Da ich bereits Seltsame Bilder des Autors gelesen hatte, wusste ich, was mich bei einem Sketch Mystery Roman erwartet. Tatsächlich ist wohl dieser Roman das erste Buch des Autors, in Deutschland aber erst nach dem großen Erfolg von Seltsame Bilder erschienen. Die Mischung aus Zeichnungen und Bildern, in diesem Fall Grundrisse von Häusern, und analytischem Denken fand ich sehr gelungen. Es wird logisch und folgerichtig argumentiert, so dass die Gedanken eines Autors und eines Architekten am Ende zur Lösung eines Kriminalfalls bzw. eines Mysteriums führen. Diese Geschichte ist interessant, ein bisschen unheimlich und mysteriös und doch auch typisch japanisch mit Motiven wie Ritualen und Familienehre, weshalb es mir sehr gut gefallen hat. Obwohl ich dieses Buch etwas schwächer fand als die Seltsamen Bilder, vergebe ich volle fünf Sterne für die innovative Idee und die Raffinesse die es braucht, um die Handlung so kongruent zu entwickeln.
Heike Patzschke
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Quelle: Verlag / vlb
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HEN NA IE - Das seltsame Haus / Uketsu
„Im Obergeschoss habe ich Schritte gehört, aber eigentlich dürfte dort niemand sein.“
„Immer wenn ich allein im Wohnzimmer bin, spüre ich Blicke, die auf mich gerichtet sind.“
„Im Wandschrank sind Stimmen zu hören.“
– solche und ähnliche Begebenheiten in sogenannten Spukhäusern gibt es wie Sand am Meer. Aber das, was ich nun über dieses Haus erfuhr, unterschied sich doch ein wenig von all diesen Geschichten. (S.15)
Der Erzähler, ein Journalist, wird von seinem Bekannten Yanaoka um einen Rat zu einem Hauskauf gebeten. Es ist ein relativ neues Haus in guter Lage zu einem vernünftigen Preis – und doch hat Yanaoka Zweifel. Der Erzähler bittet den Architekten Kurihara – ein Freund von Horror und Mystery - um Unterstützung, die beiden beginnen den Grundriss des Hauses zu analysieren. Zunächst sieht alles völlig normal aus, aber beim genaueren Hinsehen fallen seltsame Dinge auf:
„Außerdem hat das Kinderzimmer kein einziges Fenster.“ (S.22)
Und es ergeben sich weiter Ungereimtheiten, die zu der Frage führen, ob hier eine Existenz verborgen, gar ein Kind eingesperrt wurde? Ist in dem Haus ein Verbrechen geschehen?
Nachdem ein Journalist einen Artikel über das Haus veröffentlicht hat, meldet sich Yuzuki Miyae. Obwohl der Bericht keine Details enthielt, wirkt es, als hätte sie tiefergehendes Wissen und eine Verbindung zu dem Haus.
„Dieses Haus beinhaltet zwei Aspekte. Licht und Dunkelheit – so könnte man es beschreiben.“ (S.99)
Doch damit nicht genug – es gibt ein weiteres Haus mit einem ähnlich verstörenden Grundriss.
Eine komplexe Familiengeschichte, lang zurückliegende Ereignisse, mysteriöse Kinder und eine Familie, die plötzlich verschwindet.
„Dieses Haus ist vom Groll einer Frau erfüllt.“ (S.182)
Ein großartiger Satz in einem spannenden Mystery-Roman.
... und dann sind da ja noch die Leichenteile, die in der Nähe eines der Häuser in einem nahen Wald gefunden werden und der verschwundene Herr Miyae.
„Die linke Hand der Leiche ist samt Handgelenk abgetrennt worden“ – Diese Worte hakten sich bei mir fest. (S.65)
Der Journalist und der Architekt nehmen bei der Betrachtung der Bauzeichnungen immer neue Perspektiven ein und mit jedem anderen Blickwinkel scheint es weitere, unvorstellbare Erklärungen für die Unstimmigkeiten in den Grundrissen zu geben.
Kann eine Bauzeichnung nicht nur Wände, sondern auch Verbrechen zeigen?
Was verbirgt sich hinter der Fassade? Nach und nach ergibt sich ein vielschichtiges Bild und es wird klar, dass die Vergangenheit bis in die Gegenwart wirkt. Aber:
„Nun, auch das sind alles nur Spekulationen. Nehmen Sie es daher nicht so ernst!“ (S.215)
Das Buch hat mich begeistert, gefesselt, fasziniert, zum Miträtseln eingeladen – aber auch in die Irre geführt, nicht wieder auf den richtigen Weg gebracht und am Ende war ich etwas lost, habe die Auflösung nicht direkt greifen können, sie war für mich zunächst nicht schlüssig, es schien, dass die Ungereimtheiten der Grundrisse ebenso auch in der Geschichte und sowieso alles zu komplex war.
