Heiko Michael Hartmann MOI

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 2 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(2)
(0)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „MOI“ von Heiko Michael Hartmann

Europa im Jahre null. Das Eurogeld hat die gute alte Mark ersetzt und damit einen neuen unbekannten Virus in Umlauf gebracht. Ausgerechnet der 50-Euro-Schein ist zum Herd einer grausamen Krankheit geworden: MOI. Heiko Michael Hartmann beschreibt in seinem Erstlingsroman diese futuristische Krankheit: schnell, schwarz und sprühend von sprachlicher Komik.

Stöbern in Romane

Leere Herzen

Konnte mich nicht überzeugen

dartmaus

Die Lichter von Paris

Ganz nett, aber mehr nicht.

sanrafael

Mudbound – Die Tränen von Mississippi

Mitreißendes Buch über Rassismus.

EmmaBunny

Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12

Zutiefst menschlich sind diese tollen Erzählungen, die einen inne halten lassen.

talisha

Lied der Weite

Was ist ein gelingendes Leben? Warmherziger Roman um diese Frage; Figuren, die man mit nach Hause nehmen möchte. Großartig!

alasca

Die Hauptstadt

Geistreich, ja, stellenweise amüsant, aber zu großen Teilen zäh und verzettelt. 3-4 Sterne.

Apfelgruen

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Grandioser Roman über Menschen und Geld

    MOI

    VeraPestel

    22. August 2014 um 10:23

    MOI, das bedeutet in Finnland HALLO, in Frankreich ICH und bei Heiko Michael Hartmann ist es ein Virus, Bedeutung Maladie d'Origine Inconnue, wörtlich Krankheit mit unbekannter Herkunft. So ganz unbekannt ist die Herkunft nicht, es wird spekuliert, von Baumwollfeldern gesprochen, aber wichtiger als die Herkunft des Virus ist der Virus selbst und seine Verbreitung. Die geschieht durch die neuen 50-Euro-Scheine, eine Krankheit des Geldes, Synonym für die Gier, die Macht, Banker sind betroffen, die täglich mit Geld zu tun haben. Bei Hartmann ist es so, dass es die Kleinen trifft, die nichts dafürkönnen und bei dem großen Spiel nicht mitspielen. Die Oberen werden verschont, sie treten höchstens als Besucher im Krankenhaus auf, um ihr Mitgefühl zu zeigen und ihr Image zu wahren. Die Oberen arbeiten nur mit Zahlen, nicht mit Scheinen wie der Banker an der Kasse oder der Kioskbesitzer, der nur seine kleine Existenz hat.   Hartmann setzt Fred Openkör als Erzähler ein, um uns zu beschreiben, was mit den Infizierten geschieht. Heilbar ist die Krankheit nicht. Das Virus zerstört. Bläht die Körper der Erkrankten auf, beginnt mit den Extremitäten, sodass diese mit der Zeit amputiert werden müssen und ein Restrumpf bleibt, der trotz allem immer noch Mensch ist. Am Ende wartet der P-Raum, vor dem sich alle fürchten, von dem nur geraunt wird, der aber unausweichlich ist. Trotz der Grausamkeit der Erkrankung leiden wir nicht mit. Das verhindert Fred Openkör, der uns akribisch an seiner Welt teilhaben lässt, und das ist nicht die Welt aller. Er ist ein Misanthrop, hat an allem etwas auszusetzen und nimmt jeden Charakter auseinander. Er erklärt uns nebenbei das System und demontiert alles bis hin zur Demokratie, nichts verschont sein sich fortwährend rotierendes Denken und oft genug hält man beim Lesen inne, weil die Aussagen scharf und treffend auf den Punkt kommen. Noch nicht mal als Restrumpf kann er leiden oder Empathie empfinden, noch nicht mal für sich selbst. Deshalb ist er der Einzige, der Weihnachten keinen Besuch bekommt, weil er gnadenlos ehrlich ist im Gegensatz zu seinen Zimmergenossen. Die interessieren sich hauptsächlich für leichte Kost, für das Fernsehprogramm, als hätten sie noch ewig zu leben. Das Fernsehen begleitet sie bis zum bitteren Ende, bis in den P-Raum. Das Pflegepersonal kommt umgangssprachlich und halb verschluckt daher, auch in der Schreibweise, eben genau aufs Maul geschaut, auch um abzugrenzen, dazwischen plärrt die Werbung aus dem „Fernsäa“. Das Szenario, das Hartmann aufbaut, wirkt so echt, dass einem schlecht werden kann, wenn man sich diese verbliebenen Fleischklumpen vorstellt. Sie existieren extrem reduziert. Wache Phasen und Delirien wechseln sich ab. Das Virus bläht auch das Gehirn. Openkör fantasiert, überschlägt sich, seine Nase wird zum Sexualorgan und verhilft ihm zur Befriedigung, doch vor dem Bett steht nur eine Studentin, weder hübsch noch attraktiv, und klemmt eine neue Infusion an. Wir erleben diese Delirien dicht gepackt. Hartmann verschachtelt gekonnt mehrere Sätze in einem, ohne dabei stakkatohaft zu werden. Ein Wort schon kann die Bedeutung und den Fortgang des Satzes verändern. In seinen letzten Tagen beschäftigt sich Openkör ganz mit dem ICH und dessen Bedeutung, MOI gleich ICH. Es endet mit vielen Feststellungen wie: „Das ICH ist da, und es kann mir niemals genommen werden, weil ich es selbst bin.“   Dieser Roman wurde im Jahr 1997 veröffentlicht. 1996 erhielt er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt das 3sat-Stipendium. Alt oder gar überholt ist der Roman keineswegs. Ich habe ihn damals wie heute leidenschaftlich gelesen, ich wollte noch einmal den aggressiven Gedanken des Fred Openkör folgen. Wir sollten uns viel mehr Gedanken machen. In die Tiefe gehen und mehr fragen. Nichts hinnehmen. Und Hartmann lesen. Unbedingt.   Autorisierte Lesung hier:Vielen Dank an den Autor und den Hanser Verlag!

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks