Heike Geißler

 4.2 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Rosa, Saisonarbeit und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Heike Geißler

Saisonarbeit

Saisonarbeit

 (2)
Erschienen am 01.10.2014
Nichts, was tragisch wäre

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 (0)
Erschienen am 16.03.2007
Emma und Pferd Beere

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 (0)
Erschienen am 01.09.2009
Rosa

Rosa

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Buchhandlung_am_Schaefersees avatar

Rezension zu "Saisonarbeit" von Heike Geißler

Wahrscheinlich ein wichtiges Buch
Buchhandlung_am_Schaeferseevor 4 Jahren

Heike Geißler brauchte Geld. Sie ist freiberufliche Autorin und Übersetzerin, die Aufträge flossen scheinbar nicht so wie sie sollten, die Rechnungen wurden nicht zügig bezahlt und die Kinder haben viele Wünsche, die man als Mutter erfüllen möchte.

Das ist die Ausgangssituation, die der Autorin einen neuen Job bringt: Saisonkraft in der Vorweihnachtszeit bei Amazon in Leipzig. Eine verständliche Situation - eine verständliche Entscheidung.

Im ersten Kapitel beschreibt die Autorin wie es dazu kam, dass sie zum Vorstellungstermin bei Amazon fährt - einer Firma, der gegenüber sie grundsätzlich kritisch eingestellt ist, aber nicht zu sehr. Sie kauft selbst gelegentlich dort ein. Ihr Freund noch mehr. Aber ihr Lieblings"laden" ist es scheinbar nicht.
Was dieses erste Kapitel aber außerdem noch enthält, ist die Charakterisierung der Hauptperson des Buches - sie bezeichnet sich selbst als "empfindlich" - und ihre Vorstellungen von der Arbeitswelt. Vor allen Dinge schien für mich durch die Zeilen eine latente Herabwürdigung für Menschen, die ähnliche Jobs wie den des Amazon-Lagerarbeiters verricheten, durch. Sie schreibt von ihrem Gefühl auf der Fahrt zu ihrem Vorstellungstermin diverse soziale Schichten tiefer zu rutschen. Als wäre man am Bodensatz des Lebens angekommen und zutiefst zu bedauern, wenn man einen solchen Beruf verrichtet. Der Anspruch, mit seiner Arbeit nicht nur seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern sich selbst zu verwirklichen ist überdeutlich. Mir persönlich widerstrebt diese Einstellung. Ich halte es für möglich auch einen Job zu verrichten, der dem reinen Geld verdienen dient, und trotzdem nicht extrem bemitleidenwert zu sein. Um es deutlich zu sagen: Ich war nach der Lektüre dieses ersten Kapitels ein wenig wütend auf die Autorin, die mir überheblich vorkam.

Nach diesem Kapitel ist davon allerdings nicht mehr viel zu spüren. Von da an habe ich es sehr gern gelesen. Sie beschreibt, relativ neutral und auf literarische Art, ihren Arbeitsalltag bei Amazon und die Auswirkungen, die dieser recht eintönige und extrem stark regelmentierte Job auf ihr gesamtes Leben hat. Die Erschöpfung, die Tretmühle, die Erniedring. Sie erlebt das alles vermutlich intensiver als die meisten anderen, da sie ein selbstbestimmtes Leben gewohnt ist - aber dadurch hat sie eben auch einen Blick auf die Arbeitswelt, die den Menschen Augen öffnen kann.

"Saisonarbeit" ist kein Skandalbuch, was Aufklärungsarbeit über die furchtbar schrecklichen Arbeitsumstände im Amazon-Lager betreibt (das war in etwa meine Erwartung), sondern vielmehr ein Buch über unsere heutige Arbeitswelt. Eine Welt in der die Menschen in Systeme gezwängt werden, die nicht mehr viel Menschlichkeit zeigen. Motivationskreise nach amerikanischem Vorbild hin oder her - der Mensch wird in solchen Berufen scheinbar zur Maschine degradiert und massiv psychologisch manipuliert.

Auf seine leise Art ist "Saisonarbeit" wahrscheinlich eines der Bücher, die mich in diesem Jahr noch am meisten beschäftigen werden. Eine Sterne-Vergabe war für mich sehr schwierig, denn es fällt irgendwie aus allen Kategorien. Trotzdem: Eine klare Leseempfehlung für alle, die über Dinge nachdenken möchten, die sie bisher als selbstverständlich und unabänderlich hingenommen haben.

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