Heike Vullriede Der Tod kann mich nicht mehr überraschen

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Inhaltsangabe zu „Der Tod kann mich nicht mehr überraschen“ von Heike Vullriede

Marvin liegt in sündhaft heißem Badewasser und übt das Sterben, indem er einfach den Atem anhält. Doch während er längst wie ein bleiches Sirenenopfer dahintreiben könnte, rekeln sich Frau und Tochter im Wohnzimmer auf dem Sofa. Gestorben wird wohl allein. Eine schlechte Diagnose hat Marvin Abel aus seinem erfolgreichen Leben gerissen. Nun lässt er ihn nicht mehr los, der Gedanke an den Tod, den er bisher so erfolgreich verdrängte. Wäre er doch niemals wegen dieser Kopfschmerzen zum Arzt gegangen, dann hätte sein Leben so rosarot weitergehen können. Oder? Bepackt mit neuer Unterwäsche und einer viel zu prall gefüllten Reisetasche, begibt er sich ins Krankenhaus, um sein Leben zu retten. Auf seinem Zimmer knipst er als Erstes ein Handyfoto von dem Schnarchsack im Nebenbett – und eins von sich selbst, zur Erinnerung an seine noch immer dichte Haarpracht vor der Chemotherapie. Marvin will kämpfen. Schließlich hat er das Leben fest im Griff und bisher noch keinen Kampf verloren. Bald steht der erste Besucher vor Marvins Bett: Basti, sein kleiner Bruder. Der bringt nicht nur einen Supermarkt-Blumenstrauß mit, sondern auch eine schockierende Bitte. Und er bleibt nicht der Einzige, der Marvin haarsträubende Überraschungen bereitet. Marvin traut seinem eigenen Leben nicht mehr – und möglicherweise ist er auch neidisch auf die Enten im Park. Wo ist seine heile Welt geblieben? War es am Ende nichts weiter als ein Traum von Gestern und Morgen? Und wie, verdammt noch mal, lässt man das los?

Ungewöhnlicher Blickwinkel auf das Thema Tod/Sterben, der überzeugt und zum Nachdenken anregt

— Devona
Devona

Die ganz andere Krebsgeschichte - ironisch, ehrlich, überraschend

— Nafreyu
Nafreyu

Ein bewegender und fesselnder Roman, der ohne Klischees auskommt und absolut zu überzeugen weiß.

— chuma
chuma

Ein Werk, dass einen nach 230 Seiten sprachlos und mit einem Gefühlschaos zurücklässt ...

— Sevotharte
Sevotharte

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  • Ungewöhnlicher Blickwinkel auf das Thema Tod/Sterben

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Devona

    Devona

    13. June 2016 um 10:50

    Ein Buch -das Erste der Autorin- über einen inoperablen Hirntumor, zu dem sich schnell noch ein zweiter gesellt, ein Buch über die letzte kleine Zeitspanne im Leben eines Menschen ist per se schon mal harte Kost. Dieses Buch war eine Überraschung, denn Heike Vullriede schafft es, den Tod und das Sterben aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel zu beleuchten und den Leser trotz des hoffnungslosen Themas zu unterhalten und zum Nachdenken anzuregen. Nicht über den miesen Tod an sich, sondern über den eigenen Umgang damit. Die Autorin ist Buddhistin, das habe ich NACH dem Lesen recherchiert und ich bin mir sicher, dass ein Teil buddhistische Lebensphilosophie in dieses Buch geflossen ist. Ich habe noch kein Buch zum Thema “sterben” gelesen, welches derart gelassen und wertfrei geschrieben wurde, ohne dabei peinlich oder respektlos zu sein. Ganz im Gegenteil: die Verarbeitung des Themas nötigt Respekt ab. Lesern, die sich dem Thema ausschließlich und distanzlos auf der emotionalen Ebene nähern können, also über Betroffenheit, Mitleid, Trauer wird das Buch evtl. weniger geben als denen, die “loslassen” können, um den Protagonisten auf seinen oftmals sehr rationalen Gedankengängen beim Sterben zu begleiten. Um dieses Loslassen kreisen auch Marvins Gedanken unaufhörlich, seit er weiß, dass seine Lebenszeit begrenzt ist und das dieser Fakt unumstößlich ist. Die Diagnose (“Du hast noch maximal ein Jahr!”), die naturgemäß zunächst verharmlost und beiseite geschoben wird, da sie für einen mitten im Leben stehenden Menschen von 45 Jahren rational gar nicht fassbar ist, schiebt sich brutal in den Vordergrund, als Marvin -bis dahin im Vollbesitz seiner körperlichen Leistungsfähigkeit und vom Tumor noch nicht beeinträchtigt- innerhalb kürzester Zeit unter Chemotherapie zu einem körperlichen Wrack mutiert. Marvin schaut diesem Zerfall tagtäglich im Spiegel zu und während er sich mit diversen linksseitigen Lähmungen nach knapp einer Woche Krankenhausaufenthalt nur mehr zur Cafeteria schleppen kann, wälzt er Gedanken, die natürlich emotional eingefärbt sind, andererseits aber auch eine Distanz zu sich selber erkennen lassen, die dem Leser gelegentlich ein Schmunzeln entlockt. Und während Marvin darüber nachdenkt, ob er all die Menschen, die an seinem Krankenbett auftauchen und mehr oder weniger deutliche Defizite im sozialen Umgang mit Sterbenden haben, wirklich braucht oder nicht doch lieber auf ihre Gegenwart verzichtet, denkt der Leser darüber nach, ob eine Lebensqualität zerstörende Chemotherapie, die den unumstößlichen Tod nur hinauszögert, für ihn eine Option ist oder ob er -rein hypothetisch betrachtet- als Betroffener nicht doch auf ein paar Wochen Leben verzichtet, dafür aber bis zum Einsetzen der Endphase noch ein relativ normales Leben führen kann. Die Frage wird ohnehin nur Jeder für sich selber beantworten können, aber in jedem Fall ist sie nachdenkenswert und vielleicht sollte man sie auch als NICHTbetroffener überdenken, um im Fall des Falles einer Diagnose nicht völlig unbedarft mit einem so schweren Thema konfrontiert zu werden. “Der Tod kann mich nicht mehr überraschen” hat sehr viele Facetten: traurige, nachdenkliche, laute, leise, sarkastische, aber keine deprimierenden oder total hoffnungslosen, keine die den Leser auf die Betroffenheitsschiene herunter ziehen. Marvin ist ein Kämpfer und auch wenn er durch die Chemo körperlich völlig am Boden ist, hat er im Krankenhaus eine Verschwörung aufzudecken, sein Testament zu machen und schlussendlich gefällt ihm der Gedanke, seine Beerdigung in einem Friedwald vernünftig in Szene zu setzen. Nein, lustig ist das natürlich alles nicht, aber die Szene mit der Marvin seiner oberflächlichen Frau den 40.Geburtstag ruiniert, in dem er im Rollstuhl sitzend all den ihn ignorierenden Anwesenden lautstark verkündet, er habe soeben unter sich gemacht (was nicht stimmt), hat schon etwas arg Komisches, zumal die Partygäste nacheinander mit den blödesten Begründungen die Feier fluchtartig verlassen. Ob Marvin all das, was er sich vorgenommen hat, noch schafft? Wird nicht verraten, nur so viel: der Titel des Buches ist nicht von ungefähr gewählt, irgendeine Überraschung hat der Tod immer noch parat. Auch für Marvin. Fazit: Empfehlenswert für Leser, die sich von Schwere, Trauer, Schicksalsergebenheit zu lösen vermögen, um einen gelasseneren, offeneren und entspannenderen Blick auf das Thema Tod/Sterben zu werfen, ohne dabei den Ernst des Themas zu verkennen. Es lohnt sich. www.buchimpressionen.de  

