Mit der Seelenlyra legt die Autorin Heike Hoffmann ein bis ins letzte Detail perfekt gestyltes Buch in meine Hände, ein Buch zum Schmökern und zum Schenken. Der Einband gleicht einem Renaissancegemälde und zeigt eine Lyraspielerin in einer phantastischen Landschaft zwischen Tag und Traum. Das Zwielicht der Dämmerung ist die Zeit, in welcher Visionen und Inspirationen empfangen werden. Eindringlich klare Gedichttitel und die Tatsache, dass die meisten Texte wie aus einem Guss wirken, scheinen von solch inspirativen Momenten zu zeugen, die Heike Hoffmanns Seelenpoesie auslösten. Sie selbst spricht im Gedicht "Flüstern" von dieser "inneren wispernden Stimme", auf die es zu hören gilt " Ich höre dich klar und deutlich wie du zu mir sprichst, obwohl ich dich nie rief" (hier ohne Zeilenumbruch zitiert)
Die LYRA ist das Leitmotiv .der verschiedenen thematisch geordneten Kapitel. Die Schrift ist ausserordentlich gross und leserfreundlich gewählt, was dem Buch einen weiteren edlen Touch verleiht.
Klang und Bild sind in der "Seelenlyra" eng verknüpft. Die Verse sind schlicht, aber tiefgründig und oft mit überraschenden Reimen versehen wie im Gedicht "Krieg" ("Siehst du wie die Erde brennt/das Feuer lodert ungehemmt/über uns die Bomber kreisen/Ängste unser Herz zerreissen?").
Bewusst wird seelische Freude dem Horror der Welt entgegengesetzt: "Ganz leis und zart/hör ich es klopfen./Es sind die warmen Regentropfen/die voller Freud'/am Fenster tanzen/ganz leis ich spür 'die Resonanzen"...beginnt ein Gedicht, beinahe möchte man sagen ein "Lied" über den Regenbogen.
Ich blättere mich Seite um Seite durch Zeilen wie Küsse und Zeilen wie Schreie: "Du schreist nach Frieden und nach Liebe/doch all der Hass die Gier und Triebe/um Macht, Besitz, ein Mienenfeld/zerstört die Menschheit dieser Welt" ( "Schreie")
Doch das Heitere und Gelöste überwiegt. Musikalische Beschwingtheit lässt diesen Band zu einem seelischen Wellnessband werden. Lesend lösen wir uns von der Schwere des Alltags. Vielleicht war es auch Wunsch und Antrieb der Autorin, dem Leser (wieder) ein Stück Lebensfreude zu vermitteln.
Zum Schluss noch ein paar Zeilen aus zwei zauberhaften Gedichte, welche Heike Hoffmanns enge Verbundenheit mit der Natur zeigen:
Da ist die Betrachtung des Ginkgos, den ja bereits Goethe besungen und studiert hat: " Ein Ginkgo Blatt zu Boden fällt/es schwingt, es tanzt und jubelt froh/ bereit für einen neuen Flug/schwebt heiter es ins Nirgendwo" ("Ein Schweben")
Besonders hat es mir auch die Beschreibung des Novembers angetan: "...Kahle Bäume dich umringen/laden nicht zum Tanzen ein/stille Strassen dir begegnen/wanderst deinen Weg allein ...Blind den Nebel du erträgst/dich von Stürmen treiben lässt/Kerzenlicht ganz leise flackert/feierst du dein Seelenfest..." ("Windmond")










