Ideen und Inspiration für deine Bücher?

Eigentlich überall: wenn mir ein interessantes Gesicht in der U-Bahn gegenübersitzt, denke ich mir gern eine Geschichte dazu aus, wenn ich in eine anregende Gegend reise, suche ich immer gleich eine Buchhandlung auf, um mich nach passender Literatur umzuschauen, wenn ich etwas Spannendes lese, erhalte ich oft Ideen. Meist ist es eine winzige Nebenbemerkung, die die Maschine in mir in Gang setzt. Bislang muss ich mir da also zum Glück keine großen Sorgen machen. Im Gegenteil. Manchmal würde ich gern die Klappen schließen und ein wenig in Ruhe durchschnaufen....

7)Wie und wann schreibst du normalerweise, kannst du dabei diszipliniert vorgehen oder wartest du, bis dich in einer schlaflosen Nacht die Muse küsst?

Brav auf die Muse zu warten – die bei mir übrigens ein gewisser Herr Muse ist – macht gar keinen Sinn. Der kann ganz schön zickig sein. Also setze ich mich lieber jeden Tag zur selben Zeit – nach Frühstück und Walkingrunde im nahen Park – an den Schreibtisch und lege los. Herr Muse weiß, wo ich zu finden bin. Geht es nicht weiter, weil er nicht auftaucht, erledige ich Routinearbeiten, überarbeite das bisher Geschriebene, lese mir das Exposee noch einmal durch etc. Meist geht es dann doch plötzlich wieder. Ansonsten kann ich mich auch darauf verlassen, dass mir zu den unmöglichsten Gelegenheiten doch noch eine bessere, wenn nicht gar die zündende überhaupt, Idee kommt. Sie schlaflos auf Biegen und Brechen herbeizusehnen, bringt jedoch gar nichts. Deshalb lasse ich das von vorneherein.

8)Gibt es eine lustige Anekdote aus deinem Schriftstellerleben, die du uns erzählen möchtest?

In meinem ersten Roman hatte ich eine winzige Nebenhandlung, die laut Aussage meiner damaligen Lektorin absolut unrealistisch war – aber ausgerechnet die war die einzige, wirklich von mir erlebte Geschichte, die ich dort eingebaut hatte. Seither weiß ich: Das Leben hält die verrücktesten Zufälle und Begebenheiten bereit, die für einen fiktiven Roman allerdings viel zu unrealistisch sind. Also dort bitte lieber „realistischer“ denken als das Leben selbst ist.

9)Welche Wünsche hast du im Bezug auf deine Bücher und deine Arbeit für die kommenden Jahre?

Ich wünsche mir viel Kraft, Ausdauer und natürlich den nötigen Erfolg bei meinen Leserinnen und Lesern, damit ich noch viele weitere Ideen in Bücher verwandeln und so unbeschwert weiter schreiben kann wie bisher.

10) Du schreibst historische Romane: doch welche Zeit in der Vergangenheit wäre es, in die du gern selbst einmal zurück reisen würdest? Oder bist du doch neugieriger auf die Zukunft?

Allzu weit zurückreisen wollte ich gar nicht. Durch mein Schreiben bin ich jeden Tag in den Epochen meiner Romane zu Gast. Was ich aber gern einmal perönlich miterleben würde, ist die erste Mondlandung. Es muss ein phänomenales Gefühl gewesen sein, als erster Mensch dort oben zu stehen und unsere liebe Erde aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Wunderschön! Reisen in die Zukunft behagen mir allerdings ganz und gar nicht. Ich lasse gern – wie Franziska zu Reventlow einmal gesagt hat - „das Leben auf mich regnen“, sprich: ich warte lieber ab, was passiert. Es passiert ja so oder so, und da ist es besser, nicht vorab schon zu wissen, was auf einen zukommt.

Neue Rezensionen zu Heidi Rehn

Cover des Buches Wir träumten vom Sommer (ISBN: 9783548069494)
IamMaren_15s avatar

Rezension zu "Wir träumten vom Sommer" von Heidi Rehn

Eine Zeitreise in die Vergangenheit
IamMaren_15vor 2 Monaten

Heidi Rehns "Wir träumten vom Sommer" entführt uns Leser auf eine fesselnde Zeitreise in die späten 60er und frühen 70er Jahre. Das Buch zeichnet sich durch eine meisterhafte Verbindung von historischer Genauigkeit und emotionaler Tiefe aus, die den Leser in den Bann zieht und ihn in eine Zeit zurückbringt, die gerade für die jüngere Generation kaum noch zu greifen ist.