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  • Die ganz andere Krebsgeschichte - ironisch, ehrlich, überraschend

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Nafreyu

    Nafreyu

    08. May 2016 um 21:57

    Marvin Abel ist vermeintlich in der besten Zeit seines Lebens - und erfährt, dass er sterben muss. An einem Hirntumor, und das schon bald. Eine Chemotherapie kann das Unvermeidliche nur ein wenig aufschieben, und so zwingt diese Krankheit Marvin dazu, sich mit dem Loslassen und Abschiednehmen auseinanderzusetzen. In den letzten Jahren gab es auf einmal jede Menge Krebsgeschichten. Vermeintlich hat man also alles schon mal gelesen - doch dieses Buch weiß zu überraschen. Ja, auch hier geht es um einen Sterbenden, einen unheilbar an Krebs erkrankten Menschen. Dennoch ist so vieles anders in dieser Geschichte, dass ich jedem nur empfehlen kann, wenigstens noch diese eine weitere Krebsgeschichte zu lesen. Der Roman ist komplett aus Marvins Sicht geschrieben. Dadurch erfährt der Leser wirklich nur das, was Marvin weiß, sieht, hört und versteht. Sehr intensiv begleitet man ihn somit auf seiner Reise durch die verschiedenen Phasen seiner Krankheit. Dies bezieht sich sowohl auf die physischen Effekte - ungeschönt und völlig unromantisch wird der Verlust der Körperkontrolle und das einhergehende gezwungene Unterdrücken jeglicher natürlicher Schamgefühle beschrieben - als auch die psychischen Veränderungen. Klar erkennbar sind die klassischen Schritte von Verleugnen über Wut, Angst und später Akzeptanz. Doch all das geschieht auf eine sehr spezielle Weise, denn Marvins Sicht der Dinge ist nicht unbedingt die des glorreichen Helden, der über seiner Krankheit steht. Er kommt teilweise sehr unsympathisch daher und trotzdem fesselt er einen, man will ihn verstehen und den Weg mit ihm gehen. Allerdings macht Marvin es einem manchmal schwer; sein sehr ironischer Unterton schreckt bestimmt manch einen Leser ab. Mir jedoch hat diese Herangehensweise sehr gut gefallen, denn die meisten Bücher über Krebs und das Leiden sind doch hoffnungslos unrealistisch, verklärt zu einer perfekten Romanze im letzten Atemzug. Wer sich auf eine solche typische Geschichte freut, dürfte hier enttäuscht sein. Wer sich jedoch öffnet für eine andere Art, eine Geschichte, die ist, wie das Leben wirklich ist, unvorhersehbar, mit unerwarteten Wendungen und vor allem mit brutaler Ehrlichkeit, der dürfte dieses Buch kaum aus der Hand legen können. Der Schreibstil ist sehr flüssig und prägnant, man wird an der Hand genommen und doch durch die Sprünge in der Handlung bzw. Marvins teils wirre Sicht auf die ihn umgebenden Dinge und Personen immer wieder ins kalte Wasser gestoßen. Keiner der Protagonisten ist, was er am Anfang zu sein scheint, und auch das Ende weiß zu überraschen, wenn man gerade denkt, man weiß jetzt, was passieren wird. Ein Buch, das mit den großen Fragen des Lebens spielt, was wirklich wichtig ist, und ob es eine objektive Sicht auf das eigene Leben geben kann. Ein Buch, das definitiv nachhallt, wenn man bereit ist, sich voll darauf einzulassen. Und eines, das mit Sicherheit nicht einfach ist, etwas sperrig sein will, Gedanken auslöst, die man vielleicht, je nach eigener Situation, nicht denken möchte. Aber dabei trotzdem absolut wert ist gelesen zu werden. Ich vergebe 4,5 Sterne für ein Buch, das endlich einmal anders mit dem Thema Krebs umgeht, das es sich erlaubt, ironisch und brutal und ehrlich zu sein.

