Heike Bachelier , Peter Wulkau Ein ganz normaler Feind

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Inhaltsangabe zu „Ein ganz normaler Feind“ von Heike Bachelier

Peter Wulkau war ein Student mit eigenem Kopf, als er ins Visier der Stasi gerät. 38 Freunde, Bekannte und Kollegen haben über ihn berichtet. Er konnte über mehr als ein Jahrzehnt hinweg keinen Schritt machen, ohne dass das nebensächlichste Detail über ihn notiert wurde - ob er ordentlich gekleidet war, wen er traf und wann er ein Glas Bier trank. Die gesammelten Berichte, Briefe, Gesprächsnotizen und Verhörprotokolle umfassen knapp 18 000 Seiten und schildern auf eindringliche Weise, wie das Leben im Schatten der Stasi wirklich war. Die Banalität des Bösen steigt aus jedem Satz der Akten auf: Die Protokolle der erschreckend bereitwilligen Zuträger lassen ihr perfides, aber auch bisweilen ungeschicktes Vorgehen erkennen. Die Konsequenzen für Peter Wulkau waren existenziell: Die Zerstörung des Lebensentwurfs und eine jahrelange Haftstrafe.

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  • Rezension zu "Ein ganz normaler Feind" von Heike Bachelier

    Ein ganz normaler Feind
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    12. March 2012 um 12:55

    Hinter jeder Stasi Akte ein menschliches Schicksal..... ... und eines dieser Schicksale liegt nun in der Bearbeitung durch Heike Bachellier beeindruckend vor. Ein „beobachteter Lebensweg“, der seine Besonderheiten aufweist, der vor allem aber exemplarisch für ein ganzes System steht. Beeindruckend vor allem aus dem Wissen heraus, dass hier kein unbedingt prominenter oder sonst wie sonderlich hervorgehoben regimekritischer Mensch „unter Beobachtung“ stand. Peter Wulkau, dessen „Aktenlage“ im Buch nachvollzogen wird, steht für ein doch ganz normales Leben in der ehemaligen DDR. Und ein ganz normales Leben, dass hieß eben, Beobachtung. Zuträger. Durchleuchtung. Peter Wulkaus „Beobachtung“ begann 1968, als er ein „junger, ambitionierter und wissbegieriger Student“ war, der sich „für gesellschaftliche Vorgänge interessierte“. Ganz normal also, nicht aber in der DDR. Es erfolgt die Einstufung „feindlich gegenüber dem Sozialismus“ und die Anordnung der Beobachtung. Nichts grundlegend anderes oder besonderes war an diesem Peter Wulkau, und so erklärt sich der Titel des Buches. Wulkau war „ein ganz normaler Feind“. Wie die DDR fast ihr ganzes Volk als „ganz normalen Feind“ betrachtet, soweit der Mensch von Natur aus seine Verhältnisse reflektiert und in Teilen dann auch kritisch betrachtet. Indem Bachelier sich darauf beschränkt, redaktionell zu arbeiten und die Geschichte Wulkaus ausschließlich aus seiner Stasi Akte heraus erzählt, legt sie zwar das „eigentliche“ Leben Wulkaus nicht in den Blick des Lesers, wohl aber verschafft sie einen direkten und klaren Einblick in die „Sicht des Staates“ auf exemplarisch diesen „Bürger“ und gibt „Einblick in die Mechanismen der Diktatur“, die erschreckend und aufrüttelnd zu lesen sind. Die „Unterdrückung und Überwachung der eigenen Bevölkerung“ als „Staatsprogramm“, die oft auf ganz banaler Ebene sich darstellt und doch existentielle Folgen hatte, das ist schon durchaus harter Lesestoff. Das ein IM als „Mitarbeiter mit Feindberührung“ bezeichnet und geführt wird und Peter Wulkau eben jener „Feind“ ist, das zeigt mehr von der Mentalität des „realen Sozialismus“ auf als viele wissenschaftliche Bücher über jenen deutschen Staat. Ein Klima des Misstrauens, das ständig unterschwellig den Alltag in der DDR „vergrätzte. Ernüchtert liest man in dieser hervorragenden Dokumentation, wer alles im Umfeld von Wulkau über ihn berichtet und wen von all diesen er durchaus als „Freund“ oder „Vertrauensperson“ bezeichnet hätte. Informanten, die dazu führten, dass Wulkau zwei Jahre in Haft verbrachte. Durch die Perspektive rein aus „Tätersicht“ her stellt sich im Lauf der Lektüre ein echter Widerwille ein gegenüber solch ausgeprägten Formen von Scheinheiligkeit, Intrige, Verrat und Denunziation, welche den Menschen letztlich den vertrauensvollen Boden eines Lebens in Gemeinschaft ständig unter den Füßen wegzog. Nicht immer einfach zu lesen gelingt Heike Bachelier die intensive Darstellung einer „Innenschau“ einer Diktatur, die den Leser betroffen zurücklässt und mehr von der alltäglichen Atmosphäre und den Grundlagen des Systems der DDR offenlegt als so manch kluge Beschreibung an anderen Orten.

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