Die Handlung spielt vor allem in dem Zeitraum 1968 bis 1972 und dreht sich um die Protagonistin Amrei, die in einer Zeit von studentischen Bewegungen und Unruhen sowie den holzigen Weg bis zu den Olympischen Spielen 1972 im "Millionendorf" München diese hautnah und teilweise auch aufgrund von dynamischen Gruppenbewegungen aktiv miterlebt. Die Autorin schafft es, die Atmosphäre dieser Epoche mit einer beeindruckenden Detailgenauigkeit zum Leben zu erwecken. Die Beschreibungen der Kleidung, der Musik, der gesellschaftlichen Normen und der politischen Ereignisse vermitteln ein lebendiges Bild der Zeit und lassen den Leser mühelos in die Welt von Amrei eintauchen.

Heidi Rehn widmet sich nicht nur der äußeren Welt, sondern auch den inneren Konflikten und Träumen ihrer Charaktere. Amrei ist eine vielschichtige Protagonistin, die mit ihren persönlichen Herausforderungen und Wünschen den Leser positiv in Erinnerung bleibt. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte wird einfühlsam dargestellt, und man kann sich leicht mit ihr identifizieren.

In dem Buch wird das Oberthema die Olympischen Spiele in München mit all seinen Herausforderungen, Konsequenzen und Fehlern dargestellt, es wird ein Einblick gegeben, wie die Protestbewegungen entstanden sind und wie die Polizeigewalt teilweise an Überhand zu dieser Zeit gewonnen hat. Die Autorin verbindet die fiktive Geschichte mit historischen Ereignissen verständlich.

Die Sprache in "Wir träumten vom Sommer" ist der Zeit angemessen und liest sich durchaus flüssig. Rehns Schreibstil vermag es, die Stimmungen und Emotionen der Charaktere auf eindrucksvolle Weise einzufangen. Die Dialoge sind lebendig und authentisch, was zur Verbindung zwischen Leser und Figuren beiträgt. Man konnte sich mit einigen Charakteren gut identifizieren!
Leider haben mir die langen Kapitel nicht so gut gefallen. Der Handlungsabschluss zu einigen Ereignissen hätte mir durch kürzere Abschnitte mehr zugesagt als bloße Absätze an sich einzufügen.

Dennoch: Heidi Rehns "Wir träumten vom Sommer" ist eine fesselnde Lektüre für alle, die sich für historische Romane interessieren. Es ist eine Zeitreise, die den Leser nicht nur in eine vergangene Ära entführt, sondern auch dazu anregt, über die eigenen Träume und Lebensentscheidungen nachzudenken. Mich hat es außerdem dazu veranlagt, mehr über die Olympischen Spiele 1972 in München erfahren zu wollen, deswegen ist es eine klare Leseempfehlung, weil das Buch nicht nur der Unterhaltung dient.

Cover des Buches Die letzte Schuld (ISBN: 9783746637082)
PMelittaMs avatar

Rezension zu "Die letzte Schuld" von Heidi Rehn

München 1946
PMelittaMvor 2 Monaten

München, April 1946: Ausgerechnet bei der Leiche einer Frau treffen der Kriminalkommissar Emil Graf und die Fotoreporterin Billa Löwenfeld wieder aufeinander. Nach dem sie sich vor einigen Monaten näher gekommen waren, ist Billa überraschend in die USA zurückgekehrt und erst seit kurzem wieder in München. Wieder ist es ein Mord, der die beiden zusammenbringt. „Die letzte Schuld“ ist die Fortsetzung von „Das doppelte Gesicht“.

Und wieder verpackt Heidi Rehn den Mordfall in den historischen Hintergrund. Billa recherchiert zum Thema Entnazifizierung, das gerade in der amerikanischen Besatzungszone hochaktuell ist, denn jede:r muss dafür einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen. Aber auch andere Themen jener Zeit fließen in das Geschehen ein, so gehört ein Charakter zu den Momument Men, das Haus der Kunst spielt eine wichtige Rolle, und auch die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse werden thematisiert. Aber auch das alltägliche Leben, die Trümmer an jeder Straßenecke, der Hunger, der viele bei den kärglichen Essenszuteilungen plagt, sowie die gesellschaftlichen Problematiken fließt mit ein. Letzteres betrifft auch Billa, die als Jüdin mit ihrer Mutter 1938 gerade noch in die USA ausreisen konnte. Allerdings ist gerade die Vielfältigkeit des historischen Hintergrunds auf den Mordfall bezogen leider etwas zu viel.

