Heidrun Hursts historischer Kriminalroman „Mord auf der Klosterinsel“ entführt die Leserschaft in das Jahr 842 auf die Insel Reichenau im Bodensee. Im Zentrum der Handlung steht der historisch belegte Abt Walahfrid Strabo, der als einer der bedeutendsten Gelehrten der karolingischen Renaissance gilt. Während der reale Strabo vor allem für seine Dichtkunst und sein bahnbrechendes Gartenlehrwerk „Hortulus“ bekannt war, muss er im Roman als besonnener Ermittler agieren, um eine Serie grausamer Morde aufzuklären. Die Dorfbewohner vermuten aufgrund der bizarren Verletzungen der Opfer einen Werwolf hinter den Taten, was die Ermittlungen durch tiefsitzenden Aberglauben erschwert.
Gemeinsam mit seiner tatkräftigen Nichte Lindberga begibt sich der für seine Ruhe und seinen Schielblick bekannte Abt – daher der Beiname „Strabo“ – auf Spurensuche, wobei er schließlich sogar seine eigene Unschuld gegen einen unfähigen Vogt verteidigen muss. Die Autorin fängt die klösterliche Atmosphäre authentisch ein und weckt dabei Erinnerungen an Klassiker wie „Der Name der Rose“, indem sie Fiktion und gut recherchierte historische Details geschickt miteinander verwebt. Trotz der spannenden Erzählweise stellt die Vielzahl an klanglich ähnlichen Namen wie Grimald und Gerold eine kleine Herausforderung für die Aufmerksamkeit dar. Letztlich bietet das Werk jedoch einen faszinierenden und angenehm unaufgeregten Einblick in das frühe Mittelalter und ist damit eine ideale Empfehlung für Fans historisch fundierter Kriminalgeschichten.


