Es hat also einen Moment gebraucht, „Das seltsame Haus“ ist nicht einfach ein Roman – das Buch fordert den Lesenden und genau das macht den Reiz aus.
Mir persönlich hat „Seltsame Bilder“ etwas besser gefallen, nichtsdestotrotz ist „Das seltsame Haus“ ein großartiger, origineller, ungewöhnlicher Roman, der mich begeistert und mit seiner besonderen Atmosphäre und der subtilen Spannung in den Bann gezogen hat. Die Skizzen laden zum Miträtseln ein und ich habe unbedingt wissen wollen, was es mit den Häusern auf sich hat.
Große Leseempfehlung!
🏠🕵🏻♂️
𝘋𝘢𝘴 𝘸𝘢𝘳 𝘥𝘰𝘤𝘩 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘮𝘰̈𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩!
𝘝𝘦𝘳𝘴𝘶𝘤𝘩𝘴𝘸𝘦𝘪𝘴𝘦 𝘭𝘦𝘨𝘵𝘦 𝘪𝘤𝘩 𝘥𝘪𝘦 𝘣𝘦𝘪𝘥𝘦𝘯 𝘎𝘳𝘶𝘯𝘥𝘳𝘪𝘴𝘴𝘦 𝘦𝘪𝘯𝘮𝘢𝘭 𝘶̈𝘣𝘦𝘳𝘦𝘪𝘯𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳.
𝘚𝘰𝘭𝘭𝘦 𝘥𝘢𝘴 𝘦𝘪𝘯 𝘡𝘶𝘧𝘢𝘭𝘭 𝘴𝘦𝘪𝘯? 𝘖𝘥𝘦𝘳 𝘢𝘣𝘦𝘳 ...
⁽ᵁᴺᴮᴱᶻᴬᴴᴸᵀᴱ ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ ⁻ ˢᴱᴸᴮˢᵀᴷᴬᵁᶠ⁾
💭
Nachdem ich 𝘚𝘦𝘭𝘵𝘴𝘢𝘮𝘦 𝘉𝘪𝘭𝘥𝘦𝘳 so sehr mochte, war für mich sofort klar, dass ich auch 𝘋𝘢𝘴 𝘴𝘦𝘭𝘵𝘴𝘢𝘮𝘦 𝘏𝘢𝘶𝘴 unbedingt lesen muss.
Wieder einmal lebt das Buch von seinem besonderen Konzept: Bildern; in diesem Fall den Grundrissen. Auf den ersten Blick wirken sie völlig normal, doch je länger ich hinsah, desto mehr Fragen tauchten auf. Warum existiert ein Raum ohne Fenster? Wozu dient dieser merkwürdige Durchgang? Gibt es versteckte Bereiche?
Genau hier beginnt die Faszination: Ich ertappte mich selbst beim Miträtseln.
Somit begibt sich auch der Autor auf die Erkundung des Rätsels. Wie schon im Vorgänger hatte ich das Gefühl, nicht nur eine Geschichte zu lesen, sondern mitten in einer Recherche zu stecken. Dieses Konzept ist unglaublich spannend und wirkt durchdacht, innovativ und sehr atmosphärisch.
Der Aufbau ist klar gegliedert: ein kurzer Prolog, danach drei Kapitel, die Schritt für Schritt mehr Hinweise liefern, bis am Ende alles schlüssig zusammengeführt wird.
Trotzdem fand ich 𝘋𝘢𝘴 𝘴𝘦𝘭𝘵𝘴𝘢𝘮𝘦 𝘏𝘢𝘶𝘴 insgesamt etwas schwächer als 𝘚𝘦𝘭𝘵𝘴𝘢𝘮𝘦 𝘉𝘪𝘭𝘥𝘦𝘳. Es war weniger verschachtelt und die Kapitel standen nicht so sehr für sich wie zuvor, sondern ergaben relativ früh eine durchgehende, chronologische Erzählung. In 𝘚𝘦𝘭𝘵𝘴𝘢𝘮𝘦 𝘉𝘪𝘭𝘥𝘦𝘳 fand ich diesen episodischen, miteinander verknüpften Aufbau noch reizvoller und überraschender.
Nichtsdestotrotz: Das Buch hat mir wieder richtig Spaß gemacht, sodass ich es an einem Tag direkt durchgelesen habe.
Ich freue mich auf jeden Fall auf zukünftige Werke und habe Uketsu spätestens jetzt fest auf meinem Radar.
⭐️⭐️⭐️⭐️☆
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