Die tote Frau kann schnell identifiziert werden, es handelt sich um Gundl Niedermeier, die in einer sogenannten Reichskleinsiedlung wohnte, ihr Mann war Blockwart, sie Vorsitzende der Frauenschaft. Gundl war in ihrem Umfeld nicht gerade beliebt, ein Grund sie grausam zu töten, lässt sich zunächst aber nicht ausmachen. Die Mordermittlung gestaltet sich daher nicht so einfach. Billa bekommt zwar den ein oder anderen Tipp, doch ob und wie das mit dem Mord zusammenhängen könnte, bleibt lange unklar. Die Auflösung am Ende ist okay, aber, wie schon im Vorgängerband, bin ich nicht so ganz zufrieden damit.

Die Charaktere haben ihre, oft der Zeit geschuldeten, Probleme, ich konnte sie mir alle gut vorstellen. Auch hier ist der historische Hintergrund gut eingepasst. Das macht den Roman insgesamt sehr atmosphärisch.

Offenbar ist mit diesem Band die Reihe bereits wieder zu Ende, jedenfalls ist bisher kein dritter Band erschienen. Für mich ist das okay, ich kann die Charaktere hier gut ihrem weiteren Schicksal überlassen.

Der Roman punktet im wesentlichen mit seinem historischen Hintergrund, man erfährt viel über jene Zeit kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges. Dieser macht den Roman zwar sehr atmosphärisch, für den Mordfall, der daneben fast nebensächlich erscheint, ist er in seiner Vielfalt aber fast etwas zu viel.

Handlung

München 1913

Elly´s größter Wunsch geht in Erfüllung: In der angesehenen und bekannten Buchhandlung Lämmle darf sie ihre Ausbildung als Buchhändlerin beginnen. Bücher zu lesen ist für sie ein Grundbedürfnis und zusammen mit ihrer Freundin Henni hat sie schon unzählige Werke gelesen, diskutiert und für gut oder schlecht befunden. Ihre Leidenschaft nun auch mit anderen Menschen zu teilen, ist für die junge Frau das Größte überhaupt. Zumal derzeit allerhand spannendes in der Literaturszene passiert, u.a. die Gründung eines Salons für Schriftstellerinnen oder die Zensur im Kaiserreich...


Meinung

Erstmals entdeckt in der Verlagsvorschau und mein Interesse an dem Roman war geweckt. Ich finde, dass die Handlung vielversprechend klingt, ich mag Bücher, in denen Buchhandlungen eine Rolle spielen und die Handlungszeit ist komplett meins. Daher habe ich mich sehr gefreut, den Roman als Rezensionsexemplar vom Ullstein Verlag zu erhalten, wofür ich mich ganz herzlich bedanken möchte!


Einen kleinen Teil der Handlung habe ich als Hörbuch gehört, den Großteil gelesen. Und ich muss sagen, dass mir das Lesen deutlich leichter gefallen ist. Ich bin flotter vorangekommen, habe mehr Zugang zu der Geschichte gefunden und war einfach interessierter daran. Zudem kam beim Hören sehr stark der eigentlich sehr angenehm eingesetzte Dialekt zu stark heraus, was nicht so ganz meins war.

Die Sprache hat mir gut gefallen, sie hat ein leichtes Lesen zugelassen und führte dazu, dass ich der Handlung problemlos folgen konnte. Personen und Ereignisse waren einprägsam und haben auf Anhieb einen Eindruck hinterlassen, der sich im Folgenden nochmals verstärkt hat. Zudem war es anhand von wenigen Worten möglich, die Orte genau zu erfassen, diese wurden ansprechend und solide dargestellt, sodass ich mir die Figuren darin gut vorstellen konnte.


