Cover des Buches Ich sehe was, was du nicht liebst (ISBN: 9781503954526)S
Rezension zu Ich sehe was, was du nicht liebst von Heike Abidi

So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.

von Sick vor 6 Jahren

Review

S
Sickvor 6 Jahren
Marlene Winter tut alles für ihre Familie. Sie wäscht, kocht, putzt, bügelt, kauft ein, geht mit dem Hund Gassi und bearbeitet nebenbei auch noch die Buchhaltung von „Winter Bauunternehmungen“, der Firma ihres Mannes Phil. Kurzum, Marlene bleibt nicht viel Zeit für sich. Deswegen lässt sie sich auch überreden, als ihre Freundin Jennifer mit ihr zusammen ein Wellnesswochenende verbringen will. Phil und die drei Kinder Emily, Daniel und Noah sind alles andere als begeistert, dass Marlene drei ganze Tage wegfahren will. Ihrer Meinung nach kann die Arbeit Zuhause doch gar nicht so schwer sein, wozu also Kurzurlaub? Und gerade als Marlene das schlechte Gewissen packt, wird sie unsichtbar und muss fortan zusehen, wie ihre chaotische Familie den mühevoll aufrechterhaltenen Haushalt den Bach runtergehen lässt…

Doch nicht nur das. Marlene bekommt auch das Gemecker und Gemotze ihrer Lieben mit. Anstatt Sehnsucht verspüren die vier zunächst hauptsächlich Unmut, gefolgt von Wut. Ist ja auch eine Frechheit, einfach abzuhauen und die Arbeit anderen zu überlassen. Dieses Verhalten hat mich ziemlich aufgeregt, resultiert aber eindeutig aus Marlenes „falscher Erziehung“. Sie hat einfach immer alles gemacht, worum man sie gebeten hat, ohne etwas dafür zu erwarten. Kein Wunder also, dass Phil und die Kinder ihre Verdienste für selbstverständlich erachten. Trotz des Ärgers, den man beim Lesen empfindet, macht es viel Spaß, der Geschichte zu folgen. Denn selbstverständlich gibt es auch viele lustige Szenen. Außerdem ist die Handlung nicht allzu vorhersehbar. Zwischendrin tauchen neue Figuren auf, die die ganze Situation in eine neue Richtung lenken, weshalb es gar nicht so wahrscheinlich ist, dass man das erwartete Ende bekommt. Spannung und Neugier waren somit immer gegeben, so lesen sich die Seiten praktisch von allein. Dazu trägt auch der locker-leichte Schreibstil bei, der besonders die Charaktere schön ausarbeitet. Das ist auch wichtig, denn die Winters legen im Laufe der Handlung eine Verwandlung hin, die man ihnen am Anfang eher nicht zugetraut hätte. Sie war aber absolut folgerichtig und schön zu beobachten. Besonders trifft dies auf Phil und die 16-jährige Emily zu, die mich anfangs am meisten genervt haben. Doch auch Marlene selbst begreift irgendwann, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher.
Bis auf das Verhalten der Familie (was so sein muss), gibt es wirklich nichts, was mich gestört hat. Die Kapitel waren kurz und knackig und haben sich regelmäßig abgewechselt. Einmal gibt es die Ich-Perspektive von Marlene und dann noch die auktoriale Erzählweise, die das Leben der restlichen Winters beleuchtet. Dieser Wechsel hat mir gut gefallen, denn man erfährt von allen, wie diese ungewohnte Situation für sie ist. Der eine oder andere Antagonist ist auch dabei und so wird es wirklich nie langweilig.

„Ich sehe was, was du nicht liebst“ ist ein unterhaltsamer Familienroman, der ohne erhobenen Zeigefinger aufzeigt, wie man vielleicht auch sein eigenes Familienleben noch besser machen kann.
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