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  • "Wie wird er sein - Ihr Tod?"

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    chuma

    chuma

    16. April 2016 um 19:50

    Marvin Abel steht mitten im Leben, er ist beruflich erfolgreich, finanziell gut aufgestellt und hat einen Masterplan für die Zukunft. Doch dann wirft das Ergebnis einer ärztlichen Untersuchung ihn komplett aus der Bahn: Diagnose Glioblastom - ein Hirntumor, der tödlich ist. Ihm bleibt nur noch wenig Zeit und die will er sinnvoll verbringen. Aber wie macht man das am besten? Was bleibt zu tun, wenn man weiß, dass man sterben wird: Kämpfen, den Nachlass regeln, den Menschen, die man liebt Lebewohl sagen oder einfach resignieren und den Tod mit offenen Armen empfangen? Leseeindruck"Der Tod kann mich nicht mehr überraschen", Vullriedes Erstlingswerk aus dem Jahr 2012, ist bereits das dritte Buch der Autorin, das ich gelesen habe und wie ihre anderen Romane konnte es mich beeindrucken. Verspricht das Cover eine trostlose und ergreifende Geschichte - ja das tut es und es passt wie die Faust auf´s Auge ABER wer Klischees und Rührseligkeit erwartet, dem sei gesagt, dass dieses Buch in jeder Hinsicht zu überraschen weiß. Mit Geschichten über an Krebs erkrankten Menschen ist das so eine Sache. Für meinen Geschmack sind sie oft zu sentimental oder zu abgedroschen, der Protagonist zu sehr idealisiert und der Ausgang zu vorhersehbar. Vullriede zeigt in ihrem Roman, dass es auch anders geht und hat damit meinen Nerv getroffen. Ihre Geschichte ist brutal ehrlich und ungeschönt, der Protagonist Marvin keinesfalls ein reiner Sympathieträger (was im Übrigen auch für die meisten anderen Charaktere gilt) und der Ausgang der Story ... nun ja, lassen Sie sich überraschen. Der Roman passt wie bisher alle Werke der Autorin in keine Schublade und das ist auch gut so. Wenn man mich danach fragen würde, so würde ich sagen, er ist von allem etwas. Aus dem Leben gegriffen und deshalb auch so eingehend. Das Leben selbst ist nie geradlinig und es gibt nun mal auch keine Gebrauchsanweisung dazu. "Das Leben tut ja, was es will." (Marvin) Marvin Abel übt das Sterben, indem er in der Badewanne liegend aufhört zu Atmen, doch ist es so einfach? Wohl kaum, denn Loslassen ist eine der schwersten Herausforderungen im Leben. Und mit dieser Erkenntnis durchläuft er, und damit auch der Leser, sämtliche Phasen seiner Erkrankung. Vullriede lässt ihren Protagonisten allein erzählen und gibt dem Leser damit eine rein subjektive Sicht auf das Geschehen an die Hand. Es ist nicht immer leicht, sich darauf einzulassen, weil Marvins Sicht auf die Dinge teilweise sehr eigen und auch heftig ist. Doch durch diesen Zwang, sich in ihn hineinzuversetzten, erlebt man seine Ängste, Gedanken und Gefühle und auch seinen Verfall hautnah mit. Natürlich ist diese Sichtweise durch Marvin selbst gefärbt. Die Krankheit verdrängt sein Leben Stück für Stück. Intime Details der Hygiene, der Verlust der Kontrolle, der Schönheit und die Scham, die mit der Behandlung in Form einer Chemotherapie einhergehen, spart die Autorin nicht aus, allerdings sind sie nicht aufdringlich dominant. Es sind diese bewusst eingestreuten Einzelheiten, die die Story noch authentischer wirken lassen. "Mich ängstig mehr das Sterben, als der Tod. Vor allem aber fürchte ich das, auf was ich nicht gefasst bin. Das, was mich überraschen wird." Vullriedes Schreibstil ist prägnant und eingehend - geradezu fesselnd. Schnörkellos und mit ironischem Unterton betont sie so einerseits die Schwere des Themas, andererseits mildert sie aber auch die Wirkung. Ein Widerspruch, der funktioniert und mich als Leser in den Bann geschlagen hat. Ich las das Buch mit einer Freundin gemeinsam und im Austausch stellten wir fest, dass diese Art das Thema anzugehen sicher nicht jedermanns Sache ist (Vor allem, wenn man selbst in irgendeiner Form betroffen ist und wer ist das heutzutage nicht?), dennoch ist sie mutig und innovativ und sticht deshalb aus der Masse heraus. Die Menschen, die Marvin mehr oder weniger auf seinem Weg begleiten, sind schockierend schonungslos in ihrem Umgang mit ihm. Sie gehen ihrem Alltag nach und berichten von Dingen, die sie getan oder gesagt haben, die er nie für möglich gehalten hätte. So zeigen sie dem Todgeweihten ihr wahres Gesicht, legen die Beichte ab, um befreit in ihr eigenes Leben zurückzukehren. Und so bleibt Marvin letztlich die Erkenntnis, dass er lediglich in seiner eigenen Welt leben (und sterben) kann und diese mit keinem mehr zu teilen vermag. Da ich nichts vom Inhalt vorwegnehmen möchte, ist es schwierig einige konkrete Gedanken hier festzuhalten aber es gibt etliche Passagen im Buch, die mich begeistern konnten. Oft waren es kleine Anspielungen oder Erkenntnisse, die einen philosophischen Touch hatten. Wer und was ist wichtig im Leben? Bin ich noch der Mensch, der ich immer sein wollte oder habe ich mich unterwegs verloren? Es sind Fragen, denen man sich auch ohne schwere Krankheit stellen sollte, denn totgeweiht sind wir schließlich alle, nur wissen die meisten von uns nicht, wann es soweit ist. Marvins Bewusstsein reift parallel zu dem Fortschreiten seiner Erkrankung. Je mehr sein Körper verfällt, desto klarer wird sein Geist und desto größer auch die Erkenntnis darüber, was ihm wichtig ist. "Merkwürdig, wie viel Leben das Sterben begleiten konnte. Jeder Tag konnte eine neue Überraschung bringen, selbst jetzt noch." Fazit"Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" ist ein bewegender und fesselnder Roman, der ganz ohne Klischees auskommt. Es ist die Geschichte eines Sterbenden, die unverblümt erzählt wird aber es geht nicht allein um den Tod oder das Sterben, sondern vielmehr um das Leben selbst. Wer sich auf dieses Buch einlassen kann, der wird am Ende wohl doch noch überrascht werden. – 4,5 von 5 Sternen –

