Cover des Buches Was Jungs mit 15 wollen und warum ich das weiß (ISBN: 9783841505774)Anteks avatar
Rezension zu Was Jungs mit 15 wollen und warum ich das weiß von Heike Abidi

Gedanken und Gefühle im Chaos

von Antek vor 3 Jahren

Review

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Antekvor 3 Jahren

Heike Abidi hat mich mit ihrer Jugendbuch Trilogie um Henriette „Tatsächlich 13“, „ Plötzlich 14“ und „Endlich 15“ sowie mit einigen Romanen und Sachbüchern schon ganz großartig unterhalten und deshalb habe ich mich sehr auf ihr neuestes Werk gefreut. Volle Begeisterung von meiner Seite

Ein Teenieleben ist nicht leicht, schon gar nicht, wenn man das heiß geliebte Internat verlassen und auch noch umziehen muss, damit sich die Mutter, die als Topmanagerin jede Menge Kohle verdient hat, mit einer Liebesschule selbstständig machen, die erst einmal gar nichts abwirft. Noch viel schlimmer, sie pinselt das auch noch groß an die Hauswand, damit im Dorf gleich jeder Bescheid weiß über ihre neuen Kursräume, allesamt in „Fifty Shades of Red“ gestrichen! Peinlicher geht´s nicht. Na wenigstens der Garten, der zum neuen Heim gehört, ist gemütlich, wenn auch gefährlich. Eines Abends trifft Justine dort nämlich ein Kugelblitz. Von da ab heißt es genau aufzupassen, was laut angesagt wird, denn plötzlich kann sie auch die Gedanken der Jungs hören. Ständig Lärm im Ohr, kein Vergnügen, aber auf der anderen Seite auch ganz nett zu erfahren, was denen in einer langweiligen Mathestunde so alles durch den Kopf geht. Vor allem dem süßen Lenny gilt es ganz besonders zuzuhören, denn von ihm kann man nicht nur die Französisch Übersetzung abkupfern, sondern der taugt vielleicht für mehr.

Als Leser steht man mit Florentine erst einmal vor vollendeten Tatsachen und darf das neue Lebenskonzept ihrer Mama erkunden. Auch in der neuen Schule muss man sich mit ihr zunächst eingewöhnen, bis sie dann der Blitz trifft. Was war gedacht, was war gesagt? Jetzt gilt es Ordnung ins Chaos zu bringen und kaum ist das geschafft, kann man entdecken, dass Lenny eigentlich gar nicht so verkehrt ist. Wie aber einen schrecklich schüchternen Jungen, der zwar will, sich aber nicht traut, die Hemmungen nehmen? Das wird natürlich hier auf gar keinen Fall verraten. Werden die beiden zusammenfinden, obwohl gilt, „Ausgerechnet jetzt, wo ich nur allzu gern über seine Gefühle Bescheid wüsste, versagt meine übersinnliche Fähigkeit.", welche Hürden gibt es sonst noch zu meistern mit neuen Freunden und auch Mamas besonderen Kursen und wie geht es mit dem Gedankenhören weiter? Das erfährt man, wenn man selber liest.

Heike Abidi erzählt ihre Geschichte in einem spritzig, peppigen Sprachstil und trifft damit auf jeden Fall den Nerv der jugendlichen Zielgruppe, wobei auch ältere Leser hier ihr Vergnügen haben. Man darf schmunzeln, man darf mitfiebern und langweilig wird es auf keiner Seite, deshalb fliegen diese auch nur so dahin. Ungeübtere Leser werden mit kurzen, überschaubaren Kapiteln sicher nicht überfordert und die anderen machen eben schnell mit dem nächsten weiter. Die Autorin beschreibt mit vielen Bildern, sodass man sich als Leser wirklich prima in Justine, und bei Bedarf auch in die anderen Mitspieler, hinein fühlen und denken kann. Da heißt es schon mal „Mein Herz klopft dabei wie wild, und ich höre das Blut in meinen Ohren so laut rauschen, dass es die Gedankenfetzen, die uns hinterherschwirren wie ein Schwarm Honigbienen, sogar übertönt.“ Witzige, schlagfertige Dialoge wie auf ein begeistertes „Das ist ja großartig! Habt ihr auch die Geschlechtsorgane besichtigt.“ von Justines Mama als sie erfährt, dass die Klasse eine Körperweltenausstellung besucht hat, kann da schon ein pfeffrig, improvisiertes „Klar in der Gebärmutter standen lauter rote Plüschsofas. Es gab Himbeersaft und Tomatensuppe.“, von Justine kommen, sodass die Kinnlade ihrer Mama nach unten klappt. Oder es wird ein leckeres Porridge auch schon mal mit „Bevor ich heißen Blubberbrei frühstücke muss erst die Hölle zufrieren.“, kommentiert.

Justine war mir von Anfang an super sympathisch. Ich konnte so mich prima in sie hinein fühlen und denken. Für viel Vergnügen hat die etwas schräge Mama gesorgt, bei Justine sicher auch für den einen oder anderen peinlichen Moment, Fremdschämen inklusive. Richtig gefreut habe ich mich, dass Gulia ihr schnell zur Freundin wird und auch deren Clique sie mit offenen Armen aufnimmt. Lenny ist ein netter Kerl. Justines Schwärmerei für ihn konnte ich zu gut verstehen.

Lobend erwähnen möchte ich auch noch die Kleinigkeiten, die das Lesen neben der guten Unterhaltung zudem noch wertvoll machen. „Erwartet Guilia wirklich, dass ich ihr Urteil einfach kritiklos übernehme?“ können schon mal Justines Gedanken sein, wenn von der schon wieder ein „Du weißt er gehört zu Timms bescheuerten Freunden.“ kommt, was ich wirklich toll finde. Ein versteckter Aufruf, der so manches Vorurteil im Alltag der Leser vielleicht noch einmal überdenken lässt. Eine künftige Bevölkerung, die sich selbst ein Urteil bildet, ist doch, was man sich wünscht. Justine liest gerne. Sehr gut haben mir auch die zahlreichen Jugendbuchtipps gefallen, die die Autorin hier im Roman verbaut hat. Jedes Buch mehr, das unsere Jugend heute liest, ist ein Gewinn, und ich bin überzeugt, dass die jungen Leser hier bestimmt zum einen oder anderen Titel greifen werden.

Alles in allem war ich von Anfang bis Ende begeistert an einer fünf Sterne Empfehlung führt für mich kein Weg vorbei.


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