Heike Herrberg

 4,7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor*in von Wiener Melange.

Lebenslauf

Heike Herrberg ist seit 1996 freie Redakteurin und Lektorin. Über die Recherchen zur Wiener Melange kam sie auf die Spur faszinierender New Yorker Frauen und forschte über die Exilzeit der Wiener Fotografin Trude Fleischmann („The mystery lady“ in: Trude Fleischmann. Der selbstbewusste Blick, Ausstellungskatalog Wien Museum 2011). Aktuell arbeitet sie an einer Porträtreihe über Lebenskünstlerinnen in New York.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Heike Herrberg

Cover des Buches Wiener Melange (ISBN: 9783869150932)

Wiener Melange

(3)
Erschienen am 12.05.2014

Neue Rezensionen zu Heike Herrberg

Cover des Buches Wiener Melange (ISBN: 9783869150932)
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Rezension zu "Wiener Melange" von Heike Herrberg

Johanna_Be
Lektüre für kleine Pausen bei einer Melange im Kaffeehaus

Im Museumsshop des Leopold Museums in Wien konnte ich nicht widerstehen. Auf dem Cover des kleinen Bandes aus der Reihe „blue notes“ von ebersbach & simon ist eine Fotografie aus dem legendären Salon der Madame d’Ora (Dora Kallmus) abgebildet. Eine mondäne Dame im blauen Samt, lässig, vielleicht gelangweilt, leicht amüsiert an einem Podest lehnend. Jedenfalls ein sehr schönes Motiv und so typisch für die Zeit, in der es entstand.

Kallmus und andere fotografierten die Tänzerinnen, die den Tanz Anfang des 20. Jahrhunderts revolutionierten. Ihr und ihren Mitstreiterinnen ist eines der Kapitel in dem Band „Wiener Melange - Frauen zwischen Salon und Kaffeehaus“ von Heike Herrberg und Heidi Wagner gewidmet. Ein schöner kleiner Überblick über das, was Frauen trotz teilweise widrigster Umstände für die Moderne in Wien geleistet haben. Es geht um die Reformpädagogik, die Tanzrevolution, die Fotografie, das Kaffeehaus, die Literatur, den Journalismus, die Bühne und die Salons. Um alles, was das Leben reicher macht. Viel, viel Neues, Unerhörtes, Unbequemes.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Österreich auf einen Rest zusammengeschmolzen. Nicht allen gefiel, was sie auf den Straßen sahen. Aber die großbürgerliche Salonière Zuckerkandl wusste dagegenzuhalten: „Auf den Tramways, in den Geschäften, in den Kaffeehäusern, hört man jetzt klagen, daß Menschen sich herumdrängen, die gegen die Sitten unserer Stadt verstoßen. … Also die Wiener verlangen wohlerzogene Flüchtlinge. Ich weiß nicht, ob es das überhaupt gibt. Und ob gerade der Wiener, der, wenn er auf Lustreisen, von internationalem Komfort umgeben, tief verstimmt sein Rindfleisch und seine Virginier vermisst, ein überaus netter Flüchtling wäre.“

Zitate wie diese machten das schmale Bändchen (138 Seiten) aus dem Jahr 2014 trotz der Kürze für mich zu einem Lesegewinn, auch wenn ich die Umrisse der Geschichte und viele der Protagonistinnen kenne. Beispielweise aus dem Buch von Kris Lauwerys „Vom Licht in die Dunkelheit“ über Emilie Flöge, Milena Jesenská und Veza Canetti oder aus dem umfassenden Band „Stadt der Ideen“ von Richard Cockett über den intellektuellen Einfluss Wiens auf Entwicklungen des 20. Jahrhunderts (beide Besprechungen im Feed).

Kurze Blicke auf eine faszinierende Epoche zwischen Opulenz, tiefster Armut und Aufsehen erregenden Neuanfängen. Mit vielen Bildern und einem knappen Literaturverzeichnis.

 Mehr Infos im Blog: www.kultursalon.blog

Cover des Buches Wiener Melange (ISBN: 9783934703377)
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Rezension zu "Wiener Melange" von Heike Herrberg

aus-erlesen
Heiß, in kurzen Zügen genießen!

Während man in anderen Salons Wiens nicht um Pardon bitten muss – wie im Musical „Elisabeth“ – so ist man bei Alma Mahler-Werfel der Etikette verpflichtet. Der Etikette eine Diskussion so zu führen, dass am Ende der Diskussion niemand mit Groll nach Hause gehen muss. Aber es sind halt auch Künstler darunter, und somit ist der Salon auch eine Arena der Eitelkeiten. 
Das Wien der 20er und 30er Jahre ist immer noch ein Dreh- undAngelpunkt der Progression. Das einstige Reich hat sich geteilt, mehrfach. Ein Zehntel der Bevölkerung ist nun Österreicher, der Rest Slowene, Ungar, Bosnier etc. Die Kunst ist immer noch agil und weltoffen wie eh und je. Und davon berichtet dieses Buch. Was heißt berichtet? Es führt den Leser in eine Zeit, die vielleicht noch die Oma, als sie in Kinderschuhen steckte entfernt wahrnehmen konnte. Die Orte des Geschehens sind heute noch zum größten Teil besuchbar. Wie das Café Landmann, das Café Herrenhof hat zwar so machen Zwist, zwei verheerende Kriege überstanden, doch 2006 war dann doch endgültig Schluss. Jetzt steht dort das Steigenberger Hotel Herrenhof. Der Geist von Egon Erwin Kisch, Franz Werfel, Elias Canetti oder Milena Jesenská wird nur durch dieses Büchlein wieder lebendig. 
Heike Herrberg und Heidi Wagner begeben sich auf Spurensuche in einem Wien, das Weltruhm genießt. Fotos lässt man bei Madame d’Ora machen, Dora Kallmus, es sei denn man ist Tänzerin. Dann geht man natürlich zur Fleischmann, Trude Fleischmann. Ihre Tanzaufnahmen sind bis heute der Grundstein der Tanzfotographie. Dora Kallmus war die Erste, die Wein verließ. Das war 1925. Ihr Ziel war Paris. Das war noch weltläufiger als Wien. Ihr sollten viele folgen, doch nicht wegen mangelnder Weltläufigkeit, sondern des widerwärtigen Naziterrors wegen. Die Kundschaft war nicht mehr da oder hatte Angst oder war schon auf dem Sprung oder hatte Wichtigeres im Sinn als sich fotografieren zu lassen. Ein Aderlass unermesslichen Ausmaßes. 
Tänzer, Literaten, Maler, Sänger – sie prägten das Stadtbild Wiens. In den Cafés waren sie Stammgäste, in den Salons das Salz in der Suppe. Und dieses Buch ist das Rezeptbuch für die Seele. Starke Frauen, die sich Freiräume schafften und diese zu nutzen wussten. Viele von ihnen sind heute dem breiten Publikum unbekannt. Die beiden Autorinnen holen sie anekdotenreich aus dem Reich des Vergessens zurück auf die Bühne, die ihnen zusteht. Applaus garantiert.

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