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  • ✎ Heike Vullriede - Der Tod kann mich nicht mehr überraschen

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Jecke

    Jecke

    15. September 2015 um 15:18

    Ich war sehr gespannt auf das Buch, denn der Klappentext hörte sich vielversprechend an und das Thema "Tod" ist eigentlich immer präsent, auch wenn man es gerne verdrängt. Auf den ersten Seiten enttäuschte mich das Buch aber komplett, denn irgendwie hatte ich mir etwas ganz anderes erhofft: den Umgang mit einer todbringenden Krankheit. Ich hatte auch tatsächlich überlegt, es zu unterbrechen und an späterer Stelle vielleicht irgendwann mal weiter zu lesen.., aber dann habe ich es doch genommen, mir einen Ruck und der Geschichte eine zweite Chance gegeben - und ich bin froh drum! In der Geschichte geht es schon um den Tod und um Krankheit und vor allem, wie die Umwelt auf eben solches reagiert. Manche Passagen haben mich erst erschrocken, nach einer Erläuterung konnte ich aber auch die Mitmenschen ein wenig verstehen, auch wenn ich das Verhalten nicht gut heiße. Zuerst verstand ich gar nichts, was die Autorin mit ihrer Geschichte aussagen möchte und ich fand die Geschichte an sich sehr skurril, um nicht zu sagen, unvorstellbar. Ich war auch auf den ersten Seiten (im Krankenhaus) genervt von der ganzen Szenerie, aber im Verlauf verstand ich auch diese Nachricht. Das Ende hat mich sehr überrascht, denn damit habe ich einfach gar nicht gerechnet. Heike Vullriede schreibt klar und deutlich und der Schreibstil ist wirklich angenehm zu lesen. Es gibt viele Bücher / Geschichten, die sich mit den Themen "Tod" und "Loslassen" und was alles dazu gehört, beschäftigen, und meist sind sie hochemotional und der Leser vergisst nicht selten eine Träne. Hier war mir nie nach Weinen zumute, aber getroffen hat es mich trotzdem. Es wird wohl noch eine ganze Weile nachhallen.. Man muss sich wirklich auf dieses Buch einlassen.. und am Ende habe ich festgestellt, dass ich mir zwar schon immer Gedanken über mein Leben und den Tod und alles, was damit zusammenhängt, gemacht habe, aber es wird nie genug sein..

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  • Ergreifendes Gefühlschaos

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Schnatterinchen

    Schnatterinchen

    22. April 2014 um 19:19

    Wie es ist, Hilfe zu benötigen, erleben Menschen in mehr oder weniger anerkannter Weise in Form einer Pflegestufe. Der Staat unterstützt sie. Wie ergeht es aber denen, die sich bloße Unterstützung innerhalb der eigenen vier Wände, innerhalb der jahrelang gehegten Freundschaften oder der Familie, innerhalb des eigenen Geflechts, erhoffen? Wer ist der wirkliche Freund, wer der, dem man selbst nur als Mittel zum Zweck dient? Woran merkt man es und warum fällt es uns oft zu spät auf, wem man wirklich wichtig ist? Marvin steht mitten im Leben als ihn eine Nachricht plötzlich ereilt: Er bekommt die Diagnose einer tödlichen Krankheit. Glioblastom. Plötzlich sieht sich der, zur Zeit im Trenungsjahr lebende Mann, einer schwierigen Situation ausgesetzt, der er anfangs noch optimistisch entegegensieht, wohlwissend, familiär bedingt guten Rückhalt zu haben. Doch das lässt nach. Kaum ein Mensch interessiert sich noch für ihn als Person, als Mensch, der leidet und dem das Desinteresse noch viel unglaublicher erscheint als dem Leser. Dies wird so realistisch dargestellt und geboten, das Marvin einem nur noch leid tun kann. Es gibt in Vullriedes Werk sämtliche Formen der Einsamkeit, sämtliche Tücken der Manipulation und der menschlichen Schauspielkunst. Erschreckend ernst, glaubwürdig und sehr bildhaft und teilweise umgangssprachlich hat es Vullriede auf den Punkt gebracht: Es gibt nur wenig gute Freunde und je früher man diese erkennt, umso bedeutsamer weiß man sämtliche Momente mit diesen Menschen zu schätzen. Kaum Schachtelsätze sind vorhanden, klare offene Worte sind verwendet worden und geben dem Leser so mehr denn je das Gefühl von Realität. Figuren mit Ecken und Kanten sind gezeichnet worden, ein Geflecht aus Worten und Leben ist entstanden, auf das die Autorin nur stolz sein kann. Ein sehr bewegendes Buch ist es - „Der Tod kann mich nicht mehr überraschen“. In der Tat – auch mich als Leser kann er kaum noch überraschen, denn nicht das Sterben ist das Schlimmste, sondern nur die Vorstellung an sich.