Mir hat es gefallen, wie im Verlauf der Geschichte nicht nur die historischen Ereignisse mit dem Krieg, der Stellung der Frau oder der Zensur eingebunden wurden, sondern auch allerhand Schriftstellerinnen und ihre Werke genannt wurden, die zur Handlungszeit beliebt waren. Dadurch entsteht eine schöne Authentizität, bei einigen Titeln habe ich direkt mal nachgeschaut, um was sich die angesprochenen Romane drehen und nach den Autoren geforscht. Das hat mir wirklich gut gefallen und zeigt deutlich die Recherchearbeit hinter dem Werk.


Von zwei Handlungsorten bin ich sehr fasziniert. Einmal von der Buchhandlung in der Amalienstraße, die ich mir richtig gut vorstellen konnte und die auf mich unglaublich spannend gewirkt hat. Und zum anderen von der Wohnung von Elly und ihrer Mutter. Dort herrscht eine tolle Stimmung, ich finde, dass die Räumlichkeiten eine ganz besondere Aura haben und sie gleichzeitig einladend, aber auch künstlerisch und frei wirkt. Eine interessante Mischung, die ich sehr mochte!


Es liegt eine schöne Abwechslung an Persönlichkeiten vor. Man lernt Menschen mit eigenen Zielen und Hoffnungen kennen, sie entstammen aus verschiedenen Altersklassen, kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und zeigen dadurch, wie stark die Kluften teilweise sind. Ich mag es, wie viele Charaktere man im Verlauf der Handlung kennenlernt, dass sie alle ihre Fehler haben und verschiedene Facetten ihres Seins zeigen. Dadurch wirken sie vielschichtig, abwechslungsreich und absolut lebendig!


Fazit

Mit fehlt lediglich noch ein Highlight, um das Buch abzurunden. Die Geschichte hat sich als interessant gestaltet, aber sie hat für meinen Geschmack ein wenig an Spannung fehlen lassen. Zwar gab es häufig Situationen, die nicht vorhersehbar waren, aber als Leser wurde ich nie dazu ambitioniert, Vermutungen anzustellen oder über die Ereignisse nachzudenken, wenn ich den Roman nicht in der Hand habe. In diesem Punkt gibt es daher noch ein bisschen Verbesserungsbedarf, ansonsten bin ich echt zufrieden mit dem Werk!


Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sterne

Gespräche aus der Community

Majestätisch sind die Berge - und gefährlich! Davon erzählen 14 AutorInnen in ihren Krimis aus den bayerischen Bergen - ganz unterschiedlich, aber fast immer tödlich. Wir spendieren 10 frisch gedruckte Klappenbroschuren, sind gespannt, welche Geschichte euch wie und warum gefällt und freuen uns über Rezensionen! Kommt mit auf diese Krimi-Tour! Ein Teil der AutorInnen ist wohl mit dabei!

472 BeiträgeVerlosung beendet

Es ist soweit: Der zweite Fall für das Ermittlerduo Emil Graf und Billa Löwenfeld erscheint. Habt ihr Lust, ihn gemeinsam mit mir zu lesen? Der Aufbau Verlag stellt freundlicherweise 15 Freiexemplare (Printbuch) zur Verfügung. Bewerbt euch jetzt und beantwortet die Frage. Ich freue mich schon auf euch!

580 BeiträgeVerlosung beendet
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Letzter Beitrag von  RehnHeidivor 2 Jahren

Danke Dir sehr herzlich für die ausführliche Rezi! Freut mich sehr, dass Dir der Krimi gefallen hat, und Du Dich jetzt nochmal so intensiv für die Besprechung damit befasst hast.

Gute Besserung für Deine Augen - ich hoffe sehr, damit ist jetzt alles wieder in Ordnung.

Beste Grüße

Heidi

Zum Erscheinen des ersten Falls für das neue Ermittlerduo Emil Graf und Billa Löwenfeld am 8. Dezember lade ich euch ein, mit mir den beiden durch das München der Stunde Null zu folgen. Der Aufbau Verlag stellt freundlicherweise 20 Rezensionsexemplare in Buchform zur Verlosung zur Verfügung. 

Bewerbt euch jetzt und beantwortet die Frage. Ich freue mich, von euch zu lesen!

763 BeiträgeVerlosung beendet
RehnHeidis avatar
Letzter Beitrag von  RehnHeidivor 3 Jahren

Danke dir ganz herzliche fürs Lesen und Rezensieren! Ich bin ganz überwältigt von Deinem positiven Echo und der ausführlichen Rezi sowie den vielen Links, unter denen Du sie teilst. Danke, danke dafür!!!

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