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  • Das Leben...

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Sutaho

    Sutaho

    04. December 2013 um 02:12

    Ein Buch was zum denken über das Leben anregt. Man sollte es lesen. Mich hat es nachdenklich gemacht mit vielen sachen anders im leben um zu gehen.

  • Eine Geschichte, die nachhallt....

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Amy-Maus87

    Amy-Maus87

    25. July 2013 um 09:39

    Meine Meinung: Ja, wie soll ich anfangen? Ich weiß es gar nicht so genau, wie ich diesem Buch gerecht werden könnte. Ich kann jetzt nach dem Lesen sagen, dass es mich sehr berührt hat, mich bis heute noch nicht ganz losgelassen hat und ich mich immer wieder dabei erwische, doch nochmal an Marvin zu denken… Aber beginnen wir von vorne: Wie im Klappentext schon bekannt ist, ist Marvin ein Mann, der früh an einem tödlichen Gehirntumor erkrankt. Als Leser begleiten wir ihn in seinen letzten Monaten und lauschen seinen Gedanken und tiefen Gefühlen. Gedanken, die so unterschiedlich und höchst emotional sind. Denn wer kann es Marvin übel nehmen, dass er an seiner Krankheit zweifelt, sogar an eine Verschwörung gegen ihn glaubt, weil er einfach so jung nicht sterben möchte?! Er zeitweilig resigniert ist und das Ende kommen sieht aber sich auch immer wieder auf die Beine kämpft, obwohl ihn so viele Rückschläge in der Zeit quälen. Und ich habe nicht nur einmal mit ihm mitgelitten, seinen Schmerz fast selbst körperlich gespürt und den Verlust und die Wahrheit über seine Freunde nah an mich heran gelassen. Denn in den letzten Stunden des Lebens wird ihm plötzlich so viel mehr bewusst. Sein Gespür für seine Umgebung und das Leben wird langsam immer intensiver und die eigene schnelle Vergänglichkeit tauchte immer wieder in meinem Kopf auf. Es ist eine wirklich sehr eindringliche Geschichte, die sich in kurzen Kapiteln unterteilt und alle Facetten, die teilweise so schonungslos ehrlich sind, wiederspiegelt. Der Schluss dieses Buches ist wie der Anfang. Er entspringt mitten in einer Handlung und endet dort auch wieder. Er endet so, dass die Autorin es geschafft hat, mich auch noch im Nachhinein mit Marvin und seinem Leben auseinander zu setzen, was tragischer endete, als ich je gedacht hätte. Mein Fazit: Ein hoch emotionales Buch über die letzten Monate eines noch so jungen Mannes. Ein Buch, welches den Leser in seinen Emotionen fesselt und erst an der letzten Seite wieder entlässt. Eine Geschichte die nachhallt...

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  • Rezension zu "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    martinabauer

    martinabauer

    13. January 2013 um 13:49

    Ein inoperabler Gehirntumor ist nicht das einzige Problem, mit dem Marvin Abel sich herumschlagen muss. Im Krankenhaus geschehen merkwürdige Dinge: da werden Fehldiagnosen gestellt und Krankenakten verwechselt, man versucht Marvin zu vergiften, sogar ein Mord soll passiert sein! Mit seiner Familie und seinen Freunden läuft es auch nicht besser: wenn sie sich nicht gerade innerlich von ihm distanzieren oder seinen Nachlass verplanen, überraschen sie Marvin mit unangenehmen Enthüllungen, die man nur einem erzählen kann, der sowieso bald abtritt. Der einzige, dem Marvin noch trauen kann, ist der gute alte Gevatter Tod ' und selbst der hält zuletzt eine Überraschung für ihn parat. ' Im Prinzip nicht unbedingt mein Genre, aber nachdem ich vor einiger Zeit auf eine Leseprobe des Romans gestoßen bin, war ich nun doch neugierig, wie die Geschichte ausgeht. Sensibel und einfühlsam, aber mit viel Humor beschreibt Heike Vullriede den raschen Verfall und die Einsamkeit eines Menschen, der am bösartigsten aller Gehirntumore erkrankt ist. Nicht nur als reine Unterhaltung gesehen, eignet sich der Roman meiner Meinung nach auch sehr gut für Betroffene und deren Angehörige, aber auch für Menschen, die beruflich mit dem Thema Sterben und Tod konfrontiert werden. Ich habe den Roman mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen; kurze Momente der Betroffenheit wurden durch den Sprachwitz und Schalk der Autorin, sowie durch Marvins eigenwilligem und beherzten Umgang mit seinem drohenden Ende bald durch ein Schmunzeln auf meinen Lippen abgelöst. Eine leichte Traurigkeit blieb am Ende dennoch zurück, und ich glaube, dass ich Marvin noch längere Zeit in Erinnerung behalten werde. Ein wirklich schönes Buch.

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  • Leserunde zu "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Heike-Vullriede

    Heike-Vullriede

    Heute startet die Leserunde zu meinem Debütroman »Der Tod kann mich nicht mehr überraschen« (Luzifer-Verlag Steffen Janssen) Worum es geht? Ist unser Leben, wie wir es uns denken, eigentlich die Wirklichkeit? Oder hat unser ›ICH‹ da ein bisschen zu unseren Gunsten geflunkert? Es könnte ja sein, dass unsere Wahrnehmung nicht ganz unvoreingenommen ist. Aber wie lässt man dieses ›ICH‹ und dessen Gefolge bloß los? Die Story: Eine ironisch-tragische Erzählung, gewürzt mit einem bitteren Schuss Sarkasmus und kleinen versteckten Anspielungen auf das typisch „Menschliche“ in uns. Es darf geschmunzelt und geweint werden. Marvin liegt in sündhaft heißem Badewasser und übt das Sterben, indem er einfach den Atem anhält. Doch während er längst wie ein bleiches Sirenenopfer dahintreiben könnte, rekeln sich Frau und Tochter im Wohnzimmer auf dem Sofa. Gestorben wird wohl allein. Eine schlechte Diagnose hat Marvin Abel aus seinem erfolgreichen Leben gerissen. Nun steht Marvins Welt Kopf. Die Beichten seiner Lieben bereiten ihm Gänsehaut. Blumen landen in Urinflaschen, gelbe Kissen gedeihen zum Albtraum und seine Frau wird ihm zum Rätsel. War sein Leben nur ein Traum von Gestern und Morgen? Über all dem schwebt der Tod, vor dem Marvin sich so gerne drücken würde. Erste Rezensionen findet ihr hier: erste Rezensionen Mehr über den Roman und weitere Leseproben findet ihr hier : Leseproben und mehr oder hier: Leseprobe . Mehr über mich auf meiner Webseite und auf den Bildern in meiner Profilgalerie. Ich darf 10 Exemplare von »Der Tod kann mich nicht mehr überraschen« unter all denen verlosen, die sich bis zum 31.8.2012, 10 Uhr, zur gemeinsamen Leserunde anmelden. Natürlich könnt ihr den Roman auch selbst kaufen. Wer mag, kann auch die günstige Ebook-Version lesen. Ich freue mich schon sehr auf die Leserunde.  Liebe Grüße Heike Vullriede (Autorin)

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  • Rezension zu "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Sarah_O

    Sarah_O

    29. September 2012 um 08:51

    "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede ist ein Roman, der sich mit dem Thema Sterben und dem "Loslassen" beschäftigt. Meine Erwartungen an die Geschichte, insbesondere an ihre emotionale Seite, konnte er allerdings nicht erfüllen. Zum Inhalt: Marvin bekommt eine Diagnose, die sein Leben für immer verändert. Er hat einen Gehirntumor und muss sich einer Chemotherapie unterziehen. Während er im Krankenhaus liegt, besuchen ihn allerhand Verwandte, Freunde und Bekannte, die sich Marvin allerdings plötzlich von einer ganz anderen Seite zeigen. Doch auch Marvin verändert seine Krankheit sehr... Der Großteil des Romans spielt im Krankenhaus. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht die Auseinandersetzung mit der Krankheit selbst oder dem im Klappentext angekündigten "Kampf" dagegen, sondern die Aufarbeitung der Beziehungen zwischen Marvin und den Menschen, die ihn im Laufe seiner Zeit im Krankenhaus besuchen kommen. Eigentlich ein vielversprechender Ansatz, gerade wenn es um die emotionale Ebene des Romans geht, mich hat es aber leider eher enttäuscht. Marvins Besucher entpuppten sich ausnahmslos als eine Parade aus Schlechtigkeiten und Enttäuschungen. Zwar werden einige dieser ausgeworfenen Konflikte anschließend wieder aufgearbeitet, ich empfand aber schon das Auflaufen all dieser Besucher im Krankenhaus als sehr eintönig, da jeder Krankenbesuch ähnlich ablief. Dadurch hatte dieses dünne Büchlein vor allem im Mittelteil für mich erhebliche Längen. Was mit völlig fehlte, war der "Kampf" gegen die Krankheit. Sicher konnte man sich im Laufe des Romans auch fragen, wozu Marvin überhaupt kämpfen sollte. Sein soziales Umfeld stellt sich immerhin als so schlecht heraus, ohne jegliche Lichtblicke - jedenfalls keine, die nicht nach spätestens zwei Seiten wieder zerstört werden, dass es mir schwer fiel, darin eine Motivation für das Leben zu finden. Stattdessen verliert Marvin sich auch noch in Verschwörungstheorien, mit denen er das Krankenhauspersonal nervt - und mich auch, denn diese Nebenhandlungen waren einfach nur völlig irrelevant. Auch der Umgang der Ärzte und Pfleger mit Marvin war für mich unglaubwürdig. Sie wissen, dass vieles von dem, was er tut und denkt, von seiner Krankheit beeinflusst wird, gehen aber kaum darauf ein und bieten auch keine darauf ausgerichtete Betreuung. Der Schreibstil dagegen war sehr gut, auch wenn die Geschichte am Ende zu schnell erzählt wurde, wodurch leider einige Abläufe kaum noch zu erschließen waren. Der Schluss selbst konnte mich dann zwar wieder ein wenig mehr überzeugen, als einige Passagen zuvor, aber insgesamt fehlte mir vor allem gefühlsmäßig einiges. Die Geschichte wird ausnahmslos aus der Perspektive des kranken Marvins erzählt und bietet dennoch zu wenig Sympathieträger und zu wenig berührende Momente, stattdessen viele abstoßende, die mich in ihrer Masse nur leider schlicht erschlagen haben. Fazit: Es war nicht das, was ich erwartet hatte. Die Aufarbeitung der zwischenmenschlichen Beziehungen als Vorbereitung auf den Tod steht im Mittelpunkt, nicht die Krankheit selbst, aber vieles wird einfach durch zu viele, teilweise sehr nichtssagende, Nebenhandlungen verdrängt und das durchgehend deprimierende Niveau erstickte meine letzten Gefühlsregungen, die durch mangelnde Sympathieträger ohnehin schon recht eingeschränkt waren. 3 Sterne

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  • Rezension zu "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    rumble-bee

    rumble-bee

    21. September 2012 um 11:19

    Dieses Buch liegt für mich auf einem schmalen Grat zwischen philosophisch-religiöser Abhandlung und "tatsächlichem" Roman. Die Autorin, selbst mit buddhistischem Hintergrund, hat hier versucht, buddhistisch inspirierte Gedanken über Leben, Tod und das "Loslassen-Können" in eine Romanhandlung zu verweben. Dabei herausgekommen ist ein sehr gut lesbares Buch, das den Leser tief betroffen macht - das als Roman, als "Buch an sich" jedoch noch besser hätte sein können. Ich möchte zukünftige Leser nun nicht verschrecken, die vom Buddhismus nichts wissen. Es ist nicht so, dass die Autorin quasi mit der Brechstange ihre Thesen und Ansichten zu vermitteln sucht. Aber wenn man es weiß, und sich ein wenig mit Buddhismus auskennt, dann sind die Bezüge einfach nicht von der Hand zu weisen. Man kann das Buch selbstverständlich auch ohne diesen Bezug lesen - doch dann entgeht einem doch ein gut Teil der Aussage. Worum geht es eigentlich? Um einen Mann mittleren Alters, Marvin Abel, der sich unvermittelt mit einer tödlichen Diagnose konfrontiert sieht: Hirntumor, und auch noch der schlimmste, ein Glioblastom. Das Buch beschreibt, überwiegend aus Marvins Perspektive, seine noch verbleibende kurze Lebenszeit zwischen Diagnose und seinem tatsächlichen Tod. Anfangs verläuft die Handlung dabei noch ziemlich dicht an der Chronologie (Krankenhaus, Chemotherapie, Besuche); dies löst sich jedoch im letzten Drittel etwas auf. Die Handlung nimmt am Schluss eine sehr unerwartete Wende, wodurch der Titel des Buches letztlich sehr ironisch erscheint: der Tod kann einen eben doch immer (!) überraschen, auch wenn man vorher noch so abgeklärt war. Ich habe aus diesem Buch etliches mitnehmen können. Gut getroffen fand ich zum Beispiel die verschiedenen Positionen und Verdrängungsmechanismen, welche Marvins Besucher einnehmen. Die Ehefrau tut beinahe so, als sei nichts, der Bruder will Geld, der Kollege gibt zu, Abläufe in der Firma manipuliert zu haben, für andere ist er schon so gut wie tot, die meisten sind hilflos, und so weiter. Ich weiß, dass alle diese Reaktionen tatsächlich vorkommen können, und fand sie realistisch geschildert. Marvins eigene Entwicklung fand ich teilweise ein wenig abstrus, das mag aber auch daran gelegen haben, dass ein Hirntumor eben die Persönlichkeit des Menschen, bis hin zu Wahnvorstellungen, verändert. Nur hätten hier meiner Meinung nach andere schriftstellerische Mittel, wie eine Schilderung durch ein Familienmitglied, noch besser gewirkt. Alles spitzt sich bis zu den letzten Szenen des Buches hin zu. Marvin durchläuft relativ typische Stadien, wie sie in der Psyche eines Sterbenden so ablaufen: über Verdrängung, Wut, Verhandeln, bis hin zu Resignation und Annahme. Schade fand ich dabei nur, dass im letzten Drittel des Buches, wie bereits erwähnt, etliches aus der Chronologie der Ereignisse gestrichen wurde. Das hat dem Buch seine Glaubwürdigkeit als "Roman" ein wenig geschmälert. Vielleicht ist dieses Buch gerade deshalb auch für ein breiteres Publikum gut geeignet: es überfordert nicht durch eine ausufernde Rahmenhandlung (die ich mir persönlich allerdings doch ausführlicher gewünscht hätte), es schildert typische Abläufe, es menschelt zwischendurch ziemlich stark, und es macht seelische Nöte verständlich. Es regt die Gedanken an, ohne zu sehr als Pamphlet rüberzukommen. Nur eine vollständige Durchdringung des Themas aus allen Blickwinkeln sollte man nicht erwarten.

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  • Rezension zu "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Literatur

    Literatur

    14. September 2012 um 00:25

    "Jeder Mensch auf dieser Welt war dem Tod ebenso nah, wie er. Nur er war im Gegensatz zu den meisten darauf vorbereitet." (S. 215) Mitten in einer Phase des beruflichen Erfolges und des privaten Scheiterns erfährt Marvin, an einem Glioblastom erkrankt zu sein. Die gewählte Perspektive lässt den Leser ganz nah an die Gefühls- und Gedankenwelt des Protagonisten herantreten. Die philosophisch höchst interessante Frage des Ich-Welt-Bezugs wird auf sehr persönlicher Ebene thematisiert: wie kann ich jetzt fühlen, denken, leben, aber bereits in Kürze nicht mehr in dieser Welt existieren? Was geschieht mit meinem Ich? Wie kann es sein, dass die Welt ohne mich weitergeht? Auch die Reaktionen der einzelnen Personen seines sozialen Umfelds sind sehr interessant: Jeder hat seinen eigenen Zugang zu diesem Schicksalsschlag, zu diesen existentiellen Fragen, die jeden betreffen. Jeder Mensch mit einer potentiell tödlichen Krankheit wird sich mit Marvins Gedanken um Leben, Sterben und Tod auseinandersetzen, wobei die Diagnose Glioblastom, verbunden mit einem raschen Voranschreiten der Erkrankung, Beschwerden, die das Persönlichste des Menschen betreffen, einem Tod meist innerhalb von wenigen Monaten, den persönlichen Umgang mit existentiellen Fragen durch die zeitliche und qualitative Begrenztheit erheblich zuspitzen. Die Beschäftigung mit den Themen Sterben und Tod, die Aussöhnung mit gewissen Punkten in seinem Leben, das Loslassen-Können sind Aspekte, die sehr gut beschrieben werden, und klare Stärken des Romans. Insgesamt fühlte ich mich jedoch im Laufe des Romans erdrückt von all den sozialen und emotionalen Konflikten, in denen Marvin sich zusätzlich befand. Diese "Nebenschauplätze" haben nach meinem Empfinden zu stark von der sehr gut, persönlich und emotional vermittelten Geschichte abgelenkt, auch wenn diese zeigen, dass das Loslassen-Können selbst unter erschwerten Bedingungen von zentraler Bedeutung ist. Insgesamt ist es ein Roman, der mit seinen wesentlichen Fragen betrifft, berührt, aber auch brüskiert und über den vielseitig diskutiert werden kann.

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  • Rezension zu "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    glorana

    glorana

    13. September 2012 um 22:49

    Marvin Abel durchlebt schreckliche Zeiten. Er liegt in der Badewanne und probt den Tod, das Sterben. Die Diagnose heisst Hirntumor, ein Glioblastom ist daran Schuld. Er, der bis jetzt ein erfolgreiches Leben genossen hat, kommt ins Krankenhaus und muss sich einer Chemotherapie unterziehen. Von da an ist nichts mehr so, wie es war. Alles wird für ihn zum Rätsel. Die Menschen, die ihn besuchen, belasten ihn mir ihren Sorgen und Ängsten und behandeln ihn so, als würde er ja soweiso morgen sterben, seine Frau, die zu sehr mit sich beschäftig ist. Bis er zum Schluss hin Friede findet, nicht nur mit sich selbst. Marvin macht eine Entwicklung durch und startet durch: er verlässt das KH und will vieles verändern. Ein Roman, der bewegt und uns zeigt, dass das loslassen manchmal sehr wichtig ist. Die Autorin hat das letzte Kapitel sehr gut geschrieben und diese Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Sterben gut aufgearbeitet; Marvins Visionen und seine Gedanken zeigen uns, dass beim Kampf gegen den Krebs das „Nicht-mehr-Kämpfen-müssen, diese Weisheit, dem Kranken beim loslassen hilft. „Wenn du an nichts festhälst, kannst du auch nichts verlieren.“ Also lass los.. Diese vielen Gedanken, die man eigentlich nur haben kann, wenn man mal selber betroffen war, haben mich aufgerüttelt und mir Mut gemacht, denn er lässt Gedanken zu, die man manchmal lieber nicht haben möchte. Ein wunderbares Buch...

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  • Rezension zu "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    HoDa

    HoDa

    11. September 2012 um 08:31

    Marvin ist an einem Gehirntumor erkrankt. Sein Leben war vorher wirklich gut,er verdiente viel Geld,Frau und Tochter an seiner Seite. Doch alles sollte sich mit dieser Krankheit ändern.... Wir begleiten Maevin hier vom Anfang der Krankheit,bis zum Ende. Wir erleben seine Höhen und Tiefen,sehen ihn allein gelassen im Krankenhaus,von der Frau vernachlässigt und betrogen! Abe es ist nicht das Geschehen um ihn herum,was hier im Mittelpunkt steht,es sind seine Gefühle und Gedanken,die hier so anschaulich beschrieben sind,das man automatisch in die Marvin Rolle schlüpft! Aber das ist nicht leicht zu verdauen,und so oft,hätte ich ihn gerne in den Rollstuhl gesetzt,und ihn aus dem Krankenhaus geschoben,in dem er sehr viel Zeit verbracht hat,und das hat ihn oft bis an seine Grenzen gebracht. Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Es hat das gewisse etwas,weil man gebannt verfolgt was passiert,und es nicht aus der Hand legt. Aber es liegt mir noch heute schwer auf der Seele,und das wohl eher,weil es so realitätsnah ist.

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  • Rezension zu "Der Tod kann mich nicht mehr überraschen" von Heike Vullriede

    Der Tod kann mich nicht mehr überraschen
    Alari

    Alari

    Dieses Buch ist schonungslos und ehrlich. Natürlich ist es ebenso traurig und hin und wieder lächelt man auch erfreut, aber schonungslos und ehrlich sind die Attribute, die mir nach dem Lesen als erstes in den Sinn gekommen sind. Man wird von Kopf bis Fuß in Marvins Lage versetzt, in seine Gedankenwelt, die sich fast pausenlos um seine Krankheit und seinen drohenden Tod dreht, und erlebt, was Marvin wiederfährt. Und das ist selten etwas Gutes. Während dem Lesen war ich abwechselnd deprimiert, habe mich aufgeregt, war völlig schockiert und musste dann wieder lächeln. Es ist eine einzige Gefühlsachterbahn, die mich aber letzten Endes erstaunlich zufrieden zurückgelassen hat. Bei einem solchen Thema passiert es sehr leicht, dass die Geschichte zu deprimierend und dadurch schwer zu lesen ist oder andersherum kann es auch sein, dass sie zu „flapsig“ wird. Aber hier finde ich, dass die Autorin ziemlich genau die Waage getroffen hat. Es ist ein Buch, das zwar vielleicht nicht angenehm, aber dennoch wert ist, gelesen zu werden.

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